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Sie müssen etwas hermachen, sollen einiges aushalten und dürfen nicht zu viel kosten, nach diesen Kriterien sind Bodenbeläge lange Zeit ausgesucht worden. Bis man allmählich auf die problematischen Inhaltsstoffe aufmerksam wurde, die nicht erst im Brandfall, sondern bereits vom Einbau an und rund um die Uhr an die Raumluft abgegeben werden. Und das nicht zu knapp – schon wegen ihrer großen Oberfläche haben Bodenbeläge entscheidenden Einfluss auf die Wohngesundheit. Gerade Familien mit Kindern im Krabbelalter sollten darauf achten, sich nicht etwa eine Schadstoffquelle ins Haus zu holen. Besser ist es, im Zweifelsfall ein paar Euro mehr zu investieren.


Durch die Arbeit von Baubiologen und Verbraucherschützern sind wir seit Längerem für das Thema der Wohngifte sensibilisiert, lassen uns jedoch trotzdem immer einmal wieder von vermeintlichen Schnäppchen überzeugen. Die Wohngesundheit sollte uns jedoch etwas mehr Aufwand wert sein. Zumal es tatsächlich ohne die bedenklichen Zusätze geht. Man findet solche „genießbaren“ Produkte, indem man gezielt nach Prüfsiegeln und Prüfzeichen sucht. Der Haken bei der Sache ist ihre schiere Menge sowie die unterschiedliche Qualität wie Reichweite. Zum Teil stammen die Siegel von Hersteller-Organisationen, einige beziehen sich nur auf bestimmte Produktgruppen. Bodenbeläge ohne das bekannte Ü-Zeichen (Übereinstimmungszeichen) des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt), in Verbindung mit dem europäischen CE-Zeichen (Conformité Européenne), sollte man von vornherein aussortieren.
Ansehnlich, robust, pflegeleicht, vielleicht nicht billig, aber preiswert, das geht am Ende doch noch unter einen Hut.


Zuerst auffällig wurden PVC-Beläge, im unteren Preissektor angesiedelt und wegen ihrer geringen Dicke gerne für die Altbau-Modernisierung verwendet. Das Problem sind die reichlich enthaltenen Weichmacher, Phthalate, die zu den krebserregenden Stoffen gehören, zudem im Verdacht stehen, die Fortpflanzungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Der Mensch nimmt sie über den Hausstaub auf. Kinderspielzeug darf EU-weit keine Phthalate mehr enthalten. Wo an sich spröde Kunststoffe flexibel werden sollen, tut sich die Industrie jedoch schwer mit dem Verzicht, und so kommen sie immer noch in vielen Produkten vor, so in Rücken von Teppichböden.
Der „Klassiker“, mit der bekannteste Schadstoff, ist aber sicher Formaldehyd, als Bestandteil von Leimen, Klebern und als Konservierungsstoff sehr beliebt; er fällt in hoher Konzentration durch seinen säuerlichen Geruch auf. Formaldehyd reizt die Schleimhäute und die Atemwege, führt zu Kopfschmerzen und Mattigkeit, Konzentrationsschwäche, kann Allergien auslösen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft den Allrounder darüber hinaus als krebserzeugend ein. Er ist in größeren Mengen vor allem in Holzwerkstoffen enthalten, aus denen zum Beispiel Laminat oder Fertigparkett hergestellt wird. Klebstoffe geben zudem Formaldehyd ab, das mit der Zeit durch an sich gesunde, naturnahe Beläge wie etwa Massivholzparkett oder Dielen dringt und in die Raumluft gelangt. Selbst das an sich unbedenkliche Linoleum kann, ist es vorversiegelt, zur Schadstoffquelle werden. Gleiches gilt für versiegelte Korkböden.
Teppichböden und Wollteppiche werden außerdem zum Schutz vor Motten mit dem Biozid Permethrin behandelt, einem Nervengift. Es kann wie die Weichmacher über den Hausstaub in den menschlichen Organismus gelangen, wie gleichfalls die Flammschutzmittel, die in den Beschichtungen von Teppichrücken enthalten sind.

Bereits 2004 hat das „Aktionsprogramm für Umwelt und Gesundheit“ in Nordrhein-Westfalen (APUG NRW) Informationen zu den einzelnen Umweltzeichen in ausführlicher Form zusammengefasst, eine immer noch gültige Orientierungs-
hilfe: „Umweltzeichen für Bauprodukte. Bauprodukte gezielt auswählen – eine Entscheidungshilfe“, zu bestellen über das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW, Telefon 02 11/45 66-666 (oder per Download im Internet: www.apug.nrw.de).
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