Dachformen im Überblick

Dachformen gibt es viele. Wir geben einen Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Dachformen, ihre Konstruktion, Geschichte und Tipps.

Die Form des Daches ist für die meisten Bauherren eine Entscheidung fürs Leben. Dabei müssen Bauvorschriften, individuelle Vorstellungen, der Stil des Hauses sowie die mögliche Nutzfläche des Dachgeschosses auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.

Die Entscheidung will gut überlegt sein, da die Dachform und die Dämmung des Daches eine enorme Auswirkung auf die energetische Bilanz des Hauses haben. Bis zu 30 Prozent der Wärme gehen im schlechtesten Fall nämlich über das Dach nach außen verloren.

Nach wie vor ragen vor allem Giebel- und Satteldächer in den Silhouetten vieler Städte hervor. Aber auch Flachdächer sind angesichts des Bauhaus-Booms immer häufiger. Der Vorteil eines Flachdachs: Die Räume der oberen Etage weisen keine Dachschrägen auf. Dadurch geht kein Platz verloren. Die Art des Daches trägt maßgeblich zur Energie- und Kosteneffizienz eines Hauses bei. Schon bei der Planung gilt es daher, die richtigen Weichen für eine energieeffiziente Zukunft zu stellen. 

Jede Dachform hat ihre Vor- und Nachteile. Deshalb sollte man sich beim Hausbau genau überlegen welche Dachformen in Frage kommen. Auch der Einbau von Fenstern sowie die geeignete Dachdämmung sollte bedacht werden. Je nach Aufwändigkeit der Fertigung sind Dächerunterschiedlich teuer, was in der Budgetplanung berücksichtigt werden sollte.

Satteldach: der Klassiker

Das Satteldach ist eine der klassischsten Dachformen. Mit vielen Vorteilen überlebt diese Dachform auch die Architekturtrends des 20. Jahrhunderts. Konstruktiv ist das Satteldach entweder ein Sparren- oder ein Pfettendach (siehe auch Dachkonstruktion). Durch die Variation des Dachwinkels ist eine Vielzahl an unterschiedlichen Dachneigungen und Traufhöhen möglich.

Der einfache bauliche Aufbau und die große Stabilität sprechen auch heute noch für diese Dachform. Abhängig vom Dachwinkel haben die Dächer übrigens unterschiedliche Bezeichnungen: 

  • unter 30° Dachneigung spricht man vom "flachen Satteldach"
  • ab 45° spricht man vom "Neudeutschen Dach" oder vom "Winkeldach"
  • bei 60° (Gleichseitigkeit des Dachs) spricht man vom "Altfränkischen Dach" oder "Altfranzösischen Dach"
  • ab 62° spricht man vom "Gotischen Dach" oder "Altdeutschen Dach"

Vorteile:

  • günstige und einfache Herstellung der Dachform
  • zeitlos und klassisch
  • bei Flacher Neigung können die Räume im Dachgeschoss optimal genutzt werden

Nachteile:

  • eine der gängigsten Dachformen
  • "nichts Besonderes"

Beispiele: Satteldach

  • Das Satteldach ist eine der klassischsten Dachformen. Sie ist immer noch beliebt bei Bauherren. Foto: Baufritz
  • Auch dieses rote Einfamilienhaus ist mit einem klassischen Satteldach ausgestattet. Es wurde als KfW-Effizienzhaus 55 realisiert. Foto: SchwörerHaus

Walmdach: für freistehende Häuser

Das Walmdach ist ein Satteldach mit geneigten Giebelflächen. Es wird insbesondere bei Bauernhäusern im süddeutschen und alpinen Raum verwendet – sie ist eine rustikale Version unter den Dachformen. Diese Dachform mindert die Angriffsmöglichkeit von Wind und Wetter. Es wirkt robust und herrschaftlich. Die beiden seitlichen Giebelschrägen bezeichnet man als Walm.

Bei Walmdächern, deren Walm nicht bis auf die Traufhöhe (die Höhe der Dachrinne) heruntergezogen wird, spricht man von einem Schopfwalm oder auch Krüppelwalm. Hier bleibt ein trapezförmiger Restgiebel erhalten.

Wenn der untere Teil des Dachs abgewalmt ist, spricht man von einem Fußwalm. Ein typisches Beispiel für diese Bauweise ist eine chinesische oder koreanische Pagode.

Vorteile:

  • robuste und stabile Dachform
  • ästhetische Optik
  • fügt sich gut in historische Stadtteile

Nachteile:

  • aufwändigere Herstellung und Eindeckung – somit eventuell höhere Kosten als beim Satteldach

Beispiele: Walmdach

  • Das Walmdach gehört wie das Satteldach zu den klassischen Dachformen. Sie eignet sich besonders gut für freistehende Häuser. Foto: BAUMEISTER-HAUS
  • Das Walmdach gibt dem Haus ein besonderes Aussehen. Foto: BAUMEISTER-HAUS
  • Dieses moderne Haus wird durch ein hübsches Walmdach abgerundet. Foto: FischerHaus

Pultdach: vom Industrie- zum Wohnbereich

Pultdächer kommen eigentlich aus der Industrie. Vor allem Garagen und Lagerhallen wurden mit den geneigten Dächern abgedeckt. In den letzten Jahren setzten sich Pultdächer auch im Wohnbereich durch. Durch die asymmetrische Form wirken diese Dächer sehr modern.

Prinzipiell ist ein Pultdach ein "halbes Satteldach": Die obere Kante nennt man auch hier First, die untere Kante Dachtraufe. Üblicherweise ist die Dachkonstruktion ein leicht geneigtes Sparrendach.

Vorteile gegenüber Flachdächern:

  • das Dach kann mit Ziegeln gedeckt werden
  • Regenwasser fließt ab
  • ideal für Photovoltaik-Anlagen

Beispiele: Pultdach

  • Das Wohnhaus "Maxime 400" wurde mit einem Pultdach gestaltet. Es wirkt modern und zeitlos. Foto: Viebrockhaus
  • Das Dach überzeugt mit asymmetrischer Form. Pultdächer sind gut geeignet, um Photovoltaikanlagen zu installieren. Foto: Viebrockhaus
  • Von hinten schaut das Pultdach ähnlich aus wie ein Satteldach. Foto: Viebrockhaus

Flachdach: volle Raumhöhe

Flachdächer sind spätestens seit dem Wiederaufkommen des Bauhausstils auch bei Einfamilienhäusern wieder modern. Kleine Bungalows oder große Stadtvillen – alle Häuser können mit einem Flachdach ausgestattet werden. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten. Das wichtigste ist die Abdichtung. Sie sorgt dafür, dass später keine Feuchtigkeit ins innere des Hauses gelangt.

Außerdem muss ein Flachdach gut gedämmt sein und einer höheren Belastung standhalten als geneigte Dächer. Im Winter beispielsweise muss ein Flachdach hohe Schneelasten tragen. Bei anderen Dachformen rutscht dieser einfach herunter. Deshalb sollte bei der Planung unbedingt auf die Statik geachtet werden.

Flachdächer sind begehbar und, sofern in die Hausplanung miteinbezogen, als Dachterrasseoder Dachgarten nutzbar. Flachdächer sind zudem energieeffizienter als Spitzdächer. Daher gelten Flachdächer als besonders umweltfreundliche und energie- und kostensparende Bauweise.

Vorteile:

  • modernes Design
  • volle Raumhöhe im Obergeschoss
  • Möglichkeit eines Dachgartens/einer Dachterrasse

Nachteile:

  • höhere Belastung für das Dach

Beispiele: Flachdach

  • Dieses moderne Haus mit Flachdach besticht durch kubische Form und kontrastreiche Farbgebung. Foto: FingerHaus
  • Flachdächer bieten viele Vorteile und werden gerne bei Bungalows und Häusern im Bauhausstil eingesetzt. Foto: GussekHaus

Mansarddach: mehr Nutzraum

Das Mansarddach ist ursprünglich eine französische Erfindung: Der Name der Dachform geht auf die Architekten François Mansart und Jules Hardouin-Mansart zurück, die im 16. und 17. Jahrhundert dieses Dach erfanden und zunächst in Paris populär machten.

Ursprünglich sollte das Mansarddach die Grundsteuer verringern, die damals nach Vollgeschossen bemessen wurde. So konnte im gegensatz zu anderen Dachformen ein zusätzliches, voll nutzbares Stockwerk eingebaut werden, ohne es steuerlich berücksichtigen zu müssen.

In Deutschland findet man diese Dächer insbesondere bei alten Häusern auf ehemals preußischem Gebiet. Eine Renaissance erlebte die Dachform in den 1980er und 1990er Jahren.

Vorteil:

  • deutlich mehr "Kopffreiheit" bei gleicher Firsthöhe

Nachteile:

  • eingeschränkte Möglichkeiten zur Photovoltaik
  • aufwändigere Dachkonstruktion
  • geringere Stabilität
  • in der Regel etwas höhere Kosten

Beispiele: Mansarddach

  • Besonders oft findet man Mansarddächer an alten Villen. In modernen Bauten wird diese Dachform nur selten eingesetzt. Foto: Getty/cmfotoworks

Sheddach: luftiger Industrieklassiker

Sheddächer werden seit jeher gern für Fabrikhallen verwendet. Prinzipiell stellt diese Dachform eine Folge von einzelnen Pultdächern dar. Deren Fläche kann unterhalb des Firstes verglast werden. Dadurch gelangt Frischluft und Licht in den Innenraum.

Der Begriff "Sheddach" leitet sich wahrscheinlich vom englischen Begriff shed für "Schuppen" ab. Insbesondere in England prägt diese Dachform das Bild der Fabriken aus der industriellen Frühzeit.

Vorteile:

  • blendfreie Ausleuchtung des Innenraums ohne Schlagschatten.
  • sehr stabile Konstruktion

Nachteile:

  • Dichtigkeitsprobleme: Insbesondere in den Randbereichen treffen viele Materialien aufeinander, die nicht immer harmonieren (Kontaktkorrosion).
  • Tipp: Abhilfe schafft hier die Verwendung spezieller Profilplatten und die Abdichtung mit Flüssigkunststoffen.

Schleppdach: Vordach inklusive

Insbesondere an Bauernhäusern hat sich das Schleppdach über die Jahrhunderte bis heute gehalten. Entweder wird es von vorn herein als Teil des Hauptbaus geplant, beispielsweise als Vordach oder Eingangsbereich, oder nachträglich auf einen Anbau ausgeweitet.

Ein Schleppdach integriert Anbauten sehr harmonisch in den Hauptbau. Bei stumpfen Dachwinkeln kann in seltenen Fällen beim geschleppten Dach dieselbe Neigung beibehalten werden. In der Regel fällt die Neigung des Anbaudachs geringer aus, um eine ausreichende Traufhöhe zu erzielen.

Diese Dachform eignet sich gut, um ein Carport direkt ans Haus anzugliedern. Nur eine Seite des Carports muss dann befestigt werden, die andere wird ans Haus gestützt.

Vorteile:

  • praktische Erweiterung eines Satteldachs
  • Erweiterung des Wohnraums
  • einfache Herstellung, daher recht günstig

Nachteile:

  • Die optischen Möglichkeiten sind begrenzt.

Beispiele: Schleppdach

  • Dieses Haus verfügt über ein verlängertes Satteldach, ein sogenanntes Schleppdach. Foto: BienZenker

Aus dem Alltag eines Dachspenglers

Was Dachspengler auf dem heißen Blechdach tun? Ein Spiegelei braten. Aber natürlich erst, nachdem sie alles in Form gebracht haben. 

Raimond Spar begann mit 16 Jahren seine Lehre und ist seit mittlerweile 40 Jahren als Dachspengler tätig. Im Unterschied zu einem Dachdecker, der für wind- und wetterfeste Gebäude inklusive der Installation von Dachfenstern und Solaranlagen sorgt, sind Dachspengler insbesondere für Metallarbeiten zuständig.

Von Satteldach bis Flachdach

Raimond Spar ist über und vor allem auf den Dächern in und um München tätig und kümmert sich beispielsweise um Gauben, Dachrinnen, Fallrohre und Blechdächer. Aber auch Kaminverkleidungen fallen in seinen Tätigkeitsbereich.

Die Firma, für die der erfahrene Dachspengler arbeitet, hat sich auf Gewerbebau und Wohnanlagen spezialisiert. Zum Team gehören insgesamt 18 Spengler. Je nach Größe des Auftrags arbeiten die Dachspengler in unterschiedlich großen Partien zusammen.

Im Gewerbebaubereich kommen in erster Linie Flachdächer zum Einsatz. "Bei Einfamilienhäusern ist das Satteldach die gängigste Dachform", so der 56-Jährige. Denn das Satteldach passt meistens besonders gut ins Stadtbild bzw. die Umgebung. "Zwischendurch tauchen aber auch Pultdächer auf", so der Dachexperte. In der Stadt wiederum gebe es auch bei Privathäusern vermehrt Flachdächer, angelehnt an den Bauhausstil.

Dachformen in der Praxis

Letztendlich geben die Vorlieben der Bauherren, das Design der Architekten sowie nicht zuletzt die rechtlichen Verordnungen die Dachform vor. Ob Pultdach, Schleppdach oder Walmdach – Dachdecker und Dachspengler müssen alle Dachformen beherrschen.

Die Dachformen bringen allerdings unterschiedliche Herausforderungen mit sich. Welche sind in der Praxis besonders schwierig? "Ein Satteldach mit einer hohen Neigung ist besonders anspruchsvoll", erklärt Raimond Spar. "Letztes Jahr hatten wir zum Beispiel ein Steildach mit einer 45-Grad-Neigung, das war heftig."

Je steiler das Dach, desto anstrengender wird es also für die Dachspengler und Dachdecker. "Besonders komplex wird es, wenn unterschiedliche Dachformen zusammenlaufen und beispielsweise Gauben und ein Kamin hinzukommen." Früher fertigte Raimond Spar gerne Blechdächer mit Steilmansarde. "Heute ist es angenehmer, auf einem Flachdach zu arbeiten", schmunzelt er.

Und welches Dach war in seinen 40 Jahren als Dachspengler besonders schwierig? "Das war ein Objekt, bei dem ein Walmdach und ein Satteldach mit Ziegeln plus eine Brandmauer und ein Kamin zusammenkamen. Das war kniffelig – aber lösbar", so der Profi.

Wetterfest

Eine der größten und gleichzeitig unbeständigsten Herausforderungen für Dachspengler und Dachdecker ist natürlich das Wetter. "Davon sind wir sehr abhängig", meint Raimond Spar ganz nüchtern. Gesetzliche Vorschriften gibt es nicht. "Lediglich wenn etwas abgedichtet werden muss", so der Dachspengler, "wenn also gelötet oder mit Flüssigkunststoff gearbeitet wird, muss es draußen trocken sein." Denn wenn es regnet, kann man diese Arbeiten im Freien nicht ausführen. Auch wenn die Dachdecker mit Isolationsmaterial arbeiten, muss es trocken sein.

Der Vorteil der Dachspengler: Sie richten ihr Material selber her. Das heißt, ähnlich wie beim Fertighausbau, werden die einzelnen Bauteile vorab gefertigt. "Auf der Baustelle wird alles ausgemessen, in der Produktion werden die Bleche auf Maß zugeschnitten und gebogen. Danach wird alles vor Ort montiert."

Dachfläche als Bratpfanne

Raimond Spar liebt seinen Beruf. Das beste daran ist für ihn nicht die phänomenale Aussicht, sondern das Endergebnis, "wenn das Gerüst entfernt wurde und alles sauber aussieht", wie er sagt.

Apropos Gerüst: Manchmal kommt es vor, dass die Baugerüste bereits abmontiert wurden, bevor die Dachspengler alle Arbeiten erledigt haben. Dann kommen Hebebühnen zum Einsatz. So oder so muss man für den Beruf schwindelfrei sein – und wetterfest. 

Der Klimawandel beeinflusst natürlich auch die Arbeit von Dachdeckern und Dachspenglern. Denn die Jahreszeiten werden immer extremer. Die Sommer sind heißer, die Winter kälter und schneereicher. Bei Satteldächern kann der Schnee schneller abrutschen, bei einem Flachdach besteht bei extremen Schneemengen die Gefahr des Dacheinbruchs. Wichtig sind laut Raimond Spar bei allen Dachformen deshalb vor allem die Dämmung und die Statik.

Im Winter arbeiten Dachspengler übrigens nicht. Zwischen dem 1. Dezember und 31. März ist Schlechtwetterzeit, der Ausfall ist gesetzlich abgedeckt. Aber ein bisschen Regen macht dem Profi nichts aus. "Dafür gibt's Regenjacken", grinst er.

Und wenn die Sonne aufs Dach herunterbrennt und das Thermometer die 35-Grad-Marke knackt, wird es heiß auf dem Blechdach – vor allem in einem Jahrhundertsommer wie 2003 oder 2018. Da verleitet manche erhitzte Dachfläche dann eben auch mal zu einer kulinarischen Einlage und das Kupferdach wird kurzerhand zur Bratpfanne.

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