Dachformen im Überblick

Pultdach, Satteldach, Walmdach, Mansarddach, Sheddach, Schleppdach – haben Sie noch den Überblick? Wir verschaffen Ihnen in einem kompakten Artikel einen Überblick zu den wichtigsten Dachformen. Damit Sie bei Ihrem Architekten oder am Stammtisch kundig mitreden können, geben wir zusätzlich einige historische Informationen zum Dachstil und zu den Vor- und Nachteilen der Dachbauweisen an.

Pultdach: Vom Industrie- in den Wohnbereich

Pultdach

Pultdächer kommen eigentlich aus der Industrie, früher deckte man vor allem Garagen und Lagerhallen mit den geneigten Dächern ab. In den letzten Jahren setzten sich die schrägen Dächer aber auch im Wohnbereich durch – vor allem weil sie sich gut zur Installation von Photovoltaik-Anlagen eignen.

Prinzipiell ist ein Pultdach ein "halbes Satteldach": Die obere Kante nennt man auch hier First, die untere Kante Dachtraufe. Hier wird auch die Regenrinne montiert. Üblicherweise wird die Dachkonstruktion durch ein leicht geneigtes Sparrendach realisiert. Gegenüber Flachdächern bieten sich viele Vorteile: Das Dach kann mit Ziegeln gedeckt werden und das Regenwasser fließt ab. Trotzdem wird der nutzbare Wohnraum kaum eingeschränkt.

Satteldach: Der Klassiker in unseren Breiten

Satteldach

Das Satteldach ist genau das, was ein Kind malt, wenn es ein Dach zeichnen soll. Klassisch und mit vielen Vorteilen überlebt das Satteldach auch die Architekturtrends des 21. Jahrhunderts. Die Konstruktion des Dachs wird als Sparren- oder Pfettendach ausgeführt (was das ist: siehe Artikel Dachkonstruktion). Durch die Variation des Dachwinkels ist eine Vielzahl an unterschiedlichen Dachneigungen und Traufhöhen möglich.


Der einfache bauliche Aufbau des Dachs und die große Stabilität sprechen auch heute noch für die Installation eines Satteldachs. Abhängig vom Dachwinkel haben Satteldächer übrigens unterschiedliche Bezeichnungen: 

  • unter 30° Dachneigung spricht man vom "flachen Satteldach"
  • ab 45° spricht man vom "Neudeutschen Dach" oder vom "Winkeldach"
  • ab 62° spricht man vom "Gotischen Dach" oder "Altdeutschen Dach"
  • bei 60° (Gleichseitigkeit des Dachs) spricht man vom "Altfränkischen Dach" oder "Altfranzösischen Dach"

Walmdach: Erste Wahl für freistehende Häuser

Walmdach

Das Walmdach ist ein Satteldach mit geneigten Giebelflächen. Insbesondere bei Bauernhäusern im süddeutschen und alpinen Raum anzutreffen, mindert es die Angriffsmöglichkeit von Wind und Wetter. Auch die Dachkonstruktion sieht robust und herrschaftlich aus. Die beiden seitlichen Giebelschrägen bezeichnet man als Walm. 


Bei Walmdächern, deren Walm nicht bis auf die Traufhöhe (die Höhe der Dachrinne) heruntergezogen wird, spricht man von einem Schopfwalm oder auch Krüppelwalm. Hier bleibt ein trapezförmiger Restgiebel erhalten.

 

Wenn der untere Teil des Dachs abgewalmt ist, spricht man von einem Fußwalm. Ein typisches Beispiel für diese Bauweise ist eine chinesische oder koreanische Pagode.

Mansarddach: Für mehr Nutzraum im Dach

Mansarddach

Mansarddächer sind ursprünglich eine französische Erfindung: Der Name geht auf die Architekten François Mansart und Jules Hardouin-Mansart zurück, die im 16. und 17. Jahrhundert diese Form des Dachs erfanden und zunächst in Paris populär machten. Ursprüngliches Motiv des Mansarddaches war eine Verringerung der Grundsteuer, die damals nach Vollgeschossen bemessen wurde. So konnte im Dach ein zusätzliches, voll nutzbares Stockwerk eingebaut werden – ohne es steuerlich berücksichtigen zu müssen.

In Deutschland findet man diese Dachform insbesondere bei alten Häusern auf ehemals preußischem Gebiet, eine Renaissance erlebte das Mansarddach in den 1980er und 1990er Jahren.


Nachteile
eines Mansarddaches sind die schlechteren Möglichkeiten zur Photovoltaik und die aufwändigere Dachkonstruktion. Auch die Stabilität ist bei einem Mansarddach prinzipbedingt etwas geringer. Zudem sind Mansarddächer in der Regel etwas teurer.

Sheddach: Lichter, luftiger Industrieklassiker

Sheddach

Sheddächer werden seit jeher gern für Fabrikhallen verwendet. Prinzipiell stellen sie eine Folge von einzelnen Pultdächern dar, deren Fläche unterhalb des Firstes verglast werden kann und so Frischluft und Licht in den Innenraum bringt.

Der Begriff "Sheddach" leitet sich wahrscheinlich vom englischen Begriff shed für "Schuppen" ab; insbesondere in England prägt diese Dachform das Bild der Fabriken aus der industriellen Frühzeit.

Ein Sheddach erlaubt die blendfreie Ausleuchtung des Innenraums ohne Schlagschatten; in der Regel werden die verglasten Dachzwischenflächen nach Norden ausgerichtet. Zudem muss eine Halle mit Sheddach weniger abgestützt werden, die Konstruktion ist sehr stabil.

Nachteilig machen sich Dichtigkeitsprobleme bemerkbar, die oft schon nach wenigen Jahren auftreten. Insbesondere in den Randbereichen treffen viele Materialien aufeinander, die nicht immer harmonieren (Kontaktkorrosion etc.) Abhilfe schafft hier die Verwendung spezieller Profilplatten und die Abdichtung mit Flüssigkunststoffen.

Schleppdach: Schuppen und Vordach inklusive

Schleppdach

Insbesondere an Bauernhäusern hat sich das Schleppdach über die Jahrhunderte bis heute gehalten. Entweder wird es von vorn herein als Teil des Hauptbaus geplant, beispielsweise als Vordach oder Eingangsbereich, oder nachträglich auf einen Anbau ausgeweitet.

Ein Schleppdach integriert Anbauten sehr harmonisch in den Hauptbau. Bei stumpfen Dachwinkeln kann in seltenen Fällen beim geschleppten Dach dieselbe Neigung beibehalten werden; in der Regel fällt die Neigung des Anbaudachs geringer aus, um eine ausreichende Traufhöhe zu erzielen.

Schleppdächer eignen sich an modernen Häusern hervorragend zur Unterbringung von Carports; nur eine Seite des Carports muss dann befestigt werden, die andere wird ans Haus gestützt.

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