Rettet das Fachwerkhaus!

Unsachgemäße Sanierung hat dem deutschen Fachwerk mehr geschadet als mancher Krieg, behaupten Fachleute. Sicher ist, dass Unkenntnis über die Bau­substanz weit verbreitet ist.

Meist bestehen Fachwerkhäuser aus dem namengebenden hölzernen Traggerüst und einer Gefachfüllung aus Lehm. Das Geheimnis der Haltbarkeit ist gerade die Fähigkeit beider Baustoffe, Feuchtetransport zuzulassen, in Form von Dampfdiffusion.

Luftfeuchtigkeit aus dem Inneren wird vor allem vom Lehm aufgenommen und an trockene Luft wieder abgegeben beziehungsweise nach außen transportiert. Die Fachwerkfassade kann Regenwasser bis zu einem gewissen Grad aufsaugen und später ebenfalls wieder abgeben. Noch dazu hält Lehm den Wasseranteil im Holz ziemlich konstant bei unter 15 Prozent, zu wenig für Schädlinge wie den Hausbock oder für Schimmelpilz.

Ein trauriger Anblick: Hier warten große Aufgaben auf den Sanierer. Foto: Verband Privater Bausparkassen

Diese Konstruktion von Holz und Lehm ist gefährdet, wenn die Fachwerkfassaden mit Materialien saniert werden, die die Diffusion behindern, stoppen oder den Taupunkt (der Punkt, an dem die Feuchtigkeit kondensiert) in das Fachwerk hinein verlagern.

Alukaschierte Mineralwolle, Styropor- und Styrodurplatten, Dampfbremsfolien oder Dampfsperren haben den ersteren Effekt, während generell zu große Materialstärken, die im Zuge der nachträglichen Innendämmung angebracht werden, den Temperaturverlauf in der Fachwerkwand verändern. Auf diese Art sammelt sich mehr Feuchte an als wieder entweichen kann: Zuerst sinkt der Dämmwert, dann wird das Holzskelett angegriffen. Entsprechend haben auf der Innen- wie auf der Außenseite Kunstharzputze und zementgebundene Putze sowie diffusionsdichte Farben nichts zu suchen. Darüber hinaus raten Fachleute von Tapeten ab, nicht nur von solchen mit Kunststoffanteil (Vinyltapeten).

Der Gesamteindruck nach der Renovierung muss stimmen – vom Fachwerk über Fenster bis zum Dach. Foto: Braas
Der Feind des Holztragwerks ist die Feuchtigkeit. Hier muss besondere Vorsicht und Kontrolle erfolgen. Foto: Caparol
Modernes Wohnen und alte Fachwerkfassaden müssen sich nicht ausschließen. Foto: Schüco

 

Vor der gründlichen Fachwerksanierung findet allerdings erst einmal die Bestandsaufnahme statt, zu der die Entnahme von Bohrproben im Fachwerk gehören kann. Das Ersetzen und Ausbessern muss mit den althergebrachten Baustoffen erfolgen.

Gut geeignet sind Fachwerkbalken aus der „Konkursmasse” anderer Häuser.Ist das Holz älter als siebzig Jahre, ist es für Insekten ungenießbar geworden. Ansonsten ist getrocknetes Eichenholz zu verwenden (neun bis zwölf Prozent Feuchteanteil). Schadhafte Stellen werden großzügig entfernt und die Ersatzstücke mit zimmermannsmäßigen Verbindungen ohne Metall eingepasst und befestigt, damit die Elastizität des Gefüges erhalten bleibt.

Schon die erste Bestandsaufnahme der Fachwerkkonstruktion sollte man zusammen mit einem Experten durchführen. Es gibt genug Zimmereibetriebe, die sich auf Fachwerkhäuser spezialisiert haben und ihre Erfahrungen durch Referenzen belegen können.

Fachwerk auch als Fertighaus

Holzfertighaus
© djd/Davinci

Noch heute zieren viele Fachwerkhäuser aus dem Mittelalter so manche Stadtbilder. So schön diese Häuser von außen anzusehen sind, innen ist der Raum meist sehr begrenzt, sowohl was die Größe, als auch die Höhe der Zimmer betrifft. Logisch, damals brauchte man zum Wohnen noch nicht so viel Platz wie heute. Wer Fachwerkhäuser liebt, auf eine ausreichende Größe aber nicht verzichten möchte, der kann sich die gute alte Zeit mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln ins 21. Jahrhundert holen: Denn moderne Fachwerkhäuser gibt es mittlerweile als Holzfertighäuser.

Die Gestaltung eines Fachwerkhauses von heute ist vielseitig. Jedes Haus basiert auf einem Konstruktionsraster von 1,15 Metern. Darunter versteht man die senkrechten Stützen und waagrechten Balken, die als sogenannte Binder ein Holzskelett bilden. Dieses kann ganz nach den Wünschen der Hausherren angelegt werden. So entstehen sehr große Räume, da Zwischenwände, die nicht als tragende Wände dienen, einfach weggelassen werden können, aber auch halbhohe oder sogar raumhohe Verglasungen sind möglich und durch Abschleppungen an den Traufseiten kann das Haus zudem erweitert werden.

Möchte man den Garten mit in den Wohnbereich integrieren, kann der Übergang durch Balkone, Dachüberstände, Pergolen, Glasfüllungen oder Blumenkästen nahezu fließend gestaltet werden. Landschaftsarchitekt Hans-Gerd Kleymann von Davinci Haus weiß: „Der Garten bestimmt das Lebensgefühl auch in den Innenräumen mit. Die Berücksichtigung der Jahreszeiten ist uns darum bei seiner Anlage besonders wichtig.

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