Fassadengestaltung – dem Haus ein Gesicht geben

Architektur findet ihren Ausdruck nicht nur in Formen, sondern auch in Farbe und Material. Das gilt besonders für das „Kleid“ des Hauses, die Fassade. Optik, Wärme und Schalldämmung sowie den Schutz der Bausubtanz muss sie unter ein Dach bringen.

Sie bestimmt den ersten Eindruck, die Außenwirkung des Gebäudes. Doch kann und muss die Fassade heute so viel mehr leisten als nur die schöne Hülle. 

Im Neubau ist das Wärmedämm-Verbundsystem – kurz WDVS – ein großes Thema, insbesondere bei Niedrigenergie- und Passivhäusern. Es besteht aus einem Dämmmaterial in Plattenform, das mit Spezialdübeln, Mörtel oder beidem an der Außenwand befestigt wird.

Rein technisch erhält eine außenseitige Wärmedämmung mit einer Schicht aus Armierungsmasse, einem Armierungsgewebe und schließlich dem Oberputz sein wetterfestes und robustes Äußeres.

Im Holzständerbau hingegen, wie er im Holzfertigbau üblich ist, werden eine Dämmung zwischen den Ständern und in der Regel außenseitig zusätzlich Holzfaserdämmstoffe als Putzträger angebracht. Aus Gestaltungssicht steht jeweils der Oberputz im Fokus.

Regionale Fassadengestaltung

"Ortsübliche Baustile" der Fassade sind nicht mehr so eindeutig zu erkennen wie früher, als Architekten und Kunsthistoriker anhand des Erscheinungsbildes der Häuser ungefähr sagen konnten, wo sie sich gerade befanden. Doch es gibt sie nach wie vor, zum Teil einfach aufgrund der regional unterschiedlichen Witterungsverhältnisse.

Vorgehängte, hinterlüftete Fassaden sind zum Beispiel eine clevere Antwort auf nasses, windiges Klima mit häufigem Schlagregen. Zwischen der Verschalung und der tragenden Außenwand kann die Luft zirkulieren und eingedrungenes Wasser wieder abtransportieren.

Die Schale selber muss dabei aus möglichst nässeresistentem Material bestehen, beispielsweise Holzschindeln, Schiefer oder Aluminium. Doch auch hart gebrannte, frostbeständigen Vormauerziegeln oder Klinker eignen sich ideal. In trockneren Gegenden ist die klassische Putzfassade allemal richtig.

Inspiration aus fremden Ländern

Auch die Fassadengestaltung unterliegt Trends. So kamen zum Beispiel ab den Siebzigern Häuser im alpinen Stil in Mode. Inspiration und Anregungen hatten sich die Bauherren im Urlaub geholt.

Das Erdgeschoss wurde verputzt, während das Obergeschoss sowie der Giebelbereich mit einer Holzverschalung versehen wurden. Das passte besonders gut zum rustikalen Holzbalkon.

Von den bunten Häusern Skandinaviens inspiriert, entstanden auch in Deutschland komplett holzverschalte, bunte Häuser. Andere träumten indes von einem Häusern mit Natursteinfassade, wie man sie aus mediterranen Gebieten kennt.  

Gestaltung mit Putz

Im Allgemeinen wird bei Putzfassaden zwischen mineralischem Putz und Kunstharzputz unterschieden. Mineralischer Putz besteht aus einer Mischung aus Sand und mineralischen Bindemitteln wie Kalk, Gips oder Zement. Aufgrund seiner alkalischen Wirkung ist er weniger anfällig für den Befall durch Schimmelpilze oder Algen.

Kunstharzputz besteht ebenfalls aus Kalk und Zement. Als Bindemittel kommt hier jedoch Kunstharz zum Einsatz. Dieser verleiht dem Putz eine gute Elastizität, sodass die Fassade bei Temperaturveränderungen nicht mit Rissen reagiert.

Jenseits vom herkömmlichen Glattputz in gebrochenem Weiß wächst der Gestaltungsspielraum immens mit wiederentdeckten traditionellen Putztechniken und speziellen Farbrezepturen für außergewöhnlich starke Farbtöne.

Putze eignen sich hervorragend für die Schlussbeschichtung von Wärmedämm-Verbundsystemen und verbinden so hohe Ästhetik mit niedrigem Energieverbrauch.

Vielfalt durch Vorhangfassaden

Da sie besonders vielfältig gestaltet werden können, sind vorgehängte Fassaden im Einfamilienhausbau immer beliebter. Die Vorhangfassade wird auf einer Unterkonstruktion aus Holz oder Metall montiert, zwischen tragender Wand und Vorhangfassade befindet sich die Wärmedämmung.

Die abschließende Verkleidung ist dem Geschmack überlassen und erlaubt auch die Kombination unterschiedlicher Gestaltungsarten. Das Naturmaterial Holz zum Beispiel wird heute nicht nur als tragender Baustoff immer beliebter, sondern auch für die Gestaltung einer Holzfassade.

Es eignen sich insbesondere Hölzer, die schon von Natur aus besonders witterungsbeständig sind wie beispielsweise Lärche, Zeder oder Douglasie. Den besonders rustikalen Eindruck, den Holzfassaden früher machten, vermitteln die modernen Ausführungen mit schmalen Lamellen heute nicht mehr.

Mit ihnen wird daher der aktuelle sachliche Architekturstil gerne verwirklicht. Auch mit vereinzelten Holzelementen an der Fassade wird eine individuelle, aber gleichwohl leichte Optik erzielt. Aus konstruktiver Sicht ist eine senkrechte Anordnung am günstigsten. 

Dadurch kann Regenwasser direkt zum Boden abfließen und sich nicht an Kanten sammeln. Ein Abstand der Holzverkleidung zum Boden sorgt dafür, dass kein Spritzwasser oder stehende Pfützen das Holz von unten angreifen.

Faserzementplatten in kleinen und großen Formaten sowie verschiedenen Formen gehören seit Jahrzehnten zu den Möglichkeiten, nicht nur für vorgehängte Systeme. Mittlerweile wird auch Faserzement aus dem Recyclingkreislauf mit eingebunden, was den Werkstoff preiswerter macht. Der Werkstoff ist unter anderem witterungsbeständig, wartungsarm, langlebig und beständig gegenüber Korrosion sowie Fäule.

Diese Vorteile bietet auch der natürliche, edel anmutende Werkstoff Schiefer. Eine Schieferfassade fällt allerdings in der Anschaffung etwas teurer aus. Auffällig und besonders modern wirken Fassaden mit größeren Metallverkleidungen. Der persönliche Geschmack entscheidet – und die Bauvorschriften. 

Wärmedämmung der Fassade

Außerdem änderte sich einiges in Sachen Bauphysik: Während der Wärmeschutz bis 1977 noch eine untergeordnete Rolle spielte, wurden die Bestimmungen seitdem schrittweise verschärft.

Derzeit muss eine Außenwand drei- bis fünfmal so gut dämmen wie die Wand eines typischen Wirtschaftswunderhäuschens. In der Folge wurden sowohl Holzständer- und Holzrahmenbau verstärkt eingesetzt als auch die massiven Baustoffe leichter, luftiger, wärmeundurchlässiger.

Moderne Fertighäuser werden heute häufig als Effizienzhäuser verwirklicht. Viele davon sogar als Passivhäuser, die mehr Energie produzieren, als sie selbst verbrauchen. 

Je nachdem für welche Dämmung sich Bauherren entscheiden, kann dies Auswirkungen auf die Farbwahl der Fassade haben. Hartschaum-Dämmungen dürfen keinen zu hohen Temperaturen ausgesetzt werden. Polystyrol zum Beispiel bekommen Temperaturen von 70 bis 80 Grad auf Dauer nicht gut.

Weil dunkle Oberflächen sich in der Sonne erhitzen, waren dunkle Fassadenfarben und Putze daher lange tabu. Möchte man trotzdem einen Anthrazitton, so kann man zu Anstrichen greifen, die einen Teil des Lichts im Infrarotbereich reflektieren.

Freie Wahl bei jeder Bauweise

Traditionell wurden gemauerte Häuser mit einer Putzfassade versehen. Doch auch wenn man sich für ein Haus in Holzbauweise entscheidet, muss man deswegen nicht auf die Putzfassade verzichten. Moderne Putzträgerplatten bieten den nötigen Halt.

Die heutzutage weit verbreitete Fassadendämmung aus Hartschaum- oder Holzfaser-Platten wurde ebenfalls zuerst für gemauerte Gebäude genutzt und erst später auch auf Holzhäuser ausgeweitet. Diese kann mit Unterstützung eines Armierungsgewebes Putz tragen und wird so zum Wärmedämm-Verbundsystem ergänzt (WDVS).

Somit ist die Fassaden-Wahl durch die Bauweise kaum noch eingeschränkt. Die Beschichtung muss nur unbedingt diffusionsoffen sein, sodass eingedrungene Feuchtigkeit als Luftfeuchte entweichen kann.

Die Fassade selbst streichen – eine gute Idee?

Nach einigen Jahren kommen viele Hausbesitzer nicht drum herum: Witterungseinflüsse haben die Fassade ausgebleicht und hier und da kommt es zu Rissen und Abblätterungen. Ein neuer Anstrich wird fällig.

Grundsätzlich ist es – genau wie im Innenbereich – auch im Außenbereich möglich, Malerarbeiten selbst zu übernehmen. Allerdings ist der Anstrich der Fassade aufwendig und erfordert auch einiges an handwerklichem Know-how. Darüber hinaus kann ein Gerüst von Nöten sein, um jeden Winkel der Fassade zu erreichen. Im Zweifel ist es deshalb besser, den Anstrich der Fassade einem Fachmann zu überlassen.

Wie bei allen Malerarbeiten sind auch beim Streichen der Fassade sorgfältige Vorarbeiten unerlässlich. Pflanzen im zu streichenden Bereich sollten abgedeckt, Türen und Fenster versiegelt, Rollläden geschlossen werden. Abblätterungen müssen mit einem Spachtel oder einer Drahtbürste entfert, Löcher mit Dichtungsmittel aufgefüllt und die gesamte Fassade mit Reinigungsmittel und Wasser abgescheuert werden.

Ein neuer Anstrich soll Außenwände nicht nur verschönern, sondern auch witterungsbeständig machen. Daher muss die Oberfläche mit Fassadengrundierung vorbehandelt werden und über Nacht trocknen. Nun kann man mit dem eigentlichen Anstrich beginnen und die Fassadenfarbe in zwei Schichten auftragen.

 

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