Interview zu Wohntextilien

Der Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Heimtextilien-Industrie e.V. Martin Auerbach berichtet, wo man als Verbraucher den Siegeln der Wohntextilien vertrauen kann.

Interview

Kann man den Siegeln vertrauen?

Wir fragten den Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Heimtextilien-Industrie e.V. Martin Auerbach.

Wenn ich als Verbraucher gesundheits- und umweltverträgliche Wohntextilien erwerben möchte, muss ich mich doch zwangsläufig an den Siegeln und Zertifikaten orientieren. Oder woher sonst weiß ich, ob die Qualität eines Produkts hält, was sie verspricht?
Auerbach: Im Markt gibt es eine Vielzahl von Labels, die für die Einhaltung bestimmter Eigenschaften oder Kriterien stehen. Soweit es sich nicht um reine Werbebotschaften handelt und sich hinter dem Label auch vernünftige Kriterien verbergen, die dann auch noch regelmäßig kontrolliert werden, kann ein solches Label dem Verbraucher bei seiner Orientierung hilfreich sein. Dem gegenüber stehen aber auch scheinbare Qualitätssiegel, die dem Verbraucher suggerieren sollen, er kaufe ein umweltfreundliches, schadstoffarmes oder nachhaltiges Produkt. Hier lohnt sich durchaus auch schon einmal ein Blick mit dem Smartphone ins Internet, um die Seriosität eines Labels zu überprüfen. Findet der Verbraucher dann nichts oder keine klaren Erläuterungen zu den Kriterien, handelt es sich wahrscheinlich nur um eine reine Werbestrategie.
 
Viele deutsche Heimtextilien-Hersteller können weder Siegel noch Zertifikate vorweisen. Muss ich als Verbraucher deshalb automatisch davon ausgehen, dass die Produkte schadstoffbelastet sind?
Auerbach: Ein ganz klares „Nein“. In kaum einem Land auf der Welt sind die Anforderungen an die Produktion von Verbraucherprodukten so hoch, wie in Deutschland. Farbstoffe und Textilhilfsmittel, deren Verwendung in Deutschland seit Jahren verboten sind, finden im nichteuropäischen Ausland, also in Asien und den Schwellenländern, durchaus noch Anwendung. Das heißt nicht, dass Heimtextilien aus dem Ausland grundsätzlich schadstoffbelastet sind, denn der Importeur kann über entsprechende Vereinbarungen und Kontrollen z.B. die Schadstofffreiheit sicherstellen. Dies kostet allerdings Geld, das bei Billigstwaren wohl eher nicht aufgewandt wird. Im Gegensatz dazu darf der Verbraucher bei Heimtextilien Made in Germany davon ausgehen, dass diese insgesamt nachhaltig sind.
 
Und was bedeutet in diesem Zusammenhang „nachhaltig"?
Auerbach: Sie fragen zu Recht, denn das Wort Nachhaltigkeit ist geduldig und wird mittlerweile nahezu inflationär verwendet. Ich gebrauche es hier im umfassenden Sinne bestehen aus den klassischen drei Komponenten, und zwar der ökologischen, der ökonomischen und der sozialen. Deutsche Textilproduzenten halten höchste Anforderungen an Umweltschutz ein, produzieren teilweise ihre eigene (grüne) Energie und sparen Ressourcen über Wärmerückgewinnung und andere Maßnahmen. Die ökonomische Komponente besagt, dass die Angestellten des Herstellers von ihrem Lohn auch leben können. Berichte zu den Zuständen in Asien und den Schwellenländern sind bekannt, in Deutschland hingegen erhalten Textilarbeiter Tariflöhne oder vergleichbare Einkommen. Letztlich sorgen Deutsche Textilhersteller zusammen mit der zuständigen Berufsgenossenschaft für Sicherheit am Arbeitsplatz. Ferner Beteiligen sich die Hersteller über ihren Anteil an der Sozialversicherung an der Arbeitslosen-, Kranken-, Renten- und Pflegeverischerung, womit auch die soziale Komponente erfüllt wäre. Leider ist ein Produkt Made in Germany im Laden häufig nicht zu erkennen. Hier sollten die Verbraucher konkret nachfragen und damit auch Einfluss auf das Produktangebot nehmen, denn nur bei entsprechender Nachfrage ist der Handel bereit, vermehrt nachhaltig produzierte Heimtextilien Made in Germany anzubieten.


zurück zur Übersicht Wohngesundheit

zurück zur Startseite

News Innenausbau