Home Entertainment im Zeitalter der 'Digital Natives'

Grenzenlose Unterhaltung, alles überall und zu jedem Zeitpunkt, sind wir vom Internet gewohnt, nur in meist bescheidener Qualität. Zu Hause gelten andere Maßstäbe, müssen Bild und Ton stimmen. Dennoch wird auch das Home Entertainment zunehmend vom Netz der Netze geprägt.

Tief ist er, der Graben zwischen den Generationen. Zwischen den „Digital Na­tives“, die eine Welt ohne Internet nicht kennen, und den „Digital Learners“, den Jahrgängen vor 1980. Da surfen die einen ständig im Web und lassen sich von PC, Notebook und Smart­phone unterhalten, während die anderen, zumal die Klassik- und Jazzfans, weiter ihre Platten­sammlungen ausbauen, weiter dicke Regler an wuchtigen Verstärkern drehen und auf das gute alte Analog-Signal schwören. Doch haben sie inzwischen ein paar echte Vorzüge des digitalen Zeitalters entdeckt.

DVD Home Cinema – Heimkino auf Flachbildschirm

Mit der anderen Seite, mit der „Generation Internet“, trifft man sich vor dem Flachbildschirm, um großes Heimkino zu genießen, gestochen scharfe Bilder im HDTV-Standard (HD = High Definition) oder gar in 3D. Zur Verfügung stehen jetzt 400 anstatt wie früher rund 30 Kanäle. Denn werden Ton und Bild digitalisiert, also die Schall- und Lichtwellen vorübergehend in eine Folge von Nullen und Einsen umgerechnet, passt auf einmal viel mehr von ihnen durch die Kabel und auf die Frequenzen.

Sender und Kabelnetzbetreiber drücken beim Wechsel aufs Tempo. Über Antenne empfangbare (terrestrische) analoge Fernsehsignale sind Geschichte, Ende April 2012 wird der analoge Satellitenfunk eingestellt werden und die Netzbetreiber wollen ebenfalls lieber heute als morgen nur noch digital einspeisen. Mit dem UKW-Rundfunk soll irgend­wann nach 2015 Schluss sein.

3D-Filme auf Blu-ray

Über den Sinn und Unsinn von 3D wird noch gestritten. Zusätzlich zu den 3D-fähigen Fernsehern braucht man die entsprechenden Brillen, die Qualität der Bilder sowie des Angebots lässt öfters zu wünschen übrig. Können die Regisseure allerdings mit der Technik umgehen, wie James Cameron („Avatar – Aufbruch nach Pandora“), überzeugt das Ergebnis sogar ausgemachte Cineasten. Die erforderlichen Datenmengen nimmt dabei nur noch die Blu-ray-Disc auf, die auf absehbare Zeit die DVD ersetzen wird.

Web-TV und Video on Demand

Vor lauter 3D gerät indes ein weiterer Vorteil des digitalen Verpackens und Versendens leicht in den Hintergrund: Information und Unterhaltung aus dem World Wide Web zu jeder Tages- und Nachtzeit. So auf dem Computerbildschirm, in Form des Web-TVs, das laut BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) bereits gut ein Drittel der Deutschen nutzen (www.bitkom.org). Bequemer und besser für die Augen aber ist IPTV oder Internet Protocol TV, das dem Fernseher die Inhalte aus dem Netz zuspielt. Videotheken gibt es im WWW mittlerweile eine Menge, Video on Demand ist auch in 3D erhältlich. Eine Weiterentwicklung ist das Hybrid-TV, je nach Bedarf wahlweise per Internetverbindung versorgt oder per Kabel beziehungsweise Satellit beziehungsweise terrestrisch, über die Zimmerantenne. Für die Verknüpfung ist jeweils eine Set-Top-Box erforderlich.

Streaming – Musik aus dem Netz

Unterhaltungselektronik wird von Jahr zu Jahr kleiner. Digital Natives setzen ihr Smartphone auf die Docking-Station und spielen die Musik ab, die sie sich unterwegs aus dem Netz heruntergeladen haben. Mit CDs oder Blu-ray-Discs zu hantieren mutet man sich noch zu, einen Plattenspieler jedoch können sie kaum noch unfallfrei bedienen. Warum dann nicht gleich das komplette persönliche Musik-Archiv ins Netz verlagern, auf die Server hilfsbereiter Anbieter, etwa die von Apple – Stichwort iCloud? Die Wohnung wird noch ein Stück leerer und puristischer, die Songs kommen direkt am ausgewählten Endgerät an, ob Handy, Notebook oder heimische Anlage. Mittels „Streaming“, bei dem Datenpakete aus dem Netz empfangen und sofort konsumiert werden können.

High End Audio

Reichlich rückwärtsgewandt wirkt dagegen die Hi-Fi- beziehungsweise High-End-Fraktion. Nicht nur, dass sie den sperrigsten Tonträgern, den schwarzen Vinyl-Scheiben, die Treue hält, sie investiert in Klangmöbel, schwere Verstärker und Endstufen, die nicht nur akustische Präsenz besitzen, dazu Boxen von Standuhr-Format. U-Elektronik gilt ihnen zu Recht als Einrichtungsgegenstand, der eine Wohnung aufwerten kann. Stundenlang unterhält man sich über den Klirrfaktor oder die Vor- und Nachteile dieses oder jenes Boxenkabels.

Von Verbohrtheit aber kann hier keine Rede sein, begrüßen die Audiophilen doch grundsätzlich jede Technik, die gesteigerten Hörgenuss verspricht, etwa die Pure Audio Blu-ray. Oder das Streaming in hoher Datendichte: Qualitativ hochwertige Aufzeichnungen von Klassik-Konzerten, von Webradiosendern oder speziellen Datenbanken bezogen, stellen auch Anspruchsvolle zufrieden – kein Vergleich zu MP3-Dateien.

Die High-End-Fans sind beides, konservative Bremser und Antreiber des Fortschritts. Für sie werden wieder Vinyl-Platten gepresst, eigene Fachmessen veranstaltet, immer neue kiloschwere Hi-Fi-Komponenten entwickelt, wird der Standard der Wiedergabe immer noch ein Stückchen angehoben.

Glossar – Home Entertainment Center

  • Blu-ray-Disc: Speichermedium für hochauflösende Filme und 3D-Filme; hat mit bis zu 128 Gigabyte rund 10-mal mehr Kapazität als die beste DVD. Die Pure Audio Blu-ray-Disc ist allein Musikdaten vorbehalten.
  • DAB: Digital Audio Broadcasting – digitaler Hörfunk, kommt in Deutschland nicht recht voran, da es (noch) UKW und das Internet gibt; hat unter anderem aufgrund durchgehend klaren Empfangs im Auto Vorteile.
  • Docking Station: Andockstation, auf die mobile Kleingeräte gesetzt werden, um dort ihren Akku zu laden sowie zwecks Datenaustausches. Eine Docking Station kann etwa die Musikdateien vom Smartphone selber abspielen, sofern sie Stereolautsprecher besitzt, oder sie gibt sie an die entsprechenden Geräte weiter.
  • DSL: Digital Subscriber Line – ein DSL-Internet-Anschluss überträgt die Daten circa 250-mal schneller als ein ISDN-Anschluss; ist aufgrund fehlender Kabelnetze im ländlichen Raum oft nicht zu bekommen. Wer Glück hat, kann stattdessen auf die Funktechnik LTE (Long Term Evolution) zurückgreifen. Tipp von der Stiftung Warentest: die Installationstermine schriftlich im Vertrag fixieren, ob DSL oder LTE.
  • DVB: Digital Video Broadcasting – digitales Fernsehen, nach Art der Übertragung unterschieden in DVB-T (terrestrisch, mit Antenne zu empfangen), DVB-C (per Kabel) und DVB-S (über Satellit).
  • EPG: Electronic Program Guide – Elektronische Programmzeitschrift der Digital-Sender, liefert Zusatzinformationen zu den Inhalten.
  • HDTV: High Definition Television – zeigt hochauflösende Bilder des digitalen Fernsehens. Die Auflösung beträgt circa das Doppelte derer des Standardfernsehens. Verbraucherschützer und öffentlich-rechtliche Sender kritisieren, dass Privatsender von den Nutzern ihrer HD-Programme Beiträge kassieren, und verlangen, dass diese unverschlüsselt gesendet werden.
  • High End: Hi-Fi für Anspruchsvolle. Ziel der High-End-Jünger ist es, die Anlagenkomponenten so zusammenzustellen und wenn nötig zu manipulieren, dass der Originalklang von Opernhaus, Konzertsaal oder Jazzclub aus den Boxen kommt.
  • IPTV: Internet Protocol Television – keine Bezeichnung eines Standards, sondern einfach der Möglichkeit, den Fernseher über die Set-Top-Box aus dem Internet zu bedienen.
  • Set-Top-Box: Beistellgerät – erlaubt es, den Fernseher aus zusätz­lichen Quellen zu speisen, DVD-Player, Blu-ray-Player, Internet usw.
  • Streaming: auch Livestream genannt, da hier ein individuell an­gefordertes Datenpaket, eine Ton- oder Videodatei, aus dem Internet aufs Endgerät geliefert und während der Übertragung abgespielt wird.
  • Twin-Receiver: Set-Top-Box, die es ermöglicht, eine bestimmte Sendung zu sehen und gleichzeitig eine andere auf einem anderen Kanal aufzunehmen.
  • Video on Demand: Video auf Anforderung – es wird vom Server des Anbieters heruntergeladen oder per Video-Stream während des Ladens abgespielt.

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