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22. April 2010
Villa zu verlosen
Der Unternehmer Karl Rabeder hat „Glück“ neu definiert. Er trennt sich von seinem Besitz, zieht in eine 2-Zimmer-Wohnung und bekämpft die Armut mit Kleinkrediten.

Traumhafte Lage in Tirol

Innenansicht der Luxusvilla

Ex-Millionär Rabeder
Eine Villa in Tirol, eine Luxuslimousine, mehrere Segelflieger – der Unternehmer Karl Rabeder (47) hatte alles, wovon andere träumen. Nur eines hatte er nicht: Zufriedenheit. Heute weiß er: „Geld macht nicht glücklich!“ Der Ex-Millionär trennt sich von seinem Besitz, um Menschen in Entwicklungsländern eine Existenz zu ermöglichen. Bereits 2004 verkaufte er seine Firma und unterstützte Waisenhäuser in Lateinamerika. Die Verlosung seiner Luxusvilla im Wert von 1,5 Millionen Euro soll nun das Kapital für MyMicroCredit bringen – eine gemeinnützige Organisation, die nach dem Vorbild von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus Kleinkredite an Arme vergibt. Mehr als 19.000 der insgesamt 21.999 Lose zu jeweils 99 Euro wurden bereits bestellt. Noch hat jeder die Chance, mit dem Loskauf Gutes zu tun.
Karl Rabeder hat seine Millionen mit der Produktion und dem Verkauf von Wohnaccessoires verdient. 1996 ließ er sich sein Traumdomizil in den Tiroler Bergen bauen. Das 2700 Quadratmeter große Grundstück liegt in unverbaubarer Hanglage mit weitem Blick über das Inntal und auf die Stubaier Alpen. Der Garten, ein luxuriöses Naturparadies mit Terrasse, Pavillon, Schwimmteich und Beachvolleyball-Platz, wurde von führenden Landschaftsarchitekten gestaltet. Auf 321 Quadratmeter Wohnfläche findet sich alles, was das Herz begehrt: ein Fitness- und Wellnessbereich mit Dampfbad und Sauna, mehrere Bäder, hochwertige Einrichtung aus Naturhölzern, eine Einliegerwohnung. Das Objekt wird mit seiner kompletten Ausstattung versteigert. Neben dem Lospreis entstehen dem Gewinner keine weiteren Kosten, etwa für Grunderwerbsteuer oder Eintragung im Grundbuch. Bis Februar 2010 wurden bereits mehr als 19.000 Lose zu je 99 Euro über die Website www.luxusvillatirol.at bestellt, 90 Prozent der Loskäufer stammen aus Deutschland. Die Überweisung erfolgt auf ein Treuhänderkonto, ein Notar überwacht die Ermittlung des Gewinners. Der Losverkauf endet, wenn alle Lose vergeben sind, spätestens jedoch im August 2010.
MyMicroCredit: Entwicklungshilfe mit Kleinkrediten
Noch bewohnt Karl Rabeder sein Anwesen, aber in Gedanken ist er schon bei seiner neuen Aufgabe. Den Erlös aus der Hausverlosung wird er – nach Abzug der Kosten und der Rückzahlung der Haus-Darlehen – in den weiteren Aufbau der von ihm gegründeten, Non-Profit-Organisation MyMicroCredit stecken. Der Verein mit Sitz in Österreich (Telfs) und Deutschland (München) bietet sozial engagierten Investoren aus Europa die Möglichkeit, armen Menschen in Lateinamerika Kleinkredite ab 25 Euro zur Verfügung zu stellen und ihnen so eine selbständige Existenz zu ermöglichen. „Schon 250 Euro reichen, um sich als Gemüsegärtner mit einem Folienhaus selbständig zu machen und eine Familie zu ernähren“, sagt Rabeder. Über das Internetportal www.mymicrocredit.org können gezielt einzelne Personen gefördert werden. Zahlreiche Projekte wurden so bereits erfolgreich finanziert – etwa eine Köchin aus El Salvador, die für 290 Euro Tische und Stühle kaufen konnte, damit sie in ihrem kleinen Restaurant mehr Gäste bewirten kann. Oder eine Gemüsehändlerin, die für 310 Euro das Sortiment ihres Verkaufsstandes für Gemüse, Mais, Reis und Bohnen erweitert hat. Der Kredit wird, im Gegensatz zu einer Spende, innerhalb eines Jahres zurückgezahlt und kann erneut vergeben werden. Die Zinsen aus den Krediten werden zur Deckung der Kosten der Partner-Mikrofinanz-Institute vor Ort verwendet.
Über die Kreditvermittlung hinaus fördert der Verein MyMicroCredit aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen die Aus- und Weiterbildung der Kreditnehmer in Lateinamerika. In verschiedenen deutschen Städten sollen außerdem lokale Gruppen entstehen, die Sozialen Investoren die Möglichkeit geben, sich in regelmäßigen Treffen auszutauschen. Rabeder: „Ich wünsche mir, dass sich MyMicroCredit zu einer großen Familie entwickelt, in der ein reger Austausch in alle Richtungen stattfindet. Ich sehe Entwicklungshilfe nicht als Einbahnstraße. Auch wir können von den Menschen, denen wir helfen, vieles lernen.“ Neben Firma und Villa wird sich Rabeder auch von anderen Besitztümern trennen. Wenn die Verlosung seines Domizils über die Bühne gegangen ist, will er mit 1000 Euro im Monat leben, eine 2-Zimmer-Wohnung in Innsbruck mieten und zwischen Europa und Südamerika pendeln.