Effizienzhäuser und ihre finanzielle Förderung

Viele Neubauten liegen energetisch bereits über dem gesetzlich geforderten Standard. Doch was ist eigentlich ein Effizienzhaus und wohin geht die Entwicklung?

Die Energiepreise bleiben ihrem Trend treu: sie steigen. Je mehr Heizenergie ein Gebäude benötigt, um seine Bewohner mit Warmwasser und wohligen Raumtemperaturen zu verwöhnen, umso tiefer werden diese in einigen Jahren dafür in die Tasche greifen müssen. Wer neu baut, hat die Chance, sich dieser Entwicklung zu entziehen: mit einem möglichst energieeffizienten Haus.

Mindestanforderungen der EnEV

Keine Frage. Die energetische Qualität heutiger Häuser ist - auch aus Gründen des Klimaschutzes - weit besser als noch vor 20, 30 Jahren. Dafür sorgt die Energie-Einspar-Verordnung (EnEV), aktuell die EnEV 2009 (siehe auch Kasten). Sie legt die Mindestanforderungen an die Energieeffizienz eines Gebäudes fest, die Neubauten erfüllen müssen, um eine Baugenehmigung zu erhalten. Das sogenannte Effizienzhaus 100 entspricht dem gesetzlich vorgeschriebenen Standard der jeweils gültigen EnEV. Voraussetzungen sind eine ausreichend gedämmte Gebäudehülle, eine effiziente Heiztechnik sowie die Nutzung erneuerbarer Energien wie Sonne, Holz (Pellets) oder Erdwärme. Eine der wichtigsten Kenngrößen ist der maximal zulässige Primärenergiebedarf. Dieser Wert wird als Referenzwert für jedes Gebäude individuell errechnet und darf nicht überschritten werden. Darüber hinaus werden Vorgaben zum maximal zulässigen Transmissionswärmeverlust gemacht. Dieser Wert zeigt, wie gut ein Haus die Wärme hält.

Welche EnEV gilt? Achtung beim Bauvertrag!

Der Verband Privater Bauherren e.V. (VPB) rät angehenden Bauherren, unbedingt auf die Energie-Einspar-Verordnung (EnEV) zu achten. Noch gilt die EnEV 2009. Sie sollte eigentlich längst novelliert sein - die angekündigte EnEV 2012 wird aber aller Voraussicht nach frühestens 2013 verabschiedet, eher sogar Anfang 2014. Der Entwurf vom 15. Oktober 2012, der nun zur Diskussion steht, sieht unter anderem eine Absenkung des zulässigen Jahresprimärenergiebedarfs im Neubau um zunächst 12,5 Prozent vor. Der zulässige Transmissionswärmeverlust soll um 10 Prozent verringert werden.

Der VPB rechnet dann mit steigenden Preisen, da sich mit der neuen EnEV die Anforderungen an die Energieeffizienz von Neubauten erhöhen. Wer jetzt einen Bauvertrag unterschreibt, müsse deshalb genau darauf achten, nach welcher EnEV sein neues Haus gebaut werden soll. Entscheidend ist nämlich nicht der Tag der Unterschrift, sondern der Tag, an dem Bauantrag oder Bauanzeige beim zuständigen Bauamt eingehen. So muss der Bauherr unter Umständen mit Preiserhöhungen rechnen, wenn der Schlüsselfertiganbieter die Baugenehmigung erst einholt, nachdem die neue EnEV schon inKraft getreten ist. Um sicherzugehen, sollten Bauherren den Vertrag von einem unabhängigen Sachverständigenprüfen lassen, bevor sie ihn unterschreiben.

Primärenergiebedarf bei Effizienzhäusern

Entscheidend für die energetische Bewertung eines Gebäudes ist der gemäß EnEV berechnete tatsächliche Primärenergiebedarf. Er setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Zum einen zählt der reale Wärmeenergiebedarf eines Gebäudes, zum anderen der Energiebedarf, der zur Bereitstellung dieser Wärme benötigt wird - also für Transport, Umwandlung, Antrieb der Anlagentechnik und mehr. Dabei werden die Energien unterschiedlich bewertet. Erneuerbare Energien, wie beispielsweise die Solarenergie, schlagen beim Primärenergiebedarf derzeit mit dem Faktor 0,0 zu Buche, Holz mit 0,2, Heizöl und Erdgas mit dem Faktor 1,1, Strom dagegen, der hohe Energieverluste auf dem Transportweg aufweist, mit 2,6.

Der berechnete Primärenergiebedarf ergibt sich aus dem Zusammenspiel der unterschiedlichen Komponenten. Auch Ausrichtung des Grundstücks, Fenstergröße oder Gebäudeform spielen eine Rolle. So können beispielsweise Wärmeverluste durch große Nordfenster oder Erker und Vorsprünge über die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien ausgeglichen werden. Südfenster dagegen machen mit ihren passiven solaren Wärmegewinnen Punkte gut. Pluspunkte bringt außerdem eine besonders effiziente Anlagentechnik. Wer wiederum sein Haus extra dick einpackt, braucht kaum Heizenergie. Dann wird die Energiequelle nebensächlich.

Effizienzhaus 70, Effizienzhaus 55 & Effizienzhaus 40

Bei einem Effizienzhaus 70 liegt der berechnete Primärenergiebedarf 30 Prozent unter dem maximal zulässigen Wert. Dieses Niveau lässt sich mit relativ geringen Mehrkosten erreichen, die sich über die ersparten Heizkosten rasch amortisieren. In der Fertighausbranche ist das Effizienzhaus bei vielen Anbietern in der Zwischenzeit Standard. Und nicht nur das. Wer mehr tun will, findet fertig geschnürte Zusatzpakete, mit denen er sein Traumhaus relativ einfach auf das noch sparsamere Niveau Effizienzhaus 55 oder Effizienzhaus 40 heben kann. Die Pakete enthalten Komponenten zu sparsamerer Heiztechnik, dickerer Dämmung, besseren Fenstern sowie Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Je nach Anbieter kann der Bauherr diese sogar entsprechend seiner Vorlieben und persönlichen Situation flexibel kombinieren. Entscheidet er sich für einen Pelletkessel, wird das Endpaket anders aussehen, als wenn eine Lüftungsheizung die Hauptrollespielt. Hauptsache, die Werte stimmen.

Beim Effizienzhaus 55 darf der berechnete Primärenergiebedarf höchstens 55 Prozent des maximal zulässigen Primärenergiebedarfs betragen, beim Effizienzhaus 40 entsprechend weniger. Eine Alternative ist das Passivhaus. Es zeichnet sich durch eine hervorragend gedämmte und luftdichte Gebäudehülle aus, die kaum Wärme verliert. Frischluft wird über ein zentral gesteuertes Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung zugeführt. Selbst in harten Wintern muss nur an wenigen Tagen zugeheizt werden.

Effizienzhaus und KfW-Förderung

Für die besonderen Bemühungen um mehr Energieeffizienz gibt es finanzielle Unterstützung vom Bund. Ab Effizienzhaus 70 können Förderdarlehen im KfW-Programm "Energieeffizient bauen" beantragt werden. Passivhäuser werden je nach Ausführungdem Effizienzhaus 55 beziehungsweise 40 gleichgestellt.

Effizienzhaus Plus

Der nächste Standard, der die Effizienzhaus-Riege ergänzen soll, ist das Effizienzhaus Plus. Dabei handelt es sich um Plusenergiehaus-Konzepte, die mittels Fotovoltaikanlage oder Windrad mehr Strom produzieren, als sie selbst verbrauchen. Wichtige Bestandteile sind unter anderem Haushaltsgeräte mit den Energieeffizienzklassen A++ oder höher sowie ein intelligentes Energiemanagement, das möglichst viel Strom der Eigennutzung zuführt. Die Überschüsse werden ins öffentliche Netz gespeist oder zum "Betanken" eines hauseigenen Elektromobils genutzt. Noch werden an mehreren Prototypen Datenerfasst und analysiert, bevor das Bundesbauministerium die neue Klassifizierung einführen will. Doch einige Fertighaushersteller bieten ihren Kunden bereits Plusenergiehäuser an. Wer möchte, kann sich also die Zukunft schon heute auf sein Grundstück stellen.

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