Zertifizierung von Holz mit PEFC, FSC

Als Baustoff und Energieträger wird Holz immer begehrter, Umweltorganisationen warnen vor der Übernutzung der Wälder. Wir als Käufer können allerdings einiges für eine nachhaltige Forstwirtschaft tun – weltweit.

Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft

2011 war das „Inter­nationale Jahr der Wälder“ und mehr denn je wurde deutlich, in welcher Zwickmühle wir als Nutzer dieser Ressource stecken. Theoretisch könnte sie uns auf Dauer mit nachwachsenden Baustoffen und nachwachsendem Brennstoff versorgen, kurz, einige unserer drängendsten Probleme lösen. Heizen mit Holz ist „CO2-neutral“, weil es die Atmo­sphäre nur mit der Menge Kohlendioxid belastet, die ein Baum beim Verrotten ebenfalls abgeben würde, Bauen mit Holz ist weniger energie­intensiv als mit Ziegeln oder Beton.

In der Praxis aber findet Raubbau statt, der die Ressource insgesamt gefährdet. Die stetig steigende Nachfrage wird nicht selten durch Kahlschlag auf großen Arealen befriedigt, schwere Maschinen wühlen den Boden auf, Erosion ist die Folge. So wenig wie auf das Ökosystem wird oft auf nationale und internationale Gesetze Rücksicht genommen, etwa auf das Washingtoner Artenschutzabkommen, oder die Bevölkerung vor Ort, die vom Wald leben muss – Holzmafia und korrupte Behörden arbeiten Hand in Hand.

Öko-Holz aus einheimischen Wäldern

Auch in unseren heimischen Wäldern, längst Holzplantagen, auf denen kaum ein Baum älter als 80 Jahre werden darf, wird es aufgrund des steigenden Bedarfs an Bau- und besonders an Energieholz bald eng. Meinen zumindest BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) und NABU (Naturschutzbund Deutschland e.V.). Und das, obwohl hierzulande doch der Gedanke der Nachhaltigkeit eine lange Tradition haben soll – gerne wird in diesem Zusammenhang die Forstordnung des Bistums Speyer von 1442 angeführt.

Heute allerdings weiß man um die Bedeutung des Waldes als Ökosystem. Vegetation und Boden filtern und speichern Wasser, vor allem aber sind Wälder „CO2-Senken“ und „grüne Lungen“: Das Treibhausgas Kohlen­dioxid wird von den Pflanzen aufgenommen und in seine Bestandteile Kohlenstoff und Sauerstoff zerlegt, der Kohlenstoff gespeichert und der Sauerstoff an die Luft abgegeben. Jeder Baum, der vor seinem natürlichen Tod gefällt wird, ist ein Klimaretter weniger. Zeit, die Bremse zu ziehen, Zeit für eine nachhaltige und ökolo­gische Forst- und Holzwirtschaft, die dem System immer nur so viel entnimmt, wie beständig nachwachsen kann.

Waldzertifizierung PEFC, FSC, Naturland, natureplus

Da Holz ein Material ist, das aus wertvollen Wäldern stammt, wollen viele Bauherren und Modernisierer mehr darüber wissen: Woher kommt „mein Bau- und Möbelholz"? Wurde durch die Holzernte auch garantiert kein Tropenwald oder sonstiger Naturraum vernichtet? Ist es aus nachhaltiger Waldwirtschaft? Eine Antwort auf diese Fragen gibt die Waldzertifizierung:

PEFC ist international das am weitesten verbreitete Wald- und Holz-Zertifizierungssystem und damit die weltweit bedeutendste Waldschutzorganisation. Mit 7,3 Millionen Hektar kontrollierter Waldfläche ist PEFC auch in Deutschland die größte unabhängige Institution zur Gewährleistung einer schonenden Waldwirtschaft und für die Sicherung einer umfassenden Nachhaltigkeit. Als zweite wichtige Organisation folgt FSC mit 0,4 Millionen Hektar. Dirk Teegelbekkers, Leiter der deutschen PEFC-Geschäftsstelle in Stuttgart, erläutert den Sinn und Zweck der Zertifizierung: „Wir legen strenge Kriterien fest und überwachen sie. Die wichtigsten davon lauten: Um die Pflanzenvielfalt und den Lebensraum der Waldtiere zu schützen, werden Mischwälder geschaffen bzw. erhalten. Kahlschläge sind verboten. Pflanzenschutzmittel sind untersagt. Schwere Forstmaschinen dürfen nur ausgewiesene Gassen benutzen, um den Waldboden zu schützen. So wird die Natur pfleglich behandelt."

Beim FSC – dem Forst Stewardship Council – reden neben Branchenvertretern Umweltorganisationen, Gewerkschaften und Organisationen indigener Völker mit. Er beauftragt unabhängige Zertifizierungsunternehmen mit der Überprüfung einzelner Betriebe, und diese Prüfer kommen unangemeldet, erteilen anschließend entweder das FSC-Zertifikat, bestätigen es oder entziehen es wieder. En detail heißt Nachhaltigkeit unter anderem, die Bäume einzeln zu fällen, anstatt ganze Flächen abzurasieren, Mischkulturen zu bewahren, die lokale Bevölkerung angemessen am Erlös zu beteiligen, Waldarbeiter das ganze Jahr über zu beschäftigen und gut auszubilden, damit sie den ökologischen Wert ihrer Arbeit kennen.

Das FSC-Siegel für Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, von der die Bevölkerung vor Ort leben kann und die das Ökosystem Wald intakt lässt. (links)

In Produkten, die dieses Zeichen tragen, sind zu mindestens 50 Prozent Hölzer aus FSC- zertifizierter Forstwirtschaft enthalten. Anhand der individuell vergebenen Nummer lässt sich der Weg vom Wandschrank zum Wald zurückverfolgen.(rechts)


Es gibt durchaus Kritik am FSC, insgesamt aber und mangels Alternativen empfehlen die Umweltorganisationen Käufern, sich am FSC-Zertifikat auf Holz und Holzprodukten wie Möbeln, Paneelen, oder Papier zu orientieren. Demgegenüber lehnen sie nahezu einhellig das Siegel des PEFC, des „Programme for Endorsement of Forest Certification Schemes“ ab. Hier bescheinigten sich die Waldbesitzer Europas ihr nachhaltiges Wirtschaften selber.

Vertrauen dürfe man auch dem Naturland-Zeichen, das der eine oder andere sicher von Lebensmittelpackungen aus dem Bioladen kennt. „Naturland – Verband für ökologischen Landbau e.V.“, in Deutschland beheimatet, stellt ähnlich strenge, wenn nicht strengere Anforderungen als der FSC, verlangt Schonung des Waldbodens, Verzicht auf Kahlschlag, auf chemische Düngung, und lässt unabhängige Prüfer Kontrollen der Betriebe durchführen. Es werden Forstbetriebe, Holz und Holzwerkstoffe zertifiziert. Man arbeite eng mit dem FSC zusammen, so Martin Reinold, Wald- und Forstexperte des Verbandes: „Waldbetriebe, die ein Naturland-Zertifikat führen dürfen, erhalten auf Wunsch ohne Weiteres auch ein FSC-Zertifikat.“ Sodass sie auf dem internationalen Markt punkten können.


Das natureplus-Qualitätszeichen für Bauprodukte verbindet man eher mit Wohngesundheit und Schadstoff­freiheit. Massivhölzer sowie Ausgangsmaterialien für Holzwerkstoffe mit diesem Zeichen müssen jedoch ebenso aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen.

Wie man sieht, hat der Verbraucher mehr Macht und Einfluss, als man denken möchte, kann anhand der Zertifikate und Zeichen auswählen und die Branche auf diese Art lenken, positiv auf sie einwirken. Und im Zweifelsfall kann er nachfragen und nachhaken – das schadet nur kurzfristig den Nerven der Verkäufer und Hersteller, nützt aber langfristig der Umwelt. Es steht diesmal mehr auf dem Spiel als 1442 rund um Speyer.

Kontrollierte Produktionskette des Holzes

Bauherren und Modernisierer sind bei Produkten, die mit diesen staatlich anerkannten Zertifizierungszeichen gekennzeichnet sind, auf der sicheren Seite. Nicht umsonst fordert auch die Bundesregierung für alle Holzprodukte, die sie beschafft, ein Herkunftszeichen wie PEFC ein. Bauunternehmer oder Innenausstatter können dank der Zertifizierung den Wünschen der Verbraucher nachkommen und sicherstellen, dass nur ökologisches Holz zum Einsatz kommt. Dies geschieht über eine durchgängig kontrollierte Produktionskette: Angefangen beim Sägewerk, das Holz aus deutschen Wäldern, meist direkt aus der Region, von Waldbesitzern bezieht, die sich zur Einhaltung der strengen PEFC-Kriterien verpflichtet haben. Jährliche Stichprobenkontrollen durch unabhängige Prüfer gewährleisten den hohen Standard der Bewirtschaftung in diesen Wäldern. Bis hin zum zertifizierten Holzhausbauer oder Parketthersteller am Ende der Kette, die ebenfalls durch unabhängige Prüfer kontrolliert werden. So wird gewährleistet, dass nur die Produkte das PEFC-Herkunftszeichen tragen, die auch aus zertifiziertem Holz bestehen.

Häuser aus Öko-Holz

Bei ihrem Eigenheim legen über 90 Prozent der Deutschen wert darauf, Hölzer aus kontrollierter und schonender Waldbewirtschaftung zu verwenden. Das ergab eine Meinungsumfrage des Emnid-Institutes im Auftrag von PEFC Deutschland e.V. Bei gleichem Preis ziehen 92 Prozent der Verbraucher nachhaltige Holzprodukte vor, die Gruppe der Haus- und Wohnungsbesitzer sogar zu 95 Prozent. Selbst höhere Preise würden mehr als 70 Prozent der Deutschen in Kauf nehmen, um so ihren Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz zu leisten. Selbst wer sich für Fenster aus Tropenholz entscheidet, kann bei PEFC und FSC sicher sein, dass dafür kein Urwald vernichtet wurde. Gehen Sie auf Nummer sicher und fragen Sie nach den genannten Zeichen. Schließlich wollen wir mit gutem Gewissen bauen, einrichten und wohnen und nicht mit dem Gefühl leben, dass Natur und Umwelt durch uns Schaden genommen haben könnten.

Bücher zum Thema bei Amazon kaufen

Ein Haus aus Holz: Planen, Bauen, Wohnen

Erscheinungsdatum: 2004-10-05
ISBN: 3893671013

Preis:

Blockhäuser & Hütten selbst gebaut (HolzWerken)

Inhalt:
Gebundenes BuchSie möchten gern Ihr eigenes Blockhaus bauen? Dieses Buch bietet die Grundlagen dafür: Auswahl der Hölzer, grundlegender Aufbau einer...

Autor: Sven-Gunnar Håkansson
Erscheinungsdatum: 2014-09-01
ISBN: 9783866309661

Preis: EUR 39,90

Die besten Einfamilienhäuser aus Holz

Inhalt:
Gebundenes BuchBauen mit Holz steht für Tradition und Nachhaltigkeit. Der Baustoff ist sehr beliebt, da seine Vielfalt nahezu grenzenlos ist und sich...

Erscheinungsdatum: 2013-06-20
ISBN: 9783766719959

Preis: EUR 59,95

News Neubau