Das Dachgeschoss des 60er-Jahre-Hauses war kaum zu nutzen. Um modernen Wohnraum für die fünfköpfige Familie zu schaffen, musste eine moderne Dachaufstockung erfolgen. Umbau und Erweiterung erfolgten nach einem genauenPlan, hinter dem der kreative Kopf des Architekten Holger Pfaus steckt.

- Die Visualisierung zeigt das geplante Vorhaben.

- Der ursprüngliche Zustand des Hauses.
Das Haus liegt am Westufer des Starnberger Sees und wurde 1967 als Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung erbaut. Bereits im Sommer 2005 haben wir über Architekt Holger Pfaus und seine Familie berichtet. Während des ersten Bauabschnitts wurden die Erdgeschossräume neu aufgeteilt. Bereits damals kündigte der Architekt eine „Phase 2” an, bei der das Dach aufgestockt werden sollte. Doch dazu war eine Bebauungsplanänderung erforderlich.

- Abrissarbeiten am alten Dach, während die Familie weiter im Erdgeschoss wohnt.

- Die Wände des neuen Dachgeschosses werden aufgestellt.
Zuerst wurde das bestehende, flach geneigte, kaum nutzbare und bis dato ungedämmte Dach entfernt und eine neue Struktur in Holz aufgesetzt (Laternendach). Der konstruktive und energetische Ansatz hierbei war, einen mehrschaligen, leichten Aufbau mit dem vorhandenen Gebäudeteil zu verknüpfen, um so neue Räume zu schaffen, ohne weitere Flächen zu versiegeln.

- Die Wandelemente schweben per Kran exakt an die richtige Stelle.

- Ein Großteil des Innenausbaus wurde in Eigenleistung erledigt.
Der Entwurf ist geprägt durch die Inszenierung der „Lebendigkeit” des Werkstoffes Holz. Durch die sich abwechselnden liegenden und stehenden Fensterformate sind variierende Ausblicke auf die wechselvollen Stimmungen des Starnberger Sees und die umgebende Natur möglich. Eine horizontal verlaufende Lärchenholzverschalung strukturiert die Fassade und bindet die „tänzelnden” Fenster ein.
Die innere Struktur des Dachgeschosses definiert sich durch offene, lichtdurchflutete Räume mit vielfältigen und wandelbaren Raumstimmungen und natürlichen, „echten” Materialien und Farben, die durch ihre ureigene Beschaffenheit und Verarbeitung wirken können.
„Bei der Wahl der Materialien für die Wand- und Dachaufbauten war es mir wichtig, neben dem konstruktiven und energetischen Ansatz, ökologisch sinnvolle und nachhaltige Materialien zu verwenden, die ein sehr gutes und ausgewogenes Raumklima sicherstellen”, erklärt Holger Pfaus die wohngesunde und energiesparende Bauweise aus Holz.
Die neu entstandenen Räume definieren sich über klare Flächen, warme Farben und authentische Materialien. Horizontale und vertikale Anschlüsse sind stets durch Fugenausbildung und unter Berücksichtigung des Materials und dessen Eigenschaften zusammengefügt. Dies beugt zum einen, speziell bei dem „lebendigen” Grundbaustoff Holz, Rissbildung vor und vermittelt zum anderen dem Betrachter die Authentizität des Materials in seiner Ursprünglichkeit. So können die verwendeten Materialien in ihrer eingesetzten Form und Farbe durch Ihre Beschaffenheit und Struktur uneingeschränkt und ursprünglich wirken. Einbauschränke und in die Raumstruktur integrierte Möbelstücke (alles Eigenentwürfe) optimieren den funktionalen Ablauf.

- Die verschiedenen Fensterformate werden angeliefert und eingebaut.

- Hier werden die unterschiedlichen Positionen und Formen der Fenster gut sichtbar.
Die Raumabfolgen sind offen, fliesend und raumübergreifend. Ein offenes, lichtdurchflutetes Zentrum verbindet die neuen Flächen miteinander. Alle Räume bekommen mindestens von zwei unterschiedlichen Himmelsrichtungen Licht. So entstehen permanent neue Licht- und Raumstimmungen, die sich kontinuierlich durch die wandernde Sonne wandeln.
Eine, in Verbindung mit den sich wechselnden und „springenden” Fensterformaten „lebendige”, spannende Raumwirkung. Der Betrachter erlebt die Räume durch ihre eigene, innewohnende Struktur, die durch variable und flexible Elemente noch erweitert werden kann. So ist als Verbindungselement zwischen Bad und Schlafzimmer eine 5,5 m² große variable Wand aus Eiche integriert, wodurch das Bad wahlweise eingebunden oder separiert werden kann. Dadurch entstehen immer wieder neue Raumstrukturen und Raumstimmungen sowohl über das sich erweiternde natürliche Licht als auch über die sich wandelnde Raumgröße und Raumakustik.
Die natürliche Belichtung der Räume wird durch die „künstliche” Beleuchtung erweitert. Diese gliedert sich in funktional notwendige helle Grundbeleuchtung (Hochvolt Downlights), die durch eine Sekundärbeleuchtung (überwiegend Spotlicht und Punktbeleuchtung) ergänzt wird, um unterschiedliche Raumstimmungen und Strukturen zu erzeugen. Sämtliche Leuchten sind dimmbar, was das Spektrum der Lichtstimmungen erweitert und an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen lässt. Licht und Schatten können so sehr klar und prägnant ihre ureigene Wirkung entfalten.
„Im Zusammenhang mit der Dachaufstockung haben wir natürlich auch das Bestandsgebäude energetisch saniert und optimiert”, berichtet der Architekt. So wurde ein Vollwärmeschutz aufgebracht, der in Verbindung mit neuen Fenstern die Gebäudehülle mit den wärmetechnisch schlechten Ziegeln der 70er-Jahre optimiert. Weiterhin kam eine moderne Heizung mit Brennwerttechnik zum Einsatz. Diese Maßnahmen haben den Energieverbrauch des Gebäudes trotz der Wohnraumerweiterung durch die Aufstockung nahezu halbiert.

- Bei den Vorbereitungen für den Vollwärmeschutz.

- Hier packt auch der Nachwuchs mit an.

Perfekter Plan – perfekte Organisation
Der spannende Aspekt bei dieser Aufgabe – Bauen im Bestand – war der zeitliche Ablauf und die schnelle, lückenlose Arbeitsabfolge samt Abdichtung bzw. „Wiederdichtmachung” des Gebäudes gegen Regen. Eine zeitliche Verzögerung oder unkoordiniertes Vorgehen kann im Falle eines Regens große Schäden im darunterliegenden Wohnbereich verursachen. Da wir während der Bauphase das Erdgeschoss bewohnt haben, war es umso wichtiger, hier einen gesicherten, funktionierenden Ablaufplan zu haben. Ziel war es, innerhalb von drei Tagen das alte Dach zu entfernen und den neuen Aufbau so stehen zu haben, dass das Gesamtgebäude wieder „dicht”. Ist. Die Arbeiten erfolgten strikt nach diesem Plan, sodass Abriss des Bestandes und Aufbau der auf der Baustelle gelagerten Elemente Hand in Hand funktionieren konnten. Im Vorfeld habe ich die Wand- und Dachelemente in Größe (Transportproblematik) und Form (Detailplanung mit genau festgelegter Position der Fenster) entsprechend geplant und vorfertigen lassen, um ohne Zeitverzögerung und Komplikationen die straff organisierte Zeitachse einhalten zu können.
Baujahr: 1967
Umbauzeit: ca. 12 Monate wegen hohem Anteil an Eigenleistungen in der Ausbauphase
Bauweise: Holzständerbauweise
Wohnfläche vorher/nachher: ca. 140 m2/ca. 250 m2
Kosten: inkl. neuer Heizung, Vollwärmeschutz, Möbelanfertigungen und Einbauten
ca. 160.000 Euro
Architekt: Freier Architekt Dipl.-Ing., Dipl.-Ing. (FH) Fachrichtung Innenarchitektur, Holger Pfaus, Wilhelmshöhestr. 1, 82319 Starnberg, Tel.: 0 81 51/5 59 69-0, Fax: 0 81 51/5 59 69-1, Internet: www.architekt-HSHML.de

- Der Grundriss verdeutlicht, was an neuem attraktiven Arbeits-, Wohn- und Schlafraum statt des ehemaligen Dachbodens möglich geworden ist.