Strom sparen im Haushalt

Wer die richtigen Geräte kauft und sie mit Überlegung nutzt, kann seinen Stromverbrauch um mehr als die Hälfte senken. Es geht dabei nicht so sehr ums Sparen, als darum, weniger zu verschwenden.

Post vom Stromversorger ist selten ein Grund zur Freude. Gewöhnlich geht es um Geld, man möchte gar nicht richtig hinsehen. Aber es hilft ja nichts, im Gegenteil – die Jahres-Abrechnung nämlich verrät, wie sorgsam oder wie verschwenderisch man mit den wertvollen Kilowattstunden umgegangen ist, und erlaubt daneben Schlüsse auf den technischen Standard in den eigenen vier Wänden.

Handelt es sich um einen Vier-Personen-Haushalt mit üblicher Ausstattung, ohne Elektroheizung und ohne elektrische Warmwasserbereitung, sind weniger als 2.200 kWh hervorragend. Bis zu 3.300 kWh kann man noch von einem passablen Verbrauch sprechen, ab 4.400 aber muss etwas passieren.

Bis zu 180 Euro jährlich kann ein Haushalt an Stromkosten einsparen, wenn alte Kühl- und Gefrierschränke, Waschmaschinen und Geschirrspüler gegen moderne, komfortable Geräte ausgetauscht werden – selbst wenn diese noch funktionsfähig sind. Das hat die deutsche Energie Agentur errechnet. Das volle Energiepotenzial schöpft man aber nur dann aus, wenn bei einer Neuanschaffung stets die beste Energieeffizienzklasse der jeweiligen Gerätekategorie gewählt wird.

Stromsparen mit Strommesser

Laut Veit Bürger vom Freiburger Öko-Institut e.V. lässt sich allein durch verändertes Nutzungsverhalten der Verbrauch um ein Fünftel reduzieren, Austausch von Stromfressern durch effiziente „Bestgeräte“ kann ihn gar um die Hälfte senken. Man muss dazu allerdings zunächst feststellen, wer die Vielfraße sind – die Statistiken können erste Hinweise liefern.

Demnach gehen im Durchschnitts-Haushalt nahezu 25 Prozent aufs Konto von Kühlschrank und Gefriertruhe, ähnlich viel verschlingen die zahlreichen Kleingeräte. Es folgen knapp die Beleuchtung mit 19, das Kochen mit 12 Prozent, dahinter, im einstelligen Bereich, Spülen, Waschen, Trocknen und Multimedia (Zahlen: HEA – Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e.V.).

Mithilfe eines Strommessers, der zwischen Steckdose und Gerät geschaltet wird, wird aus dem Verdacht Klarheit. Achtung: Nur ein qualitativ hochwertiger kommt zum Beispiel den Stand-By-Verlusten von Fernseher, Computer und so weiter auf die Schliche. Die sind nicht zu unterschätzen, können im Jahr bis zu 460 kWh ausmachen. Man sollte um die 30 Euro für ein solches Messgerät anlegen, kann es jedoch auch bei einer Energieagentur beziehungsweise Verbraucherzentrale in der Nähe ausleihen. Weiß man dann, wer im Haus wie viel „zieht“, kann man Gegenmaßnahmen ergreifen.

Schleichender Energieverbrauch im Stand-by-Modus

Allein im Stand-by-Modus verbrauchen die Geräte eines durchschnittlichen Haushalts jährlich annähernd 500 Kilowattstunden und produzieren damit 325 Kilogramm CO2 für nichts. Lämpchen leuchten, das Netzteil bleibt warm, die Aggregate brummen. Ein wiksames Mittel gegen den schleichenden Energieverbrauch sind Steckerleisten, über die sich die Geräte vom Netz trennen lassen. Vorschaltgeräte lassen sich so programmieren, dass sie nach einer bestimmten Zeit im Stand-By-Betrieb automatisch die Verbindung kappen. Lohnend vor allem im Wohnzimmer, für Heimkino und Stereoanlage, oder am heimarbeitsplatz, für Computer, Drucker und Fax.

Strom sparen mit effektiven Haushaltsgeräten

Richtig viele „Negawatt“ kommen mit dem Austausch der alten Stromfresser durch Neugeräte zusammen. Auf der Suche nach effizienter Hardware – Kühl- und Gefrierschränke, E-Herde, Waschmaschinen, Trockner, Klimageräte, Spülmaschinen, Leuchtmittel – ist man gegenwärtig noch auf das EU-Label angewiesen. Das wurde vom Fortschritt eingeholt, musste jüngst notdürftig überarbeitet und durch die Stufe „A+++“ ergänzt werden, da etwa inzwischen beinahe alle Kühlschränke mindestens das einfache A-Label tragen. „A+++“-Träger jedoch benötigen nicht einmal halb soviel Energie. Geräte der Stufen B bis herab zu D, sofern überhaupt noch im Handel, können längst nicht mehr mithalten (Es gilt, die Augen offen zu halten, denn Technik mit altem Label, mit den Stufen G bis A, wird noch bis Ende dieses Jahres in den Läden stehen.) Fernseher schaffen es aufgrund ihrer hohen Leistungsaufnahme generell nur bis zur Stufe „A“.

Wasch- und Spülmaschine mit Warmwasseranschluss
Den meisten Strom benötigen Wasch- und Spülmaschinen zum Aufheizen des wassers. Bei Waschmaschinen kann man ihn zum Teil einsparen, wenn man Geräte benutzt, die neben dem kalt- einen zusätzlichen Warmwasseranschluss haben oder mit einem Warmwasser-Mischgerät nachgerüstet werden. Die meisten Spülmaschinen kann man direkt an warmwasser anschließen, es sei denn, sie sind mit einer inneren Wärmerückgewinnung ausgerüstet, da diese Technik für einen Kaltwasseranschluss konzipiert ist.

Kühler kochen
Wer ohnehin einen Gasanschluss hat, sollte über einen Gas-Wäschetrockner nachdenken und eventuell sogar die Küche entsprechend umrüsten. Nicht umsonst kochen die Profis mit der blauen Flamme, es geht schneller und ist sparsamer. Wer sein Warmwasser vom Untertischspeicher oder vom elektrischen Durchlauferhitzer erhält, sollte wenn möglich umsteigen auf zentrale Warmwasserbereitung.

Stromspartipps

Kühlschränke, Gefrierschränke und -truhen müssen rund um die Uhr am Netz bleiben, man kann sie allerdings an einem kühlen Ort aufstellen und so dem Aggregat die Arbeit leichter machen. Nicht zu voll packen und grundsätzlich nie mit noch heißen oder warmen Lebensmitteln befüllen.

Beim Waschen auf Vorwäsche verzichten, nur stark verschmutzte Wäsche noch bei 90 Grad kochen; stärker schleudern und anschließend aufhängen, anstatt sie in den Trockner zu geben.

In der Küche am E-Herd nur exakt zur Platte passende Töpfe, besser noch den Schnellkochtopf verwenden; wo das Warmwasser aus dem elektrischen Untertischspeicher kommt, begrenzt man die Höchsttemperatur auf 60 Grad.

Den PC nicht rund um die Uhr laufen lassen und ihn mit allen Komponenten und Anhängseln per Steckerleiste abschalten, wie auch Fernseher und Musikanlage.

Energiesparleuchte

An Sommerabenden fällt es uns auf, und zwar unangenehm: Glühbirnen sind Heizungen. 90 bis 95 Prozent des Stroms setzen sie in Wärme um – Licht ist ein Nebenprodukt von Edisons bekanntester Erfindung, deswegen soll sie schrittweise aus dem Handel verschwinden. Energiespar-Leuchten, komprimierte Leuchtstoffröhren, bleiben cool und sorgen mit rund einem Fünftel des Stroms für dieselbe Helligkeit, halten dazu noch 10.000 anstatt 1.000 Stunden, sofern man keine Billigware kauft. Bedenken wegen des in den Röhren enthaltenen Quecksilbers muss man laut Umweltbundesamt nicht haben, selbst beim Zerbrechen einer in Betrieb befindlichen Lampe herrsche nur kurzfristig eine höhere Belastung, die rasch weggelüftet werden könne. Wo Kinder toben, sollte man dennoch bruchsichere einschrauben. Robuste LED-Leuchten kosten derzeit noch doppelt bis dreimal so viel wie die Leuchtstoff-Röhren, sind nicht ganz so effizient, erreichen dafür Dienstzeiten von gut 25.000 Stunden.

Der intelligente Stromzähler

In Neubauten ist er schon seit Januar 2010 Pflicht, in Altbauten muss er bisher nur im Rahmen einer größeren Renovierung montiert werden – der intelligente Stromzähler oder Smart Meter. Er erfasst den Verbrauch pro Zeiteinheit. Wie die Liter-auf-100-Kilometer-An­zeige im Auto soll er für bewussten Umgang mit Energie sorgen, besonders hungrige Geräte könnten zum Beispiel zu günstigeren Tarifen, nachts und am Wochenende betrieben werden. Gute Idee, leider aber verlangen die Versorger saftige Anschluss- und monatliche Betriebsgebühren, die eventuell gesparte Euros rasch wieder auffressen; außerdem lassen die besagten günstigen Tarife noch auf sich warten, obwohl per Gesetz alle Stromlieferanten verpflichtet sind, sie anzubieten. Dem genervten Kunden empfehlen der Bund der Energieverbraucher e.V. und selbst die Bundesnetzagentur (BNA), öfter und skrupelloser zu wechseln (siehe Kasten „Anbieterwechsel“). Und natürlich weiter nach Einsparmöglichkeiten im eigenen Haushalt Ausschau zu halten, den man schließlich selber am besten kennt. Einsparung, das haben schlaue Leute schon bald nach der Ölkrise bemerkt, ist überhaupt eine der ergiebigsten und saubersten Energiequellen.

Strom Wechsel

Um einen neuen Energieversorger zu finden, geht man wie folgt vor: im Internet, etwa unter www.verivox.de, www.tarifvergleich.de, www.toptarif.de, www.wer-ist-billiger.de, nach günstigeren Kilowattstunden fahnden, dabei auf den betreffenden Webseiten in den Suchmasken zu Beginn keine der Sonderkonditionen anklicken, damit sich ein realistisches Bild ergibt. Daneben den bestehenden Vertrag auf eventuelle Fußangeln abchecken. Schreiben Sie die Kandidaten an oder mailen Sie und lassen Sie sich Angebote schicken. Der, der das Rennen macht, übernimmt die Formalitäten. Die Angst, der alte Versorger könnte den Saft abdrehen, ist unbegründet. Auch dem neuen Anbieter sollten Sie keine Vorauszahlungen leisten und nur kurze Vertragsbindungszeiten akzeptieren.

Ökostrom-Tarif

Wer den Öko-Tarif eines seriösen Anbieters wählt, bekommt keinen reinen Ökostrom, kann aber davon ausgehen, dass sein Geld in Erneuerbare Energien investiert wird, also in Wasser-, Wind- und Sonnenkraftwerke oder in Biogaskaftwerke. Was dort produziert wird, wird ins öffentliche Netz eingespeist und macht den „Stromsee“ sauberer. Grüne Energie erhält, wer sie selber erzeugt, beispielsweise mit einer Fotovoltaik-Anlage. Aktuelle Informationen gibt es von den Verbraucherzentralen und unter anderem auf den Webseiten www.utopia.de und www.co2online.de.

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