Fassadengestaltung - dem Haus ein Gesicht geben

Was soll sie ragen, die dritte Haut des Menschen, das Haus? Die Bauämter lassen Bauherren weit größere Freiheiten als noch vor einer Generation, es darf nach der Mode gehen.

Bauherren stehen vor einer großen Auswahl, wenn es um die Gestaltung der durchschnittlich 100 bis 120 Quadratmeter großen Fassadenfläche ihres neuen Hauses geht. Sie sind aber auch in vielen Fällen durch regionale Bausatzungen an Vorschriften gebunden, was Material und Aussehen angeht. Nur die optischen Aspekte im Blick zu haben, wäre aber auf Seiten des Bauherrn zu kurz gedacht: Die Fassade ist mit verantwortlich für die Haltbarkeit und Wertbeständigkeit der Bausubstanz.

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Das Wetter beeinflusst den regionalen Fassadenstil

"Ortsübliche Baustile" sind nicht mehr so eindeutig zu erkennen wie früher, als Architekten und Kunsthistoriker anhand des Erscheinungsbildes der Häuser ungefähr sagen konnten, wo sie sich gerade befanden. Doch es gibt sie, zum Teil einfach aufgrund der regional unterschiedlichen Witterungsverhältnisse. Die vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden sind eine clevere Antwort auf nasses, windiges Klima mit häufigem Schlagregen. Zwischen der Verschalung und der tragenden Außenwand kann die Luft zirkulieren und eingedrungenes Wasser wieder abtransportieren. Die Schale selber musste natürlich aus möglichst nässeresistentem Material bestehen. Da war es naheliegend, die schon zur Dacheindeckung genutzten Holzschindeln oder Schieferplatten zu nehmen. Bald jedoch kamen eigens für die Verkleidung hergestellte Bauteile zum Einsatz. Wie die hart gebrannten, frostbeständigen Vormauerziegel oder Klinker. Ging es trockener zu, war die Putzfassade allemal richtig.

Inspiration für die Fassade aus dem Urlaub

Ab den Siebzigern kamen Häuser im alpinen Stil in Mode. Inspiration und Anregungen hatten sich die Bauherren im Urlaub geholt. Das Erdgeschoss verputzt, wurden Obergeschoss und Giebelbereich mit einer Holzverschalung versehen, passend zum rustikalen Hlzbalkon. Aus Skandinavien brachten andere ein Faible für komplett holzverschalte, bunte Häuser mit. Außerdem änderte sich einighes in Sachen Bauphysik: spielte der Wärmeschutz bis 1977 noch eine untergeordnete Rolle, wurden die Bestimmungen seitdem schrittweise verschärft. Derzeit muss eine Außenwand drei- bis fünfmal so gut dämmen wie die Wand eines typischen Wirtschaftswunderhäuschens. In der Folge wurden sowohl Holzständer- und Holzrahmenbau verstärkt eingesetzt als auch die massiven Baustoffe leichter, luftiger, wärmeundurchlässiger.

Fassaden-Wahl durch Bauweise nicht eingeschränkt

Entscheidet man sich für den Holzbau, muss man deswegen nicht auf die Putzfassade verzichten, traditionell den gemauerten Gebäuden vorbehalten: auf Putzträgerplatten hält sie sich gut. Die erst im Massivbau, dann auch am Holzleichtbau eingesetzte Außendämmung aus Hartschaum- oder Holzfaser-Platten kann mit Unterstützung eines Armierungsgewebes Putz tragen, wird so zum Wärmedämm-Verbundsystem ergänzt (WDVS). Damit ist die Fassaden-Wahl durch die Bauweise kaum noch eingeschränkt. Die Beschichtung muss nur unbedingt diffusionsoffen sein, sodass eingedrungene Feuchtigkeit als Luftfeuchte entweichen kann.

Fassadenfarben und Temperatur

Hartschaum-Dämmungen dürfen keinen zu hohen Temperaturen ausgesetzt werden. Polystyrol zum Beispiel bekommen Temperaturen von 70, 80 Grad auf Dauer nicht gut. Weil dunkle Oberflächen sich in der Sonne erhitzen, waren dunkle Fassadenfarben und Putze daher lange tabu. Möchte man trotzdem einen Anthrazitton, so kann man jetzt zu Anstrichen greifen, die laut den Herstellern einen Teil des Lichts im Infrarotbereich reflektieren. Rückt aber die Fassade etwas von der Dämmung ab, macht sie Platz für eine Luftschicht, ist die Farbauswahl wieder größer.

Plattenbau am Einfamilienhaus

Was die Verschal-Elemente angeht, ist das Angebot förmlich explodiert. Durchgefärbte Faserzementplatten sind zu bekommen, solche aus einem Glasfaser-Zement-Mix, aus Basalt und Zement, aus Kunststoff - wie die halbdurchsichtigen aus Polycarbonat, aus Aluminium, Titanzink, Stahl. Anfänglich nur für Büro- und FAbrikgebäude verwendet, haben experimentierfreudige, junge Architekten sie für ihre Wohnhäuser entdeckt. Eines der beliebteren Produkte, aus Polyurethan und Holzfasern, wurde ursprünglich als feuchteresistentes Verschalmaterial für Ortbeton erfunden, dann jedoch umgehend kreativ zweckentfremdet.

Stark im Trend liegen Mischfassaden. Holzverschalungen ziehen sich vereinzelt von der Traufe bis zum Sockel, einmal oder mehrmals rund ums ansonsten verputzte Haus, um das Äußere zu gliedern. Trikoloren aus Putz, Holz und Klinkern sind zu bekommen, Paarungen von Klinkern am Erd- und Putz am Obergeschoss. Sehr wirkungsvoll lassen sich mit zwei Fassadentypen zwei Bauteile eines Hauses voneinander absetzen. Auf ihren Internetseiten und in ihren Büros bieten Haushersteller und Architekten die Möglichkeit, verschiedene Varianten der Gestaltung am Bildschirm durchzuspielen.

Selbst die Fassade streichen

Nach einigen Jahren kommen Hausbesitzer nicht drum herum: Witterungseinflüsse haben die Fassade ausgebleicht und hier und da kommt es zu Rissen und Abblätterungen. Ein neuer Anstrich wird fällig. Wer diese Arbeit selbst übernehmen will, auf den kommt jede Menge Arbeit zu. Wie bei allen Malerarbeiten sind auch beim Fassadenstreichen sorgfältige Vorarbeiten unerlässlich. Pflanzen im zu streichenden Bereich sollten abgedeckt, Türen und Fenster versiegelt, Rollläden geschlossen werden. Abblätterungen mit einem Spachtel oder einer Drahtbürste entfernen. Löcher mit Dichtungsmittel auffüllen und die gesamte Fassade mit Reinigungsmittel und Wasser abscheuern. Ein neuer Anstrich soll Außenwände nicht nur verschönern, sondern auch witterungsbeständig machen. Daher muss die Oberfläche mit Fassadengrundierung vorbehandelt werden und über Nacht trocknen. Nun kann man mit dem eigentlichen Anstrich beginnen: Fassadenfarbe in zwei Schichten auftragen. Das Paint Quality Institute empfiehlt die Verwendung von Fassadenfarbe und -grundierung auf Reinacrylat-Basis, denn diese wirken wie eine Regenhaut und fließen auch bei Strukturputzen nicht in die Vertiefungen ab. Eine ausführliche Anleitung zum Fassadenstreichen inklusive Materialliste und Tipps zu Werkzeugen gibt es im Internet bei www.farbqualitaet.de in der Rubrik „Streichen leicht gemacht“.

Bossentechnik

Die so genannte Quader- oder Bossentechnik erfährt in den letzten Jahren eine Renaissance. Nicht nur in der Sanierung, sondern gerade im Neubau begeistern sich immer mehr Bauherren für die markante und belebende Gestaltung ihrer Fassade. Traditionell wurde bislang mit Hilfslatten und Negativ-Leisten gearbeitet – eine sehr aufwendige und meist mit Nacharbeiten verbundene Vorgehensweise. Um Quader- und Bossenfassaden schnell und effektiv verputzen zu können, wurden Spezialprofile, die in verschiedenen Fugenbreiten und Fugentiefen zur Verfügung stehen, entwickelt. Je nach vorgesehenem Erscheinungsbild werden nach dem Abbinden und Austrocknen des Grundputzes auf die Bossen- oder Quaderfelder noch ein Filz- oder Edelputz und anschließend eine Egalisationsfarbe aufgetragen. Auch das ausschließliche Streichen mit Fassadenfarben ist in der Praxis möglich.

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