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Fenster für viel Tageslicht

Fenster sorgen nicht nur für viel Tageslicht im Hausinneren, sondern prägen auch das Fassadenbild. 

Wie sehr unsere Wohnansprüche sich gewandelt haben, wird einem erst so recht bewusst, wenn in der Nachbarschaft jemand umbaut. Wenn ein Haus der Fünfziger oder Sechziger konsequent modernisiert wird fliegen nicht nur ganze Zwischenwände raus, auch Fensteröffnungen werden um ein Vielfaches vergrößert und Brüstungen fallen dem Abrisshammer zum Opfer.

Erstaunlicherweise ist trotz dieser radikalen Öffnung, die Tageslicht in die letzten Winkel bringt und trotz des wesentlich größeren Glasanteils der Energieverbrauch danach nicht höher als vor der Maßnahme. Gelegentlich sogar niedriger. Das hat unter anderem mit den atemberaubenden Fortschritten in der Fenstertechnik zu tun, gerade bezüglich des Wärmeschutzes.

Alter Fenster testen: Feuerzeugtest

Wer wissen will, woran er mit seinen Fenstern ist, macht den Feuerzeugtest. Einfach die Flamme vor die Verglasung halten, pro Scheibe gibt es zwei Reflektionen. Vier identische Spiegelbilder verraten die „Zweischeiben-Isolierverglasung“, ab 1977 vorgeschrieben. Kein echter Schutz vor Kälte, aber schon mit deutlich besserem Dämmvermögen beziehungsweise geringeren Wärmeverlusten als die altehrwürdige Einscheiben-Verglasung.

Zeigt sich jedoch eine der Spiegelungen farblich verändert, wurde die betreffende Scheibenoberfläche mit Silber bedampft, verfügt über eine sogenannte Low-E-Beschichtung, die die Wärmestrahlung aus dem Raum reflektiert. Man hat ein „Wärmeschutzfenster“ vor sich, ab 1995 obligatorisch. Zusätzlich ist der Zwischenraum zwischen den Scheiben hermetisch abgedichtet und enthält anstatt Luft schlecht wärmeleitende Edelgase (Argon, Krypton, Xenon oder Mischungen).

Dieser Typ dämmt fünfmal so gut wie ein Einscheiben-Fenster, wird aber noch übertroffen vom Drei-Scheiben-Wärmeschutzfenster, wie es heute Stand der Technik ist, mit zwei Low-E-Beschichtungen. Herrschen außen minus zehn Grad, misst man innen an der Oberflächen 17 Grad plus – beim Einscheiben-Fenster minus ein Grad.

Alte Rahmen

Auch die alten Rahmen lassen unnötig viel Wärme entkommen. Angefangen bei der warmen Raumluft, die durch die Fuge zwischen dem in der Laibung befestigten Blendrahmen und dem beweglichen Flügelrahmen entweicht. Moderne Rahmen besitzen umlaufende, dauerelastische Dichtlippen, die damit Schluss machen. Bestehen sie aus Holz, werden sie zum Beispiel mit Dämmungen aus Polyurethan-Hartschaum (PU-Hartschaum) ergänzt. An den Außenseiten können sie mit einer Schale aus Aluminium als Witterungsschutz versehen werden.

Reine Metallrahmen sind aus naheliegenden Gründen out. Dafür kommt in Kunststoff-Fenstern, aus Polyvinylchlorid (PVC), Stahl zum Einsatz, zur Stabilisierung. PVC ist beliebig formbar, es ermöglicht die Herstellung komplizierter Kammer-Systeme, wodurch der Wärmedurchgang eingeschränkt wird. Erst recht, wenn die Kammern mit Dämmstoffen gefüllt sind, PU-Hartschaum oder expandiertem Polystyrol (EPS). Weil Stahl das Isoliervermögen beeinträchtigt, werden zur Aussteifung des Rahmens alternativ zunehmend leichte, glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK) verwendet.

Mit die höchsten Ansprüche an den Wärmeschutz stellt das Passivhaus Institut in Darmstadt. Passivhäuser sollen so gut wie ohne Raumheizung zu allen Jahreszeiten behaglich sein. Ihre Fenster müssen, zumindest auf der Südseite, Energieversorger sein: Ihre Energiebilanz muss selbst in den Wintermonaten positiv sein, die solaren Gewinne müssen die Verluste übersteigen. Genügen Glas und Rahmen den Anforderungen des Instituts, können sie ein entsprechendes Zertifikat erhalten.

Moderne Fenster: Rahmen und Verglasung

Fortschritte in der Fenstertechnik sind der Grund, weshalb Glas und Rahmen heutzutage unterm Strich für Wärmegewinne sorgen, statt für Verluste. 

Tüftler und Entwickler der Branche haben sich einiges einfallen lassen, um vor allem den U-Wert klein zu kriegen – wortwörtlich. Er gibt an, wie viel Energie in einer Stunde durch einen Quadratmeter eines Bauteils entweicht, wenn das Temperaturgefälle genau ein Grad Kelvin beträgt.

Einscheiben-Fenster etwa, wie sie heute nur noch in historischen Gebäuden und Gewächshäusern geduldet werden, sind mit U-Werten von über 5,0 W/m2K reine Energielecks, solche mit luftgefüllter Doppelverglasung, noch bis 1995 eingebaut, kommen auf um die 3,0 W/m2K. Der entscheidende Schritt war der luft­dichte Verbund aus zwei Scheiben mit Edelgasfüllung (Argon oder Krypton) im Zwischenraum. Kombiniert mit einer hauchdünnen Silberbeschichtung der äußeren Scheibe, wurden Werte von weit unter 2,0 W/m2K möglich.

Die Drei-Scheiben-Verglasung knackte dann die magische Marke: 0,8 W/m2K darf man in dieser Klasse erwarten. Doch erging es dem Wärmeschutzfenster wie jedem Rekordmeister – es wurde übertrumpft. Der Vakuum-Glasverbund nämlich bringt es bei weit geringerem Gewicht auf ähnliche Werte, ist derzeit allerdings noch nicht in den gängigen Größen zu bekommen.

Doch nicht nur das Fensterglas an sich ist für die guten Werte verantwortlich. Auch Rahmen und Rahmenverbund wurden optimiert: Rahmen sind mittlerweile präzise ausgetüftelte Kammersysteme aus Kunststoff oder Holz, seltener Aluminium, zum Teil mit Hartschaum gefüllt. Auch Materialmixe sind erhätlich.

Dieverschiedenen Materialen unterscheiden sich grundlegend in ihren Eigenschaften in puncto OptikWärmedämmung,Haltbarkeit und Preis.

Je besser allerdings die Wärmedämmung, umso niedriger der g-Wert, also der Gesamtenergiedurchlassgrad. Das bedeutet konkret, dass stark wärmegedämmte Fenster deutlich weniger Licht durchlassen.

Expertenmeinungen zufolge sollte der g-Wert bei Zweifach-Verglasungen mindestens 62 Prozent und bei Dreifach-Verglasungen mindestens 55 Prozent betragen. Ist der g-Wert geringer wird zwar durch gute Wärmedämmeigenschaften zuerst viel Energie gespart, jedoch wird mehr künstliches Licht und somit Energie benötigt.

Tipp: Fenster austauschen

Alle Infos und Bautipps rund um den Fenstertausch haben wir für Sie in unserem Beitrag Fenster austauschen übersichtlich zusammengestellt. 

Rahmen mit Qualität

Hochwertige Rahmenkonstruktionen aus mehreren Kammern sorgen für effektive Dämmung: Sie machen einen wichtigen Unterschied zwischen Billig-Fenstern und Qualitätsfenstern. Letztere besitzen außer den Luftkammern eine exakt darauf abgestimmte Bautiefe als Basis für effektiven Wärmeschutz.

Für echte Stabilität im Rahmen sorgen bei Qualitäts-Kunststofffenstern zusätzliche Stahlverstärkungen. Hochwertige und langlebige Beschläge halten auch bei starken Temperaturschwankungen Rahmen und Flügel zusammen und damit das Fenster dicht.

Apropos dicht: Bei den umlaufenden Kunststoffdichtungen gibt es ebenfalls Qualitätsunterschiede – z.B. in der Art und Weise, wie sich die Dichtungen wieder zurückstellen und wirklich dicht halten. Neue Fenster haben ein speziell abgestimmtes Dichtungssystem. Dies verhindert bei geschlossenen Fens­tern einen Wärmeverlust zwischen Flügel und Rahmen und spart teure Energie.

Fenstermaterialien in der Übersicht

Kunststoff ist der Bestseller der Fensterrahmmaterialien in Deutschland. Der große Pluspunkt des Materials ist sein günstiger Anschaffungspreis. Kunststoff benötigt wenig Pflege und ist dabei relativ langlebig.

Gegen einen Mehrpreis kann das Material durch eine spezielle Folie den individuellen Farbwünschen angepasst werden. Jedoch sollte man bei der Anschaffung beachten, dass im Brandfall giftige Gase entstehen könnten.

Betrachtet man die Ökobilanz, so sind die Fenster aus Kunststoff im Nachteil. Immerhin gibt es Rahmen aus recyceltem Kunststoff.

Das Fenster aus Aluminium besticht durch sein modernes Design und sein hochwertiges Material. In der Farbgestaltung sind durch individuelle Lackierung keine Grenzen gesetzt.

Aluminiumfenster sind stabiler als Kunststofffenster und bieten so guten Einbruchschutz. Die Witterungsbeständigkeit sowie der Wartungsaufwand, der gegen Null geht, sind ebenfalls Punkte, die für das Material sprechen.

Im Nachteil liegt das Aluminiumfenster wenn es um den Preis geht: Es ist zwar günstiger als das Holzfenster, jedoch deutlich teurer als die Variante aus Kunststoff.

Holz ist das traditionelle Material für Fensterrahmen und nicht nur optisch attraktiv. Es verbindet Stabilität mit guten Dämm­eigenschaften und Nachhaltigkeit. Nachteil zumindest vieler einheimischer Sorten ist die geringe Witterungsbeständigkeit. Nordeuropäische Arten, langsamer gewachsend, mit dichteren Jahresringen, sind resistenter. Tropenhölzer sind weniger nachhaltig und sollten unbedingt aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen (auf das Label des Forest Steward­ship Council – FSC – achten). 

Bedingt durch die offenporige Struktur gleicht Holz Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen problemlos aus und sorgt für ein angenehmes Raumklima. Zudem besitzt Holz exzellente Dämmeigenschaften. Wählt man heimische Hölzer für sein Fenster, schont man zusätzlich die Umwelt.

Nachteilig bei Holz als Material ist lediglich der höhere Anschaffungspreis im Vergleich zu den anderen Materialien und der Wartungsaufwand. Bei guter Pflege besticht das Fenster aus Holz jedoch mit seiner langen Lebensdauer

Etwa in den 1920ern kam man in der Schweiz auf die Idee, Aluminium und Holz zu kombinieren. Letzteres sorgt für den Dämmeffekt und die Optik auf der Innenseite, außen schützt Aluminium den Rahmen. Inzwischen haben allerdings preisgünstige Kunststofffenster den größten Marktanteil. Kombinationen von Holz und Kunststoffen, mit Dreifach-Verglasung versehen, kommen zunehmend in Passivhäusern zum Einsatz.

Vor dem Fensteraustausch: Energieberater hinzuziehen

Seit einigen Jahren sind Rahmen mit integrierter Lüftung auf dem Markt. Zur Lösung eines Problems, das keines sein müsste, und das in der Regel schlicht auf fehlender Planung der Maßnahme beruht: Tauscht man lediglich die alten Fenster gegen neue, luftdicht schließende, kann sich die feucht-warme Raumluft nicht mehr wie zuvor ungehindert durch die Fugen davonstehlen.

Ist das Haus noch dazu mangelhaft oder eventuell gar nicht gedämmt, kondensiert die Feuchte nun an den kalten Wänden, sofern man nicht wesentlich öfter lüftet. Der Schimmel fühlt sich wohl, wächst und gedeiht.

Bevor man also den Montagebetrieb beauftragt, sollte man immer einen Energieberater hinzuziehen. Er kennt die bauphysikalischen Zusammenhänge, sieht das Haus im Ganzen und wird den Besitzer vor derartigen Fehlin- vestitionen bewahren. Denn häufig macht es mehr Sinn, sich die Modernisierung der Haushülle insgesamt vorzunehmen, inklusive einer nachträglichen Außendämmung, dem wirksamsten Schimmelschutz: Ordentlich isolierte Außenwände halten die Wärme und auf warmen Oberflächen bleibt Tauwasserausfall die Ausnahme.

Wird zugleich eine Außendämmung angebracht, empfiehlt es sich, die neuen Fenster nach vorne zu setzen, in die Dämmebene, mittels Spezialzargen oder Konsolen. So vermeidet man den „Schießscharteneffekt“. Rollladenkästen müssen von innen gedämmt sein, bei einigen Modellen sind zusätzlich die Lamellen selber mit Dämmstoff gefüllt.

Fensterrahmen mit Lüftungssystem

Falls eine umfassende Renovierung nicht möglich oder gewünscht ist kommen Fenster mit integrierter Lüftung zum Einsatz. Da die Raumluft in modernen dichten Häusern häufig wärmer und feuchter ist, weil zum Fensterlüften im ausreichenden Maße im Alltag einfach die Zeit fehlt, muss die Technik einspringen. 

Tipp: Neue Fenster planen

Kosten und Förderung:

Holzfenster, Dreifachverglasung – 600 bis 800 €/m2
Kunststofffenster, Dreifachverglasung – 400 bis 500 €/m2

Gefördert wird die Leistung des Energieberaters (vom BAFA, Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Tel.: 0 61 96/9 08 – 18 80, Fax: 0 61 96/9 08 - 8 00, www.bafa.de) sowie die energetische Modernisierung und zusätzlich die Baubegleitung durch einen unabhängigen Sachverständigen (von der KfW, kostenloses Infotelefon: 0800/5399002, Mo – Fr von 8:00 bis 18:00 Uhr, Fax: 069/74 31 – 95 00; www.kfw.de; E-Mail: info@kfw.de).

Planung:

Hausdiagnose vorab durch den unabhängigen Energieberater (zu finden unter: www.energie-effizienz-experten.de), ggf. weitere Maßnahmen erforderlich; bei geplanter Erweiterung der Fensterflächen nach der neuen DIN EN 17037 „Tageslicht in Gebäuden“ vorgehen (geht über die in den Landesbauordnungen geforderte Mindestversorgung hinaus), u. U. ist Sonnenschutzglas einzusetzen, mit niedrigen g-Werten (siehe Kasten „Kennwerte und Gütezeichen“); Vorgaben der Energieeinspar-Verordnung (EnEV): U -Werte der neuen Fenster nicht über 1,3 (Ausnahmeregelungen für Baudenkmäler); Montage der Fenster nur durch Fachbetrieb, am besten durch RAL-zertifizierten Montagebetrieb (zu finden über den VFF).

Fenster im Baudenkmal

Steht allerdings das Gebäude unter Denkmalschutz oder genießt die Fassade „Ensembleschutz“, sind optische Veränderungen tabu. Dann sind Abstriche beim Wärmeschutz in Kauf zu nehmen. In einigen Fällen führt indes bereits das Auswechseln der Verglasung und das Nachrüsten der Rahmen mit Dichtlippen zu einer spürbaren Verbesserung. Wahlweise lässt sich ein zweites Fenster, von außen nicht sichtbar, hinter das Original in die Laibung setzen. Teurer sind natürlich originalgetreue Nachbauten mit einer Wärmeschutzverglasung.

Mehr Transparenz ist hier keine Option, würde einem historischen Haus auch nicht gut stehen. Es sei denn, es handelt sich um ein ohnehin großzügig verglastes Beispiel klassisch-moderner Architektur, im Bauhaus-Geist entworfen. Vielleicht um einen Bungalow der 1960er-Jahre.

Solche Gebäude sind im unsanierten Zustand in der kalten Jahreszeit überhaupt nur mit rund um die Uhr glühenden Heizkörpern bewohnbar. (Einigen Vertretern der Moderne war diese Schwäche durchaus bewusst.) Die Technik hinkte dem fortschrittlichen Denken der Bauhäusler lange hinterher. Doch sie hat aufgeholt. Jetzt kann man in dem, was einst nur Avantgarde, hell und innovativ war, auch noch leben. Und das energieeffizient, mit niedrigen Heizkosten und mit kleinem CO2-Fußabdruck.

Fachgerechter Fenstereinbau

Auch wenn die technischen Voraussetzungen bei den neuen Fenstern stimmen, bleibt immer noch ein möglicher Schwachpunkt: die Montage. Fachleute schätzen, dass in den meisten Fällen bei Fenstereinbauten nach der Befestigung die Anschlussfuge lediglich gedämmt wird. Bei dieser Methode kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Bauanschlussfuge zum umgrenzenden Mauerwerk hin – wie erforderlich – luftdicht ist.

Basisanforderung der Montage ist zunächst die ausreichende und dauerhafte Befestigung der Bauelemente in der Außenwand. Undichte Stellen in der Verbindung zwischen Fenster und Wand, der so genannten Bauanschlussfuge, müssen unbedingt vermieden werden. Raum- und Außenklima sollen strikt getrennt bleiben.

Außerdem muss die Konstruktion in der Lage sein, eventuell in die Anschlüsse eindringende Feuchtigkeit nach außen abzuführen. Durch die heutigen Anforderungen der „luftdichten Bauweise” werden der Abtransport von Feuchtigkeit und der natürliche Luftaustausch durch winzige Ritzen oder Öffnungen in der Gebäudehülle praktisch vollständig verhindert.

Aus energierelevanter Sicht ist das auch in Ordnung, es hat aber zur Folge, dass viel mehr und konsequenter gelüftet werden muss. Während sich der Feuchtegehalt im Raum auf diese Weise relativ leicht senken lässt, kommt es bei der Oberflächen-Temperatur der Außenbauteile darauf an, ob die Konstruktion sachgerecht gedämmt und abgedichtet ist. Das gilt auch für die Bauanschlussfuge zwischen Fenster und Wand.

Das GEG fordert eine dauerhaft luftundurchlässige Abdichtung der Fugen. Selbstverständlich muss auch die Fuge umlaufend zwischen Fenster und Mauerwerk luftundurchlässig geschlossen werden. Einputzen allein ge­nügt nicht. Zusätzliche Materialien wie z.B. Folien, Bänder oder spritzbare Dichtstoffe erbringen diese geforderte Luftdichtheit.

Wenn Raumluft und Feuchtigkeit in die Konstruktion und in den Funktionsbereich eindringen, können Stockflecken, Schimmelpilzbefall, nässende Wände bis hin zu Schäden der Bausubstanz die Folgen sein. Logisch, dass dann auch der Wärmeschutz nicht mehr vollständig funktionieren kann.

Panoramafenster, Glaswände und Co.

Der Markt bietet unterschiedlichste Formen von raumhohen Panoramaverglasungen, die man in drei Kategorien gliedern kann:

  • Schiebesysteme
  • Schiebe-Drehsysteme und 
  • Glas-Faltwände.

Schiebesysteme lassen sich nach rechts und links öffnen. Sie laufen dabei, je nach Anzahl der Fenstertüren, ein-, zwei- oder dreispurig. Auch Ecklösungen sind möglich.

Schiebe-Drehsysteme bieten genau wie Glas-Faltwände die Möglichkeit eine Verglasung über die gesamte Breite zu öffnen. Die einzelnen Glaselemente werden über eine Bodenschiene zur Seite geschoben und dann nach innen oder außen weggeklappt.

Festverglaste Fenster lassen sich im Gegensatz zu Dreh-Kipp- oder Schiebefenstern nicht öffnen, da sie keinen gängigen Flügel haben. Man nutzt sie in erster Linie dort, wo neben viel Tageslicht und einem Panoramaausblick eine bestmögliche Abdichtung gewünscht ist. Festverglasungen lassen sich in zwei Arten unterscheiden:

  • Festverglasungen im Rahmen und
  • Festverglasung im Flügel.

Da die Scheibe bei ersteren ohne Öffnungsmechanismus direkt im Rahmen sitzt, sind spezielle Formate, z.B. sehr große oder ganz kleine Fenster sowie komplett verglaste Hausfassaden möglich.

Sitzt die Festverglasung im Flügel unterscheiden sich die Fenster auf den ersten Blick kaum von Dreh-Kipp-Fenstern. Wer sich also ein harmonisches Gesamtbild mehrteiliger Fensterkombinationen mit unterschiedlichen Öffnungsmechanismen wünscht, ist mit ihnen gut beraten, da sie keinen Beschlag oder Fenstergriff besitzen. 

Grundsätzlich sind Festverglasungen kostengünstig und bieten hervorragende Wärmedämmeigenschaften aus. Das liegt an der geringen Fläche des Fensterrahmens. Außerdem entstehen anders als bei Fenstern mit Öffnungmechnanismus keine luftdurchlässigen Spalten. In Kombination mit Sicherheitsglas, bieten festverglasungen außerdem besten Einbruchschutz.

Beim Einbau einer Übereckverglasung ist besondere Sorgfalt notwendig: Auf den Randverbund dürfen keinesfalls länger Feuchtigkeit, UV-Strahlung oder mechanische Spannungen einwirken.

Zudem muss sich das anschließende Material, beispielsweise Kleb- oder Dichtstoff mit dem Glas vertragen. Die Glaskonstruktion selbst muss auch einiges aushalten: Neben Klimalasten aus dem Scheibenzwischenraum und dem Eigengewicht wirken auch Winddruck und Windsoglasten auf sie ein.

Hinzu kommen hohe Anforderungen an die Glasabdichtung, da Ganzglasecken  eine Wärmebrücke darstellen. Die vergleichsweise kleine Innenfläche gibt einen Wärmestrom an eine viel größere Außenfläche ab. Aufgrund der deutlich geringeren Oberflächentemperatur kommt es dann zu Tauwasserbildung.

Dies lässt sich durch wärmetechnisch verbesserte Isolierglasabstandhalter vermeiden. Eine sorgfältige Planung durch Spezialisten ist bei Ganzglasecken unerlässlich, da Fertigung, Montage und Bauphysik äußerst komplex sind. 

Auch die Glas-Faltwand ermöglicht ein volles Panorama, indem die einzelnen Glasflügel im Paket beiseitegeschoben werden. Dies geschieht dank raffinierter Technik geräuscharm und mit geringem Kraftaufwand.

Sonnenschutz am Fenster

Insbesondere auf der Süd- und der Westseite sowie unterm Dach ist unbedingt der Sonnenschutz zu beachten. Einige Hersteller bieten deshalb Modelle mit integriertem Sonnenschutz. In den Rahmen eingepasste Jalousien oder Sonnenschutz-Folien, witterungsgeschützt hinter der ersten Scheibe, haben sich hier als wirkungsvoll erwiesen, außerdem spezielle Beschichtungen. Bestimmte Zusätze im Glas verleihen ihm die Fähigkeit, die Infrarotstrahlung zu speichern und nachts wieder abzustrahlen.

Alternativ lassen sich außenliegend Rollläden oder Hitzeschutzmarkisen anbringen. Innen sind Rollos, Wabenplissees und Co. eine gute Option. 

Einbruchschutz am Fenster

Der Einbruchschutz an Fenstern und Wintergärten kann auf mehrere Arten erreicht werden. Stählerne Pilzkopfzapfen im Flügelrah- men und entsprechende Schließstücke im Blendrahmen, in die die Zapfen sich einhaken, machen das Aufhebeln schwer bis unmöglich. Verbundsicherheitsglas bietet zudem eine wirksame Barriere. Es kann splittern, bricht aber dank einer zähen Folie aus Polyvinylbutyral (PVB) nicht. Überwindet der Einbrecher doch die Scheibe, ist das nächste Hindernis ein Fenstergriff mit Schließzylinder und Aufbohrschutz.

Mit Bewegungsmeldern gekoppelte Alarmanlagen können schwere Jungs bereits im Vorfeld in die Flucht schlagen, bevor Fensterkontaktmelder oder gar Glasbruchmelder zum Einsatz kommen müssen. Was den mechanischen Schutz angeht, genügen laut den Fachleuten von der Polizeilichen Kriminalprävention für die Mehrzahl der Häuser die Klassen RC 2 N oder RC 2, bei höherer Gefährdung RC 3. Gekippte Fenster und Fenstertüren sind übrigens eine Einladung an Kriminelle.

Interview: Fenster für ein besseres Zuhause

Das Zuhause hat für uns alle in den letzten Wochen und Monaten eine neue Bedeutung bekommen. Doch während die einen es als Ruhepol genießen konnten, wurde es für andere eher stressbeladen. Für Bauherren und Renovierer hat die Frage, wie das eigene Zuhause aussehen sollte, durch die besonderen Umstände dieser Ausnahmezeit neues Gewicht bekommen. Welche Dinge werden uns wichtiger sein? Was macht ein Zuhause zum Wohlfühlort? 

Die Redaktion von bau-welt.de stellt die Fragen an Katja Schreiber, Leitung Marketing-Kommunikation beim Fensterhersteller Siegenia.

Redaktion: Frau Schreiber, können Sie als Branchenexpertin beobachten, dass sich das Kaufverhalten von Haus- und Wohnungseigentümern verändert?

Katja Schreiber: Seit längerem stellen wir fest, dass Immobilienbesitzer keine Entscheidung mehr zugunsten einzelner Wohlfühlaspekte treffen, sondern mehrere von ihnen flexibel kombinieren möchten. Sie wünschen sich nicht Sicherheit zulasten von Design oder Bedienkomfort – sie wünschen sich vielmehr deren Verbindung. Diesem Bedürfnis liegt ein umfassendes Verständnis von Raumkomfort zugrunde, dem wir als Hersteller entsprechen.

Redaktion: Grundstücke werden immer kleiner, Häuser oft kompakter. Doch die Sehnsucht nach Natur und Grün wächst. Wie können Fenster zum Wohlfühlen beitragen?

 Katja Schreiber: Die einfachste Art, die Natur nach drinnen zu holen, sind großzügig dimensionierte Fenster und Fenstertüren. Je größer die Scheibe, desto mehr Licht bringt sie ins Gebäude, lädt die Außenwelt ein und sorgt für Wohlgefühl. Das gilt besonders für Großflächenelemente wie Hebe-Schiebe-Türen. Sie haben den zusätzlichen Vorteil, dass sie die Terrasse zum Outdoorwohnzimmer machen. Dabei lohnt der bewusste Blick auf die Ausstattung. Barrierefreie Lösungen mit bodenebenen Schwellen z. B. schaffen einen bequemen Durchgang, lassen Innen und Außen zusammenwachsen. Verdeckt liegende Bedientechnik lenkt den Blick auf das Wesentliche und kann dies verstärken. Auch das Thema Bedienfreundlichkeit will bedacht sein, denn mit der Größe eines Elements nimmt das Gewicht zu. Hier bieten motorische Antriebe Komfort, indem sie Nutzern aller Altersklassen das bequeme Öffnen und Schließen ermöglichen. Auf leichte Bedienbarkeit sollte man übrigens auch bei Fenstertüren achten, vor allem in energieeffizienten Gebäuden. Dort werden sie durch eine Dreifachverglasung oft zum Schwergewicht. Clevere Helfer wie Komfortscheren schaffen Abhilfe.

Redaktion: Das Zuhause steht für Gemütlichkeit und Geborgenheit. Untrennbar damit verbunden ist die Sicherheit – für Familie und Eigentum. Wie können Fenster das Zuhause schützen, ohne dass die Maßnahmen „Trutzburgcharakter“ haben?

Katja Schreiber: Es geht auch ohne Trutzburgcharakter, ganz ohne sichtbare Aufschraubsicherungen. Grundsätzlich kommt die mechanische Einbruchhemmung an erster Stelle. Hier empfiehlt sich der Einbau von Fenstern und Türen mit einem Prüfzeugnis gemäß Widerstandsklasse RC2. Sie schützen vor der wichtigsten Einbruchmethode, dem Aufhebeln, und die dafür benötigte Technik bleibt komplett verborgen. Speziallösungen wie RC2-Fenster mit gesicherter Spaltlüftung lösen dabei sogar den Widerspruch zwischen Sicherheit und bedarfsgerechter Lüftung. Auch auf Bedienkomfort und das beruhigende Gefühl, unterwegs für Sicherheit sorgen zu können, müssen Hausbesitzer keinesfalls verzichten: Verdeckt liegende Sensoren z. B. geben via App jederzeit Auskunft über den Öffnungszustand von Fenstern. Kombiniert mit motorischen Antrieben erlauben sie sogar das Schließen von unterwegs. Auch an der Haustür lassen sich Sicherheit und Komfort verbinden – z. B. durch automatische Mehrfachverriegelungen oder moderne Zutrittskontrollsysteme.

Redaktion: Wohlfühlen hängt auch mit Wohngesundheit zusammen und dadurch mit Aspekten wie Raumluftqualität und Ruhe. Mit welchen Maßnahmen lässt sich ein wohngesundes Umfeld schaffen?

Katja Schreiber: Die kontrollierte Lüftung mithilfe von Wand- und Fensterlüftern wirkt der Entwicklung von feuchtigkeitsbedingten Schäden entgegen, was gerade in energieeffizienten Gebäuden eine wichtige Rolle spielt. Je nach Ausstattung können Lüftungsgeräte zudem wichtige Zusatzfunktionen übernehmen: Eine Schalldämmung trägt speziell in lärmbelasteten Umgebungen zum Wohlbefinden bei, während ein Pollenfilter Allergiker während der Sommermonate wortwörtlich aufatmen lässt.

Redaktion: Immer mehr Menschen legen Wert auf smarte Lösungen – eine smarte Bedienung eingeschlossen, so z. B. per App. Was dürfen Bauherren von derartigen Lösungen erwarten?

Katja Schreiber: Smart Home entsteht nicht, wo Technik zum Selbstzweck wird, sondern wo clevere Lösungen moderne Techniken verwenden, um das Leben leichter und Nutzen erfahrbar zu machen. Apps spielen hier eine wichtige Rolle. In Kombination mit motorischen Antrieben für Fenster z. B. sorgen sie für Barrierefreiheit und machen schwer erreichbare oder schwergewichtige Elemente problemlos bedienbar. Mithilfe von Apps lassen sich zudem Haustüren am Abend per Fingertipp vom Sofa aus verriegeln, Lüftungsstufen von Wand- und Fensterlüftern regulieren, Antriebe und Lüfter miteinander koppeln und synchronisieren. Dabei gilt: Je mehr Funktionen und Geräte eine App miteinander verknüpft, desto besser. Zu Recht erwarten Bauherren hier keine Insellösungen, sondern herstellerübergreifende Apps, die Raumkomfort und Wohlbefinden als ganzheitliches Thema verstehen.

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