"Ein Trend geht in Richtung flexibler Displays"

Wir sprachen mit Hans-Joachim Kamp über kommende Trends in Sachen Smart Home Entertainment. 

Hans-Joachim Kamp zieht Bilanz über die Entwicklung von Home Entertainment und wirft einen Blick in die Zukunft. Als Vorsitzender des Aufsichtsrats der gfu Consumer & Home Electronics GmbH, Veranstalter der Fachmesse IFA, kennt er sich mit technischen Neuerungen im Smart-Home-Bereich aus. Potenzial sieht er u.a. in der neuen Bildschirmtechnik "Micro LED".

Wie werden heute – im Gegensatz zur Unterhaltungselektronik vor 20 Jahren – Musik und Serien konsumiert?
Hans-Joachim Kamp:
Der Hauptunterschied liegt in der Zeitautonomie der Zuschauer und Zuhörer. Wir waren vor 20 Jahren noch überwiegend abhängig von den Sendezeiten des linearen Programmangebots. Das heißt, man musste die Sendung dann anschauen oder Musik anhören, wenn sie auf dem Programm stand. Abhilfe schafften nur Videorecorder, mit denen man die Lieblingssendung aufzeichnen und zu einer beliebigen Zeit ansehen konnte. Bei der Musik half die CD. Heute ist jeder Zuschauer und Zuhörer sein eigener Programmdirektor und kann sich alles zu beliebigen Zeiten mittels streaming ansehen oder anhören.

Und welche Tools sind dafür unerlässlich?
Hans-Joachim Kamp: Ein Internet-Zugang öffnet alle Türen. Das Gerät, mit dem man die Programme ansieht oder anhört, kann ein Smart-TV, ein Tablet-PC, oder ein Smartphone sein.

Hat sich die Kluft zwischen den Generationen von "Digital natives" und "Digital learnern" verkleinert – oder wird sie immer größer?
Hans-Joachim Kamp: Wir geben jedes Jahr eine Studie in Auftrag, bei der auch die Nutzung von Streaming-Diensten und Smart-TV-Angeboten über das Internet Thema sind. Bei der Nutzung von Smart-TV-Anwendungen zeigte sich Mitte 2018 eine Verschiebung von den Mediatheken hin zu Video on Demand-Diensten (VoD). Lagen die Mediatheken in der gfu Studie 2017 noch auf Platz eins, sind sie 2018 mit 52 Prozent Nutzung auf Platz zwei abgerutscht. Spitzenreiter sind die VoD-Angebote mit 63 Prozent. Der Grund dafür: In der Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen stieg die Akzeptanz von 48 auf 61 Prozent und bei der Gruppe der über 60 Jährigen von 35 auf 42 Prozent. Wie Sie sehen, wird die Lücke zwischen ‚natives‘ und ‚learnern‘ also kleiner.

Und wie werden wir in 20 Jahren fernsehen?
Hans-Joachim Kamp: Die Nutzung von Inhalten wird sich weiter in Richtung der zeitunabhängigen Abrufe verschieben. Interessant wird auch sein, wie sich die Geräte weiterentwickeln. Ein Trend geht in Richtung flexibler Displays. Anfang des Jahres wurde bereits der erste aufrollbare Fernseher vorgestellt. Eine weitere neue Bildschirmtechnik mit Zukunftspotential ist das sogenannte „Micro LED“ (auch „Crystal LED“), auf derartigen Displays werden die Bilder mit farbigen Pünktchen aus kristallinen Leuchtdioden erstellt. Hiermit wird man in Zukunft die Größe seines Bildschirms selbst zusammenstellen können. Zudem gibt es neue Projektionsverfahren, die Leistungsfähigkeit und Flexibilität von Beamern erhöhen. Auf der IFA vom 6. bis 11. September in Berlin wird eine umfassende Auswahl an Geräten mit solchen neuen Technologien zu sehen sein.

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