Mit Holz viel CO2 einsparen

Im Interview mit DAS EINFAMILIENHAUS erklärt Dr. Peter Sauerwein, Geschäftsführer des Verbandes der Holzwerkstoffindustrie (VHI), wie Holzprodukte das Klima schonen.

DEH Welche klimafreundliche Rolle spielt Holz beim Hausbau?

Dr. Peter Sauerwein: Eine große. Nehmen wir als prägnantes Beispiel einen Dachstuhl in einem Einfami­lien­haus: Er speichert bis zu 8,4 Tonnen CO2. Und das während seiner gesamten Lebensdauer. Wenn wir jetzt noch den sogenannten Substitutionseffekt hinzunehmen, also Holz anstelle anderer Materialien verwenden, dann kommen wir auf rund 18,5 Tonnen CO2-Ersparnis! Denn der Dachstuhl hätte zum Beispiel auch aus Stahl errichtet werden können. Für die Herstellung im Stahlwerk wird viel Energie benötigt, was CO2 verursacht. Auf diesen doppelten Einspareffekt – Speicherung und Materialsubstitution – möchten der VHI und seine Partnerverbände im Rahmen der aktuellen „Holz pro Klima“-Initiative aufmerksam machen. Denn leider ist den Menschen der positive Zusammenhang zwischen Holznutzung und Klimaschutz noch nicht bewusst. Hier wollen wir die Öffentlichkeit besser informieren.

DEH Wie wird Holz denn zum CO2-Speicher?

Dr. Peter Sauerwein: Das geschieht in seinem früheren Leben als Baum. Eine Fichte (100 Jahre) hat der Atmo­sphäre 1,0 bis 1,8 t CO2 entzogen, eine Buche (140 Jahre) 1,6 bis 3,5 t CO2. Wir erinnern uns an den Bio-Unterricht in der Schule: Der Baum nimmt das CO2 durch Photosynthese auf, speichert Kohlenstoff (C) im Holz und gibt Sauerstoff (O2) an die Luft ab. Unsere nachhaltig bewirtschafteten Wälder und die Holzprodukte wirken somit gemeinsam als Klimaschützer.

DEH Das Heizen mit Holz erlebt einen Boom. Ist der Einsatz von Holz zur Energiegewinnung eine gute Lösung?

Dr. Peter Sauerwein: Grundsätzlich ist das keine schlechte Lösung, wenn wir es einfach intelligenter und anders machen als bisher. Denn ein sofortiges Verfeuern von Holz, das zum Bauen und Wohnen genutzt werden kann, ist verkehrt. Vielmehr muss Holz zunächst mehrmals stofflich genutzt werden. Eine Tonne Nadelholz bindet über seine gesamte Nutzungsdauer z.B. 1,8 Tonnen CO2. Je länger wir also Holzprodukte nutzen und immer wieder recyceln, umso besser ist es für das Klima. Denn der Kohlenstoff, den Holz unschädlich eingelagert hat, kann in der Atmosphäre als CO2 keinen Schaden anrichten.

DEH Ein einfaches Beispiel: Ein alter Holzstuhl geht kaputt. Sollte
er dann verfeuert werden?

Dr. Peter Sauerwein: Noch nicht. Denn aus den Spänen des Stuhls könnte man zum Beispiel noch Holzspanplatten machen. Einfach gesagt: Holz stofflich nutzen können wir mehrmals, Verbrennen aber nur einmal. Und deshalb müssen wir umdenken. Denn Holz wird auch in Deutschland schon sehr bald zu einer knappen Ressource werden. Wenn wir mit dem sofortigen Ver­feuern für Energiezwecke weitermachen, wird es nach neuesten wissenschaftlichen Studien bereits 2020 zu ernsthaften Rohstoffengpässen kommen, mit weitreichenden Konsequenzen für unsere Wirtschaft.

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