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Jede Region besitzt ihre Eigenheiten, was Mentalität, Kultur und damit auch die Bauweise angeht. Besonders deutlich wird das im Vergleich zwischen Süd- und Norddeutschland. Gerade im Zeitalter von Mobilität und Globalisierung scheinen Bauherren wieder Gefallen an Tradition zu finden.
Tradition bedeutet nichts anderes als die Überlieferung von Sitten und Gebräuchen. Betrachtet man regionaltypische Häuser genauer, erfährt man viel über den Lebensstil der Menschen und ihre Verbundenheit mit der Region. Daher wollen Traditionen behutsam gepflegt sein. Werden traditionelle, historische Baugestaltungsdetails respektiert, auch modern interpretiert, entsteht eine harmonische Verbindung zwischen Haus und Umgebung. Das größte Kompliment, das man Neubauten im traditionellen Stil machen kann, ist, dass sie den Eindruck erwecken, schon immer hier gestanden zu haben.
Drei Dinge sind beim Hausbau miteinander verknüpft: die Form, der Baustoff und die Landschaft. Alles zusammen bedingt eine Architektur, die von Region zu Region Unterschiede aufweist. Durch die wachsende Mobilität verlor der Zusammenhang von Baustoff und Region allerdings an Bedeutung – heute kann ein Haus aus Ziegeln fast überall gebaut werden. Früher herrschte dieser Baustoff in Gegenden vor, in denen viel Lehm und Ton vorhanden waren. Wo hingegen Wald die Landschaft dominierte, wurde überwiegend mit Holz gebaut. In Gebieten mit Schiefervorkommen setzte man diesen an der Fassade und auf dem Dach ein. Daraus resultierend haben wir im Alpenvorland viele Holzhäuser, im Bergischen Land und im Harz Schieferverkleidungen und in Feuchtgebieten Schilfdächer.
Aber Baustoffe sind nur ein Aspekt in der Architekturgeschichte. Auch die Landschaft und die Witterungsbedingungen spielen eine große Rolle. In regenreichen Gegenden ist es besser, ein steileres Dach zu errichten, damit das Wasser schnell ablaufen kann. Genauso sinnvoll ist ein flachgeneigtes Dach in schneereichen Regionen, um Dachlawinen zu vermeiden und den aufliegenden Schnee als Dämmung zu nutzen.
Neben den Witterungsbedingungen sollte die Dach- und Hausform auch die Integration des Bauwerks in die Landschaft berücksichtigen. So wirkt ein Hanghaus, das in die bestehende Landschaft integriert ist, harmonischer als wenn extra eine künstliche Plattform aufgeschüttet wird, damit das Gebäude ebenerdig steht. Denn nur so bleibt die Geländelinie erhalten und das Haus ist mit der Landschaft verwachsen.
Landhäuser im norddeutschen Stil zeigen sich mit rotem Klinker, weißen Giebeln und Dachuntersichten sowie Sprossenfenstern. Norddeutsche Fachwerktradition zeigt sich in Weiß im Gegensatz zur Farbgestaltung der Holzbalken im westfälischen oder thüringischen Raum. Typische Merkmale sind auch die profilierten Balkenköpfe und die steil geneigten Dächer. Traditionell gehören dazu Reet gedeckte Dächer. Mit Reet bezeichnet man das Schilfrohr, das im getrockneten Zustand zur Dacheindeckung verwendet wird. Am häufigsten findet man Reetdächer im Nord- und Ostseeküstenraum. In einigen Orten, wie z.B. Kampen auf Sylt, gibt es Satzungen, die die ausschließliche Verwendung von Reet vorschreiben. Das Reetdach hält im Sommer die Hitze ab und wärmt im Winter; es ist an den Seiten häufig weit herabgezogen. Die Strohbüschel werden in geschnürten Bündeln geliefert, auf den Dachbalken verteilt und dann mit einem feinfühligen Verfahren so ineinander geschoben und zurechtgestutzt, dass eine einheitliche, durchgehende Fläche von dickem Schilfrohr entsteht, die auch langdauernden Regen weitgehend abhält.


Die traditionell vor allem im Voralpenland verwendeten Hölzer stammen von einheimischen Fichten und Tannen. Die Fenster hingegen werden aus langlebigem Lärchenholz gefertigt, wer es historisch mag, setzt auf Beschläge aus Schmiedeeisen, Klappläden unterstreichen den Stil. Als Vorlage dienen die oberbayerischen Bauernhöfe. Typisch ist das Satteldach mit sehr breiten Dachüberständen, um die Fassade und gleichzeitig die breiten, meist blumengeschmückten Holzbalkone zu schützen. Das typische Fassadenbild zeigt im Erdgeschoss Putz und im Obergeschoss Holz. Beim sogenannten Waschlputz wird durch Bürsten den noch nicht trockenen Putzes eine lebendige Struktur erzielt.

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