Häuslebauer haben kein abstraktes Verhältnis zum „Bauprojekt“, die Nutzer sind sie selber, ihre Kinder, womöglich die Enkel. So stehen Wohngesundheit und Werthaltigkeit ganz vorne auf der Liste.
Architekten und Haushersteller haben in Reaktion darauf den ökologischen Hausbau auf ihre Fahnen geschrieben, doch nicht alle verfolgen ihn konsequent. Denn er stellt hohe Ansprüche. Ökologisch planen heißt nachfragen, nachrechnen: Woher kommen die Baustoffe, wie viel fossile Energie steckt in ihnen, welche Schad- und Giftstoffe geben sie ab, in welcher Phase ihres Lebenslaufs? Wohin mit ihnen, wenn ihre Zeit abgelaufen ist? Einige Materialien, wie zum Beispiel Polystyrol-Dämmplatten, setzen im Brandfall Hochgiftiges frei. Sanierung und Entsorgung sind ein teures Vergnügen. Ein Blick auf die Abfallverordnungen der eigenen Kommune verschafft Klarheit, kann allerdings erst einmal ernüchternd wirken. Die horrenden Gebühren und strengen Regelungen sind schnell erklärt: Auf den Deponien wird es zusehends eng.
Prüfzeichen helfen bei der Auswahl von Materialien.

Sehr viel unkomplizierter läuft es mit den meisten so genannten Naturbaustoffen, von der Wiege bis zu Bahre. Angefangen beim wieder stark gefragten Holz, bekannt für seinen positiven Einfluss auf das Wohnklima. Es kann Feuchte aus der Umgebung aufnehmen, zwischenspeichern und bei zunehmender Lufttrockenheit wieder abgeben, es sei denn, es wird mit Folien oder Lacken versiegelt. Die ökologischen Eigenschaften von Holzwerkstoffen aus Spänen oder Fasern hängen jeweils von den verwendeten Klebern ab, meist Harnstoff- oder Phenol-Formaldehydharze. Gasen sie zuviel Formaldehyd aus, sind sie eher eine Gefahr. Mithilfe von Zement und Magnesit gebundene Holzwolleleichtbauplatten für den Innenausbau sind hingegen unbedenklich.
Stammt das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft – auf das FSC-Label achten (siehe Kasten) – , ist die Ökobilanz ausgeglichen. Fensterrahmen und Türen aus Holz lassen gestalterische Freiheit und eignen sich hervorragend für Passivhäuser. Noch recht teuer ist Thermo-Holz, bei Temperaturen von um die 200 „gebacken“. Heimische Gewächse wie die Buche werden durch dieses Verfahren in eine höhere Widerstandsklasse befördert, vergleichbar mit einigen tropischen Sorten – wichtig im Außenbereich –, sind jedoch danach statisch weniger belastbar.
Weil er in hohem Maße Vorfertigung erlaubt, hat der Holzbau im 20. Jahrhundert wieder mehr und mehr Boden gutgemacht. Die Häuser sind schneller errichtet als Massivhäuser und müssen nicht trocken gewohnt werden. Wobei man hier neuerdings einschränken muss: In einige Neubauten zieht wieder das Massive ein, in Form von Lehm. Er hat es nicht weit bis zur Baustelle und wird ohne großen Energieeinsatz aufbereitet. Schalldämmende Lehmziegel für Wand und Boden, Dämmplatten in Verbindung mit Schilfrohrmatten, Mörtelmischungen für
jeden Zweck bieten sich an. Auch Lehmfarben, Putze, Bauplatten sind erhältlich. Der Baustoff aus der Grube leistet in Sachen Feuchteausgleich noch einmal deutlich mehr als Holz. Schon Lehmputzschichten von nur wenigen Millimetern Stärke bringen einen merkbaren, wohltuenden Effekt. Im Zuge der Aufnahme und Wiederabgabe filtert das Material außerdem Schadstoffe aus der Luft. Dank der hohen Rohdichte speichert Lehm Wärme, was sich gerade im Hochsommer angenehm bemerkbar macht. Einfache Verarbeitung und vielseitige Verwendbarkeit sprechen ebenso für ihn.
Direkt aus der Natur könnte man auch Gips beziehen, doch ist unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit der aus Rauchgasentschwefelungs-Anlagen gewonnene (REA-) Gips vorzuziehen. Reine Natur muss nicht immer die Nummer Sicher sein, siehe auch das Beispiel des in Faserform anstehenden Asbests. Feuerfest, säureresistent, gerne und vielseitig verwendet, dann Ende der Siebziger als krebserregend entlarvt.

Für beinahe alle Ecken und Enden des Hauses gibt es eine ökologische Alternative zu den konventionellen Dämmstoffen. Zur Isolierung der Kelleraußenwand kann Schaumglas eingesetzt werden, auch gegen drückendes Wasser gefeit, und größtenteils aus Altglas hergestellt. Neben weiteren Recycling-Produkten – etwa Zelluloseflocken und -matten aus Altpapier – sind Dämmungen aus Schilf, Holzwolle, Kokosfaser, Kork, Sisal sowie Jute und seit einiger Zeit solche aus Schafwolle, aus Flachs- und Hanffasern und sogar Dämmstoffe auf Getreidebasis zu bekommen. Man muss im Einzelfall beachten, über welche Zusätze die Dämmstoffe verfügen. So werden einige, wie zum Beispiel Zellulose, aus Brandschutzgründen mit Borsalzen behandelt, Matten aus Flachsfasern werden zum Teil mit Polyesterfasern verstärkt.
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