Effizienzhäuser und ihre finanzielle Förderung

Viele Neubauten liegen energetisch bereits über dem gesetzlich geforderten Standard. Doch was ist eigentlich ein Effizienzhaus und wohin geht die Entwicklung?

Die Energiepreise bleiben ihrem Trend treu: sie steigen. Je mehr Heizenergie ein Gebäude benötigt, um seine Bewohner mit Warmwasser und wohligen Raumtemperaturen zu verwöhnen, umso tiefer werden diese in einigen Jahren dafür in die Tasche greifen müssen. Wer neu baut, hat die Chance, sich dieser Entwicklung zu entziehen: mit einem möglichst energieeffizienten Haus.

Förderung für Energiesparen und Kohlendioxid-Einsparung

Gebäude müssen kein klimaschädliches CO2 ausstoßen. Sie können sogar grüne Kraftwerke sein. Viele Haushersteller bieten heute förderfähige Effizienz- oder sogar Plus-Häuser an mit überdurchschnittlich guter Außendämmung und Nutzung regenerativer Energien. Je anspruchsvoller die Energieeffizienzklasse des Hauses, desto höher die Förderung der KfW Förderbank.
Energieeffizientes Bauen wird gefordert und gefördert, um die CO2-Emissionen zu senken. Der einzige Weg, die Klimaerwärmung zu bremsen. Jeder Bauherr in Deutschland muss sich an die Energieeinsparverordnung (EnEV) halten. Ihre „Messlatte“ ist aber nicht der CO2-Ausstoß, sondern der Bedarf an „Primärenergie“. Das sind die Kilowattstunden an nicht erneuerbarer Energie (aus Kohle, Öl, Gas), die das Gebäude den Planeten Erde insgesamt kostet. Also nicht nur diejenigen, die auf dem Stromzähler oder der Rechnung des Gasversorgers erscheinen – das wäre die „Endenergie“. Sondern dazu noch die Kilowattstunden, die für Förderung, Aufbereitung und Transport der Energie zum Gebäude aufgewendet werden müssen.

Mindestanforderungen der EnEV

Keine Frage. Die energetische Qualität heutiger Häuser ist - auch aus Gründen des Klimaschutzes - weit besser als noch vor 20, 30 Jahren. Dafür sorgt die Energie-Einspar-Verordnung (EnEV), aktuell die EnEV 2016. Sie legt die Mindestanforderungen an die Energieeffizienz eines Gebäudes fest, die Neubauten erfüllen müssen, um eine Baugenehmigung zu erhalten. Das Effizienzhaus 100 entspricht dem gesetzlich vorgeschriebenen Standard der jeweils gültigen EnEV. Voraussetzungen sind eine ausreichend gedämmte Gebäudehülle, eine effiziente Heiztechnik sowie die Nutzung erneuerbarer Energien wie Sonne, Holz (Pellets) oder Erdwärme. Eine der wichtigsten Kenngrößen ist der maximal zulässige Primärenergiebedarf. Dieser Wert wird als Referenzwert für jedes Gebäude individuell errechnet und darf nicht überschritten werden. Darüber hinaus werden Vorgaben zum maximal zulässigen Transmissionswärmeverlust gemacht. Dieser Wert zeigt, wie gut ein Haus die Wärme hält.

KfW Förderung für Effizienzhaus

Die Labels „Niedrigenergiehaus“ oder „Energiesparhaus“ sind Etiketten ohne Aussagekraft. Wer ein „KfW-Effizienzhaus“ in Auftrag gibt, darf Energieeffizienz weit über dem Mindestmaß erwarten. Die KfW-Förderbank hat die technischen Anforderungen detailliert geregelt und überwacht die Einhaltung ihrer Förderkriterien. Bauherren können zwischen drei unterschiedlich anspruchsvollen Typen wählen: Beim „KfW-Effizienzhaus 55“ darf der Jahres-Primärenergiebedarf höchstens 55 Prozent des Bedarfs des EnEV-Standardhauses betragen, beim „KfW-Effizienzhaus 40“ höchstens 40 Prozent. Und beim „KfW-Effizienzhaus 40 Plus“ müssen zusätzlich immer eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, eine Solarstromanlage (oder eine andere Technik zur Erzeugung von grünem Strom) und eine Hausbatterie vorhanden sein. Jährlich muss eine bestimmte Mindestmenge an Strom gewonnen werden. Übrigens: Erfüllen Passivhäuser die Kriterien einer der KfW-Klassen werden sie ebenfalls gefördert. Zu den drei Effizienzhaus-Klassen gehören Förderprogramme mit attraktiven Konditionen. Die KfW-Bank bietet zinsgünstige Darlehen von bis zu 100.000 Euro mit einer besonders langen Zinsbindung von bis zu 20 Jahren und gewährt zusätzlich einen Tilgungszuschuss in Höhe von 5.000, 10.000 oder sogar 15.000 Euro – je nach erreichtem Energie-Standard.

Je besser die Energiebilanz, desto höher die Förderung

Die Basis zur Erfüllung der Anforderungen besteht in einer gut gedämmten konstruktiven Gebäudehülle. Beim Effizienzhaus 55 aus verschiedenen Heiztechniken wählen. Um zum KfW-40-Standard zu gelangen, bedarf es weiterer konstruktiver Maßnahmen an der Gebäudehülle und an den Fenstern. Der Einsatz regenerativer Energien, wie der einer Wärmepumpe, in Verbindung mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist bei KfW-40 verpflichtend. Die KfW-40plus-Version setzt neben den Anforderungen, die für das KfW-40-Haus gelten, zusätzlich auf das Konzept, mehr Energie zu gewinnen als zu verbrauchen. Das bedingt den Einsatz einer Photovoltaikanlage, eines Batteriespeichers sowie eines intelligenten Energiemanagements.

Primärenergiebedarf bei Effizienzhäusern

Entscheidend für die energetische Bewertung eines Gebäudes ist der gemäß EnEV berechnete tatsächliche Primärenergiebedarf. Er setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Zum einen zählt der reale Wärmeenergiebedarf eines Gebäudes, zum anderen der Energiebedarf, der zur Bereitstellung dieser Wärme benötigt wird - also für Transport, Umwandlung, Antrieb der Anlagentechnik und mehr. Dabei werden die Energien unterschiedlich bewertet. Erneuerbare Energien, wie beispielsweise die Solarenergie, schlagen beim Primärenergiebedarf mit einem anderen Faktor Faktor zu Buche als Holz oder Heizöl oder Erdgas oder gar Strom.

Der berechnete Primärenergiebedarf ergibt sich aus dem Zusammenspiel der unterschiedlichen Komponenten. Auch Ausrichtung des Grundstücks, Fenstergröße oder Gebäudeform spielen eine Rolle. So können beispielsweise Wärmeverluste durch große Nordfenster oder Erker und Vorsprünge über die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien ausgeglichen werden. Südfenster dagegen machen mit ihren passiven solaren Wärmegewinnen Punkte gut. Pluspunkte bringt außerdem eine besonders effiziente Anlagentechnik. Wer wiederum sein Haus extra dick einpackt, braucht kaum Heizenergie. Dann wird die Energiequelle nebensächlich.

Effizienzhaus 55, Effizienzhaus 40 und Effizienzhaus 40 Plus

Bei einem Effizienzhaus 55 liegt der berechnete Primärenergiebedarf 55 Prozent unter dem maximal zulässigen Wert. Dieses Niveau lässt sich über verschiedene Maßnahmen erreichen, die sich über die ersparten Heizkosten rasch amortisieren. In der Fertighausbranche ist das Effizienzhaus bei vielen Anbietern in der Zwischenzeit Standard. Und nicht nur das. Wer mehr tun will, findet fertig geschnürte Zusatzpakete, mit denen er sein Traumhaus relativ einfach auf das noch sparsamere Niveau Effizienzhaus 40 oder Effizienzhaus 40 Plus heben kann. Die Pakete enthalten Komponenten zu sparsamerer Heiztechnik, dickerer Dämmung, besseren Fenstern sowie Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Je nach Anbieter kann der Bauherr diese sogar entsprechend seiner Vorlieben und persönlichen Situation flexibel kombinieren. Entscheidet er sich für einen Pelletkessel, wird das Endpaket anders aussehen, als wenn eine Lüftungsheizung die Hauptrollespielt. Hauptsache, die Werte stimmen.

Beim Effizienzhaus 40 darf der berechnete Primärenergiebedarf höchstens 40 Prozent des maximal zulässigen Primärenergiebedarfs betragen, beim Effizienzhaus 40 Plus muss selbst produzierter Strom auch selbst verbraucht werden. Eine Alternative ist das Passivhaus. Es zeichnet sich durch eine hervorragend gedämmte und luftdichte Gebäudehülle aus, die kaum Wärme verliert. Frischluft wird über ein zentral gesteuertes Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung zugeführt. Selbst in harten Wintern muss nur an wenigen Tagen zugeheizt werden.

Effizienzhaus Plus

Der höchste Standard, der die Effizienzhaus-Riege ergänzt, ist das Effizienzhaus Plus. Dabei handelt es sich um Plusenergiehaus-Konzepte, die mittels Fotovoltaikanlage oder Windrad mehr Strom produzieren, als sie selbst verbrauchen. Wichtige Bestandteile sind unter anderem Haushaltsgeräte mit den Energieeffizienzklassen A++ oder höher sowie ein intelligentes Energiemanagement, das möglichst viel Strom der Eigennutzung zuführt. Die Überschüsse werden ins öffentliche Netz gespeist oder zum "Betanken" eines hauseigenen Elektromobils genutzt. Gerade Fertighaushersteller bieten ihren Kunden vermehrt Plusenergiehäuser an. Wer möchte, kann sich also ein zukunftsfähiges Klimaschutz auf sein Grundstück stellen.

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