Wärmedämmung mit Wärmedämmverbundsystemen

Insbesondere Altbauten und auch manche Neubauten werden heutzutage mit Außendämmungen aus Polystyrol oder Polyurethan versehen. Sogenannte Wärmedämmverbundsysteme (WBVS) bieten sich insbesondere für Mietshäuser und wärmesanierungsbedürftige Einfamilienhäuser an.

Wie jedes System haben Wärmedämmverbundsysteme Vor- und Nachteile. Insbesondere bei falsche Montage können WBVS auch kontraproduktiv wirken: Fassadenschäden, eindringende Feuchtigkeit und Schimmelschäden können die Folge sein. 

Auch Schadstoffbelastungen aus Konservierungsmaßnahmen und Brandschutzprobleme sind in der Diskussion.

Wir zeigen Ihnen, worauf Sie bei der Montage und dem Kauf von Wärmedämmverbundsystemen achten müssen und welche Alternativen es gibt. 

Wärmedämmverbundsysteme im Einsatz

In den letzten Jahren hat, durch Förderung der Bundesregierung für energetische Sanierungsmaßnahmen, ein Boom für Wärmedämmmaßnahmen an Alt- und Neubauten eingesetzt. Insbesondere bei Altbauten wird dabei oft auf Wärmedämmverbundsysteme (WBVS) gesetzt, die meist aus Polystyrolplatten mit einer schützenden Putz- oder Klinkerimitatschicht bestehen.

In letzter Zeit sind Dämmmaßnahmen mit WBVS-Platten in die Diskussion gekommen. Gründe dafür sind:

  • Brandschutzprobleme durch Polystyrol-Verkleidungen
  • Verwendung von Pestiziden im Obermaterial
  • Schimmelschäden durch fehlerhafte Montage und billige WBVS-Systeme

 

In diesem Artikel wollen wir Sinn und Unsinn von WBVS-Systemen beleuchten und praktische Tipps zu Ausführung und Sanierung von Wärmedämmsystemen geben. Ein besonderer Fokus soll dabei auf dem Brandschutz in WBVS liegen.

Funktionsprinzip von WBVS-Systemen

 

Wärmedämmverbundsysteme setzen auf die Isolationskraft der Luft: In dem zumeist aus Hartschaum bestehenden Kern wird Luft gespeichert, die gegenüber der kalten Außenluft als Isolator wirkt.

Über dem Hartschaum ist in der Regel eine Putz- oder Klinkerimitatschicht angebracht, die dem Dämmmaterial nach außen hin eine ansprechende Optik und bauliche Stabilität verleiht.

Den Übergang zur Mauer bildet eine sogenannte Kaschierung, diese ist meistens aus Papier gefertigt und dient lediglich als Trägermaterial für das Polystyrol.

Die einzelnen Dämmelemente werden mit Spezialklebstoffen angeklebt und anschließend zusätzlich mit Spezialdübeln in der Außenwand fixiert.

In gesetzlich festgeschriebenen Abständen müssen Brandsperren aus Mineralwolle zwischen die schwer entflammbaren Platten gesetzt werden – schwer entflammbar heißt nicht brandsicher! So soll verhindert werden, dass ein Feuer sich von Stockwerk zu Stockwerk oder gar an der Fassade ausbreitet. 

Wärmedämmverbundsysteme und Brandschutz

Experten kritisieren bereits seit längerer Zeit die Verwendung von schwer entflammbarem Polystyrol zur Fassadendämmung in WBVS. Dabei werden dem Hartschaum chemische Flammhemmer zugesetzt. Diese Systeme werden oft aus Kostengründen verwendet und brennen lediglich später – Mineralwolle oder Glaswolle brennen nicht, sind aber teurer – Dämmung und Brandschutz  zugleich ein echter Kostenfaktor.

Um einen wirksamen Brandschutz zu erzielen, muss daher nach Gesetzeslage alle zwei Geschosse eine Brandsperre aus Mineralwolle eingezogen werden. Besser und aus brandschutztechnischer Hinsicht unbedingt erforderlich ist eine Brandsperre aus Mineralwolle über jedem Fenstersturz. So kann verhindert werden, dass herausschlagende Flammen eines Wohnungsbrandes sich an der Fassade ausbreiten. 

Umstritten ist, ob die WBVS-gedämmte Fassade selbst in Brand geraten kann. Verschiedene Brandversuche und Erfahrungen der Feuerwehr legen eine gewisse Skepsis gegenüber den eher optimistischen Herstellerangaben nahe. Daher sollte in jedem Fall auf einem Brandschutzgutachten des verwendeten Wärmedämmverbundsystems bestanden werden – die Brandschutzvorschriften reichen allein nicht aus. 

Dämmung und Schadstoffe: Umstrittene Zusätze in WBVS

In Wärmedämmverbundsystemen sind eine Reihe von Chemikalien verarbeitet, die pilzhemmend, flammhemmend und stabilisierend wirken sollen. Zweifellos sind diese Maßnahmen bei der Verwendung von Polystyrol und einem geschlossenen Dämmsystem notwendig.

Es ist allerdings umstritten, ob die Chemikalien aus der Fassade durch Regen ausgewaschen werden und ins Grundwasser gelangen können. Insbesondere gegen Schimmel und andere Pilzarten werden starke Pestizide verwendet, die das Ökosystem nachhaltig schädigen können. 

Messungen im Auftrag des NDR haben ergeben, dass diese verarbeiteten Stoffe ins Grundwasser gelangen können. Hausbesitzer und auch Mieter sollten sich daher vor dem Einbau informieren, ob und welche Pestizide in den von ihnen gewählten Dämmplatten verarbeitet sind. 

Schimmel und Wärmedämmung

Auch wenn Pestizide verarbeitet wurden: Gegen Schimmel sind insbesondere günstige Wärmedämmverbundsysteme nicht immun. Insbesondere wenn der Einbau nicht fachgerecht erfolgt, kann sich Staunässe hinter der gedämmten Fassade sammeln und Schimmel auf dem Mauerwerk und der Kaschierung verursachen. 

Wenn das Mauerwerk durchfeuchtet ist, können gravierende bauliche Schäden die Folge sein: Bröckelndes Mauerwerk, Schimmelbelastung im Wohnraum, schlimmstenfalls Verlust der statischen Stabilität des Hauses. Da die Dämmschicht äußerlich isolierend wirkt und die Innenwände meist zusätzlich gedämmt sind, fallen entsprechende Schäden erst sehr spät auf.

 

Bereits kleine Schäden in der Fassade können Feuchtigkeit eindringen lassen. Der häufigste Grund für eindringendes Wasser in die Fassade ist allerdings kein handwerkliches, sondern eher ein biologisches Problem: So haben Spechte die relativ leicht aufzupickenden Fassaden als Wohnraum erschlossen. Durch die Nisthöhlen kann durch Schlagregen literweise Wasser hinter die Fassade gelangen. Die WBVS-bedeckte Außenwand sollte daher regelmäßig auf Spechtlöcher und andere Beschädigungen untersucht werden.

Auch außen zeigen sich in der Praxis recht schnell Spuren der Alterung: So werden Fassaden oft bereits nach etwa fünf Jahren äußerlich grün oder schwarz. In diesem Fall muss eine Untersuchung der Fassade erfolgen; dabei muss insbesondere darauf geachtet werden, ob die Dämmung bereits durchfeuchtet ist. Sollte dies der Fall sein, muss die Dämmung ersetzt werden.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zum Thema Wärmedämmung und ökologischen Bauen finden Sie hier:

 

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