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Aus dem Alltag eines Dachspenglers

Was Dachspengler auf dem heißen Blechdach tun? Ein Spiegelei braten. Aber natürlich erst, nachdem sie alles in Form gebracht haben. 

Raimond Spar begann mit 16 Jahren seine Lehre und ist seit mittlerweile 40 Jahren als Dachspengler tätig. Im Unterschied zu einem Dachdecker, der für wind- und wetterfeste Gebäude inklusive der Installation von Dachfenstern und Solaranlagen sorgt, sind Dachspengler insbesondere für Metallarbeiten zuständig.

Von Satteldach bis Flachdach

Raimond Spar ist über und vor allem auf den Dächern in und um München tätig und kümmert sich beispielsweise um Gauben, Dachrinnen, Fallrohre und Blechdächer. Aber auch Kaminverkleidungen fallen in seinen Tätigkeitsbereich.

Die Firma, für die der erfahrene Dachspengler arbeitet, hat sich auf Gewerbebau und Wohnanlagen spezialisiert. Zum Team gehören insgesamt 18 Spengler. Je nach Größe des Auftrags arbeiten die Dachspengler in unterschiedlich großen Partien zusammen.

Im Gewerbebaubereich kommen in erster Linie Flachdächer zum Einsatz. "Bei Einfamilienhäusern ist das Satteldach die gängigste Dachform", so der 56-Jährige. Denn das Satteldach passt meistens besonders gut ins Stadtbild bzw. die Umgebung. "Zwischendurch tauchen aber auch Pultdächer auf", so der Dachexperte. In der Stadt wiederum gebe es auch bei Privathäusern vermehrt Flachdächer, angelehnt an den Bauhausstil.

Dachformen in der Praxis

Letztendlich geben die Vorlieben der Bauherren, das Design der Architekten sowie nicht zuletzt die rechtlichen Verordnungen die Dachform vor. Ob Pultdach, Schleppdach oder Walmdach – Dachdecker und Dachspengler müssen alle Dachformen beherrschen.

Die Dachformen bringen allerdings unterschiedliche Herausforderungen mit sich. Welche sind in der Praxis besonders schwierig? "Ein Satteldach mit einer hohen Neigung ist besonders anspruchsvoll", erklärt Raimond Spar. "Letztes Jahr hatten wir zum Beispiel ein Steildach mit einer 45-Grad-Neigung, das war heftig."

Je steiler das Dach, desto anstrengender wird es also für die Dachspengler und Dachdecker. "Besonders komplex wird es, wenn unterschiedliche Dachformen zusammenlaufen und beispielsweise Gauben und ein Kamin hinzukommen." Früher fertigte Raimond Spar gerne Blechdächer mit Steilmansarde. "Heute ist es angenehmer, auf einem Flachdach zu arbeiten", schmunzelt er.

Und welches Dach war in seinen 40 Jahren als Dachspengler besonders schwierig? "Das war ein Objekt, bei dem ein Walmdach und ein Satteldach mit Ziegeln plus eine Brandmauer und ein Kamin zusammenkamen. Das war kniffelig – aber lösbar", so der Profi.

Wetterfest

Eine der größten und gleichzeitig unbeständigsten Herausforderungen für Dachspengler und Dachdecker ist natürlich das Wetter. "Davon sind wir sehr abhängig", meint Raimond Spar ganz nüchtern. Gesetzliche Vorschriften gibt es nicht. "Lediglich wenn etwas abgedichtet werden muss", so der Dachspengler, "wenn also gelötet oder mit Flüssigkunststoff gearbeitet wird, muss es draußen trocken sein." Denn wenn es regnet, kann man diese Arbeiten im Freien nicht ausführen. Auch wenn die Dachdecker mit Isolationsmaterial arbeiten, muss es trocken sein.

Der Vorteil der Dachspengler: Sie richten ihr Material selber her. Das heißt, ähnlich wie beim Fertighausbau, werden die einzelnen Bauteile vorab gefertigt. "Auf der Baustelle wird alles ausgemessen, in der Produktion werden die Bleche auf Maß zugeschnitten und gebogen. Danach wird alles vor Ort montiert."

Dachfläche als Bratpfanne

Raimond Spar liebt seinen Beruf. Das beste daran ist für ihn nicht die phänomenale Aussicht, sondern das Endergebnis, "wenn das Gerüst entfernt wurde und alles sauber aussieht", wie er sagt.

Apropos Gerüst: Manchmal kommt es vor, dass die Baugerüste bereits abmontiert wurden, bevor die Dachspengler alle Arbeiten erledigt haben. Dann kommen Hebebühnen zum Einsatz. So oder so muss man für den Beruf schwindelfrei sein – und wetterfest. 

Der Klimawandel beeinflusst natürlich auch die Arbeit von Dachdeckern und Dachspenglern. Denn die Jahreszeiten werden immer extremer. Die Sommer sind heißer, die Winter kälter und schneereicher. Bei Satteldächern kann der Schnee schneller abrutschen, bei einem Flachdach besteht bei extremen Schneemengen die Gefahr des Dacheinbruchs. Wichtig sind laut Raimond Spar bei allen Dachformen deshalb vor allem die Dämmung und die Statik.

Im Winter arbeiten Dachspengler übrigens nicht. Zwischen dem 1. Dezember und 31. März ist Schlechtwetterzeit, der Ausfall ist gesetzlich abgedeckt. Aber ein bisschen Regen macht dem Profi nichts aus. "Dafür gibt's Regenjacken", grinst er.

Und wenn die Sonne aufs Dach herunterbrennt und das Thermometer die 35-Grad-Marke knackt, wird es heiß auf dem Blechdach – vor allem in einem Jahrhundertsommer wie 2003 oder 2018. Da verleitet manche erhitzte Dachfläche dann eben auch mal zu einer kulinarischen Einlage und das Kupferdach wird kurzerhand zur Bratpfanne.

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