Die Raumluft befeuchten – Vorteile für Allergiker

Egal ob Pollen, Milben oder Haustier-Allergie, wer die Raumluft befeuchtet, schafft Abhilfe. 

Weltweit belegt Hausstaub den ersten Platz der Allergien auslösenden Stoffe überhaupt. Betroffene reagieren entweder auf Milbenbestandteile oder auf Tierallergene. Die Beschwerden äußern sich neben häufigem Niesen auch in Form von Augenreizungen oder Asthma. Ähnlich wie Pollen-Allergiker leiden Hausstaub-Allergiker unter luftübertragenen, allergieauslösenden Stoffen, sogenannten Allergenen.

Pollen-Allergiker wissen, dass Regen, feuchte Luft und Windstille ihre Beschwerden lindert. Hausstaub-Allergiker hingegen haben in der trockenen Heizperiode häufig deutlich mehr Beschwerden als im Sommer. Oft wird dennoch zu Vorsicht mit Feuchtigkeit geraten, besser 30 oder 40 Prozent als 50 Prozent! Doch ist das richtig? 

Logischerweise kann nur der in der Luft vorhandene Anteil des Hausstaubes Beschwerden auslösen. Allerdings ist dieser Anteil nur schwer zu messen. Vor einiger Zeit wurde erstmals eine Studie veröffentlicht, die die effektiv eingeatmete Menge an Milbenallergen von 10 Personen über 24 Stunden während den üblichen Aktivitäten bestimmte1. Es wird deutlich, dass die eingeatmete Menge in allererster Linie von den Aktivitäten der Personen abhängig ist, die zur Staubaufwirbelung führen. So werden bei niedriger Aktivität (z.B. Schlafen) nur minimal Milbenallergene eingeatmet. Durch Bewegung kann die Konzentration der Allergene in der Atemluft um das mehr als Tausendfache ansteigen.

Tipp: Gesundes Raumklima dank Luftbefeuchter

Aktive Luftbefeuchtung kann für ein gesünderes Raumklima sorgen. Wir haben alle wichtigen Informationen für Sie in unserem Beitrag Gesundes Raumklima dank Luftbefeuchter zusammengestellt.

Somit ist die Staubaufwirbelung ausschlaggebend für die Beschwerden von Allergikern. Eine andere Studie zeigt, dass Milbenbestandteile von einem Linoleumboden durch eine höhere Luftfeuchtigkeit weniger aufgewirbelt werden. Die Aufwirbelung nimmt um das rund Hundertfache kontinuierlich ab, wenn die Luftfeuchtigkeit von 10 Prozent auf 40 Prozent und 80 Prozent gesteigert wird2. Diese Erkenntnisse decken sich mit den Alltagserfahrungen von Allergikern und zeigen, weshalb Trockenheit Allergiebeschwerden verstärkt.   

Häufig empfehlen Merkblätter Allergikern dennoch eine Obergrenze der Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent in der Wohnung einzuhalten. Teilweise nennen Empfehlungen eine Untergrenze zwischen 35 und 40 Prozent. Doch während drei Vierteln des Jahres wird diese Obergrenze in unseren Häusern überschritten – die Untergrenze in den Wintermonaten in der großen Mehrheit der Gebäude (in alten, vor allem aber in neuen Gebäuden) sogar weit unterschritten. 20 Prozent als monatlicher Durchschnittswert ist üblich geworden3. Durch die Trockenheit nehmen die Allergiebeschwerden im Winter zu, da die Aufwirbelung von Hausstaub begünstigt wird2,4.

Eine höhere Luftfeuchtigkeit verringert Staubaufwirbelungen, da die Haftung von Staub auf glatten Böden oberhalb von 30 bis 40 Prozent Raumluftfeuchte rasch zunimmt. Außerdem steigt das Gewicht der Staubpartikel durch Wasserkondensation an. Dadurch kleben die Staubpartikel zusammen und sinken schneller wieder zu Boden.

Doch eine hohe Raumluftfeuchte bringt auch Nachteile mit sich: oberhalb von 60 Prozent Luftfeuchte steigen die Risiken von Schimmelproblemen. Deshalb sollten Allergiker die Raumluft auf 40 bis 60 Prozent befeuchten und die Luftfeuchtigkeit mit einem digitalen Hygrometer besonders im Winter beobachten.

In modernen Häusern mit Lüftungsanlage sind diese Werte ohne eine zusätzliche Luftbefeuchtung kaum zu erreichen. Deshalb gibt es spezielle Diffusionsluftbefeuchter, die eine optimale Luftfeuchte in den Wohnräumen ermöglichen. 

Eine Messung des Anteils der Allergene, die die Atemwege über die Raumluft erreicht, ist kompliziert und teuer. Deshalb sollten Sie lieber den Wahrnehmungen der Schleimhäute von Nase, Atemwegen und Augen vertrauen und die Raumluftfeuchte so anpassen, dass Ihre Beschwerden gelindert werden. 

7 Tipps für Allergiker

  1. Befeuchten Sie die Raumluft, wenn das Hygrometer wiederholt Werte unter 40 % anzeigt, um Beschwerden zu lindern.
  2. Atmen Sie durch die Nase und pflegen Sie diese, denn die Nase dient als eine Art Filteranlage für Hausstaub und befeuchtet die Luft für die unteren Atemwege. Über die Hälfte des durch die Nase eingeatmeten Hausstaubes bleibt an der feuchten Schleimhaut haften und kann später geschnäuzt, verschluckt oder ausgehustet werden. Bei Mundatmung erreicht deutlich mehr Staub unsere Lungen.
     
  3. Das Selbstreinigungssystem der Bronchien kann Hausstaub in den unteren Atemwegen durch Aushusten oder Verschlucken wieder entfernen. Deshalb neigen Personen mit Mundatmung und Allergien stärker zur Schleimhautaustrocknung und profitieren doppelt von der Befeuchtung5
  4. Reinigen Sie Oberflächen regelmäßig feucht und wählen Sie glatte, leicht feucht zu reinigende Böden und Mobiliar. Auch das regelmäßige Waschen und Wechseln der Bettwäsche wirkt sich positiv auf Allergiebeschwerden aus. 
     
  5. Staubaufwirbelungen sind unsichtbar, entstehen aber mit jeder Bewegung im Haus. Insbesondere Reinigungsvorgänge wirbeln viel Staub auf und sollten deshalb lieber an Nicht-Allergiker delegiert oder kurz vor dem Verlassen des Raumes durchgeführt werden. Staubsauger mit hochwirksamen HEPA-Filtern können zusätzlich helfen.
  6. Vertrauen Sie bei der "Messung" von Allergenen in der Luft auf die Reaktionen Ihrer Augen, Nase oder Bronchien. 
  7. Werte zwischen 40 und 60 Prozent relativer Feuchte sind für Allergiker sinnvoll. Um diese zu erhalten, ist in Einfamilienhäusern meist eine Luftbefeuchtung durch Diffusions-Luftbefeuchter sinnvoll.

1Tovey ER et al, Time-Based Measurement of Personal Mite Allergen Bioaerosol Exposure over 24 Hour Periods, PLoS ONE, 2016

2Salimifarad P et al, Resuspension of biological particles from indoor surfaces: Effects of humidity and air swirl, Science of the Total Environment 583 (2017) 241–247

3Quinn A, Shaman J, Indoor temperature and humidity in New York City apartments during winter, Science of the Total Environment 583 (2017) 29–35

4Tian Y et al, A comparative study of walking-induced dust resuspension using a consistent test mechanism, Indoor Air 2014

5Naclerio RM, Observations on the ability of the nose to warm and humidify inspired air, Rhinology, 45, 2007

Im Gespräch mit Dr. med. Walter Hugentobler

Dr. Walter Hugentobler verrät uns im Gespräch, warum trockene Raumluft ein oft unterschätztes Problem ist und erklärt, warum Luftbefeuchtung sinnvoll ist. 

DR. MED WALTER HUGENTOBLER

ist pensionierter Facharzt für Allgemeine Innere Medizin. Seine Praxis lag in der Nähe des Flughafens Zürich/Kloten, weshalb er vielfach Personal aus der Flugbranche betreute und so schnell mit den praktischen Konsequenzen der Lufttrockenheit konfrontiert wurde. Dr. Hugentobler setzte sich mit dem Thema in der gesamten Zeit seiner beruflichen Praxis intensiv auseinander. Kontakt: w.hugi@bluewin.ch

Wie wirkt sich die Luftfeuchtigkeit auf das menschliche Organsystem, insbesondere auf die Atemwege, die Haut und die Augen aus?

Die menschlichen Organsysteme sowie der Atemtrakt, die Haut und die Augen müssen bestimmte Aufgaben erfüllen, egal wie feucht oder trocken die Luft ist. Der Atemtrakt ist dafür zuständig, dass die Atemluft mit 100-prozentiger Feuchte in den Lungenbläschen ankommt und muss somit jedes Prozent fehlender Luftfeuchtigkeit aus der Luft ausgleichen.

Nase, Mund, Rachen und Bronchien konkurrieren dabei mit der Luft selbst, die ebenfalls nach Sättigung, sprich nach 100 Prozent Feuchtigkeit strebt. Sie nimmt die Feuchte überall auf, wo sie, in welcher Form auch immer, vorhanden ist. Im Wohnbereich ist häufig der Mensch die einzige Feuchtequelle. Dadurch werden Nase, Rachen und Bronchien jedes Anwesenden bei einer Luftfeuchtigkeit von unter 20 bis 30 % bis zur möglichen Dekompensation gefordert. Darüber ist die Atemluft umso staubiger, je trockener sie ist. Deshalb belasten Trockenheit und Staub die Funktionen des Atemtrakts insbesondere im Winter aufgrund der trockenen Heizungsluft. 

Kann man die Nase als Klimaanlage und Filter für die Lungen ansehen?

Der Mensch kann die großen Feuchte- und Temperaturschwankungen im Freien nur deshalb überstehen, da die Nase als eigene, leistungsfähige Klimaanlage agiert. Sie reinigt die Atemluft grob, erwärmt sie und feuchtet sie an. Grundsätzlich ist die Nase auch den Anforderungen der trockenstaubigen Raumluft im Winter gewachsen, allerdings trifft dies tatsächlich nur auf Personen zu, deren Nase perfekt und optimal funktioniert – sprich zwei Drittel der Bevölkerung. Nasen mit abweichender Geometrie oder verstopfte Nasen schaffen es nicht, ihre Funktionen zu erbringen. Der Körper stellt auf Mundatmung um. 

Die beiden häufigsten Nasenbeschwerden überhaupt sind Verstopfungsgefühl und Trockenheit und betreffen bei weitem nicht nur Allergiker. Beispielsweise kennen diese Beschwerden auch Personen mit vorgeschädigter Nasenschleimhaut (z.B. durch wiederholte Infekte), Raucher und viele Senioren. Trockene Heizungsluft bedeutet für diese Personengruppen zusätzlichen Stress, denn die Schleimhaut kann geschädigt werden und dadurch anfälliger für Infektionskrankheiten sein. Aufgrund von steigender Allergiezahlen und trockenerer Innenräume gewinnt die Problematik immer mehr an Bedeutung. 

Wie wirkt sich die Raumluftfeuchte auf Oberflächen, Viren, Bakterien und Pilze aus?

Bakterien, Viren und Pilzbestandteile nennt man Mikroben. Sie sind raumfüllend, sprich in extrem hoher Anzahl in allen Räumen vorhanden. Jeder Mensche gibt Krankheitserreger als „trockene“ oder „feuchte“ Aerosole in die Raumluft ab und streift sie unbewusst auf Oberflächen ab. Durch Bewegungen (sog. Turbulenzen)  wie z.B. Mischlüftung, Herumgehen oder Reinigungsarbeiten können diese Krankheitserreger wieder von Oberflächen aufgewirbelt werden.

Beim Husten, Sprechen und Atmen gibt jeder Mensch kleinste Schleim- und Speichel-Tröpfchen in die deutlich trockenere Raumluft ab. Große, schwere Tröpfchen fallen nach kurzer Flugzeit auf Oberflächen, kleine Tröpfchen hingegen schweben meist stundenlang in der Raumluft und werden durch Luftströmungen im gesamten Raum oder Gebäude verteilt. Dabei durchlaufen die infektiösen Tröpfchen einen Verdunstungsprozess: Sie „verdampfen“ förmlich in der Raumluft. Deshalb hängt das Schicksal dieser Mikroben auch wesentlich von der relativen Raumluftfeuchtigkeit ab. 

In Experimenten zeigte sich, dass Mikroben im mittleren Feuchtebereich zwischen 40 und 60 % innerhalb kurzer Zeit inaktiv werden. Bei höherer sowie auch bei niedrigerer Luftfeuchtigkeit überleben Viren und Bakterien mindestens einige Stunden, doch vermutlich sogar tagelang.

Das liegt daran, dass die Aerosol-Tröpfchen bei mittlerer Raumluftfeuchte innerhalb weniger Sekunden mehr als 90 Prozent ihres Volumens verlieren und dadurch auf rund die Hälfte schrumpfen. Folglich steigt die Konzentration von Salzen, Eiweißen und anderen darin enthaltenen Bestandteilen stark an. Die um das rund 13-fache konzentrierten Aerosolbestandteile machen die enthaltenen Viren und Bakterien inaktiv.

Bei einer Raumluftfeuchte unterhalb von 40 Prozent hingegen, trocknen die Aerosole vollständig aus, sodass die Viren und Bakterien in den trockenen Überresten konserviert werden und infektiös bleiben. Bei erneuter Einatmung der trockenen Substanzen nehmen diese in den feuchten Atemwegen erneut Wasser auf und gehen in Lösung. Anschließend können die Erreger einen erneuten Infektionsprozess starten. 

Inwiefern werden die Übertragungswege der Mikroben, insbesondere auf dem Luftweg, durch die Luftfeuchtigkeit beeinflusst?

Eine hohe Luftfeuchtigkeit fördert grundsätzlich alle Vorgänge, die Staub aus der Luft entfernen und auf den Oberflächen festhalten, was in Experimenten untersuchbar und quantifizierbar ist. Die Ergebnisse spiegeln meist auch Alltagserfahrungen wider. Beim Reinigen von verstaubten Oberflächen sprüht man Wasser auf die Oberflächen oder wischt den Staub zumindest mit einem feuchten Tuch auf. Andernfalls gelangt der aufgewirbelte Staub in die Atemwege und kann Niesattacken und Hustenanfälle auslösen.

Besonders Pollen-Allergiker sind mit den wohltuenden Auswirkungen steigender Luftfeuchtigkeit vertraut. Eine höhere Luftfeuchtigkeit lässt Pollen an den Blütenständen und auf den Oberflächen "festkleben" und verhindert ihren Übertritt in die Luft. Personen mit Hausstauballergien profitieren daher von einer hohen Luftfeuchtigkeit in Innenräumen, denn sie hält die Allergene auf den Oberflächen fest, und die Allergen-Konzentration in der Luft nimmt ab.

Dient eine aktive Luftbefeuchtung also der Gesundheit der Bewohner?

Trockene Heizungsluft schafft jedes Jahr wieder ideale Voraussetzungen für die epidemische Verbreitung der Grippe- und Erkältungserreger in Innenräumen. Die Verbreitung wird auch dadurch unterstützt, dass wir im Winter praktisch alle Kontakte in Innenräumen pflegen und die Raumluft miteinander teilen. Erkältungen haben somit keinen ursächlichen Zusammenhang mit der kalten Winterluft, sondern mit einer „Feuchtigkeits-Lücke“ im winterlichen Raumklima.

Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und fast 100 Prozent ist während der Heizperiode in Innenräumen nahezu nicht existent. Nur eine aktive Befeuchtung kann Abhilfe schaffen. Dazu sollte die Gebäudetechnik, verbunden mit einem entsprechenden hygienischen Kontroll- und Wartungsaufwand, auf die Befeuchtung ausgelegt werden. Der zusätzlichen Investitionsaufwand kann leicht durch gesundheitliche Schäden und Krankheitskosten gerechtfertigt werden.

­Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Condair.

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