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Sanierung einer Jugendstilvilla

Jugendstilvilla saniert
Sanierte Dresdner Jugendstilvilla

Dresden war im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine Stadt der Kunst und der Musik, die innerhalb ihrer Grenzen keine Fabriken und keine Schornsteine duldete. Prächtige Bauwerke prägten das Bild – darunter viele Jugendstilvillen.

Eine davon steht an einer Straßenecke nicht weit vom Südufer der Elbe, noch mit dem alten Baumbestand drumherum, jetzt auffällig unauffällig mit blassblauem Putz verkleidet. Errichtet in der Gründerzeit, verdankt sie ihre großen Fenster und die Anbauten, den Altan und die Dachterrasse einer späteren Überarbeitung im Geiste des Jugendstils.

Wir zeigen Ihnen eine renovierte, in neuem Glanz erstrahlende Jugendstilvilla mit allem modernen Komfort. 

Jugendstilvilla: Bauwerk mit Geschichte

Vor der Renovierung

1883 wurde die Villa errichtet – Architekturkenner merken an: Dies ist noch die Gründerzeit, nicht der Jugendstil. Der Umbau in eine "zeitgemäße" Jugendstilvilla erfolgte in den Jahren 1902 bis 1912, die nutzbare Wohnfläche beträgt heute 363 m². 

Zu DDR-Zeiten wurden Haus und Grundstück in mehrere Wohneinheiten geteilt, um der grassierenden Wohnungsnot zu begegnen. Wie im real existierenden Sozialismus üblich, blieb die bauliche Pflege der historischen Villa aus – 1989 war der Zustand mehr als beklagenswert.

Doch die Villa hatte Glück: 1996 haben Jenny Huster und der Architekt und Designer Frank Huster, dessen Vater aus Dresden stammt, die Immobilie für sich und ihre Kinder erworben und saniert, 14 Jahre danach gaben sie sie wieder ab, um an ihren vorherigen Wohnsitz bei Stuttgart zurückzukehren.

Nachhaltige Sanierung mit Funktionalität

Nachhaltigkeit, Ökologie und Funktionalität prägten die Sanierung des Jugendstil-Kleinods: Insbesondere hinsichtlich Lüftung und Klimatisierung war man aber bereits vor 100 Jahren recht weit fortgeschritten.

Neben den dicken Ziegelwänden verraten bauliche Details Überlegung und Weitsicht: Einen Lüftungsgraben, zwecks Entfeuchtung ums Untergeschoss gezogen, hob man wieder aus. Neben ausgehängten Fenstern, Türblättern und Türzargen fanden sich in den Kellerräumen Reste des alten Sonnenschutzes, Holzlamellen an einem System filigraner Ketten, in der Art moderner Aluminium-Raffstores. Leider in miserablem Zustand, für Huster dennoch so bedeutend, dass er ihn nachbauen ließ.

Einige der Kastenfenster „mit ihren extrem zarten Profilen“ konnten repariert, andere mussten neu angefertigt werden. Wobei durchweg in die raumseitigen Flügelrahmen metallbeschichtetes Glas eingesetzt wurde, um den Wärmeschutz zu verbessern.

Da Außendämmung tabu war, wurde von innen mittels diverser Materialien isoliert, die inzwischen hierfür meist vorgezogenen Kalziumsilikatplatten waren noch nicht auf dem Markt. „Vor allem hat man die Bodenflächen gegen das Erdreich und die Decken der oberen Geschossräume sehr gut gedämmt, bei solchen Bauten eine gute Möglichkeit, den Wärmeschutz zu verbessern", freut sich der Restaurator.

  • Treppe
  • Portal

Jugendstil und Moderne - maßvoll und mit Geschmack kombiniert

Das Parkett konnte fast vollständig gerettet werden, in einem Raum aber hatte sich der Echte Hausschwamm eingenistet, Todesurteil für die betroffenen Hölzer. Teile der Wandvertäfelung waren vom Holzwurm befallen. Der Verfall betraf also mehr oder weniger nur die „Weichteile“ des Hauses und den Putz – jedoch nicht die Substanz. 

Das verwaschen wirkende Blau der Fassade rührt von Naturpigmenten im Putzmörtel. Es bildet einen wohltuenden Kontrast zu den grellen Farben der Nachbarhäuser. Frank Huster kann den Hang zu den deckenden, leuchtenden Anstrichen nicht verstehen, die überall Stadtlandschaften verunstalten, nicht nur in den neuen Bundesländern.

Die hier gewählte Farbgebung hat dabei jedoch ebenfalls Signalwirkung: Sie weist darauf hin, dass es dieses Mal anders gelaufen ist mit der „Hoch-Sanierung“. Geld wurde nicht investiert, um mehr Geld herauszuholen, sondern um ein lebenswertes Konzept zu verwirklichen.

Gebot des Restaurators war gestalterische Zurückhaltung angesichts gebauter Geschichte. Lediglich einige seiner eigenen Schöpfungen hat er dem Jugendstil an die Seite gestellt, soweit er sie als passend empfand, in Form von puristischen Massivholzmöbeln und ebensolchen Leuchten, aus Aluminiumstäben und satinierten Glasscheiben. Oder in Form der Badausstattung.

Moderne in Maßen, nur ein bisschen – nachahmenswert!

Jugendstil mit Elementen der klassischen Moderne
Klassische Moderne trifft Jugendstil: Mit Augenmaß eingesetzt und mit Geschmack ausgewählt sind moderne Elemente in Jugendstilhäusern eine echte Bereicherung.

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Atmobild: ©Thomas Max Müller  / pixelio.de

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