Maßnahmen für Schallschutz

Lärm macht krank. Wirksame Maßnahmen für Schallschutz und dabei Schutz vor Außenlärm ist im Wohnbau unbedingt erforderlich, aber auch gegen den Krach aus den Nachbarzimmern muss und kann man einiges tun.

Lärm ist eine Waffe. Das wissen nicht zuletzt die Demonstranten, die 2009 Opfer der „Sound Cannons“ der US-Polizei wurden. Das menschliche Hörorgan kann einiges vertragen, aber ab einer bestimmten Intensität und Dauer der Belastung kommt es zu Ohren- und Kopfschmerzen, zu Übelkeit und manchmal zu bleibendem Gehörverlust. Allgemein setzt Beschallung über längere Zeit unter Stress und schadet irgendwann dem Herz-Kreislauf-System. 

Alles schwingt mit

Physikalisch gesehen ist Schall eine Form von wandernder Energie. Schallwellen bewegen sich wie Wasserwellen von ihrer Quelle weg, indem Moleküle in Schwingung versetzt werden. Handelt es sich um Luftmoleküle, spricht man von „Luftschall“, sind es Moleküle fester Stoffe, wie Stein, Beton, Holz, ist von „Körperschall“ die Rede. Trifft Luftschall auf feste Körper, kann er deren Moleküle zu Schwingungen anregen, aus Luftschall wird Körperschall. Umgekehrt kann aus Körperschall Luftschall werden. Läuft beispielsweise jemand im Stockwerk über uns übers Parkett, geraten Fußbodenaufbau und Decke in Schwingung, und schlimmstenfalls können wir unten am „Trittschall“ verfolgen, wer da gerade mit welchen Schuhen wohin geht. 

Schalldämmmaß

Die Maßeinheit für Lautstärke ist Dezibel, kurz: dB. 30 dB entsprechen der Schlafzimmerruhe, an einer normalen Wohnstraße herrschen um die 50 dB, auf einer lebhaften Party schon 60 bis 70 dB. Direkt neben einem Lastwagen wird man dagegen mit circa 90 dB malträtiert und die Heavy-Metal-Bands in Wacken treiben’s bis zur Schmerzgrenze, die bei etwa 120 dB liegt. Doch zum Glück kann man sich in Haus und Wohnung vor Lärm schützen. Weil akustische Schwingungen der Luftmoleküle die viel trägeren Moleküle fester Körper nur begrenzt in Bewegung versetzen können, wird ein Teil der Energie zu Wärme, der Schall wird gedämpft.

Massiv oder mehrschalig - verschiedene Maßnahmen

So kann man Lärm zum Beispiel mit gemauerten Wänden aus Kalksandstein oder Hochlochziegeln und mit Decken aus Beton „ausbremsen“. Wärmedämmstoffe wie Mineralwolle bieten jedoch ebenfalls effektive Maßnahmen für Schallschutz und auch mit Holzwerkstoffplatten hergestellte, mehrschalige Außenwände in Holzrahmenbauweise weisen einen guten Schallschutz auf. Moderne Fenster, mit drei Scheiben anstatt einer, lassen in geschlossenem Zustand kaum noch etwas durch. Bei Holzdecken bekommt man die Übertragung mit mehrlagigen Konstruktionen, vor allem mit Trittschall-Dämmmatten und mit schwimmend verlegtem Trockenestrich in den Griff, der keinen direkten Kontakt zur Wand und zum übrigen Deckenaufbau hat. Wannen und Duschtassen setzt man in Wannenträger aus Hartschaum. Weitere Maßnahmen für Schallschutz sind Sanitärrohre, die mit gefütterten Schellen befestigt werden und damit akustisch entkoppelt werden.

  • Auch im Trockenbau können hohe Schalldämmmaße erreicht werden. Zum Beispiel durch doppelte Beplankung mit Schallschutz-Bauplatten, die etwas schwerer als die herkömmlichen sind. Foto: Knauf
  • Flachdach-Dämmplatten aus Steinwolle: Da sie etwas schwerer sind als Hartschaumplatten aus Polystyrol oder Polyurethan, bieten sie einen besseren Schallschutz. Foto: Deutsche Rockwool
  • Steinwolle ist unbrennbar, schützt darüber hinaus nicht nur vor Wärmeverlusten, sondern auch vor Lärm. Foto: Deutsche Rockwool
  • Trittschalldämmung durch Entkopplung: Bodenbelag und Heizestrich sind schwimmend verlegt, auf einer Trittschall-Dämmmatte aus Mineralfasern. Randdämmstreifen verhindern die Übertragung über die Wände. Foto: Knauf/Uponor

Höhere Klasse

Umfasst die Leistung des Bauunternehmers oder Hausherstellers lediglich Schallschutz nach DIN 4109, erhält man nur das Mindestmaß, nicht den aktuellen Stand der Technik. Wer den will, sollte ausdrücklich Maßnahmen für Schallschutz gemäß der VDI-Richtlinie 4100 von 2012 vereinbaren oder sogar eine von den oberen Schallschutzklassen nach den Empfehlungen der DEGA (siehe „Infos“). Last, but not least sollte der Grundriss vorausschauend geplant werden: Häuser fast ohne Innenwände im Erdgeschoss, dazu mit offenem Treppenhaus, eignen sich kaum für Familien mit durchschnittlich lebendigen Kindern. Da braucht es keine „Sound Cannon“, um den erwachsenen Bewohnern den letzten Nerv zu rauben.

  • Schwere Baustoffe, mit hoher Rohdichte, sind gute Schalldämmer. Wie etwa der Kalksandstein, aus Kalk, Sand und Wasser. Foto: KS Original
  • Innenwände aus Kalksandstein bieten einen guten Schallschutz. Dank der hohen Rohdichte des Materials müssen sie nicht dick ausfallen – es bleibt mehr Wohnfläche. Foto: KS Original
  • Damit das „stille Örtchen“ still bleibt, müssen auch die Sanitäranlagen schallgedämmt werden. Foto: Missel
  • Schalldämpfer für Sanitärrohre, bestehend aus Polyethylenschaum, mit Gewebefolie zur Verstärkung. Foto: Missel

Infos

Messgrößen:
Das Schalldämmmaß „Rw“ gibt in Dezibel an, um wie viel ein Bauteil (z. B. Wand, Fenster) die Lautstärke von außen oder aus anderen Räumen mindern kann. Dabei ist Rw ein auf dem Prüfstand ermittelter Wert, das Schalldämmmaß im eingebauten Zustand heißt „R`w“. Es muss auf die jeweils zu erwartende Belastung (stark befahrene Straße, Fluglärm, Sportplatz, Kindergarten usw.) eingestellt werden.

Normen, Richtlinien, Empfehlungen:
Die DIN 4109 von 2016 regelt nur den Mindestschallschutz, besseren bekommt man bei Vereinbarung der VDI-Richtlinie 4100 von 2012 (nach Rücksprache mit einem Sachverständigen Festlegung einer der dort beschriebenen Schallschutzstufen I bis III). Noch mehr Sicherheit bietet die Vereinbarung einer der (oberen) Schallschutzklassen, wie sie die DEGA, die „Deutsche Gesellschaft für Akustik e. V.“ in ihrer „Empfehlung 103“ definiert (www.dega-akustik.de).

Für Trennwände zwischen Doppel- und Reihenhäusern reichen die Vorgaben der DIN 4109 nicht, haben Gerichte wiederholt festgestellt, hier ist höherer Schallschutz geschuldet. 

Tipps

Decken: Decken im Holzbau können zusätzlich eine Verstärkung der unteren Deckenschale mittels schwererer Bauplatten erhalten. 

Fenster: 3-Scheiben-Wärmeschutzfenster bieten guten Schallschutz, auch dank umlaufender Dichtlippen zwischen Blend- und Flügelrahmen. Spezielle Schallschutzfenster verfügen überdies über Scheiben unterschiedlicher Dicke, die aufgrund ihres unterschiedlichen Schwingungsverhaltens den Schalltransport noch besser unterbinden.   

Lüftungsanlage: Korrekt geplante und installierte Lüftungsanlagen laufen leise, erlauben zudem den Verzicht auf Fensterlüftung, der Lärm der Umgebung bleibt ausgesperrt. Innen allerdings setzen die erforderlichen Überströmöffnungen zwischen den Räumen dem Schallschutz gewisse Grenzen.

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