Bauhaus – Die Geschichte

In nicht einmal 14 Jahren revolutionierte das Bauhaus künstlerisches Gestalten und Denken weltweit.

„Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau“, schrieb Walter Gropius 1919 in seinem Bauhaus-Manifest. „Architekten, Maler und Bildhauer müssen die vielgliedrige Gestalt des Baues in seiner Gesamtheit und in seinen Teilen wieder kennen und begreifen lernen, dann werden sich von selbst ihre Werke wieder mit architektonischem Geiste füllen, den sie in der Salonkunst verloren.“ Mit dieser Absicht gründete er im selben Jahr in Weimar seine legendäre Hochschule und versammelte die Künstleravantgarde Europas um sich. 

Die Anfänge: Weimar

Die von Walter Gropius gegründete Kunstschule war die erste nach dem Krieg reformierte Kunstschule, die in der neuen Republik den Lehrbetrieb aufnahm. Kunst und Handwerk sollten hier nicht separat unterrichtet, sondern als Einheit begriffen werden. Deshalb wurde für jede Disziplin eine eigene Werkstatt eingerichtet, in der die Schüler von einem Meister der Form und einem Meister des Handwerks angeleitet wurden. Es gab eine Werkstatt für Keramik, Metall, Glas, Wandmalerei, Tischlerei, Weberei, grafischen Druck sowie eine Bühnenwerkstatt.

Als Lehrer engagierte Walter Gropius herausragende Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene, wie zum Beispiel Wassily Kandinsky, der von 1922 bis 1925 die Werkstatt für Wandmalerei leitete, und Paul Klee.

Bauhaus-Spaziergang durch Weimar

Auf den Spuren des frühen Bauhauses durch Weimar spazieren und unter kompetenter Führung historische Orte erkunden können Sie auf einem Bauhaus-Spaziergang. Bei der kleinen Runde (ca. 90 Min.) wird die Bauhaus-Universität mit Vestibül, Treppenhäusern, Wandbildern, Ateliers und Gropius-Zimmer besichtigt, bei der großen (ca. 120 Min.) noch zusätzlich der Ilmpark mit Tempelherrenhaus und Haus am Horn.

  • November bis März: Freitag und Samstag um 14 Uhr ab Bauhaus.Atelier, Innenhof des Hauptgebäudes der Bauhaus-Universität Weimar, Geschwister-Scholl-Straße 6a, 99423 Weimar.
  • April bis Oktober: Dienstag, Freitag und Samstag um 14 Uhr ab Bauhaus.Atelier, Innenhof des Hauptgebäudes der Bauhaus-Universität Weimar, Geschwister-Scholl-Straße 6a, 99423 Weimar.

Weitere Informationen unter www.uni-weimar.de.

Unfreiwilliger Umzug: Dessau

Obwohl das Bauhaus in den Weimarer Jahren diverse gestalterische Entwürfe erarbeitete, die der Neuen Sachlichkeit folgend für das Design der 20er und 30er Jahre maßgeblich wurden, ließ die wirtschaftliche Bilanz zu wünschen übrig. Verantwortlich dafür waren ein Mangel an Betriebskapital, die kostspielige Ausstattung der Werkstätten, fehlende unternehmerische Erfahrung und nicht zuletzt die stark zunehmende Inflation. Als dann noch die Regierung in Thüringen den Etat um 50 Prozent kürzte und das von jeher als „links“ und „internationalistisch“ eingestufte Bauhaus zusehends unter Druck geriet, beschloss der Meisterrat 1925 den Umzug nach Dessau

Dessau war damals eine aufstrebende Industriestadt mit akutem Wohnungsmangel. Als Walter Gropius dort mit seinen Ideen zur Technisierung und Rationalisierung des Wohnungsbaus vorsprach, war die Begeisterung daher groß. Schon bald erhielt er den Auftrag für die Realisierung einer Musterhaussiedlung in Dessau-Törten und seine bis dato staatliche Schule wurde in Dessau zur städtischen Institution, die in den kommenden drei Jahren ihre Blütezeit erlebte.

Zahlreiche Produkte, die bis heute mit dem Bauhaus in Verbindung gebracht werden, entstanden damals, wie zum Beispiel die stapelbaren Satztische und der Wassily Sessel von Marcel Breuer. Und auch das von Walter Gropius schnörkellos und geradlinig entworfene neue Schulgebäude aus Stahlbeton und Glas gilt als Ikone der Moderne.

Von Ablauf und Intention der Ausbildung her knüpfte das Bauhaus in Dessau an die Arbeit in Weimar an. Es wollte eine zeitgemäße Entwicklung der Behausung fördern, vom simplen Hausgerät bis hin zum kompletten Wohnhaus. Auch in Dessau blieben die Vorkurse und der Unterricht von Kandinsky und Klee wesentlicher Bestandteil der Grundausbildung. Die Anzahl der Werkstätten wurde nun allerdings auf sechs reduziert: Tischlerei, Metall, Wandmalerei, Textil, Buch- und Kunstdruck und die plastische Werkstatt. 

Führungs- und Paradigmenwechsel

Auf dem Höhepunkt seines internationalen Ansehens gab Walter Gropius Anfang 1928 seinen Rücktritt bekannt. Er begründete diesen Schritt damit, dass das Bauhaus jetzt gefestigt dastehe und er sich dem Bauen widmen wolle.

Doch auch interne Probleme mochten wohl die Entscheidung beeinflusst haben, die Leitung an den Schweizer Hannes Meyer zu übertragen. Als überzeugter Marxist setzte sich dieser zum Ziel, formal gut gestaltete Produkte und Häuser zu kreieren, die auch für Menschen mit kleinerem Budget erschwinglich sein sollten. Doch bereits zwei Jahre später wurde ihm seine soziale Denkweise zum Verhängnis und er wurde gezwungen, seinen Direktorposten zu räumen.

Seine Nachfolge trat Ludwig Mies van der Rohe an. Der bekannte Architekt verfügte, dass sich jeder Student bereits auf der zweiten Stufe mit den technischen Grundlagen des Bauens befassen durfte und die anderen Werkstätten nun nicht mehr durchlaufen musste. Also ganz anders, als dies im Gründungskonzept von Gropius, dem auch Meyer folgte, vorgesehen war. Damit war das Bauhaus zur Architekturschule geworden. 

Gewaltsames Ende

Nach der Weltwirtschaftskrise 1929 konnten die Nationalsozialisten im September 1930 bei den Reichstagswahlen erstmals einen großen Erfolg verbuchen und Hitler wurde als Führer von Deutschland stilisiert. Gleichzeitig war jedoch auch die Stimmenzahl für die Kommunisten gestiegen, die politische Schere klaffte auseinander.

Bei der Wahl im Oktober 1931 errangen die Nazis in Dessau 19 von 36 Sitzen und stellten gleich eine Reihe von Anträgen gegen das Bauhaus, von denen allerdings keiner mehrheitlich angenommen wurde. Die Haushaltmittel für das kommende Jahr wurden noch bewilligt, doch bereits mit der Kündigung zum 1. Oktober 1932. Am 22. August 1932 musste erneut über den Antrag der Nazis auf Schließung des Bauhauses abgestimmt werden. Diesmal mit dem Resultat, dass nur fünf Magistratsangehörige gegen die Auflösung stimmten. Damit war das Ende der renommierten Schule zum Oktober 1932 besiegelt.

Letztes Aufbäumen: Berlin

Noch zwei sozialdemokratische Städte waren nach der Schließung in Dessau an einer Übernahme der Schule interessiert: Leipzig und Magdeburg. Mies van der Rohe aber hatte sich bereits einige Monate vor den Angeboten dafür entschieden, das Bauhaus in Berlin als private Schule weiterzuführen. Er mietete eine leerstehende Telefonfabrik und strebte nun an, „Architekten so auszubilden, dass sie das ganze Gebiet, das in die Architektur hineinreicht, beherrschen, vom Kleinwohnungsbau bis zum Städtebau, nicht nur den eigentlichen Bau, sondern auch die gesamte Einrichtung bis hinab zu den Textilien.“

Aber bereits nach einem Semester holte die Politik das Bauhaus auch in Berlin ein: Zwischen der in Kisten gepackten Bibliothek des Bauhauses, die mit dem Umzug nach Berlin transportiert worden war, „entdeckte“ man bei einer Durchsuchung „kommunistische“ Zeitschriften. Das wahrscheinlich untergeschobene „Belastungsmaterial“ nahm die Gestapo zum Anlass, um die Schule zu versiegeln. Der Magistrat der Stadt Dessau kündigte die vertraglich zugesicherte Fortzahlung der Gehälter in Bezugnahme auf ein kürzlich in Kraft getretenes neues Gesetz endgültig auf.

Eine kleine Geste des Sieges und letztes Manifest geistiger Entscheidungsfreiheit war der Akt der von Mies van der Rohe einberufenen Versammlung der Meister des Bauhauses. Der Direktor berichtete ihnen über die angespannte finanzielle Situation sowie die derzeitige politische Lage – der Referent des Preußischen Kultusministeriums Winfried Wendland hatte eine Wiedereröffnung der Schule unter der Bedingung der Entlassung Kandinskys und Hilberseimers sowie sämtlicher jüdischer Mitarbeiter in Aussicht gestellt – und schlug dann vor, das Bauhaus aufzulösen. In demokratischer Entscheidung stimmten alle Anwesenden ohne Ausnahme diesem Antrag zu.

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