Dachformen im Überblick

Pultdach, Satteldach, Walmdach, Mansarddach, Sheddach, Schleppdach – kennen Sie sich aus?
Ein kompakter Überblick über Vor- und Nachteile der verschiedenen Dachformen, ihre Konstruktion und Geschichte.

Pultdach: vom Industrie- zum Wohnbereich

Pultdächer kommen eigentlich aus der Industrie. Dann deckte man vor allem Garagen und Lagerhallen mit den geneigten Dächern ab. In den letzten Jahren setzten sich die schrägen Dächer auch im Wohnbereich durch.

Prinzipiell ist ein Pultdach ein "halbes Satteldach": Die obere Kante nennt man auch hier First, die untere Kante Dachtraufe. Üblicherweise ist die Dachkonstruktion ein leicht geneigtes Sparrendach.

Vorteile gegenüber Flachdächern:

  • das Dach kann mit Ziegeln gedeckt werden
  • Regenwasser fließt ab
  • ideal für Photovoltaik-Anlagen

Satteldach: der Klassiker

Das Satteldach ist genau das, was ein Kind malt, wenn es ein Dach zeichnen soll. Klassisch und mit vielen Vorteilen überlebt diese Dachform auch die Architekturtrends des 20. Jahrhunderts. Konstruktiv ist das Satteldach entweder ein Sparren- oder ein Pfettendach (siehe auch Dachkonstruktion). Durch die Variation des Dachwinkels ist eine Vielzahl an unterschiedlichen Dachneigungen und Traufhöhen möglich.

Der einfache bauliche Aufbau und die große Stabilität sprechen auch heute noch für das Satteldach. Abhängig vom Dachwinkel haben Satteldächer übrigens unterschiedliche Bezeichnungen: 

  • unter 30° Dachneigung spricht man vom "flachen Satteldach"
  • ab 45° spricht man vom "Neudeutschen Dach" oder vom "Winkeldach"
  • ab 62° spricht man vom "Gotischen Dach" oder "Altdeutschen Dach"
  • bei 60° (Gleichseitigkeit des Dachs) spricht man vom "Altfränkischen Dach" oder "Altfranzösischen Dach"

Walmdach: für freistehende Häuser

Das Walmdach ist ein Satteldach mit geneigten Giebelflächen. Insbesondere bei Bauernhäusern im süddeutschen und alpinen Raum anzutreffen, mindert es die Angriffsmöglichkeit von Wind und Wetter. Die Wirkung ist robust und herrschaftlich. Die beiden seitlichen Giebelschrägen bezeichnet man als Walm.

Bei Walmdächern, deren Walm nicht bis auf die Traufhöhe (die Höhe der Dachrinne) heruntergezogen wird, spricht man von einem Schopfwalm oder auch Krüppelwalm. Hier bleibt ein trapezförmiger Restgiebel erhalten.

Wenn der untere Teil des Dachs abgewalmt ist, spricht man von einem Fußwalm. Ein typisches Beispiel für diese Bauweise ist eine chinesische oder koreanische Pagode.

Mansarddach: mehr Nutzraum

Mansarddächer sind ursprünglich eine französische Erfindung: Der Name geht auf die Architekten François Mansart und Jules Hardouin-Mansart zurück, die im 16. und 17. Jahrhundert diese Form des Dachs erfanden und zunächst in Paris populär machten. Ursprünglich sollte das Mansarddach die Grundsteuer verringern, die damals nach Vollgeschossen bemessen wurde. So konnte im Dach ein zusätzliches, voll nutzbares Stockwerk eingebaut werden, ohne es steuerlich berücksichtigen zu müssen.

In Deutschland findet man diese Dachform insbesondere bei alten Häusern auf ehemals preußischem Gebiet, eine Renaissance erlebte das Mansarddach in den 1980er und 1990er Jahren.

Vorteil:

  • deutlich mehr "Kopffreiheit" bei gleicher Firsthöhe

Nachteile:

  • eingeschränkte Möglichkeiten zur Photovoltaik
  • aufwändigere Dachkonstruktion
  • geringere Stabilität
  • in der Regel etwas höhere Kosten

Sheddach: luftiger Industrieklassiker

Sheddächer werden seit jeher gern für Fabrikhallen verwendet. Prinzipiell stellen sie eine Folge von einzelnen Pultdächern dar, deren Fläche unterhalb des Firstes verglast werden kann und so Frischluft und Licht in den Innenraum bringt.

Der Begriff "Sheddach" leitet sich wahrscheinlich vom englischen Begriff shed für "Schuppen" ab. Insbesondere in England prägt diese Dachform das Bild der Fabriken aus der industriellen Frühzeit.

Vorteile:

  • Ein Sheddach erlaubt die blendfreie Ausleuchtung des Innenraums ohne Schlagschatten. In der Regel werden die verglasten Dachzwischenflächen nach Norden ausgerichtet.
  • Zudem muss eine Halle mit Sheddach weniger abgestützt werden, die Konstruktion ist sehr stabil.

Nachteile:

  • Dichtigkeitsprobleme: Insbesondere in den Randbereichen treffen viele Materialien aufeinander, die nicht immer harmonieren (Kontaktkorrosion). Abhilfe schafft hier die Verwendung spezieller Profilplatten und die Abdichtung mit Flüssigkunststoffen.

Schleppdach: Vordach inklusive

Insbesondere an Bauernhäusern hat sich das Schleppdach über die Jahrhunderte bis heute gehalten. Entweder wird es von vorn herein als Teil des Hauptbaus geplant, beispielsweise als Vordach oder Eingangsbereich, oder nachträglich auf einen Anbau ausgeweitet.

Ein Schleppdach integriert Anbauten sehr harmonisch in den Hauptbau. Bei stumpfen Dachwinkeln kann in seltenen Fällen beim geschleppten Dach dieselbe Neigung beibehalten werden. In der Regel fällt die Neigung des Anbaudachs geringer aus, um eine ausreichende Traufhöhe zu erzielen.

Schleppdächer eignen sich an modernen Häusern hervorragend zur Unterbringung von Carports. Nur eine Seite des Carports muss dann befestigt werden, die andere wird ans Haus gestützt.

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