Klinkerfassade klassisch und modern

Klinkerfassaden sind besonders robust, witterungsbeständig und wartungsfrei und längst nicht mehr nur in ziegelrot oder Norddeutschland verbreitet.

Klinker: Sichtmauerwerk an der Fassade

Klinkerfassaden bestehen aus einer besonderen Form des Ziegelsteins. Der Klinker ist eine Mischung aus hochreinem Ton, Schamotte und Feldspat, der bei ca. 1.200 Grad gebrannt wird. Dadurch setzt an der Oberfläche ein Schmelzprozess ein. Sie versintert, die Poren schließen sich.

Daher ist Klinker extrem hart. Er antwortet auf einen leichten Schlag mit dem Hammer mit einem hellen, hohen "Klink" (die dumpf klingenden werden aussortiert).

Außerdem nimmt Klinker kaum Wasser auf, anders als herkömmliche Tonziegel. Eine Klinkerfassade bleibt trocken und ist weitgehend gefeit gegen Frostschäden, die typischen Abplatzungen, die durch die Sprengkraft des Eises entstehen.

Klinkerfassaden sind etwas teurer als andere Verkleidungen. Bei richtiger Ausführung jedoch wartungsfrei und beständig.

Normen für Klinkersteine und Klinkerfassaden

Klinker sind nach der DIN 105 (EN 771) genormt, um einheitliche Größen und Festigkeiten für das Baugewerbe zu erhalten. Unterschieden werden

  • Vollklinker und
  • Hochlochklinker.

Die Größe der Klinker legt die DIN 1053 fest. Der deutsche Standardklinker im Normalformat (NF) hat die Maße

  • Länge 240 mm
  • Breite 115 mm
  • Höhe 71 mm.

Sondermaße sind für besondere Gestaltungen der Klinkerfassade möglich, aber nicht ganz billig.

Klinkerfassaden ganz modern

  • Struktur-Muster in der Klinkerfassade. Foto: Wittmunder Klinker
  • Die Mischung macht`s: weißer Putz mit schwarzem Klinker. Foto: Viebrock
  • Klinkerfassade in changierenden Farbtönen. Foto: Gussek
  • Bauherren können sich nach Geschmack ihre Chargen für die Klinkerfassade zusammenstellen. Foto: Wittmunder Klinker
  • Modern und wetterfeste - Vorsatzschale aus Klinkersteinen. Foto: Viebrock

Klinkerfassaden und Wärmedämmung

Klinker eignet sich aufgrund der hohen Frostbeständigkeit hervorragend als Verblendmauerwerk. Der Wärmedämmwert ist allerdings gering: es gibt kaum Lufteinschlüsse in den harten und widerstandsfähigen Klinkersteinen. Hinter die Klinker-Vorsatzschale gehört daher immer eine Dämmschicht.

Zu Zeiten, in denen Wärmeschutz noch kein Thema war, wurde die Vormauer sechs bis acht Zentimeter oder weiter vor der tragenden Wand errichtet, mit offenen Stoßfugen in bestimmten Abständen, durch die eingedrungene Feuchte nach Verdunstung in der Lüftungsebene entweichen konnte.

Heute wird in den Zwischenraum direkt vor die tragende Wand eine Dämmung gesetzt, meist aus Mineralwolle oder aus Hartschaum. Nicht rostende Drahtanker verbinden tragende Hintermauer und Vormauer. Man spricht von einer Kerndämmung. Der verbleibende, fingerdicke Luftspalt genügt zum Abtransport von Feuchtigkeit.

Um die Dämmung zuverlässig vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen, wird der Sockelbereich besonders abgedichtet. Eine Z-Sperre führt ein eventuelles Zuviel an Wasser vom Sockel weg nach außen.

Die Abdichtfolie wird dafür in ungefähr 50 Zentimeter Höhe an der Innenschale befestigt, nach unten auf den Fußpunkt und weiter über den Sockel gezogen. Auf ihr wächst anschließend die Vorsatzschale aus Klinker weiter in die Höhe. Den Abschluss der Arbeiten bildet die saubere Fugenausbildung mittels Fugeisen (DIN 18353).

Fertigklinker, Riemchen, Verblender

Historisch wurde Klinker vor allem im Ingenieur- und Industriebau eingesetzt: Brücken und Fabriken mit Klinkerfassaden aus dem 19. Jahrhundert bezeugen die Nachhaltigkeit dieses Baumaterials. Auch die Kanalnetze vieler deutscher Städte aus der selben Zeit sind mit Klinker ausgemauert und bis heute funktionsfähig.

Imitate aus Vinyl-Paneelen verwandelten ab den 1960er-Jahren zahlreiche Häuser in schlechte Filmkulissen und schädigten aufgrund ihrer Diffusionsdichte nicht selten die Bausubstanz.

Besser sind da schon die Riemchen, rund zwei Zentimeter starke Plättchen aus ebenfalls klingend hart gebranntem Ton, die auf einer Mörtelschicht aufgebracht werden, zum Beispiel im Rahmen eines Wärmedämm-Verbundsystems (WDVS), anstatt Putz.

Zur weiteren Vereinfachung bietet die Industrie Fertigelemente an, Dämmplatten aus Hartschaum mit bereits aufgeklebten Riemchen. Kritiker merken an, dass die starren Großelemente das normale Dehnen und Schwinden einer mineralischen Außenwand nicht so leicht ausgleichen wie eine gemauerte Außenschale.

Klinkerfassaden sind einfach zu pflegen

Vormauerfassaden aus Klinker sind nicht nur witterungsbeständig und frostfest, sondern auch pflegeleicht: Sie müssen nie gestrichen werden.

Kommt es dennoch zu Problemen, sind in vielen Fällen die Fugen betroffen. Wenn sich weiße Ausblühungen zeigen, liegt das am verwendeten Mörtel. Darin enthaltener Kalk oder wasserlösliche Salze "blühen aus". Sie richten gewöhnlich keinen Schaden an und können mit etwas Wasser und einer Bürste leicht entfernt werden. Von der Reinigung der Klinkerfassade mit verdünnter Salz- oder Flusssäure ist abzuraten. Nach gut drei bis vier Jahren ist das Problem meist ausgestanden.

Algenbefall ist an einer fachgerecht erstellten Klinkerfassade eher untypisch. Tritt er trotzdem auf, könnte eine mögliche Ursache die hohe Rohdichte der Kinkersteine sein, die sie Umgebungswärme schneller aufnehmen lässt und die Verdunstung des Tau- und Regenwassers befördert.

Die Hydrophobierung der Klinkerfassade mittels Silikonharzen ist in der Regel nicht erforderlich oder sogar mit Risiken verbunden. Die Beschichtung soll die Steine wasserabweisend machen. Die Dampfdiffusion ist laut Herstellern nach wie vor möglich. In der Vergangenheit kam es jedoch zu Frostschäden an hydrophobierten Klinkerfassaden. Wahrscheinlich konnte noch enthaltenes Wasser nicht oder nicht schnell genug entweichen.

Vormauerwerk aus Klinker, Granit oder Kalksandstein

Eine Fassade soll über die Schutzfunktion hinaus auch Eindruck machen und repräsentieren. Recht bald nach seiner Erfindung lernten Maurer mit dem einfachen Vormauerziegel für Schauwert zu sorgen.

Man dachte sich für die Klinkerfassade kunstvolle Muster aus. Farbvariationen kamen ins Spiel: aus weißen, gelben, braunen Tonerden wurden entsprechende Klinker hergestellt. Auch der Brennvorgang spielt eine Rolle. Ziegel aus dem historischen Torfbrandofen fallen unregelmäßiger aus als die aus dem modernen Gasofen. Es gibt Klinker buntgescheckt in allen Nuancen vom hellen Rot bis hin zum metallischen Blau.

Natursteine wie Granit werden aus Kostengründen generell nur selten als Verblender eingesetzt. Häufiger ist der Kalksandstein. Er ist frostbeständig – sofern er ausschließlich mit hochreinem Sand hergestellt wird. Verwendet man stattdessen mit Tonerden und organischen Bestandteilen verunreinigten Natursand, wird es unterhalb des Gefrierpunktes kritisch. Diese Stoffe reagieren bei Wasseraufnahme und anschließendem Frost empfindlich.

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