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Nicht gleich entsorgen, so der Tipp der Denkmalpfleger zu alten Holzfenstern, auch wenn sie undicht und unansehnlich geworden sind. Die meisten sind noch zu retten und in puncto Wärmeschutz zu verbessern.
Sie sind kein Geheimtipp mehr: Baumärkte, in denen man ausschließlich Dachziegel, Türen, Geländer von anno dazumal findet – nach einer Überholung fertig zur Wiederverwendung. Und Fenster, meist aus Holz, vom Vorbesitzer entsorgt weil nicht mehr ansehnlich. Stattdessen hat er nagelneue eingebaut, die vielleicht billig waren, dafür die Fassade verschandeln, die Denkmalpflege auf den Plan rufen und noch ein paar andere Probleme schaffen.
Werden in einen Altbau, vielleicht sogar ein Fachwerkhaus, moderne Isolier- oder Wärmeschutzfenster eingesetzt, so haben die Fensterflächen unter Umständen plötzlich bessere Dämmwerte als die Wandflächen, sprich: sie sind nun wärmer. Die Feuchtigkeit der Raumluft kondensiert nicht mehr an den Scheiben, sondern unsichtbar an der Wand. Erst der Schimmelpilz zeigt, dass hier etwas falsch läuft. So ist es auf lange Sicht oft besser, die alten Fenster zu erhalten. Erst wenn mehr als 20 Prozent der Substanz marode sind, sollte man über den Austausch nachdenken.
Historische Gebäude wie zum Beispiel Fachwerkhäuser müssen mit Rücksicht auf ihre spezielle Bauphysik renoviert werden, das gilt auch für die Fenstererneuerung. Das hölzerne Fachwerk und die Füllung aus Lehm vertragen keinerlei diffusionsdichte Baustoffe. Wird das neue oder sanierte Fenster eingesetzt, sind zum Beispiel zementhaltiger Mörtel zum Ausfüllen der Laibung und das Abdichten mit Montageschaum unzulässig. Lehmmörtel sowie organische Dämmstoffe, aus Kork, zum Stopfen geeignete wie Wolle, Hanf oder Flachs, vertragen sich dagegen bestens mit historischer Bausubstanz.
Holzfenster bestehen, grob vereinfacht, aus dem Blendrahmen, der in die Laibung eingesetzt wird, und dem Flügelrahmen, der die Scheibe hält. Erfahrungsgemäß leiden die unteren Partien des Flügelrahmens am ehesten unter der Witterung. Das sind der waagerechte untere „Wetterschenkel”, auch „Wasserwange” genannt, sowie die Übergänge zu den (senkrechten) Höhenschenkeln. Regenwasser gelangt durch Risse in der Farbschicht ins Holz. Der Wetterschenkel ist schräg ausgebildet, um Regenwasser von der Scheibe weg zu führen. Trotzdem: durch spröden Kitt dringt auch hier Feuchte ein und wirkt „auf ganzer Breite” verheerend.
Aufschluss über den Verbund von Glas und Rahmen gibt die Klopfprobe. Mit den Fingern sachte gegen die Scheibe trommeln – sitzt sie locker, ertönt ein schepperndes Geräusch. Der tatsächliche Zustand des Holzes zeigt sich, wenn man Farbe und Kitt entfernt hat. Oft wird es nicht einmal nötig sein, den Flügel auszubauen. An den betroffenen Stellen muss das schadhafte Holz entfernt und durch Zwei-Komponenten-Füllmasse ergänzt werden. Die manchmal recht kunstvollen Variationen der Profilierung werden einfach nachmodelliert, sodass nach dem Überstreichen kein Unterschied zu bemerken ist. In größere Fehlstellen setzt man Holz der selben oder einer vergleichbaren Sorte ein. Wird anschließend der Anstrich erneuert, sollten es für Fenster auf den Sonnenseiten des Hauses eher helle Töne sein, die ein Erhitzen in der Sonne verhindern.


Mit relativ einfachen Mitteln kann man ein Holzfenster darüber hinaus wärmetechnisch aufpeppen. So wird zum Beispiel in den Blendrahmen umlaufend eine Silikon-Schlauchdichtung eingefügt, die die Lüftungswärmeverluste spürbar reduziert. Durch Ansetzen eines zweiten Fensters auf der Innenseite (Ergänzung zum Kastenfenster) erreicht der Wärmeschutz beinahe modernes Niveau.
Sollte alles zu spät sein, empfehlen sich Replikate, von Fachfirmen nach den Originalen hergestellt, einschließlich der Beschläge. Es sei denn, man kann die alten noch verwenden. Nur auf den ersten Blick die teuerste Lösung: Nachbildungen bieten auf die Bausubstanz abgestimmten Wärme- und Schallschutz und können auch vor den strengen Augen der Denkmalpfleger bestehen.
Der voraussichtliche Wärmeverlust eines Fensters wird über seinen Uw-Wert berechnet. Er gibt an, wie viel Watt Energie in einer Stunde hindurch gelangt, wenn das Wärmegefälle von einer Seite zur anderen genau ein Grad Kelvin beträgt.
In einer Studie VFF, des Verbandes der Fenster- und Fassadenhersteller, werden den vier häufigsten Typen von Fenstern jeweils folgende durchschnittliche Werte zugeordnet:
Fenster mit Einfachverglasung 4,6 W/m2K
Verbund- und Kastenfenster 2,4 W/m2K
Fenster mit Isolierverglasung: 2,6 W/m2K
Fenster mit Wärmedämmverglasung (Low-E) 1,8 W/m2K und besser
Achtung: In denkmalgeschützten Gebäuden gelten die strengen Wärmeschutz-Vorgaben der EnEV, der Energie-Einspar-Verordnung, zum Teil nicht. Werden Kastenfenster eingebaut, müssen jedoch die neuen Scheiben eine Wärme reflektierende Beschichtung besitzen.
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