Schimmel im Neubau

In jedem zweiten Neubau wartet bei Einzug schon der Schimmel auf die Baufamilie. Fachleute wissen, was man in diesem Fall zu tun hat, bzw. was man tun muss, damit es gar nicht erst so weit kommt.

Seit jeher sorgt er für Streitig­keiten zwischen Mietern und Vermietern und nun ebenso immer häufiger zwischen Bauherren und Bauunternehmen – der
Schimmelpilz. Auch in Neubauten nämlich macht er sich zusehends breit, befällt Holzbalken, Paneele, Spanplatten, Gipskartonplatten, Wandbeschichtungen wie Farben, Tapeten und Putz. Bleibt er unentdeckt, zerstört er Holz und Cellulose und kann selbst mineralischen Baustoffen mit seinen Säuren übel zusetzen. Vorher jedoch hat er längst die Gesundheit der Bewohner angegriffen. Asthma und tränende Augen oder grippeähnliche Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, laufende Nasen sind noch die harmloseren Wirkungen seiner Stoffwechsel­produkte. Personen mit schwachem Immunsystem sind besonders gefährdet, Diabetiker etwa, ebenso Kleinkinder. Einige der Schimmelgifte (Mykotoxine) stehen im Verdacht, Krebs auszulösen.

Schimmelproblem bei Hälfte aller Neubauten

Der VPB, der Verband Privater Bauherren e.V., schätzt, dass etwas mehr als die Hälfte aller Neubauten ein Schimmelproblem hat. Wo noch niemand eingezogen ist, kann es nicht an Bewohnern mit falschem Lüftungsverhalten liegen. Der Verband macht den Zeitdruck auf dem Bau verantwortlich, etwa den Verzicht auf die Winterpause, sowie schlicht Chaos, das zu Fehlern führe. In einem durchschnittlichen Massivbau stecken bei Fertigstellung ohnehin an die 10.000 Liter Wasser, in Putz, Estrich, Beton und Mörtel. Dazu kommen nun leider noch einmal etliche Liter, wurde die Baustelle nicht ausreichend vor Schnee und Regen geschützt. Noch nicht verarbeitete Materialien saugen sich schon auf der Palette voll, über nicht abge­deckte Mauerkronen dringt Wasser in die Bausubstanz ein.

Schadhafte Luftdichtheitsschicht

Vertreter des Holz- und Holzfertigbaues nennen daher das, was die Stein-Fraktion macht, beharrlich „Nass­bau“. Doch auch diese Branche hat ihre Handicaps. Auch hier kann schon früh einiges schiefgehen, so wenn Bauteile montiert werden, die sich ebenfalls, weil ungeschützt, zuvor im Regen haben vollsaugen können. Wird dazu die Luftdichtheitsschicht – aus Dampfbremsfolien, OSB-Platten, Bauplatten und Fugendichtbändern – mangelhaft aus­geführt oder nachträglich zerstört, wie es häufig im Zuge der Elektro­installation geschieht, dringt sofort ab Einzug der Bewohner warme, feuchtegesättigte Raumluft in die Wände. Die Feuchte kondensiert, Dämmung und konstruktive Teile werden nass. Nur ein Blower-Door-Test von unabhängiger Seite schafft Sicherheit: das Haus ist luftdicht.

Gutachten bei Verdacht auf Schimmel

Schon beim Verdacht auf Schimmel oder Durchfeuchtung sollten Bau­herren einen erfahrenen Gutachter beauftragen. Notfalls muss der die Arbeiten stoppen. Eine Messung der Sporen-Konzentration in der Raumluft reicht nicht, es müssen Feuchtemessungen an der Wandoberfläche und in der Wand durch­geführt und Proben entnommen werden. Ist der Innenausbau abgeschlossen oder das Haus gar bereits bezogen, ist hier und da ein Blick hinter die Tapete oder unter den Bodenbelag fällig, um die Schimmel-Kolonien aufzuspüren. Anschließend muss der Experte den Befund dokumentieren, da es sehr wahrscheinlich zur Auseinandersetzung mit dem Bauunternehmen kommen wird. Habe man ein schlüsselfertiges Gebäude in Auftrag gegeben, schulde das Unternehmen dem Bauherrn ein vom Keller bis zum First mängelfreies Haus, so der VPB. Schimmel sei aus Sicht der Gerichte ein schwerwiegender Mangel. In vielen Verträgen finde sich eine Klausel, der gemäß der Auftraggeber für eine trockene Baustelle zu sorgen habe: die allerdings, meint der Verband, sei unwirksam. Mit solchen Klauseln versuchen nicht wenige Auftragnehmer, sich vor den enormen Folgekosten zu drücken. Eine Schimmelsanierung ist nicht billig. Sie muss so schnell wie möglich durch eine Spezialfirma erfolgen, bevor sich die Pilze weiter ausbreiten. Hierbei geht der Fachbetrieb radikal vor, entfernt die schon besiedelten Tapeten, schlägt befallene Putzschichten herunter, reißt betroffene Hölzer, Bauplatten, Bodenbeläge usw. heraus und entsorgt die Ab­fälle als Sondermüll.

Baustelle vom Baubegleiter überwachen lassen

Der VPB, der Verband Privater Bauherren e.V., rät Häuslebauern, den Bauvertrag vor Unterzeichnung von einem unabhängigen Gutachter auf Fußangeln wie die Trocknungs-Klausel und andere Tricks durchsehen zu lassen. Als Baubegleiter beauftragt, kann ein solcher Sachverständiger dafür sorgen, dass Probleme mit Nässe gar nicht erst auftreten, kann auf Witterungsschutz achten, stoppt notfalls bei ungeeigneter Witterung den Bauprozess, überwacht die Erstellung einer lückenlosen Luftdichtheitsschicht. Er achtet darauf, dass mit Planen abgedeckt wird, dass beim
Trockenheizen der unteren Geschosse die feuchte Luft nicht ins kalte Dachgeschoss strömt (ein gern gemachter Fehler) und kontrolliert nach einer eventuellen Winterpause die Baustelle. Solche Gutachter und zumal in der Baubiologie bewanderte Fachleute findet man unter den unten aufgelisteten Adressen.

Baugutachter und Baubiologen

BSB – Bauherren-Schutzbund e. V.,
Kleine Alexanderstraße 9–10, 10178 Berlin,
Tel.: 0 30/3 12 80 01, Fax: 0 30/31 50 72 11,
E-Mail: office@bsb-ev.de, Internet: www.bsb-ev.de


VDB – Berufsverband Deutscher Baubiologen e.V.,
Sandbarg 7, 21266 Jesteburg,
Gesünder-Wohnen-Tel.: 0800/2001 007,
montags bis freitags von 9.00 – 17.00 Uhr,
E-Mail: info@baubiologie.net, Internet: www.baubiologie.net

VPB – Verband Privater Bauherren e.V.,
Chausseestraße 8, 10115 Berlin,
Tel.: 0 30/27 89 01-0, Fax: 0 30/27 89 01-11,
E-Mail: info@vpb.de, Internet: www.vpb.de

Schimmel nach Eigenleistung

Anders sieht der Fall natürlich aus, hat man zum Beispiel den Ausbau in Eigenleistung vorgenommen und dabei selber den Witterungsschutz vernachlässigt. Laut den Voraussagen der Klimawissenschaftler werden Niederschläge in Mitteleuropa an Häufigkeit und Stärke zunehmen. Davon profitieren Schimmelpilze als Allererste. Zwar erfüllen zahlreiche der bekannten 100.000 Arten wichtige Funktionen im Ökosystem (und nur circa 100 sind für den Menschen schädlich). Aber man muss sie deswegen nicht gleich nach Hause einladen und es ihnen gemütlich machen. Und erst recht nicht für sie bauen.

Buchtipp: Schimmel im Haus

Der Autor dieses Bandes zähmt das komplexe, kaum noch überschaubare Thema Schimmel auf 111 Seiten und führt an, was der Hausbesitzer, der Bewohner, der Häuslebauer wissen muss. Man erfährt das Wichtigste über die Gesundheitsschäden, die Schimmelpilze verursachen, wie sie in Haus und Wohnung gelangen, wie man sie aufspürt und identifiziert und wie man sie wieder loswird. Auch zur Rechtsprechung gibt es aktuelle Informationen.

Michael Köneke, Schimmel im Haus
erkennen – vermeiden – bekämpfen

4., überarb. u. erw. Aufl., Fraunhofer IRB Verlag 2012, ISBN 978-3-8167-8457-9, 18,50 Euro; E-Book: ISBN 978-3-8167-8841-6, 18,50 Euro

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Schimmel im Haus.: erkennen - vermeiden - bekämpfen.

Autor: Michael Köneke
Erscheinungsdatum: 2012-11-30
ISBN: 3816784577

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Schimmelpilzschäden: Erkennen, bewerten, sanieren

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Feuchtigkeit im Haus?: Schäden erkennen, vorbeugen, beseitigen

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