Eine Klinkerfassade zeichnet sich durch besondere Robustheit und Wetterfestigkeit aus.

Klinker: Sichtmauerwerk an der Fassade

Eine Klinkerfassade ist eine besonders robuste, unverwüstliche und wartungsfreie Fassadenverkleidung – die längst nicht mehr nur in Rot ausgeführt oder in Norddeutschland verbreitet ist.

Klinker sind eine besondere Form des Ziegelsteins. Sie werden aus Schamott, Feldspat und Ton hergestellt. Die Ziegel-Rohlinge werden bei Temperaturen um die 1.200 Grad gebrannt, um die Oberfläche versintern zu lassen. Bei diesen Temperaturen schließen sich die Poren, sodass das Endprodukt kaum Wasser aufnimmt, anders als herkömmliche Tonziegel. Der Klinker hingegen bleibt trocken und ist daher weitgehend gefeit gegen Abplatzungen, die typischen Frostschäden, die durch die Sprengkraft des Eises entstehen.

Der Name "Klinker" ist lautmalerisch: Er beschreibt das Geräusch zweier aufeinander schlagender Steine. Verbreitet ist die Klinkerbauweise vor allem in Norddeutschland, am Niederrhein und in den Niederlanden.

Normen für Klinkersteine und Klinkerbau

Klinker sind nach der DIN 105 genormt, um einheitliche Größen und Festigkeiten für das Baugewerbe zu erhalten. Unterschieden werden Vollklinker und Hohllochklinkersteine, die Größe der Klinker ist nach DIN 1053 genormt.

Der deutsche Standardklinker im Normalformat (NF) hat eine Länge von 240 mm, eine Breite von 115 mm und Höhe von 71 mm. Sondermaße sind für eine besondere Fassadengestaltung freilich möglich, aber meist nicht ganz billig.

Klinker und Klinkerfassaden – Beispiele

Klinker und Wärmedämmung

Klinker eignen sich aufgrund ihrer hohen Frostbeständigkeit hervorragend als Verblender für Häuser. Durch die geringen Lufteinschlüsse innerhalb der sehr harten und widerstandsfähigen Steine haben sie aber aber nur einen geringen Wärmedämmungswert; Klinkerfassaden werden daher immer separat gedämmt.

Anders als früher wird heute in den Zwischenraum zwischen Vormauer und tragender Wand eine Dämmung gesetzt, meist aus Mineralwolle oder aus Hartschaum, nicht rostende Drahtanker verbinden tragende Hintermauer und Vormauer. Man spricht von einer „Kerndämmung“. Der verbleibende, fingerdicke Luftspalt genügt zum Abtransport von Feuchtigkeit. Durch eine Z-Sperre wird ein eventuelles Zuviel an Wasser vom Sockel weg nach außen geführt. Eine Folie wird in ungefähr 50 Zentimeter Höhe an der Innenschale befestigt oder in die Lagerfuge der Außenwand eingelegt, nach unten auf den Fußpunkt und weiter über den Sockel gezogen, auf ihr wächst anschließend die Vormauer weiter in die Höhe. Die Z-Sperre sollte der Bauherr in jedem Fall fordern, auch wenn sie eventuell demnächst nicht mehr Vorschrift ist. Den Abschluss der Arbeiten bildet die saubere Fugenausbildung mittels Fugeisen.

Riemchen, Verblender, Fertigklinker

Historisch wurden und werden Klinker vor allem im Ingenieurs- und Industriebau eingesetzt: So wurden im 19. Jahrhundert viele Brücken und Fabriken aus Klinkern erbaut. Auch die Kanalnetze vieler deutscher Städte wurden zur selben Zeit mit Klinker ausgemauert und verrichten bis heute ihren Dienst.

Imitate aus Vinyl-Paneelen verwandelten ab den 1960er-Jahren zahlreiche Häuser in schlechte Filmkulissen und schädigten aufgrund ihrer Diffusionsdichte nicht selten die Bausubstanz.

Besser sind da schon die Riemchen, rund zwei Zentimeter starke Plättchen aus ebenfalls klingend hart gebranntem Ton, die auf einer Mörtelschicht aufgebracht werden, zum Beispiel im Rahmen eines Wärmedämm-Verbundsystems, anstatt Putz.

Zur weiteren Vereinfachung hat sich die Industrie Fertigelemente einfal­len lassen, Dämmplatten aus Hartschaum mit bereits aufgeklebten Riemchen. Kritiker merken aber an, dass die starren Großelemente das normale Dehnen und Schwinden einer mineralischen Außenhaut nicht so leicht ausgleichen wie eine gemauerte Außenschale.

Einfache Pflege der Klinkerfassade

Der Vorteil einer Klinkerfassade liegt in ihrer einfachen Pflege: Sie muss nicht gestrichen werden. Bei Ausblühungen oder Salzaustritten kann chemisch gegengesteuert werden. Wenn Sie eine dauerhafte und über Jahrzehnte schöne Fassade haben wollen, sollten Sie über Klinker nachdenken!

Verblender aus Granit oder Kalksandstein

Natursteine wie Granit werden aus Kostengründen generell nur selten als Verblender eingesetzt, dafür häufig der Kalksandstein. Der ist frostbeständig – sofern er ausschließlich mit hochreinem Sand hergestellt wird. Verwendet man stattdessen mit Tonerden und organischen Bestandteilen verunreinigten Natursand, wird es unterhalb des Gefrierpunktes kritisch, denn diese Stoffe reagieren bei Wasseraufnahme und anschließendem Frost empfindlich.

In Gestalt des Fasensteins, im Großformat und mit abgeschrägten Kanten, kann er einem Gebäude ein beinahe klassizistisches Aussehen verleihen. Über die Schutzfunktion hinaus soll die Fassade schließlich auch Eindruck machen. Recht bald nach seiner Erfindung lernten Maurer mit dem einfachen Vormauerziegel für Schauwert zu sorgen. Man dachte sich kunstvolle Muster aus. Farbvariationen kamen ins Spiel: aus weißen, gelben, braunen Tonerden wurden entsprechende Klinker hergestellt. Auch der Brennvorgang spielt eine Rolle, Ziegel aus dem historischen Torfbrandofen fallen unregelmäßiger aus als die aus dem modernen Gasofen, buntgescheckt in allen Nuancen vom hellen Rot bis hin zum metallischen Blau.

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