Allgemeines zur Baubiologie

Das Thema Baubiologie ist von besonderer Bedeutung, denn wir Menschen können stetig davon profitieren, auf eine wohngesunde Umgebung zu achten.

Baubiologen betonen die Eigenverantwortlichkeit von Bauherren

In Baubiologie und Wohnmedizin in ihren seriösen Formen fließen Ergebnisse der Umweltmedizin mit ein, die die Schattenseiten des technischen Fortschritts zum Gegenstand hat. Umweltmediziner ist ein undankbarer Beruf, seine Vertreter müssen immer wieder vor allen möglichen Produkten warnen, mit denen wir unseren Alltag komfortabler und bunter machen und an denen die Industrie gut verdient – oder ohne die sie angeblich nicht kann. Aktuell sind es die perfluorierten Tenside (PFT), die in so unterschied­lichen Konsumgütern wie Regenjacken oder Pizzakartons vorkommen und sogar vereinzelt im Trinkwasser nachweisbar waren. Sie gelten als krebs­­erregend und stehen im Verdacht, unfruchtbar zu machen. 

Nun steht unser Trinkwasser unter intensiver Kontrolle, seine Qualität ist gesetzlich geregelt. Wesentlich lascher, darauf weisen Baubiologen hin, fallen dagegen die Regelungen bezüglich der Raumluftqualität in Wohnhäusern aus. Wer baue, der müsse weitgehend selber für ein wohngesundes Umfeld für sich und seine Familie Sorge tragen.

Unterschiedlichste Belastungen in Wohnungen

Wie andere seines Faches wird Wolfgang Maes aus Neuss als Sachverständiger in der Regel erst dann gerufen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, das heißt, wenn Altbauten und gar nicht so alte Bauten ihre Bewohner bereits krank gemacht haben. Typische Anzeichen sind Müdigkeit, Kopfschmerzen, Reizungen der Atemwege, der Augen und der Haut, Beschwerden, die abklingen, sobald man das Haus verlässt. Es kann noch schlimmer kommen, Störungen des Nervensystems, Herz- und Kreislaufbeschwerden können auftreten, Immun- und Hormon­system können nachhaltig geschädigt werden.
Maes und Kollegen rücken dann mit verschiedensten Messgeräten an, verwandeln die Zimmer in Labore. Sie müssen ihre Aufmerksamkeit auf eine Vielzahl von Einflussfaktoren richten. Es gibt zum einen die direkt vom Menschen verursachten Belastungen, dann diejenigen, deren Entstehung er begünstigt. Zur ersten Gruppe gehören Ausgasungen aus Baustoffen aller Art, flüchtige organische Verbindungen (VOC, vom engl. „volatile organic compounds“; die am häufigsten zu findende ist Formaldehyd), anorganische Verbindungen, schwer flüchtige Verbindungen, dann Partikel, wie etwa Feinstaub aus Kaminöfen, oder Fasern. Hinzu kommt der so genannte Elektrosmog: elektro- und magnetostatische Erscheinungen (Gleichfelder), elektrische und magnetische Wechselfelder und elektromagnetische Wellen. Natürlichen Ursprungs sind dagegen Bakterien, Schimmelpilze und deren Stoffwechselprodukte sowie Milben, für deren Vermehrung in unserer Arbeits- und Wohnumgebung wir oft die besten Voraussetzungen schaffen, durch zu dichte Häuser und mangelnde Lüftung. So dass Feuchtigkeit und Kohlendioxid, vom Menschen ausgeatmet, in den Räumen verbleiben: genau das, was der Pilz zum Wachsen und Gedeihen braucht. (Viele Architekten und Haushersteller erstellen nur noch Häuser mit Lüftungsanlagen. Ohne sie finde in gemäß der Energie-Einspar-Verordnung errichteten Gebäuden der notwendige Luftwechsel nicht mehr statt.) Ein Naturprodukt ist ebenso radioaktives Radon-Gas, das in manchen Gegenden Deutschlands in hoher Konzentration im Erdboden vorkommt und sich auf dem Weg über den Keller in Gebäuden anreichern kann.

Von der Konstruktion bis zum Montageschaum

Weitere Gründe für die Verschlechterung des Innenraumklimas sind die großzügige Verwendung von bedenk­lichen Farben, Montageschäumen, Ausbaumaterialien, Dichtmassen usw. durch Handwerker und Heimwerker. Die immer beliebter werdenden Kaminöfen werden bei unsachgemäßem Betrieb zur zusätzlichen Schadstoffquelle. Und die zunehmende Vernetzung unserer Wohnungen (mit und ohne Kabel), der Wunsch, Telekommunikation, Internet und Unterhaltungs­elektronik überall und jederzeit zur Verfügung zu haben, bringt mehr E-Smog. Eine Menge Ansatzpunkte für Baubiologen, die zukünftige Bauherren beraten. Dabei ist allerdings die Auswahl der richtigen Baustoffe, Ausbaustoffe und der Einrichtungsgegen­stände nicht einmal die halbe Miete. Planung und Konstruktion müssen mit Bedacht erfolgen, eine wärmebrückenfreie Außenhülle ist unerlässlich und selbst die gesündesten Materialien nützen nichts, werden sie falsch ver­arbeitet.

Wahl der Materialien

Empfohlen werden zuallererst Alternativen zu den emissionsstarken Bauprodukten: hochdämmende Ziegel, deren Hohlräume mit Perlite gefüllt sind, Dämmstoffe aus Flachsfasern, die in den Tür- und Fensterlaibungen die Montageschäume ersetzen. Statt Form­aldehyd ausgasender Mineralfaserdämmung nimmt man beispielsweise Holzfaser-Dämmmatten, statt PVC- oder Laminat-Bodenbelägen Dielen oder Massiv-Parkett, mit Öl und Wachs behandelbar. Zu beachten ist indes, dass nicht jeder Naturbaustoff sich eignet. Terpene, Lösemittel in Naturlacken, können zum Beispiel bei empfindlichen Personen Schleimhautreizungen verursachen, genauso wie die in den herkömmlichen Dispersions­farben enthaltenen Topfkonservierer. Auch harzreiche, intensiv duftende Hölzer wie Douglasie, Fichte oder Kiefer sind in dieser Hinsicht unter Umständen kritisch. Dafür gibt es Naturprodukte, die sogar Schadstoffe aus der Luft filtern können, zum Beispiel Rotkalk- und Lehmputze. Ein Mindestmaß an Schutz vor Elektrosmog erreicht man, indem man wenigstens fürs Schlafzimmer und für die Kinderzimmer Netzfreischalter vorsieht: die trennen den betreffenden Stromkreis automatisch vom Netz, sobald die letzte Nachttischlampe gelöscht wird. Abgeschirmte Leerrohre oder Kabel, abgeschirmte Verteiler und Dosen im ganzen Haus geben zusätzlich Sicherheit. Strahlung von außen halten geerdete, mit Kohlenstoff beschichtete Gipsbauplatten ab. In die Außenwand eingebrachte Kupfergewebe mit Erdung erfüllen denselben Zweck.

Know-how allein reicht nicht, die Umsetzung ist entscheidend, weiß Peter Bachmann vom Sentinel Haus Institut. Er und seine Mitarbeiter schaffen den organisatorischen Rahmen zum Bau eines nach strengsten Maßstäben wohngesunden Hauses – indem sie den Auftrageber über Materialien und Grenzwerte informieren und die Ausführenden penibel schulen. Verwende nur ein Handwerker zweifelhafte Kleber, Klebebänder oder Fugenmassen oder werde die Luftdichtheitsschicht nachträglich wieder beschädigt, könne das den Erfolg der gesamten Maßnahme gefährden. Ständiges Messen und gegebenenfalls Nachbessern ist notwendig, denn das Sentinel Haus Institut sichert seinen Kunden vertraglich die Unterschreitung von festgelegten Emissions-Werten zu  Glaubt man Bachmann, so sind die Reaktionen der Baupartner trotzdem positiv. Derart gefordert, erfahre das Handwerk zugleich wieder die alte Wertschätzung. Die Mehrkosten fürs Biobauen betrügen zwischen drei und sieben Prozent.

Chancen und Risiken der jungen Wissenschaft Baubiologie

Eines der Probleme der noch jungen Wissenschaft ist die Abgrenzung gegen die Esoterikfraktion, gegen Feng-Shui-Jünger und Wünschelrutengänger. Die haben es einfacher, weil sie einfache Erklärungen anbieten können, wenn ein Haus seine Bewohner krank macht. Das Qi sei blockiert, Erdstrahlen störten.

Baubiologen und Wohnmediziner hingegen wissen, dass sie es mit einem komplexen Phänomen zu tun haben, welches jeden Tag an Komplexität gewinnt. Gerade kommt die Diskussion um die Risiken der Nanotechnik in Fahrt, in die die Bauwirtschaft – siehe die selbstreinigenden Dachziegel und Fassadenfarben – große Erwartungen setzt. Umso wichtiger sei daher der kritische Verbraucher, der nicht gleich alles unbesehen kauft, was das Etikett „bio“ trägt, sondern beharrlich nachfragt und so hilft, den Standard zu heben.

Adressen für Information und Beratung

Fachleute in der Nähe findet man vor allem über die Verbände und
Institutionen der Umweltanalytik
, auf ihren Internet-Seiten erfährt man außerdem Neues zum Thema Wohngesundheit.

VB - Verband Baubiologie
Maxstraße 59
53111 Bonn
Tel.: 02 28/96 39 92 58
Fax: 02 28/96 39 92 54
Internet:
www.verband-baubiologie.de
E-Mail:
info@verband-baubiologie.de

VDB – Berufsverband Deutscher Baubiologen
Reindorfer Schulweg 42
21266 Jesteburg
„Gesünder-wohnen-Telefon“:
08 00/2 00 10 07
(gebührenfrei, Mo.–Fr. von 9:00 bis 17:00 Uhr)
Internet: www.baubiologie.net
E-Mail: netzwerk@baubiologie.net

AGÖF – Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute e.V. im Energie- und Umweltzentrum
31832 Springe-Eldagsen
Tel.: 0 50 44/9 75 75
Fax: 0 50 44/9 75 77
Internet: www.agoef.de,
E-Mail: agoef@t-online.de

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