Dem Holzständerbau sind die Bauherren treu geblieben. Ansonsten setzt ihr Neubau im Vergleich zum gemieteten Bungalow aus den 70er-Jahren aber komplett neue Standards in Sachen Architektur, Energiebilanz und Privatsphäre.

Traumhaus nach Wunsch

An beengten Platzverhältnissen lag es nicht, denn Wohnfläche bot der angemietete Bungalow reichlich. Julia und Stefan Rode* ging es vielmehr um eine ungestörte Privatsphäre, die durch die zweite Wohneinheit im Bungalow einfach nicht gewährleistet war. „Ein frei stehendes Einfamilienhaus ganz für uns allein“ war das klar definierte Ziel. Die Tendenz ging eindeutig zum Neubau, da ein Bestandsgebäude immer einen Rahmen vorgibt und Kompromisse gemacht werden müssen. Zudem scheinen Verkäufer die Gunst der Stunde zu nutzen und Liebhaber­preise für ihre Immobilie zu erwarten.

Wie bei den meisten Bauherren stand auch bei Rodes die Kosten- und Budgetthematik mit im Vordergrund.
Daraus ergab sich in fast logischer Konsequenz die Standortbestimmung, denn die Grundstückssuche im Umland von Düsseldorf zeichnet sich durch ein gehobenes Preisgefüge aus. Als das Ehepaar im Urlaub auf einem der großen Immobiliensuchportale ihr Wunschgrundstück entdeckte, zögerte es nicht lange. Lebten sie vorher rechts der Landeshauptstadt, so wohnen sie jetzt links davon – die Lebensqualität ist gleich geblieben. Die niederrhei­nische Gemeinde verfügte über genügend Fläche und wies aktiv neues Bauland aus, um Familien anzusiedeln. Das Grundstück liegt ideal am Ende einer Sackgasse. Durchgangsverkehr gibt’s keinen und auch insgesamt macht die Gegend einen ruhigen und grünen Eindruck.

Große Freiheit

Ehepaar Rode führte sehr viele Gespräche mit potenziellen Baupartnern, darunter Vertreter der Holzständerbauweise, aber auch konventionell gemauerter Häuser. In dieser Zeit wälzten sie unzählige Zeitschriften und machten sich im Internet schlau. Keinesfalls wollte man vorgegebene Grundrisse übernehmen, daher wurden Anbieter, bei denen Grundrissveränderungen spürbare Preisaufschläge bedeuteten, sofort aussortiert. Am Ende kristallisierten sich zwei Unternehmen heraus, von denen Gussek Haus dann den Vorzug erhielt, weil hier mehr Freiheiten bei der Gestaltung gewährt wurden.

In einer ersten Vorstellung besaß das Haus eine weiße Putzfassade und stand in der Tradition des Bauhausstils. Doch da der Bebauungsplan des städtischen Grundstücks keine zwei Vollgeschosse erlaubte, wurde diese Idee schnell wieder verworfen. Auch ein Pultdach ließen die Vorgaben nicht zu. Dann entdeckten Rodes ein Kundenhaus von Gussek mit vier Giebeln, das ihnen sehr gefiel. Die Bauherren gaben Größe und Aufteilung vor und entwickelten gemeinsam mit dem Architekten des Nordhorner Unternehmens daraus die umsetzbaren Pläne für den Neubau. Wegen des hohen Grundwasserspiegels entfiel das Untergeschoss. Aber der Platz im Haus genügt der Familie auch ohne Keller, dank des großen Baufensters. 

Individuelles Ergebnis

„Dem Haus sollte man von außen nicht gleich seine Bauweise ansehen“, forderten die Besitzer. Das Haus sollte nicht gleich in eine „Schublade“ gesteckt werden können, sondern einen individuellen Ausdruck zeigen. „Mit der Zeit bekommt man einen Blick dafür und kann dann manche Häuser direkt einem Hersteller zuordnen, das ist nicht unsere Vorstellung von Bauen“, sagt der Bauherr. Neben der individuellen Architektur sorgt die Klinkerfassade, die je nach Lichteinfall mehr grau oder mehr braun schimmert, für einen eigenständigen Auftritt des Hauses. Vom Klinker hebt sich der weiß verputzte Erker auf der Gartenseite kontrastreich ab. Der Bebauungsplan erlaubte dafür eine maximale Breite von vier Metern. Diese Einschränkung verhinderte eine Wiederholung des Erkers am Eingang, wie ursprünglich geplant, da es für Eingangsbereich und Treppe zu schmal geworden wäre. Aber das umgedrehte L als Vordach bietet ebenfalls eine zufriedenstellende Lösung.

Der Großteil der Ideen für die Innengestaltung stammt von den Bauherren selbst. Gerade für die Treppe suchten sie nach einer ungewöhn­lichen Lösung zum sonst üblichen Treppenhaus-Einerlei. Bis zum Schluss wurde daran gefeilt und noch Änderungen vorgenommen, um den optischen Gesamteindruck zu perfektionieren. So gesehen sind Julia und Stefan Rode auch nicht erstaunt, dass einige ihrer Ideen in der Siedlung bereits Nachahmer gefunden haben.

Die Kosten fest im Griff

Die Bemusterung fiel nicht leicht. Zwar hatten die Bauherren gewisse Grundvorstellungen, die aber durch einzelne Details wieder über den Haufen geworfen wurden. „Es ist nicht so einfach sich vorzustellen, wie es aussehen wird“, erklärt die Bauherrin. Beispielsweise sollten die Fensterprofile zuerst anthra­zit werden. Dann folgte die Über­legung, das könnte zu dunkel wirken und die Entscheidung fiel auf die weiße Ausführung. In diesem Zusammenhang loben die Bauherren die Kostentransparenz. Gussek Haus war innerhalb weniger Tage jeweils in der Lage, ein neues Angebot mit kompletter Kostenübersicht vorzu­legen. Aus ihrer Erfahrung raten Rodes, sich vor der Bemusterung schon intensiv umzu­sehen, zu informieren und in Geschäften mit Materialien und Herstellern vertraut zu machen. Gerade auch für die Elektroplanung die Räume in Gedanken schon einmal einzurichten und festzulegen, wo wie viele Steckdosen und Schalter nötig sind.

Das Energiekonzept

Geheizt wird mit Gasbrennwerttechnik, die Erwärmung des Brauchwassers übernimmt eine Solaranlage. Alternativen wurden verworfen: die Erd­wärmepumpe wegen der ungünstigen Bodenbeschaffenheit und die Luftwärmepumpe wegen der unattrak­­tiven Außeneinheit. Da Julia Rode sehr geräuschempfindlich ist, nahmen die Bauherren von einer automatischen Wohnungslüftung Abstand. Im Effizienzhaus 70 lässt sich auch gut von Hand für den nötigen Luftaustausch sorgen, was in den noch dichteren Gebäudehüllen der Standards 55 und 40 kaum mehr möglich ist. Der Gasverbrauch im ersten Jahr war so gering, dass Rodes eine deutliche Rückerstattung erhielten. Der Aufwand ist verschwindend gering im Vergleich zu den Neben­kosten des 70er-Jahre-Bungalows.

Spaß am Bauen

Wir sind Kaufleute, nicht vom Fach“,  sagen die Bauherren über sich und betrachteten ihren Hausbau auch als betriebswirtschaftliches Projekt. Vom Businessplan bis zur Kosten-Nutzenrechnung – nichts wurde dem Zufall überlassen. Was nicht heißt, dass sie sich nicht akribisch in die Bau-Thematik eingearbeitet haben. Ob Architektur, Heizungstechnik oder Materialeigenschaften – als „Bauexperten auf Zeit“ können sie mitreden. Dafür haben sie sehr viel Zeit investiert und sich für jedes Detail interessiert. „Bauen und einrichten macht Spaß“, lautet ihr durchweg positives Fazit.

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