Vorgehängte Fassaden

Eine vorgehängte Fassade wird im Gegensatz zum Putz nicht direkt auf das Mauerwerk aufgebracht, sondern auf eine Unterkonstruktion aus Holz oder Metall montiert.

Durch die Vielzahl und Kombinationsmöglichkeiten der infrage kommenden Verkleidungsmaterialien werden Vorhangfassaden beim Einfamilienhausbau immer beliebter.

Der Schichtaufbau: An der tragenden Wand werden in regelmäßigen Abständen horizontale Kanthölzer befestigt. Dazwischen wird die Wärmedämmung eingebracht, die je nach Wärmedämmwert der Wand vier bis zwölf Zentimeter beträgt. Auf die horizontalen Hölzer wird eine vertikale Konterlattung genagelt, an der man die eigentliche Fassade "anhängt".

Die Luftschicht zwischen den senkrechten Latten dient als Verdunstungsraum für eventuell anfallende Feuchtigkeit. Damit die Entlüftung funktioniert, bleibt die Fassade am oberen sowie unteren Rand offen. Ein Lochgitter verhindert, dass Insekten in den Luftraum eindringen.

Kontrast & Vormauerziegel

Im Bild links wurde die Fassade des Erdgeschosses mit der Fassadenfarbe "StoColor Lotusan" weiß gestrichen. Aufgrund ihres Selbstreinigungseffektes bleibt die Fassade länger sauber. Vor die Pfosten- Riegel- Konstruktion kam das mit dem Öko- Qualitätssiegel "natureplus" ausgezeichnete Wärmedämm-Verbundsystem "StoTherm Wood".

Holz und andere Materialien

Die gängigste Verkleidung von Vorhangfassaden ist nach wie vor Holz, sei es als Profilbretter, Schindeln oder Holzwerkstoffplatten. Aus konstruktiver Sicht ist eine senkrechte Anordnung am günstigsten, da Regenwasser dann direkt zum Boden abfließen kann.

Wird aus gestalterischen Gründen eine horizontale Verkleidung bevorzugt, müssen Profilbretter mit den Nuten nach unten verlegt werden, damit sich kein Wasser darin sammeln kann. Eine weitere Möglichkeit ist die waagerechte Stülpschalung, bei der sich die Bretter überlappen.

Beim vorgehängten Fassadensystem stehen neben Holz diverse andere Verkleidungsmaterialien wie Schiefer, keramische Platten, Stapelsteine aus Beton oder Kunststoff-Elemente zur Auswahl.

Faserzementplatten beispielsweise sind robust und witterungsbeständig. Sie besitzen in der Regel eine Wasser abweisende, farbige Oberflächenbeschichtung, die industriell aufgebracht wird und keiner Nachbehandlung mehr bedarf.

Einzelne Bauherren wagen sich sogar daran, größere Flächen mit Metall zu verkleiden. Doch aufgepasst: Bei Metallfassaden ist die Hinterlüftung unabdingbar, da das Material völlig dampfdicht ist und die Gefahr der Tauwasseransammlung innerhalb es Bauteils besteht.

Sichtmauerwerk

Eine weitere Variante der Fassadenausbildung ist Sichtmauerwerk. Es steht als separates Element mit Abstand vor der tragenden Wand und ist mit dieser über Stahlanker verbunden, die für die Standfestigkeit verantwortlich sind. Im Hohlraum zwischen den beiden Mauern befindet sich die Wärmedämmung und falls nötig eine Luftschicht zur Hinterlüftung.

Im Gegensatz zu den leichten Vorhangfassaden muss die massive Vormauerung auf ein Fundament gegründet werden. Die Herstellung einer solchen zweischaligen Außenwand ist zwar aufwändig, dafür ist die Konstruktion schier unverwüstlich und beinahe wartungsfrei.

Für die äußere Schale gibt es frostbeständige Vormauerziegel. Wer weißes Sichtmauerwerk bevorzugt, wählt Kalksandsteine. Es gibt sie mit glatter oder rauer Oberfläche in verschiedenen Formaten.

Eine elegante, sachliche Anmutung vermitteln Beton-Fassadensteine. Ihre natürliche Farbe ist ein helles Grau, durch Beimischung von Pigmenten entstehen auch andere Töne. Mittels Farbkombinationen erreicht man besondere gestalterische Wirkungen. Weitere Variationen ergeben sich aus der Art, wie die Steine vermauert werden, dem so genannten Verband.

Schallschutz

In zunehmendem Maße wird die Lärmbelastung des Menschen als eine der wesentlichen Umweltverschmutzungen aufgefasst. Die Reduzierung dieser Lärmbelastung vor allem im Wohnbereich ist daher ein zentrales Anliegen des Neubaus.


Verkehrslärm lässt sich in den seltensten Fällen verringern, also müssen verstärkt innovative Methoden zur akustischen Abschirmung gesucht werden. Fassadenkonstruktionen haben dabei die Aufgabe, den Schallschutz gegen Lärm von außen sicherzustellen. Umfangreiche Prüfungen zum Schallschutz an Außenwand- Systemen mit vorgehängten hinterlüfteten Fassaden zeigten, dass mit größer werdenden Dicken der Wärmedämmung und mit wachsender Masse der vorgehängten Fassade die Schalldämmung steigt.
Forscher suchen heute nach neuen Ansätzen bei der Schalldämmung von Fassaden und denken dabei an den verstärkten Einsatz aktiv wirksamer Geräuschminderungsmaßnahmen, bei denen - vereinfacht ausgedrückt - Schwingungen durch phasenverschobene Gegenschwingungen gleicher Frequenz kompensiert werden.
Wichtig: Die schalltechnische Qualität von Fassaden ist im Wesentlichen vom Schalldämm- Maß der verwendeten Fenster abhängig, da sie im Allgemeinen die Schwachstelle darstellen

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