Solarthermie für Warmwasser und zur Heizungsunterstützung

Solarthermie zur Bereitstellung von Warmwasser und zur Heizungsunterstützung ist nicht gerade billig. Doch ab Inbetriebnahme liefert die Solaranlage mit ihren Kollektoren für Jahrzehnte Wärme und Energie – klimafreundlich und quasi zum Nulltarif.

Solaranlagen sind besser als ihr Ruf

Dächer mit Solaranlagen zur Gewinnung von Wärme sieht man in Neubaugebieten verhältnismäßig selten. Per Gesetz sind Bauherren zwar verpflichtet, wenigstens teilweise erneuerbare Energie zu nutzen, doch entscheiden sich viele für die in der Anschaffung günstige Luft-Wärmepumpe. Dabei sprechen gute Gründe für die Solarthermie, vor allem für die Heizungsunterstützung, anstatt der reinen Brauchwasserbereitung mit Kollektoren.

Solarthermie zur Heizungsunterstützung

Die Kollektoren von Solarthermie  sind entweder flache Glaskästen oder vakuumisolierte Glasröhren, durch die in Kupfer- oder Aluminiumröhren ein frostsicherer Wasser-Glykol-Mix fließt. Der erwärmt sich schon bei mäßiger Sonne. Er wird in den Solarspeicher geleitet und gibt dort über den Wärmetauscher die Sonnenenergie an das Speicherwasser ab. Bewährt hat sich bei Solaranlagen das System mit Kombispeicher, der lediglich das Wasser für den Heizkreis enthält und erst auf Anforderung Trinkwasser für Küche und Bad erwärmt, über einen externen Durchlauferhitzer, die „Frischwasserstation“. Eine zweite Heizquelle, etwa ein Holzpelletkessel, hilft der Solaranlage bei bedecktem Himmel aus. Besonders wichtig: eine intelligente, internetfähige Regelung, die mit Druckmessern, Temperaturfühlern und Wärmemengenzähler arbeitet. Sie holt sich beispielsweise den lokalen Wetterbericht aus dem Web und heizt erst nach, wenn für den Tag kein Ertrag mehr zu erwarten ist. Die Bewohner können jederzeit die solaren Gewinne abfragen, bei Fehlfunktionen erhalten sie (und der Installateur) eine Warnmeldung. Trotz Sensoren, Ventilen und Pumpe ist der Stromverbrauch der Solaranlage minimal.

Solarthermie liefert Wärme gratis

Mit seiner Heizung verbringt man normalerweise um die 30 Jahre, also sollte es die richtige Heizung sein. Für die Solarthermie zahlt man deutlich mehr als für Gas-Kessel oder Außenluft-Wärmepumpe, doch einmal installiert, liefert die Solaranlage Wärme quasi gratis, so die Experten der dgs, der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e. V. Wer dagegen weiter auf CO2-lastige, fossile Energieträger oder auf Netzstrom setzt, muss sich auf steigende jährliche Belastungen einstellen: immer lauter denken Politiker und selbst Vertreter der Wirtschaft über eine CO2-Abgabe nach, mit der man die Folgekosten des Klimawandels ansatzweise decken könnte (www.co2abgabe.de).

Solarthermie als große Lösung

So wären auch Solaranlagen im XXL-Format eine Überlegung wert, mit großer Fläche für Kollektoren und einem Speicher von einigen Kubikmetern Inhalt, wie sie die Mitglieder des in Straubing an der Donau beheimateten Sonnenhaus-Instituts planen. So eine Solarthermie ist keine kleine Investition. Klaus Oberzig von der dgs hat jedoch laut eigener Aussage die Erfahrung gemacht, dass Banken Bauherren schätzen, die sich ersichtlich Gedanken über ihren zukünftigen Energieverbrauch machen.

Solaranlage kann Haus mit Wärme versorgen

Zu mindestens 50 Prozent muss ein System das Gebäude mit Sonnenwärme versorgen, soll es Förderung vom BAFA erhälten (siehe weiter unten Abschnitt Förderung). In einem Einfamilienhaus im bayrischen Landshut, erbaut 2003, sind es ein paar Prozentpunkte mehr geworden, sogar mehr als anfangs berechnet, meldete letztes Jahr das Sonnenhaus-Institut. Fast neun Zehntel des Wärmebedarfs würden von der Sonne bestritten, den Rest liefere ein Kachelofen. Für 100 bis 130 Euro pro Heizsaison. Rund um den Neubau seien übrigens bald nach Einzug der Familie auf vielen Dächern ebenfalls Solaranlagen montiert worden - die Kollektoren sprechen eine eindeutige Sprache.

Kosten der Solarthermie

Solaranlage zur Heizungsunterstützung (Bedarfsdeckung ca. 25 %) – 8.000 bis 12.000 Euro
große Solaranlage (Bedarfsdeckung über 50 %) – ca. 20.000 €
Wärmemengenzähler für Solarthermie (empfehlenswert) – ca. 200 Euro
Wartungsvertrag für die Solarthermie (empfehlenswert) – ca. 100 Euro/Jahr

Förderung für Solarthermie

Als Förderung gibt es zinsgünstige Kredite der KfW bei Bau eines KfW-Effizienzhauses 55, 40 oder 40 Plus (mit guter bis sehr guter CO2-Bilanz); für Bauprojekte mit einer solaren Deckungsrate von über 50 % (Solaraktivhäuser/Sonnenhäuser)
Förderung in Form von Zuschüssen vom BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, Anträge sind jetzt vor (!) der Auftragserteilung zu stellen);
Infos zu evtl. Förderung auf Landes- und kommunaler Ebene unter www.foerderdatenbank.de (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie), www.energiefoerderung.info (BINE Informationsdienst) oder www.baufoerderer.de (Verbraucherzentrale Bundesverband)

KfW – www.kfw.de, E-Mail: info@kfw.de, kostenloses Infotelefon zu Förderung: 08 00/5 39 90 02, Mo – Fr von 8:00 bis 18:00 Uhr, Fax 0 69/74 31 – 95 00
Solaranlagenzur privaten Selbstnutzung in Ein- und Zweifamilienhäusern erhält von der KfW Förderung im Rahmen folgender Programme: Energieeffizient Sanieren – Kredit (151,152) und Energieeffizient Bauen (153)
BAFA – www.bafa.de (Suchbegriff: „Solaraktivhaus“), Tel: 0 61 96/9 08 – 880, Fax: 0 61 96/9 08 - 8 00

Vor Auswahl der Solaranlage müssen Sie sich erkundigen, ob die Produkte die Voraussetzungen für eine Förderung nach den Förder-Richtlinien erfüllen.

Gütezeichen und Labels für Solaranlagen

Solar Keymark: Qualitätszeichen für Kollektoren und Komponenten, i.d.R. Förderbedingung; EU-Effizienzlabel, auch ErP-Label (ErP = „Energy related Products“), wird bei Verbundanlagen individuell aus den Daten der einzelnen Einheiten erstellt; Solergy: Effizienzlabel eigens für Kollektoren, angelehnt ans EU-Effizienzlabel, ausschließlich grüne Klassen, von A- bis AAA, da Gewinne bzw. Solarerträge erzielt werden, keine Verluste entstehen

Solarthermie für Altbauten

Wer seine Heizung erneuert, tut gut daran, in der Planungsphase überprüfen zu lassen, ob sich nicht auch der Einsatz von Solarthermie lohnt. Solarthermie unterstützt den Wärmeerzeuger des Hauses bei der Aufbereitung von Warmwasser und bei der Erwärmung der Räume. Und: Solarthermie funktioniert mit allen gängigen Wärmeerzeugern, gleich ob Gas- oder Ölbrennwertkessel, Holzheizung oder Wärmepumpe. So gehen konventionelle Energieträger und Solarthermie eine perfekte Partnerschaft ein.

Solarthermie oder Photovoltaik?

Kollektor ist gleich Kollektor? Nein. Photovoltaik nutzt zwar auch die Sonne, aber um Strom zu produzieren. Die Förderung für Photovoltaik in Form einer Einspeisevergütung ist stark rückläufig. Besser ist, den durch Photovoltaik gewonnen Strom selbst zu verbrauchen. Dazu benötigt es eine Kombination aus Photovoltaik, Batterie und Energiemanager. Die KfW Bank (www.kfw.de) unterstützt die Investition in Photovoltaik mit einer Förderung (Programm 270) ebenso die in Batteriespeicher (Förderung Programm 275) mit zinsgünstigen Darlehen. Förderung besteht aus zinsgünstigem Kredit und Tilgungszuschuss. Für einen Vier-Personen-Haushalt empfehlen Experten eine Speicherkapazität von vier bis sechs kWh und Photovoltaik mit einer Spitzenleistung von drei bis vier Kilowatt Peak. Früher hieß es, die Photovoltaik gehört grundsätzlich aufs Süddach. Liegen allerdings die Verbrauchsspitzen in den Morgen- und in den Abendstunden, kommen für Photovoltaik nun ebenso West- und Ostdächer infrage. Zur weiteren Steigerung des Eigenverbrauchs der Photovoltaik kann man seinen Heizungspufferspeicher mit einer Heizpatrone versehen, die aus dem gerade nirgendwo sonst nachgefragten Sonnensaft der Photovoltaik warmes Wasser macht.

Adressen und Literatur zu Solaranlagen

www.dgs.de – Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e. V.
www.sonnenhaus-institut.de – Informationen zur Planung großer Anlagen und Kollektoren
www.verbraucherzentrale-energieberatung.de/beratung/solarwaerme.html – u. a. Infos zum „Solarwärme-Check“ der Anlage durch Energieberater der Verbraucherzentrale
www.solartechnikberater.de – allg. Infos zur Solarthermie vom Bundesverband Solarwirtschaft

Solarwärme – Heizen mit der Sonne, v. Klaus Oberzig, Ratgeber, hg. von der Stiftung Warentest, 2. Aufl, 2016; 24,90 €
Solare Wärme – Das Solarthermie-Jahrbuch 2019 (für Fachleute und techn. interessierte Bauherren), erh. ab März 2019; 24,90 €

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