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Wie ist ein Flachdach aufgebaut?

Das Flachdach ist Merkmal klassisch-moderner Architektur wie dem Bauhausstil. Wir erklären Aufbau, Dämmung und Wartung.

Flachdächer verfügen definitionsgemäß über eine Neigung von bis zu zehn Grad. Mangelnde Sorgfalt und Erfahrung in der Abdichtung haben dem Flachdach einen schlechten Ruf eingebracht. Die Technik ist inzwischen jedoch deutlich weiter und bietet zum Beispiel beste Voraussetzungen zur Anlage von Gründächern. 

Dank sorgfältiger Materialwahl lassen sich auch in regnerischen Gebieten theoretisch ungeeignete Flachdächer errichten – ohne, dass man gleich mit dem Schlimmsten rechnen müsste.

Das Flachdach ist anspruchsvoller als ein Steildach. So erwiesen sich Flachdächer als die Schwachstelle vieler 70er-Jahre-Bungalows, weil Material- oder Verarbeitungsfehler keine dauerhafte Dichtigkeit garantieren konnten. Das ist inzwischen ganz anders – vorausgesetzt, Profis übernehmen Planung und Aufbau des anspruchsvollen Bauteils. Heute sind Materialien und Verarbeitungsweisen im Vergleich zu den 70er- und 80er-Jahren nicht mehr vergleichbar und deutlich fortgeschrittener.

Flachdachkonstruktion als Kaltdach oder Warmdach

Es gibt drei Bau­weisen für Flachdächer:

  • einschaliges Warmdach ohne Belüftung
  • Umkehrdach ohne Belüftungsebene
  • mehrschaliges Kaltdach mit Belüftung

Warmdach

Das Warmdach überzeugt durch ­hohe Dämmwirkung während der kälteren Jahreszeit. Bei ihm gibt es keine Luftschicht, eine kompakte Schichtenfolge schützt die Wärmedämmung. Zum Raum hin sorgt eine Dampfsperre dafür, dass kein Wasserdampf aus der Raumluft in die ­Wärmedämmung eindringen kann. Die Qualität eines Warmdachs hängt von der luftdichten Verlegung der Dampfsperre ab. Die Wärmedämmung muss hier trittfest sein.

Beim Umkehrdach kehrt man die ­Reihenfolge um. Hier erfolgt die Abdichtung vor der Wärmedämmung, als Dämmung kommt dann nur ­wasserresistentes Material in Frage. Die Tragschicht besteht in der Regel entweder als Gerippekonstruktion aus Holz bzw. Stahl oder als massive Decke aus Stahlbeton oder beispielsweise Poren­beton.

Kaltdach

Beim früher vorzugsweise ausgeführten Kaltdach befindet sich zwischen der oberen Abdichtungschale und der unteren Wärmedämmschale ein von außen belüfteter Dachraum, in dem Luft zirkulieren kann. So kann eingedrungene Feuchtigkeit leicht abgeführt werden. Kaltdächer er­reichen einen besseren sommerlichen Hitzeschutz als Wärmdächer.

Konstruktionsarten bei Flachdächern

Flachdach Kaltdach
1 Tragkonstruktion, 2 Wärmedämmschicht, 3 Lattung für Distanz, 4 Durchlüftung, 5 Tragkonstruktion für Abdichtung, 6 Trennschicht, 7 Schutzschicht.
Das geforderte Gefälle ist in der Tragkonstruktion oder in der Lattung auszuführen.
Flachdach Warmdach
1 Tragkonstruktion, 2 Luftdichtung/Dampfbremse, 3 Wärmedämmschicht, 4 Trennschicht, 5 Schutzschicht (z. B. Kies). Das geforderte Gefälle ist in der Tragkon­struktion oder in der Wärmedämmschicht auszuführen.
Flachdach Umkehrdach
6 Kiesschicht, 5 Vlies, 4 Dämmung, 3 Abdichtung, 2 Trennschicht, 1 Tragkonstruktion

Dämmung und Abdichtung des Flachdachs

Die Wärmedämmung erfüllt die ­Aufgabe, die Raumtemperatur konstant zu halten, also eine Aufheizung der Räume im Sommer sowie Wärmeverluste im Winter zu minimieren. Der Markt bietet eine Vielzahl der verschiedensten Dämmplatten und -matten aus unterschiedlichen Materialien bereit: Mineralfaser, Polystyrol, EPS, XPS, Schaumglas. Mit der Dämmschicht kann bei Bedarf auch das benötigte Mindestgefälle her­gestellt werden.

Eine Dampfsperre verhindert, dass Wasserdampf in die Dämmschicht eindringt. Um die Konstruktion wasserdicht zu bekommen, benötigt man eine Abdichtung. Flachdächer können mit Bitumen- bzw. Polymerbitumen­bahnen, geklebt oder geschweißt, abgedichtet werden, die als sehr ­robust gelten. Kunststoff- oder ­Elastomerdichtungsbahnen sowie Flüssigkunst­stoffe sind flexibel und leicht anpassbar. Abschließend schützen Kiesschicht, Plattenbeläge oder Gründach vor Sonne, Wind und mechanischen Beschädigungen. Ein Gründach benötigt dabei einen ganz besonderen Schichtenaufbau. Richtig ausgeführt, ist die Dichtigkeit des Flachdachs auf Jahre sichergestellt.

Holzbau ist flexibel

Für den bauphysikalisch durchaus ­anspruchsvollen Holzbau muss die Dachneigung mindestens zwei Grad betragen, um Staunässe zu ver­hindern. Die Ausführung erfolgt entweder als mehrschaliger Aufbau mit Belüftung in der Ebene der Tragkonstruktion (wie beim typischen Kaltdach) oder mit Volldämmung und einer zusätzlichen Lüftungs­ebene unter der Dachhaut. Die Tragschale ist als geschlossenes Holz­tafelbauelement vorproduzierbar. Alternativ: nicht belüftete, einscha­lige Konstruktionen (typisches Warmdach) mit Dämmung in der Ebene der Tragkonstruktion und/oder mit Dämmung oberhalb der Tragkonstruktion.

WeberHaus, einer der führenden Holzfertighaushersteller, führt seine Flachdächer in der Art eines Warmdachs, also unbelüftet aus und schließt mit einer Kiesschüttung ab. Eine Aufdachdämmung sieht man hier zur Vermeidung von Konden­satbildung als unabdingbar. Als ­Vorsichtsmaßnahme wird bereits während der Bauphase das Eindringen von Feuchtigkeit in das Bauteil durch eine vorübergehende Abdichtung ausgeschlossen.

Besonderes Augenmerk legt man bei WeberHaus auf die Entwässerung der Dachfläche. ­Jedes Flachdach hat zu den jeweiligen Entwässerungspunkten ein Gefälle von zwei Prozent, um sicherzustellen, dass das Wasser permanent abläuft. Um die Dichtigkeit des Dach zu überprüfen, bietet WeberHaus einen Test (Rauchgasverfahren) an. Eingefärbter Rauch wird eingeblasen und würde, im Fall von Leckagen, sichtbar aus­treten. Auf die tragende Konstruk­tion des Flachdachs erhalten Bauherren bei WeberHaus eine 30-jährige ­Garantie, auf alle weiteren Gewerke wie Abdichtung, Verblendung etc. ­eine fünfjährige.

Starke Beanspruchung des flachen Dachs

Flachdächer sind enormen Umwelteinflüssen ausgesetzt und gehören damit zu den am stärksten beanspruchten Bauteilen. An erster Stelle steht der Schutz vor Feuchtigkeit: Niederschläge von außen, Wasserdampf und Kondensat von der Raumseite. Die Abdichtung muss ­außer extremen Temperaturschwankungen auch Hagel, Eisbildung und UV-Strahlung aushalten.

Zudem kann es auf der Dachfläche zu Schmutzablagerungen und ­schädlichem Bewuchs kommen. Nicht zu vergessen die mechanischen Belastungen durch Gebäudebe­wegungen, Windsog und Begehung oder Nutzung der Flächen. Wenn die Flachdachabdichtung diesen ­Belastungen nicht dauerhaft ge­wachsen ist, sind Schäden und Undichtigkeiten die ­Folge. Solche Mängel entstehen häufig im Vorborgenen, können sich aber zu gravierenden Problemen entwickeln und eine dauerhafte Schädigung der Bausubstanz nach sich ziehen.

Entwässerung des Flachdachs

Je geringer die Neigung des Flachdachs, desto akribischer muss auf den ­Wasserablauf geachtet werden. Stehendes Wasser und Pfützen­bildung sind zu vermeiden. Auch wenn gutes Abdichtungsmaterial keine Durchfeuchtung zulassen ­würde, sollte bei einem Flachdach immer ein Gefälle und kurzer Weg zur Entwässerung eingeplant werden. Im Notfall kann auch eine Gefällewärmedämmung, passend auf das Dach zuge­­schnitten, diese Aufgabe übernehmen.

Flachdächer ohne Gefälle, sogenannte Null-Grad-Dächer, sind erheblichen Belastungen ausgesetzt sind, da Niederschlagswasser unvermeidbar über längeren Zeitraum stehen bleibt und so die Lebensdauer der Dachhaut beeinträchtigt.

Trend zum Flachdach?

Branchenexperten sehen derzeit keinen eindeutigen Trend zum Flachdach. Die überwiegende Mehrheit der Bauherren entscheidet sich nach wie vor für ein Pult- oder ein Satteldach – durchaus in moderner Architektur.

Vielerorts entgehen die Bauherren damit auch einer Ablehnung durch die Behörden, die sich eher zurückhaltend bei der Genehmigung von Flachdächern zeigen. Die Dachform passe nicht in die ortsüb­liche Bebauung: Solche oder ähnliche Ablehnungsgründe können zu langwierigen Diskussionen mit den ­Bauämtern führen – bei ungewissem Ausgang.

Grundsätzlich müssen sich Bauinteressierte aber erst einmal für eine Bauweise entscheiden, dann wird mit der ­Architektur, dem Grundriss und natürlich auch der Dachform gespielt. Zweifelsohne lässt sich mit einem Flachdach die auf dem Grundstück vorgesehene Geschossigkeit am ­besten ausnutzen, denn schräge Wände im Obergeschoss gibt es nicht. Allerdings kann auch bei Steildächern durch einen hohen Kniestock – soweit erlaubt – ein ähnlicher Raumgewinn erzielt werden.

Tipps vom Profi: Flachdach in Massivbauweise

Florian Spieß, Architekt und Ytong-Bausatzhauspartner aus Berlin, ­entscheidet mit seinen Kunden gemeinsam abhängig vom jeweiligen Bauvorhaben über die Ausführung. „Es gibt eigentlich keine wirtschaft­lichen Gründe für oder gegen ein Flachdach – es ist Geschmacksache“, betont der Fachmann. Die Nutzung ist vielfältig, ob als Terrasse oder für die Aufstellung von Solar- oder PV-­Anlagen, die hinter einer hohen ­Attika geschickt versteckt werden können. Die Attika ist der umlaufende Rand, der über das Flachdach ­hinausragt.

Als unbelüftetes Dach gibt es eine flach ausgeführte Decke aus tragenden Porenbetondach­elementen, darauf Dampfsperre, ­Gefälledämmung und Abdichtung. „Multipor“ als Dämmung kann relativ einfach auf oder auch unter eine Ytong-Massivdecke geklebt werden. In diesem Fall plädiert Spiess für ­einen Verzicht auf die Dampfsperre. Denn dann wäre im unwahrschein­lichen Fall einer Leckage sofort in ­gerader Linie an der Decke darunter die Feuchtigkeit sichtbar. Baut er die belüftete Variante, kommt oberhalb von Massivdecke und Dämmung eine Holzkonstruktion für die Lüftungsebene. Massivdecken zeigen im ­sommerlichen Hitzeschutz eine ihrer Stärken.

Unabhängig von der Ausführung kann beim Flachdach keine Eigenleistung erbracht werden. Das Bauteil ist zu kompliziert und muss von Profis ausgeführt werden. Was Bauherren aber selbst machen können, ist die alljährliche Begehung. Florian Spieß rät seinen Bauherren, einmal im Jahr auf ihr Dach zu ­steigen, es in Augenschein zu nehmen und von Laub und Verunreinigungen zu säubern.

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