Um bei der Grundrissgestaltung systematisch vorzugehen, müssen Sie verschiedene Aspekte beachten und klären: Neben der Größe, also der Wohnfläche geht es um die Raumaufteilung und um die Flexibilität dieser Aufteilung.

Zu groß sollte das Haus nicht geplant werden, weil dadurch Geld verschwendet würde. Zu knapp sollte der Platz allerdings auch nicht bemessen sein, ansonsten könnte Stress in der Familie baulich vorprogrammiert sein. Die meisten Häuser liegen zwischen 100 und 140 m2 Wohnfläche. Vergleichen Sie doch einfach mit Ihrer jetzigen Wohnsituation! Wo wird’s eng? Wo fehlt noch ein Raum? Muss man sich einschränken, wo tritt man sich gegenseitig auf die Füße? Falls Sie mit einer moderneren Ausstattung liebäugeln, dürfen Sie die Stellfläche für die neuen Möbel nicht vergessen. Apropos: Türen mit einem Mindestabstand von 65 cm von der rechtwinklig verlaufenden Nachbarwand einplanen, damit hinter der geöffneten Tür ein Schrank stehen kann.
Falls Sie bezüglich der Außenmaße Ihres Hauses eingeschränkt sind, wollen die Platzreserven im Untergeschoss und unterm Dach umso intelligenter genutzt werden. So bringt ein höherer Kniestock, der mit einer geringeren Dachneigung einhergeht, deutlich mehr Wohnfläche im Obergeschoss. Eine wohnliche Nutzung von Kellerräumen setzt vor allem ausreichend Tageslicht voraus. Bei einer Hanglage erreichen Sie dies mit großen Fenster an der herausragenden Front. Bei einem ebenen Bauplatz lassen Sie das Gelände vor der Kellerwand abschrägen – so erreicht Sonnenlicht das frei liegende Kellerfenster.
Denken Sie bei der Bedarfsplanung aber auch daran, dass nicht nur Wohnflächen benötigt werden, sondern auch Nutzfläche und ausreichend Stauraum. Bei nicht unterkellerten Häusern ist ein Hauswirtschaftsraum im Erdgeschoss unerlässlich. Darüber hinaus müssen weitere Stauflächen genutzt werden, wie beispielsweise der Raum unter Treppen oder Wandnischen. Der Drempel in den Dachzimmern kann durch eine kleine Tür zugänglich gemacht oder durch Einbauschränke in seiner ganzen Tiefe genutzt werden. Auch wenn Sie ein bis zum First hin offenes Dach wegen der tollen Ausblicke reizt – fragen Sie sich selbstkritisch, ob Sie auf den Spitzboden als Staufläche verzichten können.

Sie können die Räume auf einer Ebene anordnen – die Voraussetzung für barrierefreies Wohnen – oder auf mehreren Geschossen, hier kommen meistens zwei in Frage. Eine ganz klassische Variante, mit der die Mehrzahl der Familien gut zurechtkommt, lautet: im Erdgeschoss wohnen, im Dachgeschoss schlafen. Bei dieser Aufteilung befinden sich Küche, Esszimmer, Wohnzimmer, WC und Hauswirtschaftsraum im Erdgeschoss. Auf der oberen Etage folgen dann Elternschlafzimmer, ein oder mehrere Kinderzimmer sowie das Familienbad. Dieser Grundriss wird dem Bedürfnis nach einem „öffentlichen” und „privaten” Bereich gerecht. Allerdings gibt es auch noch eine Vielzahl von Varianten, die möglicherweise gerade Ihrer Familien- oder Lebenssituation besser entsprechen. Vielleicht planen Sie das Elternschlafzimmer lieber im Erdgeschoss ein, zusammen mit einem eigenen Bad, abgetrennt durch einen kleinen Flur. Dann hat der Nachwuchs ein ganz eigenes Reich unterm Dach.

Immer mehr Menschen arbeiten inzwischen ganz oder teilweise von zu Hause und benötigen hier ein professionelles Büro-Ambiente. Wenn Sie häufiger Kundenbesuch haben, spricht aus praktischen Gründen viel für ein Arbeitszimmer im Erdgeschoss oder bei Hanglage vielleicht sogar im Untergeschoss.
Grundsätzlich gilt: geizig mit Flächen umgehen. Wie ist das zu verstehen? Sparen Sie an so genannten Verkehrsflächen wie Dielen, Flure und Treppen zugunsten der eigentlichen Räume. Gleich in diesem Zusammenhang steht die Treppenfrage: Soll die Treppe in ein separates Treppenhaus oder in den Wohnbereich integriert werden? Die integrierte Treppe bedeutet zwar die offenere und damit modernere Bauweise, allerdings müssen Sie mit mehr Geräuschübertragungen im Haus rechnen. Wo Sie keinesfalls Geiz zeigen sollten, ist bei der Größe der Kinderzimmer. In vielen Standardgrundrissen findet sich leider immer noch das 16 m2 große Elternschlafzimmer neben dem knapp 10 m2 großen Reich für den Nachwuchs. Wo doch jeder weiß, dass im Kinderzimmer nicht nur geschlafen, sondern auch gespielt und gelernt wird und das Treffen mit Freunden stattfindet. Auch zeichnet sich ein familienfreundlicher Grundriss dadurch aus, dass ausreichend Raum für gemeinschaftliche Tätigkeiten vorhanden ist und gleichzeitig für jedes Familienmitglied ein ungestörter Rückzugsbereich bereitsteht.
Eine der Grundsatzentscheidungen betrifft die Frage nach einem offenen Grundriss oder separaten Räumen. Küche, Essplatz, Wohnbereich – alles geht fließend ineinander über, das bedeutet freie Sicht, ein großzügiges Raumgefühl und viel Licht. Diese offene Architektur liegt im Trend und findet sich bei den meisten Musterhäusern. Sie hat auch den Vorteil, dass man kleine Kinder während des Kochens vom Herd aus beaufsichtigen kann oder Gäste nicht alleine sitzen lassen muss, während man den Nachtisch zubereitet.
Andererseits, wie lange sind die Kinder so klein? Und möchte man Gäste immer an der Küchen-Unordnung teilhaben lassen? Sofabezüge und Vorhänge im Wohnzimmer profitieren auf Dauer auch nicht unbedingt von Küchendüften. Und wer im Wohnraum lesen oder fernsehen möchte, empfindet die offene Küche sicher auch manchmal als Lärmbelästigung.

Diese Fragen sollte also die ganze Familie gemeinsam klären, bevor man sich für ein offenes Erdgeschoss entscheidet. Als Kompromiss bietet sich eine optionale, situationsabhängige Abtrennung der Küche durch (Glas-)Schiebetüren an – das ist nicht nur praktisch, sondern auch schick. Offen wohnen heißt oft auch, die Treppe in den Wohnbereich integrieren. Wer zugunsten der Raumwirkung und -größe auf eine Tür zum Treppenhaus hin und einen Treppenflur verzichtet, nimmt damit auch eine gewisse Ungemütlichkeit und „Betriebsamkeit“ in Kauf, zum Beispiel, wenn die Teenager anfangen, Freunde mitzubringen und in ihr Zimmer zu lotsen. Fernseher und Stereoanlage oder gut gelaunte Gäste können dann auch die Kinder im oberen Stockwerk leichter um den Schlaf bringen. Genauso andersherum: Wenn die Teenieband oben rockt, kann’s unten nervig werden.

Wenn man bedenkt, dass ein Haus in der Regel mehr als 100 Jahre genutzt wird und auch der letzte Bewohner noch nach seinen Vorstellungen darin wohnen möchte, erstaunen die oft teuren und aufwändigen späteren Umbauten nicht. Deshalb sollte eine Neueinteilung jederzeit, schnell und einfach möglich sein. Alle Voraussetzungen für einen wandlungsfähigen Grundriss stecken bereits im Entwurf. Tipp: Größtmögliche Flexibilität bietet ein Haus im Lauf seines Lebens, wenn es mit einem Minimum an statisch erforderlichen Wänden auskommt. Wo zwischenzeitlich Trennwände nötig werden, können diese in Trockenbauweise erstellt werden. Achten Sie bei der Planung auf die Anordnung der Fenster, damit keine fensterlosen Kammern entstehen.
Doch nicht nur von Generation zu Generation muss sich das Raumkonzept ändern. Auch die Familiensituation der meisten Hausbesitzer unterliegt einem ständigen Wandel. Zunächst lebt ein junges Paar in den eigenen vier Wänden. Dann kommt das erste, das zweite und vielleicht sogar noch ein drittes Kind dazu. Aus den Kleinen werden Teenager und schließlich junge Erwachsene, die kaum noch erwarten können, das Elternhaus zu verlassen. Zurück bleiben zwei immer älter werdende Senioren. Klar, dass diese Beschreibung nur ein ganz grobes Schema darstellt und es in Wahrheit tausende unterschiedliche Situationen gibt, die aber – allen gemeinsam – auf Veränderungen reagieren müssen. Also soll auch das Haus „mitwachsen” oder sich gegebenenfalls zu einem späteren Zeitpunkt teilen lassen. Hier hilft beispielsweise ein separates Treppenhaus, um für die obere Etage einen eigenen Eingang zu schaffen. In kleinen Häusern müssen Räume zwangsweise auch mehrfach genutzt werden, weil der Platz für ein separates Büro oder Gästezimmer gar nicht vorhanden ist. Mit Regalen lässt sich z.B. eine Arbeitsecke vom Wohnbereich abtrennen. Gäste könnten auf einem Schlafsofa hinter einem mobilen Raumteiler nächtigen.
Hausangebote sind nur miteinander vergleichbar, wenn die Wohnflächenangaben auf dem gleichen Berechnungsmodus basieren. Generell legt man der Wohnfläche die Summe der Raumgrundflächen zugrunde. Grob überschlägig kann man rund 75 bis 80 Prozent der Grundfläche eines Hauses als Wohnfläche ansetzen. Zur exakten Wertermittlung einer Immobilie bedient man sich in der Praxis den Vorgaben Wohnflächenverordnung (WoFlV), ehemals II. Berechnungsverordnung, die allerdings nur für den öffentlich geförderten, preisgebundenen Wohnungsbau gilt.
Danach gehören Fenster und Wandnischen, die tiefer sind als 13 Zentimeter, sowie der Raum unter Treppen, sofern er zwei Meter hoch ist, zur Wohnfläche. Türnischen zählen nicht dazu, ebensowenig Treppen mit mehr als drei Stufen. Mit 50 % berechnet man nicht beheizbare Wintergärten. Beim Dachgeschoss kommt es auf die Höhe an: Bis zwei Meter Höhe zählt die Fläche zu 100 Prozent, zwischen ein und zwei Metern zu 50 Prozent. Flächen unter einem Meter Höhe dürfen nicht dazugerechnet werden. Garagen, Heizungs- und Hobbyräume, Waschküche usw. gelten nicht als Wohn-, sondern als Nutzfläche.
Immer wieder trifft man auch auf Flächenangaben nach der DIN 277, die allerdings als Basis für die Kostenberechnung im Hochbau geschaffen wurde. Dabei geht man von der Summe der Grundflächen aller Grundrissebenen aus und definiert die so genannte Nutzfläche. Diese Flächenberechnung kommt zu einer größeren Flächenangabe als die WoFlV. Achten Sie bei Flächenangaben also unbedingt auf die Berechnungsgrundlage.
Diese kleine Auswahl an Fragen zeigt Ihnen, wie Sie Raum für Raum bei der Bedarfsplanung vorgehen müssen. Setzen Sie die Fragen einfach mit Ihren individuellen Wohnbedürfnissen fort.
Wollen Sie eine kleine Arbeitsküche und einen separaten Essraum? Bevorzugen Sie eine Wohnküche, in der gleichzeitig gekocht und gegessen werden kann? Wünschen Sie sich ein repräsentatives Wohnzimmer (ca. 40 m2)? Genügt ein kleineres Wohnzimmer (im öffentlich geförderten Wohnungsbau werden 24 m2 vorgegeben)?Möchten Sie nutzungsneutrale Räume, d.h. Räume, die ungefähr gleich groß sind und immer wieder unterschiedlich genutzt werden können? Gefällt Ihnen ein offener Wohnbereich, z.B. auch mit Galerie?Oder favorisieren Sie separate Zimmer (mit naturgemäß besserem Schallschutz)?
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