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Wärmedämmung: Welcher Dämmstoff ist der richtige?

Bauherren sind durch die Vielfalt an Dämmstoffen verunsichert. Ein Dämmstoff-Experte informiert.

 

Bei der Vielzahl an Dämmstoffen, die es auf dem Markt gibt, fällt eine Entscheidung für das passende Material oft schwer. Dämm-Experte Prof. Dr. Helmut Weber weiß, worauf Bauherren bei der Wahl des Dämmstoffes achten sollten, welche Kriterien dabei besonders wichtig sind und welche Vorteile ein natürlicher Dämmstoff wie Holzfaser hat.

1. Warum ist die Wahl des Dämmstoffs so wichtig?

Die Freude über eine Wärmedämmung hält nur dann an, wenn die Dämmung zuverlässig, robust und langlebig ist. Wer also bei der Wahl des Dämmstoffes nur auf den Einkaufspreis des Materials achtet, rechnet zu kurz.

Denn moderne Materialien wie Holzfaser-Dämmstoffe können deutlich mehr als im Winter vor Kälte zu schützen. Durch ihre hohe Wärmekapazität bildet das Material z.B. einen wirkungsvollen Puffer vor der Sommerhitze.

Gleichzeitig können sie den Schallschutz durch ihre offene Faserstruktur verbessern. Und durch ihren diffusionsoffenen Charakter gleichen sie Feuchtigkeitsschwankungen aus und schaffen ein gesundes Raumklima. Zudem sind sie sehr robust und halten als WDVS an der Fassade auch mal mechanischen Belastungen zum Beispiel durch einen Fahrradlenker stand.

Darüber hinaus sollte man den Aspekt der Entsorgung nicht außer Acht lassen, auch wenn Holzfaserdämmstoffe ein Häuserleben lang halten. Holzfaserdämmstoffe werden später nicht zu Sondermüll, sondern können wie normales Holz recycelt oder umweltschonend verwertet werden. So entstehen keine hohen Entsorgungskosten.

2. Was sind die Kriterien zur Auswahl beim Dämmstoff?

Bauherren sollten sich nicht allein auf das Kriterium Leistungsfähigkeit beschränken, sondern auch die Aspekte Sicherheit, Nachhaltigkeit und Ökologie berücksichtigen.

Dann ist es entscheidend, darauf zu achten, welcher Dämmstoff für den jeweiligen Anwendungsbereich am besten geeignet ist. Wenn ich etwa das Dach dämmen möchte, ist ein guter Hitzeschutz sehr wichtig. Und da gibt es enorme Unterschiede. Holzfaserdämmung kann Wärme besonders gut speichern und lässt damit einen Großteil der Sommerhitze erst gar nicht ins Haus. Die Zahl sogenannter Übertemperaturstunden, in denen es über 26 Grad Celsius warm wird, wird im Vergleich zu leichten, mineralischen Dämmstoffen um über zwei Drittel gesenkt. Oder einfacher ausgedrückt: Auch im Sommer hält man es im Dachgeschoss aus und kann es als vollwertigen Wohnraum nutzen.

3. Wirkt sich Dämmstoff auf die Innenraumluft aus?

Sind dampfdiffusionsoffene bzw. natürliche Dämmstoffe gesünder? Das Thema Wohngesundheit sollte man auch bei der Wahl des Dämmstoffes berücksichtigen. Die am Markt befindlichen Holzfaser-Produkte sind zum Beispiel mit anerkannten bauökologischen Zertifizierungen und einer Reihe internationaler Gütesiegel ausgezeichnet. Damit haben Bauherren die Sicherheit, dass sie sich um Schadstoffemissionen keine Gedanken machen müssen. Dies ist bei Innendämmungen von besonderer Wichtigkeit.

Die Vorzüge der ökologischen Dämmstoffe zeigen sich übrigens nicht nur in einem gesunden Raumklima, sondern auch beim Verarbeiten: Holzfaser-Dämmstoffe sind sehr hautfreundlich und jucken und kratzen nicht wie viele konventionelle Dämmstoffe.

4. Hilft der Dämmstoff gegen Pilze, Algen, Spechte und Brand?

Mangelhafter Brandschutz, Spechtlöcher und die langfristig einsetzende, unschöne Veralgung der Putzfassade wirken abschreckend und verunsichern Bauherren. Gibt es diese Probleme auch bei einem Wärmedämmverbundsystem mit Dämmstoff aus Holzfasern?

Das Risiko eines Pilz- und Algenbefalls ist auf holzfasergedämmten Fassaden nachweislich geringer. Denn Holzfaserdämmstoffe verfügen über eine der höchsten Wärmespeicherkapazitäten unter den Dämmstoffen. Dank ihres vergleichsweise hohen Gewichts speichern sie die Tageswärme sehr gut und geben sie bei den niedrigen Nachttemperaturen langsam wieder ab. So wird die bei den WDVS-Systemen vorhandene energetische Unterversorgung der Oberfläche reduziert und es entsteht an der Außenwand des Hauses weniger Tauwasser – und das brauchen die Algen zum Wachsen. Viele konventionell gedämmte Fassaden kühlen sehr viel schneller ab, so dass sich hier häufiger Feuchtigkeit als Kondensat niederschlägt.

Anders als manch einer bei Holz vermuten würde, ist auch das Brandrisiko keinesfalls erhöht. Im Gegenteil: Holzfaserdämmstoffe der Unternehmen, die dem Verband Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen e.V. (VDNR) angehören, werden den einschlägigen Brandschutz-Bestimmungen der Landesbauordnung (LBO) und der übergeordneten Musterbauordnung (MBO) voll und ganz gerecht.

Auch über Probleme mit Spechten sollte man sich nicht sorgen. Klopft ein Specht an eine holzfasergedämmte Fassade, wird er enttäuscht sein. Sie klingt nämlich dumpf, wie gesundes Holz. Und der Specht sucht nach morschen Bäumen, die hohl klingen, denn dort findet er viel Nahrung.

5. Was muss beim Einbau von Wärmedämmstoff beachtet werden?

Man sollte sich von den Anforderungen der Energieeinsparverordnung leiten lassen. Es ist also wichtig, dass man sorgfältig plant, welche Maßnahmen benötigt werden, um die gewünschte Energieeinsparung zu erreichen. Das kann dann bei einer Sanierung zum Beispiel im Dachbereich auch ergeben, dass eine Kombination aus Aufdach- und Zwischensparrendämmung optimal ist. Denn alte Dachsparren bieten selten genug Platz, um alleine durch die Zwischensparrendämmung den erforderlichen Dämmwert zu erbringen. Wenn man keinen Wohnraum verschenken will, ist dann eine Aufdachdämmung zusätzlich optimal.

6. Für welchen Wandbaustoff, welche Fassade ist der Dämmstoff aus Holzfaser geeignet?

Holzfaserdämmstoffe sind gerade in Bezug auf Wärmedämmverbundsysteme eine intelligente Alternative. Das System besteht aus einer Kombination von verputzbaren Dämmplatten und einem geeigneten Putzsystem. Damit lassen sich Außenwände im Neubau und im Bestand vollflächig dämmen und sind dauerhaft wirksam vor der Witterung geschützt. Bauherren stehen hier verschiedene, aufeinander abgestimmte Systeme zur Verfügung.

Beim abschließenden Oberputz sind der Gestaltungsfreiheit keine Grenzen gesetzt. Hier kann die gesamte Auswahl an Putzen – organisch oder rein mineralisch – genutzt werden. Wenn die Dämmplatten nicht direkt auf die Altbauwand angebracht werden können, lassen sie sich über eine Unterkonstruktion montieren.

Auch für die Kombination mit einer vorgehängten Fassade sind Holzfaserdämmstoffe geeignet. Ähnlich wie bei einem WDVS werden die Dämmplatten direkt auf der Fassade angebracht. Darauf wird dann eine Lattung befestigt, an der die Fassadenplatten „aufgehängt“ werden. Damit lässt sich zum Beispiel auch eine klassische Holzfassade realisieren.

Wärmedämmung für Dach und Fassade

Der Verband Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen e.V. (VDNR) wurde 2003 in München gegründet und vereint alle namhaften Hersteller von Holzfaser-Dämmstoffen, Wärmedämmverbundsystemen auf der Basis von Holzfaser-Dämmstoffen und Systemzubehör unter einem Dach. Der Verband betreibt Gemeinschaftsforschung, engagiert sich in der nationalen und europäischen Normung und informiert Bauherren und Planer umfassend über die ökologisch nachhaltige Dämmung mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz.

Dachdämmung mit Holzfaser-Dämmplatten
Stabile Holzfaser-Dämmplatten schützen vor Wind und Regen und bieten eine zusätzliche Dämmung oberhalb der Sparren. Foto: Verband Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen e.V. (VDNR)
Fassadendämmung mit Holzfaserdämmstoff
Gerade in Bezug auf Wärmedämmverbundsysteme sind Holzfaserdämmstoffe eine intelligente Alternative. Foto: Verband Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen e.V. (VDNR)
Dämmstoffe aus Holzfasern
Mit der stabilen Nut- und Federverbindungen ist ein sofortiger Witterungsschutz sichergestellt. Foto: Verband Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen e.V. (VDNR)

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