Home Entertainment: Kino zu Hause

Mithilfe von smarter Technik werden die eigenen vier Wände zum Heimkino. 

1999. Samstagabend. Die ganze Familie vereint auf dem Sofa vor dem Fernseher, einer etwas klobigen Kiste. Pünktlich um 20.15 Uhr startet "Wetten, dass…?".

25 Jahre später sieht sich Mama auf dem eleganten smarten TV-Screen im Wohnzimmer ihre Lieblingsserie an, während die Tochter im Kinderzimmer ein Hörbuch über ihre Tischleuchte streamt. Nebenan hat der große Bruder Deutsch-Rap aufgedreht und Papa sieht sich auf seinem Smartphone eine alte Folge von Thomas Gottschalks Kult-Show an. 

In einem modernen Smart Home kann jedes Familienmitglied auf die eigenen Vorlieben zugeschnittene Inhalte – ob Filme, Spiele, Hörbücher oder Musik – nutzen. Und zwar wann und wo man möchte.

Serienmarathon im Wohnzimmer

Die meisten sehen sich Serien und Filme gerne zu Hausen vor dem Fernseher oder auf dem Laptop an. Das Wichtigste ist also ein bequemes Sofa, auf dem man selbst die komplette erste Staffel von "Breaking Bad" schafft. Ein weiches Licht um den Fernseher herum ist angenehmer für die Augen. Bei manchen LED-Stripes lässt sich die Farbe wechseln und an die gewünschte Atmosphäre anpassen – so leuchtet der heimische Flachbildschirm bei einer romantischen Vampir-Serie wie "True Blood" oder der legendären "Red Wedding"-Folge von "Game of Thrones" im Hintergrund rot. Weitere Ideen auf www.livvi.de. Foto: Getty/Supersizer

Fernsehen immer und überall

Fixe Uhrzeiten vor dem Fernseher gehören der Vergangenheit an. Natürlich bietet auch traditionelles Fernsehen nach wie vor eine große Vielfalt an Programmen. Hunderte von Sendern senden rund um die Uhr. Doch wenn die Lieblingsserie nur einmal pro Woche ausgestrahlt wird und zusätzlich ständig durch Werbung unterbrochen wird, ist das kein Home Entertainment Erlebnis.

Durch die digitalen Möglichkeiten wird jeder Nutzer zu Hause zum eigenen Programmdirektor. Drei Viertel der Online-User ab 14 Jahren in Deutschland streamen Filme, Serien, Dokumentationen und andere Videoinhalte aus dem Netz. Man bezahlt einen bestimmten Betrag pro Monat und kann dafür unbegrenzt Filme, Serien, Dokumentationen und vieles mehr anschauen. Die meisten Streaminganbieter produzieren eigene exklusive Inhalte.

 

Längst sind die kostenpflichtigen Video-on-Demand-Dienste wie Netflix oder Amazon Prime Video nicht nur bei jüngeren Familienmitgliedern, sondern auch bei der Elterngeneration beliebt. Die Lücke zwischen digital natives, die mit dem World Wide Web aufgewachsen sind, und digital learnern, die sich die modernen Technologien erst aneignen mussten, wird also kleiner.

Entsprechend der Nachfrage nimmt das Angebot zu. Im Herbst 2019 kommen mit den Streaming-Angeboten Apple TV+ und Disney+ weitere Dienste hinzu. Klassische Fernsehsender haben die Zeichen der Zeit erkannt und zeigen über ihre Online-Mediatheken ebenfalls exklusive Serien und Reportagen. 

Voraussetzung für die Nutzung ist eine ausreichend schnelle Internetverbindung. Außerdem muss man entweder einen Smart-TV (d.h. einen internetfähigen Fernseher) oder beispielsweise eine Spielekonsole mit Internetzugang besitzen. Streaming kann man auch unterwegs, also auf Tablet, Smartphone oder Laptop nutzen.

  • Gestochen scharfe Bilder sind heutzutage Standard beim Home Entertainment. Foto: Sony
  • Das Beleuchtungssystem lässt sich mit Filmen und Musik auf dem Home Entertainment System vernetzen. So erstrahlt das Wohnzimmer während eines Spielfilms in den Farben, die gerade auf dem Bildschirm zu sehen sind. Foto: Philips
  • Stimmungsvolle Lichteffekte fürs Heimkino: Das intelligente Beleuchtungssystem hört auf Amazon Alexa und Apple Siri. Foto: Philips

Das analoge Kabelfernsehen wird abgeschaltet, künftig wird nur noch digital übertragen. TV kommt heute aus dem Netz. Internetfähige Fernsehgeräte machen es möglich. In Sachen Breitbandanschluss, also dem Zugang zu einem Netz mit einer hohen Datenübertragungsrate, hat Deutschland allerdings noch Aufholbedarf: Gerade mal zwei Prozent der Haushalte sind mit einer Glasfaserleitung für sehr schnelles Internet versorgt.

Prinzipiell funktioniert smarte Unterhaltung zu Hause nicht ohne Internet. Wichtig ist dabei neben der Leitung zum Haus natürlich auch die Abdeckung innerhalb des Hauses. "Für Cineasten ist ein internetfähiger Smart TV unerlässlich. Für das Heimkino empfiehlt sich darüber hinaus ein Beamer für eine noch größere Leinwand sowie ein entsprechendes Soundsystem", empfiehlt Sebastian Klöß im Interview, Referent für Consumer Technology beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM).

Vernetzung lautet das Zauberwort. Im Smart Home sind die verschiedenen Komponenten miteinander verbunden – vom Fernseher über Musikboxen bis hin zu den Jalousien. Die Geräte sind zentral steuerbar und können in beliebige Situationen eingebunden werden. Wer zum Beispiel einen gemütlichen Serienmarathon plant, kann eine entsprechende "Kinoabend"-Szene programmieren. Dann fahren automatisch die Rollläden herunter, das Licht wird gedimmt, das Soundsystem ein- und die Türklingel stummgeschaltet und hinter dem Fernseher leuchtet ein sanftes Blau auf.

Der Bildschirm fürs Heimkino

Bei kleineren Heimkinos bietet sich eher ein Fernseher an, obwohl es auch sie in extrem großen Abmessungen gibt. Man sollte beachten wie nah man vor dem Bildschirm sitzt und dementsprechend die Größe wählen. Bei einem Sitzabstand von zwei bis drei Metern sollte der Fernseher beispielsweise nicht größer als 60 Zoll sein. 

Neben Smart-TV eignen sich fürs Heimkino auch moderne Beamer, die es ebenfalls in 4K-Auflösung gibt. Die Bilder haben also eine Mindestauflösung von 4000 Pixeln – das sorgt für extrem realitätsgetreue Bilder

Die perfekte Größe der Leinwand für das Heimkino kann man nicht so einfach ermitteln. Zunächst sollte man sich die Beschaffenheit des Raumes ansehen und ausprobieren, wie groß man das Bild haben möchte. Tipp: Dabei gilt nicht je größer desto besser, denn wenn die Leinwand zu groß ist, kann das Auge nicht mehr den gesamten Bereich erfassen. 

Was ist das eigentlich?

  • 4K-Auflösung: extrem hohe Bildauflösung, die für gestochen scharfe und realitätsgetreue Bilder sorgt.
  • QLED: Steht für Quantum-LED und ist eine neue Technologie um bessere Kontraste und Farbtiefen zu ermöglichen. 
  • Streaming: Nutzung von Musik, Podcasts, Videos, etc. über Onlineplattformen.
  • Podcast: Mediendateien, meist Audioangebote, die man abonnieren und über das Internet hören kann. 

Rasanter Fortschritt

Die Technik entwickelt sich rasant weiter. Im Verlauf der letzten Jahre wurde die Auflösung der gestochen scharfen Bilder dank HDTV-Standard immer feiner, die Flachbildschirme immer größer. Parallel passte sich auch das Design den modernen Ansprüchen an. Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas wurde Anfang 2019 ein Fernseher mit einrollbarem Bildschirm vorgestellt. Das Gerät lässt sich per Tastendruck in die Basisstation ein- oder ausrollen und kann damit unauffällig in die Raumumgebung integriert werden. Damit können Hausbesitzer künftig ihre Räume ohne Rücksicht auf die Form eines stets präsenten Displays gestalten.

  • Der erste aufrollbare Fernseher: „Rollable TV“ bietet im ausgerollten Zustand großformatiges Heimkino in 65 Zoll... Foto: LG
  • ... lässt sich aber auch dezent im Basisgehäuse aus gebürstetem Aluminium verstecken. Foto: LG

Neueste Fernseher basieren auf künstlicher Intelligenz. Sie analysieren dank eines Algorithmus die Signalquellen und optimieren Bild und Ton unter Berücksichtigung der Umgebungsbedingungen des Gerätes. So wird zum Beispiel die Bildhelligkeit automatisch angepasst. Viele Modelle sind darüber hinaus mit einer LED-Beleuchtung ausgestattet, um den Sichtkomfort zu erhöhen. Die Fernbedienungen vieler Anbieter verfügen über eine eigene Netflix- und Amazon-Taste. So sind die Streaming-Angebote schneller abrufbereit. 

Auf Zuruf

Zentraler Knotenpunkt und Steuerungszentrale von Smart Home Entertainment war lange Zeit das Smartphone. Immer häufiger werden jedoch auch digitale Sprachassistenten genutzt. Vor drei Jahren kam mit dem Amazon Echo das erste intelligente Lautsprechersystem auf den deutschen Markt. Seitdem verbreiten sich die kleinen Helferlein in Form stationärer Lautsprecher immer schneller.

Heute nutzen laut einer aktuellen Umfrage von Splendid Research bereits 60 Prozent der Deutschen digitale Sprachassistenten. Dabei sind Amazons Alexa, der Google Assistant und Apples Siri die meist genutzten Tools.

Auch viele Smart-TVs verfügen über eine intelligente Spracherkennung. Damit werden die Geräte nicht mehr per Klick aufs Handydisplay, sondern auf Zuruf gesteuert – vorausgesetzt, der Fernseher ist mit dem Sprachassistenten verbunden. Wenn es sein muss, kann man – ohne das laufende Programm zu unterbrechen – Pizza über das TV-Gerät bestellen. 

Digitale Sprachassistenten wie Alexa basieren auf künstlicher Intelligenz. Viele Hausbesitzer haben deshalb noch Vorbehalte. Hören die Geräte alles mit? Nein. Denn um ein normales Gespräch von einem Sprachbefehl zu unterscheiden, warten die smarten Geräte auf eines der vorab definierten Aktivierungswörter. Einmal aktiviert, wird die Sprachanweisung aufgenommen und an einen Server geschickt, der in den Daten die relevanten Informationen erkennt, entsprechend verarbeitet und anschließend eine Antwort an den Sprachassistenten zurückspielt. 

Virtual Reality

Nächstes Level: Virtual Reality, bekannt aus Videospielen. Die entsprechenden VR-Brillen sind bislang zwar noch kein Standard, das könnte sich in wenigen Jahren aber schon ändern. Auch Hausplanung mit VR ist bereits möglich.

Blick in die Zukunft

Die Technologien werden nicht nur im Silicon Valley kontinuierlich weiterentwickelt. "Ein Trend geht in Richtung flexibler Displays", meint Hans-Joachim Kamp im Interview überzeugt.

Als Vorsitzender des Aufsichtsrats der gfu Consumer & Home Electronics GmbH, Veranstalter der IFA, kennt er sich mit technischen Neuerungen im Smart-Home-Bereich bestens aus. Potenzial sieht er auch in der neuen Bildschirmtechnik Micro LED: "Auf derartigen Displays werden die Bilder mit farbigen Pünktchen aus kristallinen Leuchtdioden erstellt. Hiermit wird man in Zukunft die Größe seines Bildschirms selbst zusammenstellen können."

Auf der IFA 2019 vom 6. bis 11. September in Berlin werden zudem neue Projektionsverfahren präsentiert, welche die Leistungsfähigkeit und Flexibilität von Beamern erhöhen. 

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