10 Tipps zur Treppensicherheit

Treppen gehören zu den am häufigsten genutzten Bauteilen im Haus. Nur mit ihrer Hilfe lassen sich Höhenunterschiede überbrücken (neben Liften und Rampen z.B.). Sie erschließen ein Gebäude in der Vertikalen und in ihrer Formenvielfalt sind sie ein wichtiges Gestaltungselement. Und auch heute fungiert eine Treppe durchaus noch als Repräsentationsmittel.

Dagegen sind die Zahlen zur Treppensicherheit erschreckend. Laut Statistischem Bundesamt sterben jährlich mehr als 1.000 Menschen an den Folgen eines Treppensturzes. Aufgrund der hohen Anzahl von Unfällen auf Treppen wurden insbesondere von den Berufsgenossenschaften zahlreiche Untersuchungen durchgeführt. Nach der Unfallstatistik der gewerblichen Berufsgenossenschaften ereignen sich auf Treppen im gewerblichen Bereich pro Jahr etwa 36.000 Unfälle.

Grund genug sich auch im eigenen Heim eingehend mit der Sicherheit auf Treppen auseinanderzusetzen. Wer mehrgeschossig baut, kommt nicht ohne sie aus. Sie gehören fast immer zu den einmaligen Anschaffungen. Folglich ist bei Planung und Auswahl Sorgfalt geboten.

1. Richtig sicher ums Eck - DIN 18065

Das Verziehen der Treppenstufen ist eine besondere Kunst und unterliegt einer Vielzahl einzuhaltender Anforderungen. Der Bauherr ist daher gut beraten zu einem anerkannten Treppenspezialisten zu gehen. Dies ist umso wichtiger da die Nutzungssicherheit einer Treppe in der Regel auf über 50 Jahre ausgelegt ist.

Der Auftritt muss, z.B. zur Wendelungsecke hin, gleichbleibend sein oder stetig abnehmen. Im geradläufigen Bereich eines Treppenlaufes dürfen aus einer Wendelung heraus nur bis zu einer Länge von 3,5 x a gewendelte Stufen angeordnet werden (gemäß DIN 18065).

2. Stufe für Stufe - die richtige Treppenform

Auch wenn die Form der Treppe fast immer durch bauliche Gegebenheiten vorgegeben scheint, verlieren Sie nicht den Aspekt der Treppensicherheit aus den Augen. Je nach Wahl der Treppenform steigt oder fällt das Unfallrisiko. Die nachfolgende Grafik zeigt die Ergebnisse aus der Unfallforschung. Gewendelte Treppen und geradläufige Treppen bieten hohe Sicherheit, vorausgesetzt die Normen sind eingehalten. Die Unfallgefahr steigt generell bei der Einplanung von Podesten, ganz unabhängig von der Treppenform. (BGHW = Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution)

3. Stufen mit rutschhemmender Oberfläche

Ausrutschen ist immer schlecht. Ausrutschen auf der Treppe ist allerdings besonders gefährlich. Im privaten Bereich (Wohnhaus bis zu zwei Wohnungen) gelten zwar keine speziellen Anforderungen an die Oberfläche der Treppenstufen und deren rutschhemmende Eigenschaften, aber es ist dringend anzuraten bei den Oberflächen der Stufen auf gerade diese rutschhemmenden Eigenschaften zu achten. Auf der einen Seite kennt man seine Treppe im Haus natürlich wie im Schlaf, andererseits wird gerade diese auch unausgeschlafen oder ohne Schuhe begangen. Insofern bietet gerade im privaten Bereich eine rutschhemmende Oberfläche zusätzliche Sicherheit.

R9 – Orientierung an den Bewertungsgruppen für Rutschhemmende Oberflächen im gewerblichen Bereich

Im gewerblichen Bereich gilt für Innentreppen im Eingangsbereich von Gebäuden die Oberflächenanforderung R9, d.h. zum Vermeiden des Ausrutschens ist die Oberfläche mit dieser rutschhemmenden Eigenschaft auszustatten. Diese Regelung gilt für Treppen, auf die Feuchtigkeit von Außen hereingetragen werden kann. Der bei R9 zu erreichende Neigungsbereich beträgt 6-10 Grad. Ab 10 Grad beginnt R10.

4. Stufenkanten ohne Zusätze

Mit Stufenprofilen steigt das Unfallrisiko! Das ist das eindeutige Ergebnis einer Untersuchung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Ideal sind Radien von 2 und 10 mm. Kleinere Kantenprofile bergen aufgrund ihrer Scharfkantigkeit die Gefahr des „Hängenbleibens“ mit der Schuhsohle und schwere Verletzungen im Falle eines Treppensturzes. Bei größeren Radien ist die Gefahr, dass die Stufenkontur optisch nicht klar wahrgenommen wird und ein Abrutschen wahrscheinlicher wird. (Sicherheit auf Treppen, Merkblatt M44, Berufsgenossenschaft für Einzelhandel, Ausgabe 05.2004)

5. Absturzsicher - Geländer und Handlauf

  • Ab angrenzender Fallhöhe von 100 cm ist ein Geländer anzubringen. Foto: Kenngott
  • Foto: Kenngott
  • Eine Füllung aus Glas oder mit Stabelementen ist wichtig, um Geländer- oder Brüstungsöffnungen zu schließen bzw. zu verkleinern. Foto: Kenngott

Geländer sind an allen freien Seiten von Treppenläufen und -podesten anzubringen, die an mehr als 100 cm tiefer liegende Flächen angrenzen (DIN 18065 (6.8.1). Bei Wohngebäuden mit bis zu zwei Wohnungen ist bundesweit eine Geländerhöhe von mindestens 90 cm vorgeschrieben. Gemessen wird die Höhe lotrecht über der Stufenvorderkante. Ein Geländer muss so gestaltet sein, dass Kinder nicht hochklettern oder durchrutschen können und niemand hängenbleibt.

Jenseits der Vorschriften hängt in der Praxis der Einbau eines Geländers von den Nutzern ab. Auch ein Sturz von "nur" 50 cm kann schlimmste Folgen haben. Und denken Sie auch an die Zukunft oder Ihre Gäste mit Kindern.

Die Gebäudetreppennorm DIN 18065 legt zudem fest, dass Treppen mindestens auf einer Seite einen festen und griffsicheren Handlauf benötigen und dass dieser in einer Höhe zwischen 80 cm und 115 cm anzubringen ist. Zur benachbarten Wand oder anderen Bauteilen, muss der Seitenabstand mindestens 5 cm betragen. Handlaufunterbrechungen von weniger als 20 cm sind zulässig.

Kleiner Handlaufcheck:

  • durchlaufend, auch über Podeste und Fensteröffnungen
  • 30 cm über die erste und letzte Stufe weitergeführt 
  • runder Querschnitt mit einem Durchmesser von 40 - 60 mm
  • Halterungen von unten
  • kontrastreich zur Wand
  • Anfang und Ende gesichert und gut sichtbar

Werden Sie nicht erst aus Erfahrung schlau. Das Deutsches Institut für Treppensicherheit e.V. gibt hilfreiche Tipps zu Geländer und Handlauf.
http://www.treppensicherheit.de

6. Kindersicher

Sind kleine Kinder im Haus, ist bei der Treppensicherheit besondere Aufmerksamkeit geboten. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern (Wohngebäude mit bis zu 2 Wohnungen) gibt es gemäß DIN 18065 keine Anforderungen zum lichten Stufenabstand. Allerdings sind in diesem Zusammenhang die bundesweit verschiedenen Regelungen in den Landesbauordnungen (LBOs) zu berücksichtigen.

Um ein Durchrutschen von Kindern zu verhindern, kann zur Orientierung die Regelung für Allgemeine Gebäude dienen. Hier darf das Maß von Öffnungen zwischen Stufen nie mehr als 12 cm betragen. Durch einfache bauliche Maßnahmen, wie den Kinderschutzleisten, kann das Durchschlüpfen durch Kinder verhindert werden. Kinderschutzleisten werden insbesondere bei Stufendicken unter 5 cm empfohlen, da der lichte Stufenabstand dann in der Regel durch die Steigungshöhe überschritten wird. Zusätzlich empfehlen wir handelsübliche Kinderschutztüren an allen An- und Austritten anzubringen.

  • Legende: 1) Steigung 2) Lichter Stufenabstand 3) Lichter Stufenabstand mit Kinderschutzleiste. Grafik: Kenngott
  • Kinderschutz für die Treppensicherheit. Foto: Kenngott

7. Sichere Treppenbeleuchtung

Die richtige Treppenbeleuchtung trägt wesentlich zur Sicherheit auf Treppen bei. Zwar existieren auch hier keine speziellen Anforderungen für Ein- und Zweifamilienhäuser, trotzdem ist es ratsam einen Blick auf die Mindestanforderungen für Betriebsstätten zu werfen:

  • 100 lx sind als Mindestwert gefordert
  • Lichtschalter müssen in der Nähe der Treppenzu- und -abgänge liegen und gut zugänglich sein

(Arbeitsstättenrichtlinie ASR A3.4)

 

 

  • Foto: Kenngott
  • Foto: Kenngott
  • Foto: Kenngott

Geeignet sind blendfreie, breit strahlende Wand- oder Deckenleuchten. Auch Stufenleuchten haben sich bewährt. Mit energiesparenden Bewegungsmeldern haben Sie zu jeder Tages- und Nachtzeit eine sichere Treppenbeleuchtung und markante Highlights gesetzt. Dies gilt vor allem am Beginn und am Ende des Treppenlaufes. Ältere Menschen benötigen in der Regel mehr Licht als jüngere. Nachträglich kann eine Treppe auch ohne Elektroinstallation über eine Akku-Beleuchtung von Kenngott-Treppen nachgerüstet werden.

Weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Unfallsicherheit auf Treppen sind z.B. eine farblich unterschiedliche Gestaltung der Tritt- und Setzstufen oder eine Beleuchtung unterhalb der Stufen.

8. Weg frei!

Gerade im Ein- und Zweifamilienhaus werden Treppen oft zu Dekorationszwecken missbraucht. Accessoires, Blumenständer oder auf die Schnelle abgestellte Einkäufe oder Bücher werden so zum vermeidbaren Unfallrisiko. Dazu informiert die Publikation „Funktionelle, sichere und nutzerfreundliche Treppe“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Sie hält fest, dass Treppen- und Treppenpodeste kein Abstell- oder Lagerplatz sind. Treppen sind generell freizuhalten. Auf Treppenpodeste können Gegenstände nur stehen, „wenn sie mit Sicherheit kein Bewegungshindernis" darstellen. (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGVU) BGI/GUV-I 561 Treppen, S. 24)

9. Reinigung + Pflege

Der Spitzenverband der gesetzlichen Unfallversicherung fordert, dass unabhängig von der Bauart Treppen und Handläufe in einwandfreiem Zustand gehalten werden müssen. Die Reinigung und Pflege einer Treppe sollte die Gebrauchseigenschaften erhalten und den Verschleiß der Treppenstufen und Stufenkanten soweit wie möglich mindern. Falsche Reinigungsverfahren und falsch eingesetzte Pflegemittel können jedoch zu Rutschgefahren führen. Zu vermeiden sind möglichst schichtbildende (z.B. wachshaltige) Pflegemittel, da diese bei Nässeeintrag akute Rutschgefahren hervorrufen können. (Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Broschüre „Treppen funktionell, nutzerfreundlich, sicher", S. 33 )

Aufgrund der Vielzahl der eingesetzten Treppenmaterialien wie Beton, Holz, Naturstein etc. wird empfohlen die jeweilige Pflegeanleitung beim Hersteller nachzufragen.

10. Nutzlasten

Für die Europäische Zulassung muss die Standsicherheit sowie die Nutzungssicherheit über 50 Jahre nachgewiesen werden, ebenso die gleichmäßige Last über 300 kg/m2 (entspricht 3 kN/m2) bzw. als Einzellast an einer Stufe mit einer maximalen Durchbiegung < l/150 (l = Stufenlänge).

Die Einzellast beträgt in diesem Fall auf einer Stufe 200 kg (2 kN).

Die KENNGOTT-Kragarmtreppe übertrifft die geforderten Werte erheblich, daher wird nahezu keine Schwingung und Durchbiegung der Stufe wahrgenommen.

Kleines Treppen KnowHow zur Treppensicherheit

Bei der Treppengestaltung sind zahlreiche Gesetze, Landesbauordnungen, Normen und allgemein anerkannten Regeln der Technik zu berücksichtigen. In den letzten Jahrzehnten sind viele Regelungen zur Erhöhung der Sicherheit auf Treppen hinzugekommen. Einen besonderen Stellenwert hat in diesem Zusammenhang die DIN 18065 zur konstruktiven Gestaltung von Gebäudetreppen und deren Abmessungen. Viele Regelungen zur „sicheren" Gestaltung sind dort enthalten.

Aus der DIN 18065

  • Nutzbare Treppenlaufbreite

Diese beträgt bei Wohngebäuden mit nicht mehr als zwei Wohnungen mindestens 80 cm, im Mehrfamilienhaus beträgt sie 100 cm. Die gesamte Treppenlaufbreite hingegen ist die gemessene Stufenlänge.

  • Kopfhöhe

Gebäudetreppen müssen mindestens eine lichte Durchgangshöhe von 200 cm haben.

  • Wandabstand

Der Seitenabstand von Treppenläufen und -podesten zu Wänden/oder Geländern darf nicht mehr als 6 cm betragen. Je nach LBO auch nur 4 cm.

  • Eine wichtige Regel:

Die Schrittmaßregel ist eine Formel zum bequemen und sicheren Begehen einer Treppe. Sie lautet gemäß DIN 18065: 2 x Steigung + Auftritt = 59 bis 65 cm. Diese Formel resultiert daraus, dass beim Spazieren gehen eines Menschen seine mittlere Schrittlänge zwischen 59 und 65 cm beträgt. Beim Treppensteigen verkürzt sich die Schrittlänge, da zusätzlich zur Waagerechten auch ein Höhenunterschied überwunden werden muss. Ein “empfehlenswertes Steigungsverhältnis" liegt bei einem Auftritt von 26 cm und einer Steigung von 18,5 cm.

Dieser Artikel entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit KENNGOTT - TREPPEN.

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