Skip to main content

Dachformen im Überblick – von Satteldach bis Walmdach

Dachformen gibt es viele. Wir geben einen Überblick über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Dachformen, ihre Konstruktion, Geschichte und Tipps.

Die Form des Dachs hat entscheidenden Einfluss auf das Aussehen und den Charakter des Hauses. Doch das ist längst nicht alles! Lassen Sie sich bei der Wahl der Dachform deshalb nicht nur von optischen Kriterien beeinflussen.

Die Form des Daches ist für die meisten Bauherren eine Entscheidung fürs Leben. Dabei müssen Bauvorschriften, individuelle Vorstellungen, der Stil des Hauses sowie die mögliche Nutzfläche des Dachgeschosses auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden.

Manche Dächer sind flach, die meisten geneigt – einige steiler als andere. Manchmal vereint ein Haus sogar unterschiedliche Dachformen. Die Entscheidung für ein Dach will gut überlegt sein, da die Dachform und die Dämmung des Daches eine enorme Auswirkung auf die energetische Bilanz des Hauses haben. Bis zu 30 Prozent der Wärme gehen im schlechtesten Fall nämlich über das Dach nach außen verloren.

Nach wie vor ragen vor allem Giebel- und Satteldächer in den Silhouetten vieler Städte hervor. Aber auch Flachdächer sind angesichts des Bauhaus-Booms immer häufiger. Der Vorteil eines Flachdachs: Die Räume der oberen Etage weisen keine Dachschrägen auf. Dadurch geht kein Platz verloren. Die Art des Daches trägt maßgeblich zur Energie- und Kosteneffizienz eines Hauses bei. Schon bei der Planung gilt es daher, die richtigen Weichen für eine energieeffiziente Zukunft zu stellen. 

Jede Dachform hat ihre Vor- und Nachteile. Deshalb sollte man sich beim Hausbau genau überlegen welche Dachformen in Frage kommen. Auch der Einbau von Fenstern sowie die geeignete Dachdämmung sollte bedacht werden. Je nach Aufwändigkeit der Fertigung sind Dächerunterschiedlich teuer, was in der Budgetplanung berücksichtigt werden sollte.

Satteldach: der Klassiker

Das Satteldach ist eine der klassischsten Dachformen. Mit vielen Vorteilen überlebt diese Dachform auch die Architekturtrends des 20. Jahrhunderts. Konstruktiv ist das Satteldach entweder ein Sparren- oder ein Pfettendach (siehe auch Dachkonstruktion). Durch die Variation des Dachwinkels ist eine Vielzahl an unterschiedlichen Dachneigungen und Traufhöhen möglich.

Der einfache bauliche Aufbau und die große Stabilität sprechen auch heute noch für diese Dachform. Abhängig vom Dachwinkel haben die Dächer übrigens unterschiedliche Bezeichnungen: 

  • unter 30° Dachneigung spricht man vom "flachen Satteldach"
  • ab 45° spricht man vom "Neudeutschen Dach" oder vom "Winkeldach"
  • bei 60° (Gleichseitigkeit des Dachs) spricht man vom "Altfränkischen Dach" oder "Altfranzösischen Dach"
  • ab 62° spricht man vom "Gotischen Dach" oder "Altdeutschen Dach"

Vorteile:

  • günstige und einfache Herstellung der Dachform
  • zeitlos und klassisch
  • bei Flacher Neigung können die Räume im Dachgeschoss optimal genutzt werden

Nachteile:

  • eine der gängigsten Dachformen
  • "nichts Besonderes"

Beispiele: Satteldach

Holzhaus mit Satteldach
Das Satteldach ist eine der klassischsten Dachformen. Sie ist immer noch beliebt bei Bauherren. Foto: Baufritz
Haus mit Satteldach
Auch dieses rote Einfamilienhaus ist mit einem klassischen Satteldach ausgestattet. Es wurde als KfW-Effizienzhaus 55 realisiert. Foto: SchwörerHaus

Walmdach: für freistehende Häuser

Das Walmdach ist ein Satteldach mit geneigten Giebelflächen. Es wird insbesondere bei Bauernhäusern im süddeutschen und alpinen Raum verwendet – sie ist eine rustikale Version unter den Dachformen. Diese Dachform mindert die Angriffsmöglichkeit von Wind und Wetter. Es wirkt robust und herrschaftlich. Die beiden seitlichen Giebelschrägen bezeichnet man als Walm.

Bei Walmdächern, deren Walm nicht bis auf die Traufhöhe (die Höhe der Dachrinne) heruntergezogen wird, spricht man von einem Schopfwalm oder auch Krüppelwalm. Hier bleibt ein trapezförmiger Restgiebel erhalten.

Wenn der untere Teil des Dachs abgewalmt ist, spricht man von einem Fußwalm. Ein typisches Beispiel für diese Bauweise ist eine chinesische oder koreanische Pagode.

Vorteile:

  • robuste und stabile Dachform
  • ästhetische Optik
  • fügt sich gut in historische Stadtteile

Nachteile:

  • aufwändigere Herstellung und Eindeckung – somit eventuell höhere Kosten als beim Satteldach

Beispiele: Walmdach

Einfamilienhaus mit Walmdach
Das Walmdach gehört wie das Satteldach zu den klassischen Dachformen. Sie eignet sich besonders gut für freistehende Häuser. Foto: BAUMEISTER-HAUS
Einfamilienhaus mit Walmdach und Anbau
Das Walmdach gibt dem Haus ein besonderes Aussehen. Foto: BAUMEISTER-HAUS
Modernes Haus mit Walmdach
Dieses moderne Haus wird durch ein hübsches Walmdach abgerundet. Foto: FischerHaus

Pultdach: vom Industrie- zum Wohnbereich

Pultdächer kommen eigentlich aus der Industrie. Vor allem Garagen und Lagerhallen wurden mit den geneigten Dächern abgedeckt. In den letzten Jahren setzten sich Pultdächer auch im Wohnbereich durch. Durch die asymmetrische Form wirken diese Dächer sehr modern.

Prinzipiell ist ein Pultdach ein "halbes Satteldach": Die obere Kante nennt man auch hier First, die untere Kante Dachtraufe. Üblicherweise ist die Dachkonstruktion ein leicht geneigtes Sparrendach.

Beim versetzten Pultdach treffen sich zwei zueinander geneigte Dachflächen nicht in einem Dachfirst, sondern sind von der Höhe versetzt und können auch verschieden lang und unterschiedlich geneigt sein. Der Giebelstreifen zwischen den beiden oberen Dachenden lässt sich für ein Lichtband nutzen, um das oberste Stockwerk mit reichlich Tageslicht zu fluten.

Pultdächer, deren Dachtraufe in Richtung Süden zeigt, werden gerne für Photovoltaikanlagen genutzt, weil die solaren Energiegewinne hier besonders groß sind.

Vorteile gegenüber Flachdächern:

  • das Dach kann mit Ziegeln gedeckt werden
  • Regenwasser fließt ab
  • ideal für Photovoltaik-Anlagen

Beispiele: Pultdach

Bei diesem Dach handelt es sich um ein Pultdach.
Das Wohnhaus "Maxime 400" wurde mit einem Pultdach gestaltet. Es wirkt modern und zeitlos. Foto: Viebrockhaus
Modernes Haus mit Pultdach
Das Dach überzeugt mit asymmetrischer Form. Pultdächer sind gut geeignet, um Photovoltaikanlagen zu installieren. Foto: Viebrockhaus
Einfamilienhaus mit versetztem Pultdach.
Von hinten schaut das Pultdach ähnlich aus wie ein Satteldach. Foto: Viebrockhaus

Auf der nächsten Seite erfahren Sie alles Wissenswerte rund um das Flachdach.

Flachdach: volle Raumhöhe

Flachdächer sind spätestens seit dem Wiederaufkommen des Bauhausstils auch bei Einfamilienhäusern wieder modern. Diese Dachform hat sich vor allem auf Bungalows sowie Bürobauten und anderen gewerblich genutzten Immobilien durchgesetzt.

Ob kleine Bungalows oder imposante Stadtvillen – alle Häuser können mit einem Flachdach ausgestattet werden. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten. Das Wichtigste ist die Abdichtung. Sie sorgt dafür, dass später keine Feuchtigkeit ins innere des Hauses gelangt.

Außerdem muss ein Flachdach gut gedämmt sein und einer höheren Belastung standhalten als geneigte Dächer. Im Winter beispielsweise muss ein Flachdach hohe Schneelasten tragen. Bei anderen Dachformen rutscht dieser einfach herunter. Deshalb sollte bei der Planung unbedingt auf die Statik geachtet werden.

Beispiele: Flachdach

Modernes Haus mit Flachdach.
Dieses moderne Haus mit Flachdach besticht durch kubische Form und kontrastreiche Farbgebung. Foto: FingerHaus
Bungalow mit Flachdach. Häuser mit Flachdach wirken modern. Im Dachgeschoss bietet sich viel Platz für die Familie.
Flachdächer bieten viele Vorteile und werden gerne bei Bungalows und Häusern im Bauhausstil eingesetzt. Foto: GussekHaus

Auch ein Flachdach braucht eine leichte Neigung, sonst würde das Wasser in Pfützen stehenbleiben und nicht ablaufen. Daher werden heute in der regel Dächer mit einer Neigung bis zu 5 Grad als Flachdächer bezeichnet.

Beim Flachdach ist die oberste Geschossdecke gleichzeitig das Dach. 

Flachdächer sind begehbar und, sofern in die Hausplanung miteinbezogen, als Dachterrasseoder Dachgarten nutzbar. Flachdächer sind zudem energieeffizienter als Spitzdächer. Daher gelten Flachdächer als besonders umweltfreundliche und energie- und kostensparende Bauweise.

Vorteile:

  • modernes Design
  • volle Raumhöhe im Obergeschoss
  • Möglichkeit eines Dachgartens/einer Dachterrasse

Nachteile:

  • höhere Belastung für das Dach

Flachdach und Bauhaus

Das Bauhaus ist eng mit dem Flachdach verbunden. Zum kubischen Bauhausstil gehört das geradlinige horizontale Dach.

Allerdings ist ein Flachdach nicht etwa die einfachere Dachform – im Gegenteil: Das Flachdach ist anspruchsvoller als ein Steildach. So erwiesen sich Flachdächer als die Schwachstelle vieler 70er-Jahre-Bungalows, weil Material- oder Verarbeitungsfehler keine dauerhafte Dichtigkeit garantieren konnten. Das ist heute ganz anders – auch wenn ein Flachdach immer noch eine anspruchsvolle Sache ist.

Wasser schnell ableiten

Als Flachdächer gelten Dachkonstruktionen mit einem Gefälle bis zu 10 Grad. Je geringer die Neigung, desto akribischer muss auf den ­Wasserablauf geachtet werden, ­stehendes Wasser und Pfützen­bildung sind zu vermeiden. Auch wenn gutes Abdichtungsmaterial ­keine Durchfeuchtung zulassen ­würde, sollte bei einem Flachdach immer ein Gefälle und kurzer Weg zur Entwässerung eingeplant werden. Im Notfall kann auch eine Gefällewärmedämmung, passend auf das Dach zuge­­schnitten, diese Aufgabe übernehmen.

Trend zum Flachdach?

Branchenexperten sehen derzeit keinen eindeutigen Trend zum Flachdach. Die überwiegende Mehrheit der Bauherren entscheidet sich nach wie vor für ein Sattel- oder Pultdach – durchaus in moderner Architektur.

Vielerorts entgehen die Bauherren damit auch einer Ablehnung durch die Behörden, die sich eher zurückhaltend bei der Genehmigung von Flachdächern zeigen. Die Dachform passe nicht in die ortsüb­liche Bebauung: Solche oder ähnliche Ablehnungsgründe können zu langwierigen Diskussionen mit den ­Bauämtern führen – bei ungewissem Ausgang.

Grundsätzlich müssen sich Bauinteressierte aber erst einmal für eine Bauweise entscheiden, dann wird mit der ­Architektur, dem Grundriss und natürlich auch der Dachform gespielt. Zweifelsohne lässt sich mit einem Flachdach die auf dem Grundstück vorgesehene Geschossigkeit am ­besten ausnutzen, denn schräge Wände im Obergeschoss gibt es nicht. Allerdings kann auch bei Steildächern durch einen hohen Kniestock – soweit erlaubt – ein ähnlicher Raumgewinn erzielt werden.

Das Flachdach ist generell eine aufwendigere Konstruktion, auch und gerade wegen Herausforderung, das Eindringen von Feuchtigkeit zu vermeiden. Zu den Wohnräumen hin leistet dies eine Dampfsperre. Sie verhindert, dass Wasserdampf, der beim Kochen, Duschen etc. entsteht, bis in die Dämmung eindringen kann und dort kondensiert. Der Taupunkt in der Dachkonstruktion kann genau berechnet werden. Da es sich bei der eingesetzten Dämmung um wenig saugendes Material handelt, würde sich im Schadensfall die Feuchtigkeit aber nicht verteilen, sondern punk­tuell austreten und sofort auffallen.

Zur Dachoberseite schließt eine wasserführende Absperrschicht den Aufbau dicht ab. Hier muss sichergestellt sein, dass zum Beispiel durch Windsog keine Beschädigung der Folie eintritt. Statt einer Kiesschicht, die sehr schwer ist, erfolgt eine mecha­nische Befestigung der Dachabdichtung. Entwässerungspunkte werden abhängig von der Größe der Fläche des Dachs berechnet und eingerichtet, außerdem verfügt jedes Flachdach über Notentwässerungen zur Sicherheit.

Mit der Übergabe des Hauses er­halten die Bauherren bei vielen Hausherstellern auch Pflegehinweise für ihr Flachdach. Je nach Baumbestand sollten die Abläufe von Laub befreit werden, wenn dieses nicht ohnehin durch den Abfluss gespült wird.

Wirklich aufwendig und pflegeintensiv ist ein Gründach, da hier noch Pflanzenschnitt und -pflege erforderlich ­werden. Ob steil oder flach – auf die Gewährleistung seitens des Haus­­bau­unternehmens hat die Dachform ­keine Auswirkung (30 Jahre Garantie auf die Grundkonstruktion, 5 Jahre Gewährleistung nach BGB). Sollten nach außergewöhnlichen Wetterereignissen Schäden auftreten, handelt es sich genauso um Versicherungsfälle wie beispielsweise bei ­Hagelschäden an einem Ziegeldach.

Konstruktionsarten bei Flachdächern

Flachdach Kaltdach
1 Tragkonstruktion, 2 Wärmedämmschicht, 3 Lattung für Distanz, 4 Durchlüftung, 5 Tragkonstruktion für Abdichtung, 6 Trennschicht, 7 Schutzschicht.
Das geforderte Gefälle ist in der Tragkonstruktion oder in der Lattung auszuführen.
Flachdach Warmdach
1 Tragkonstruktion, 2 Luftdichtung/Dampfbremse, 3 Wärmedämmschicht, 4 Trennschicht, 5 Schutzschicht (z. B. Kies). Das geforderte Gefälle ist in der Tragkon­struktion oder in der Wärmedämmschicht auszuführen.
Flachdach Umkehrdach
6 Kiesschicht, 5 Vlies, 4 Dämmung, 3 Abdichtung, 2 Trennschicht, 1 Tragkonstruktion

Starke Beanspruchung des flachen Dachs

Flachdächer sind enormen Umwelteinflüssen ausgesetzt und gehören damit zu den am stärksten beanspruchten Bauteilen. An erster Stelle steht der Schutz vor Feuchtigkeit: Niederschläge von außen, Wasserdampf und Kondensat von der Raumseite. Die Abdichtung muss ­außer extremen Temperaturschwankungen auch Hagel, Eisbildung und UV-Strahlung aushalten.

Zudem kann es auf der Dachfläche zu Schmutzablagerungen und ­schädlichem Bewuchs kommen. Nicht zu vergessen die mechanischen Belastungen durch Gebäudebe­wegungen, Windsog und Begehung oder Nutzung der Flächen. Wenn die Flachdachabdichtung diesen ­Belastungen nicht dauerhaft ge­wachsen ist, sind Schäden und Undichtigkeiten die ­Folge.

Flachdachkonstruktion als Kaltdach oder Warmdach

Es gibt drei grundsätzliche Bau­weisen für Flachdächer: das Warmdach und Umkehrdach ohne Belüftungsebene sowie das Kaltdach mit Belüftung. Beim früher vorzugsweise ausgeführten Kaltdach befindet sich zwischen der oberen Abdichtungschale und der unteren Wärmedämmschale ein von außen belüfteter Dachraum, in dem Luft zirkulieren kann. So kann eingedrungene Feuchtigkeit leicht abgeführt werden. Kaltdächer er­reichen einen besseren sommerlichen Hitzeschutz als Wärmdächer.

Das Warmdach überzeugt durch ­hohe Dämmwirkung während der kälteren Jahreszeit. Bei ihm gibt es keine Luftschicht, eine kompakte Schichtenfolge schützt die Wärmedämmung. Zum Raum hin sorgt eine Dampfsperre dafür, dass kein Wasserdampf aus der Raumluft in die ­Wärmedämmung eindringen kann. Die Qualität eines Warmdachs hängt von der luftdichten Verlegung der Dampfsperre ab. Die Wärme­dämmung muss hier trittfest sein.

Beim Umkehrdach kehrt man die ­Reihenfolge um. Hier erfolgt die Abdichtung vor der Wärmedämmung, als Dämmung kommt dann nur ­wasserresistentes Material infrage. Die Tragschicht besteht in der Regel entweder als Gerippekonstruktion aus Holz bzw. Stahl oder als massive Decke aus Stahlbeton oder beispielsweise Poren­beton.

Tipps vom Profi: Flachdach in Massivbauweise

Florian Spieß, Architekt und Ytong-Bausatzhauspartner aus Berlin, ­entscheidet mit seinen Kunden gemeinsam abhängig vom jeweiligen Bauvorhaben über die Ausführung. „Es gibt eigentlich keine wirtschaft­lichen Gründe für oder gegen ein Flachdach – es ist Geschmacksache“, betont der Fachmann. Die Nutzung ist vielfältig, ob als Terrasse oder für die Aufstellung von Solar- oder PV-­Anlagen, die hinter einer hohen ­Attika geschickt versteckt werden können. Die Attika ist der umlaufende Rand, der über das Flachdach ­hinausragt.

Als unbelüftetes Dach gibt es eine flach ausgeführte Decke aus tragenden Porenbetondach­elementen, darauf Dampfsperre, ­Gefälledämmung und Abdichtung. „Multipor“ als Dämmung kann relativ einfach auf oder auch unter eine Ytong-Massivdecke geklebt werden. In diesem Fall plädiert Spiess für ­einen Verzicht auf die Dampfsperre. Denn dann wäre im unwahrschein­lichen Fall einer Leckage sofort in ­gerader Linie an der Decke darunter die Feuchtigkeit sichtbar. Baut er die belüftete Variante, kommt oberhalb von Massivdecke und Dämmung eine Holzkonstruktion für die Lüftungsebene. Massivdecken zeigen im ­sommerlichen Hitzeschutz eine ihrer Stärken. Unabhängig von der Ausführung kann beim Flachdach keine Eigenleistung erbracht werden. 

Das Bauteil ist zu kompliziert und muss von Profis ausgeführt werden. Was Bauherren aber selbst machen können, ist die alljährliche Begehung. Florian Spieß rät seinen Bauherren, einmal im Jahr auf ihr Dach zu ­steigen, es in Augenschein zu nehmen und von Laub und Verunreinigungen zu säubern.

Dämmung und Abdichtung des Flachdachs

Die Wärmedämmung erfüllt die ­Aufgabe, die Raumtemperatur konstant zu halten, also eine Aufheizung der Räume im Sommer sowie Wärmeverluste im Winter zu minimieren. Der Markt bietet eine Vielzahl der verschiedensten Dämmplatten und -matten aus unterschiedlichen Materialien bereit: Mineralfaser, Polystyrol, EPS, XPS, Schaumglas. Mit der Dämmschicht kann bei Bedarf auch das benötigte Mindestgefälle her­gestellt werden.

Eine Dampfsperre verhindert, dass Wasserdampf in die Dämmschicht eindringt. Um die Konstruktion wasserdicht zu bekommen, benötigt man eine Abdichtung. Flachdächer können mit Bitumen- bzw. Polymerbitumen­bahnen, geklebt oder geschweißt, abgedichtet werden, die als sehr ­robust gelten. Kunststoff- oder ­Elastomerdichtungsbahnen sowie Flüssigkunst­stoffe sind flexibel und leicht anpassbar. Richtig ausgeführt, ist die Dichtigkeit des Daches auf Jahre sichergestellt.

Holzbau ist flexibel

Für den bauphysikalisch durchaus ­anspruchsvollen Holzbau muss die Dachneigung mindestens zwei Grad betragen, um Staunässe zu ver­hindern. Die Ausführung erfolgt entweder als mehrschaliger Aufbau mit Belüftung in der Ebene der Tragkonstruktion (wie beim typischen Kaltdach) oder mit Volldämmung und einer zusätzlichen Lüftungs­ebene unter der Dachhaut. Die Tragschale ist als geschlossenes Holz­tafelbauelement vorproduzierbar. Alternativ: nicht belüftete, einscha­lige Konstruktionen (typisches Warmdach) mit Dämmung in der Ebene der Tragkonstruktion und/oder mit Dämmung oberhalb der Tragkonstruktion.

WeberHaus, einer der führenden Holzfertighaushersteller, führt seine Flachdächer in der Art eines Warmdachs, also unbelüftet aus und schließt mit einer Kiesschüttung ab. Eine Aufdachdämmung sieht man hier zur Vermeidung von Konden­satbildung als unabdingbar. Als ­Vorsichtsmaßnahme wird bereits während der Bauphase das Eindringen von Feuchtigkeit in das Bauteil durch eine vorübergehende Abdichtung ausgeschlossen.

Besonderes Augenmerk legt man bei WeberHaus auf die Entwässerung der Dachfläche. ­Jedes Flachdach hat zu den jeweiligen Entwässerungspunkten ein Gefälle von zwei Prozent, um sicherzustellen, dass das Wasser permanent abläuft. Um die Dichtigkeit des Dach zu überprüfen, bietet WeberHaus einen Test (Rauchgasverfahren) an. Eingefärbter Rauch wird eingeblasen und würde, im Fall von Leckagen, sichtbar aus­treten. Auf die tragende Konstruk­tion des Flachdachs erhalten Bauherren bei WeberHaus eine 30-jährige ­Garantie, auf alle weiteren Gewerke wie Abdichtung, Verblendung etc. ­eine fünfjährige.

Flachdach, Satteldach, Walmdach und Pultdach sind den meisten Bauherren ein Begriff. Doch es gibt noch weitere Dachformen. Lesen Sie auf der nächsten Seite mehr über Mansarddach, Sheddach und Schleppdach.
 

Mansarddach: mehr Nutzraum

Das Mansarddach ist ursprünglich eine französische Erfindung: Der Name der Dachform geht auf die Architekten François Mansart und Jules Hardouin-Mansart zurück, die im 16. und 17. Jahrhundert dieses Dach erfanden und zunächst in Paris populär machten.

Ursprünglich sollte das Mansarddach die Grundsteuer verringern, die damals nach Vollgeschossen bemessen wurde. So konnte im gegensatz zu anderen Dachformen ein zusätzliches, voll nutzbares Stockwerk eingebaut werden, ohne es steuerlich berücksichtigen zu müssen.

In Deutschland findet man diese Dächer insbesondere bei alten Häusern auf ehemals preußischem Gebiet. Eine Renaissance erlebte die Dachform in den 1980er und 1990er Jahren.

Vorteil:

  • deutlich mehr "Kopffreiheit" bei gleicher Firsthöhe

Nachteile:

  • eingeschränkte Möglichkeiten zur Photovoltaik
  • aufwändigere Dachkonstruktion
  • geringere Stabilität
  • in der Regel etwas höhere Kosten

Beispiele: Mansarddach

Mansarddach an einer alten Villa
Besonders oft findet man Mansarddächer an alten Villen. In modernen Bauten wird diese Dachform nur selten eingesetzt. Foto: Getty/cmfotoworks

Sheddach: luftiger Industrieklassiker

Sheddächer werden seit jeher gern für Fabrikhallen verwendet. Prinzipiell stellt diese Dachform eine Folge von einzelnen Pultdächern dar. Deren Fläche kann unterhalb des Firstes verglast werden. Dadurch gelangt Frischluft und Licht in den Innenraum.

Der Begriff "Sheddach" leitet sich wahrscheinlich vom englischen Begriff shed für "Schuppen" ab. Insbesondere in England prägt diese Dachform das Bild der Fabriken aus der industriellen Frühzeit.

Vorteile:

  • blendfreie Ausleuchtung des Innenraums ohne Schlagschatten.
  • sehr stabile Konstruktion

Nachteile:

  • Dichtigkeitsprobleme: Insbesondere in den Randbereichen treffen viele Materialien aufeinander, die nicht immer harmonieren (Kontaktkorrosion).
  • Tipp: Abhilfe schafft hier die Verwendung spezieller Profilplatten und die Abdichtung mit Flüssigkunststoffen.

Schleppdach: Vordach inklusive

Insbesondere an Bauernhäusern hat sich das Schleppdach über die Jahrhunderte bis heute gehalten. Entweder wird es von vorn herein als Teil des Hauptbaus geplant, beispielsweise als Vordach oder Eingangsbereich, oder nachträglich auf einen Anbau ausgeweitet.

Ein Schleppdach integriert Anbauten sehr harmonisch in den Hauptbau. Bei stumpfen Dachwinkeln kann in seltenen Fällen beim geschleppten Dach dieselbe Neigung beibehalten werden. In der Regel fällt die Neigung des Anbaudachs geringer aus, um eine ausreichende Traufhöhe zu erzielen.

Diese Dachform eignet sich gut, um ein Carport direkt ans Haus anzugliedern. Nur eine Seite des Carports muss dann befestigt werden, die andere wird ans Haus gestützt.

Vorteile:

  • praktische Erweiterung eines Satteldachs
  • Erweiterung des Wohnraums
  • einfache Herstellung, daher recht günstig

Nachteile:

  • Die optischen Möglichkeiten sind begrenzt.

Beispiele: Schleppdach

Einfamilienhaus mit Schleppdach. Das Schleppdach ist eine Verlängerung des Satteldachs.
Dieses Haus verfügt über ein verlängertes Satteldach, ein sogenanntes Schleppdach. Foto: BienZenker

Dachform ist nicht gleich Dachform: Welche Herausforderungen bringen die unterschiedlichen Dachformen in der Praxis mit sich? Wir sprachen mit einem Dachspengler, der aus seinem Alltag erzählt. 

Aus dem Alltag eines Dachspenglers

Was Dachspengler auf dem heißen Blechdach tun? Ein Spiegelei braten. Aber natürlich erst, nachdem sie alles in Form gebracht haben. 

Raimond Spar begann mit 16 Jahren seine Lehre und ist seit mittlerweile 40 Jahren als Dachspengler tätig. Im Unterschied zu einem Dachdecker, der für wind- und wetterfeste Gebäude inklusive der Installation von Dachfenstern und Solaranlagen sorgt, sind Dachspengler insbesondere für Metallarbeiten zuständig.

Von Satteldach bis Flachdach

Raimond Spar ist über und vor allem auf den Dächern in und um München tätig und kümmert sich beispielsweise um Gauben, Dachrinnen, Fallrohre und Blechdächer. Aber auch Kaminverkleidungen fallen in seinen Tätigkeitsbereich.

Die Firma, für die der erfahrene Dachspengler arbeitet, hat sich auf Gewerbebau und Wohnanlagen spezialisiert. Zum Team gehören insgesamt 18 Spengler. Je nach Größe des Auftrags arbeiten die Dachspengler in unterschiedlich großen Partien zusammen.

Im Gewerbebaubereich kommen in erster Linie Flachdächer zum Einsatz. "Bei Einfamilienhäusern ist das Satteldach die gängigste Dachform", so der 56-Jährige. Denn das Satteldach passt meistens besonders gut ins Stadtbild bzw. die Umgebung. "Zwischendurch tauchen aber auch Pultdächer auf", so der Dachexperte. In der Stadt wiederum gebe es auch bei Privathäusern vermehrt Flachdächer, angelehnt an den Bauhausstil.

Dachformen in der Praxis

Letztendlich geben die Vorlieben der Bauherren, das Design der Architekten sowie nicht zuletzt die rechtlichen Verordnungen die Dachform vor. Ob Pultdach, Schleppdach oder Walmdach – Dachdecker und Dachspengler müssen alle Dachformen beherrschen.

Die Dachformen bringen allerdings unterschiedliche Herausforderungen mit sich. Welche sind in der Praxis besonders schwierig? "Ein Satteldach mit einer hohen Neigung ist besonders anspruchsvoll", erklärt Raimond Spar. "Letztes Jahr hatten wir zum Beispiel ein Steildach mit einer 45-Grad-Neigung, das war heftig."

Je steiler das Dach, desto anstrengender wird es also für die Dachspengler und Dachdecker. "Besonders komplex wird es, wenn unterschiedliche Dachformen zusammenlaufen und beispielsweise Gauben und ein Kamin hinzukommen." Früher fertigte Raimond Spar gerne Blechdächer mit Steilmansarde. "Heute ist es angenehmer, auf einem Flachdach zu arbeiten", schmunzelt er.

Und welches Dach war in seinen 40 Jahren als Dachspengler besonders schwierig? "Das war ein Objekt, bei dem ein Walmdach und ein Satteldach mit Ziegeln plus eine Brandmauer und ein Kamin zusammenkamen. Das war kniffelig – aber lösbar", so der Profi.

Wetterfest

Eine der größten und gleichzeitig unbeständigsten Herausforderungen für Dachspengler und Dachdecker ist natürlich das Wetter. "Davon sind wir sehr abhängig", meint Raimond Spar ganz nüchtern. Gesetzliche Vorschriften gibt es nicht. "Lediglich wenn etwas abgedichtet werden muss", so der Dachspengler, "wenn also gelötet oder mit Flüssigkunststoff gearbeitet wird, muss es draußen trocken sein." Denn wenn es regnet, kann man diese Arbeiten im Freien nicht ausführen. Auch wenn die Dachdecker mit Isolationsmaterial arbeiten, muss es trocken sein.

Der Vorteil der Dachspengler: Sie richten ihr Material selber her. Das heißt, ähnlich wie beim Fertighausbau, werden die einzelnen Bauteile vorab gefertigt. "Auf der Baustelle wird alles ausgemessen, in der Produktion werden die Bleche auf Maß zugeschnitten und gebogen. Danach wird alles vor Ort montiert."

Dachfläche als Bratpfanne

Raimond Spar liebt seinen Beruf. Das beste daran ist für ihn nicht die phänomenale Aussicht, sondern das Endergebnis, "wenn das Gerüst entfernt wurde und alles sauber aussieht", wie er sagt.

Apropos Gerüst: Manchmal kommt es vor, dass die Baugerüste bereits abmontiert wurden, bevor die Dachspengler alle Arbeiten erledigt haben. Dann kommen Hebebühnen zum Einsatz. So oder so muss man für den Beruf schwindelfrei sein – und wetterfest. 

Der Klimawandel beeinflusst natürlich auch die Arbeit von Dachdeckern und Dachspenglern. Denn die Jahreszeiten werden immer extremer. Die Sommer sind heißer, die Winter kälter und schneereicher. Bei Satteldächern kann der Schnee schneller abrutschen, bei einem Flachdach besteht bei extremen Schneemengen die Gefahr des Dacheinbruchs. Wichtig sind laut Raimond Spar bei allen Dachformen deshalb vor allem die Dämmung und die Statik.

Im Winter arbeiten Dachspengler übrigens nicht. Zwischen dem 1. Dezember und 31. März ist Schlechtwetterzeit, der Ausfall ist gesetzlich abgedeckt. Aber ein bisschen Regen macht dem Profi nichts aus. "Dafür gibt's Regenjacken", grinst er.

Und wenn die Sonne aufs Dach herunterbrennt und das Thermometer die 35-Grad-Marke knackt, wird es heiß auf dem Blechdach – vor allem in einem Jahrhundertsommer wie 2003 oder 2018. Da verleitet manche erhitzte Dachfläche dann eben auch mal zu einer kulinarischen Einlage und das Kupferdach wird kurzerhand zur Bratpfanne.

Weitere Themen:

Hier geht`s zurück zur Haushülle.

 

 

News Bauteile

Keller mit Fitnessraum

Wer seinen Keller als Fitnessraum nutzen möchte, muss einiges beachten.

 

Warema Sun Forum

Warema eröffnet eine neue Sonnenschutz-Ausstellung in Wertheim.

Dachziegel Erlus

In Niederbayern 
wurden erstmals erfolgreich Level RS Dachziegel von Erlus verlegt.