Bauhausstil als Vorbild für Fertigbau

Die sachliche Formensprache des Bauhausstils macht den Baustil auch für den Fertigbau attraktiv.

Bauhausstil: Ein Klassiker ist zurück

Modernes Bauen interpretiert heute gerne wieder die funktionale Ästhetik des Bauhauses der 1920er Jahre. Der Einbezug rationeller Produktionsweisen, stringenter Formensprache und moderner Bautechnik entsprechen dem Sinn der damaligen Baumeister.

Die Grundformen Quadrat, Dreieck, Kreis, dazu weiße Würfelarchitektur und Stahlrohrmöbel – das sind Assoziationen, die meist mit dem Begriff Bauhaus einhergehen.

Die sachliche Formensprache der Architekturepoche zu Beginn des 20. Jahrhunderts, auch Neues Bauen oder Funktionalismus genannt, wirkt bis heute modern.

Tatsächlich entstand sie als eine Reaktion auf die tiefgreifenden gesellschaftlichen Umwälzungen im Zuge der industriellen Revolution seit den 1850er-Jahren.

Die Architekten standen damals vor neuen Bauaufgaben und ungewohnten Dimensionen: Sie sollten Brücken bauen, Fabriken, Bahnhöfe und Großkaufhäuser.

Für die neuen Gebäudetypologien gab es jedoch keine entsprechende Ästhetik und die fortwährende formale Anleihe bei den früheren Stilepochen – auch als Historismus bezeichnet – war unbefriedigend, da sie als willkürliche Dekoration empfunden wurde.

Inspirationen für das Bauen der Zukunft

Kubische Formen mit Flachdach, große, einfarbige Flächen und große Fenster, die eine Verbindung von Innen und Außen herstellen – was wie der grobe Umriss eines heutigen Architektenentwurfes klingt, gab es schon vor über 80 Jahren.

Mit den Meisterhäusern schufen die Lehrenden des Bauhauses ihr eigenes Lebensumfeld ganz im Stil ihrer funktionalen und industriell-ästhetischen Architekturanschauung.

Die Bewohner dieser Häuser zählen zu den prägendsten künstlerischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhundert: Walter Gropius, László Moholy-Nagy, Wassily Kandinsky und Paul Klee sind nur eine Auswahl.

Bis heute lebt die Stilprägung dieser Häuser fort.

Neue Materialien und Techniken der Bauhaus-Epoche

Schon 1908 veröffentliche der Architekturtheoretiker Adolf Loos seine Streitschrift „Ornament und Verbrechen“, in der er die Abwesenheit von dekorativen Stilelementen als Ausdruck hoher Kulturentwicklung propagierte.

Eine Avantgarde an Architekten, unter ihnen Louis Sullivan„form follows function“ – und Mies van der Rohe mit seinem Leitsatz „less is more“, stellte sich in der Folge die Aufgabe, auf der Grundlage der industriellen Produktion eine neue ästhetische Kultur aufzubauen.

Dabei bedienten sie sich auch Innovationen aus Wissenschaft und Technik, zum Beispiel durch den Einsatz neuer Materialien wie Portlandzement, gezogenes Tafelglas oder Spannbeton und neuer Konstruktionsweisen wie dem Stahlskelettbau oder dem Flachdach.

Daraus entwickelte sich eine neue Formensprache auf den Prinzipien der Sachlichkeit, Sparsamkeit, der konstruktiven Klarheit und funktionellen Logik.

Walter Gropius und das Bauhaus in Deutschland

1919 von Walter Gropius gegründet, wurde das Bauhaus – mit Stationen in Weimar, Dessau und Berlin – zur weltweit führenden Ausbildungsstätte der Moderne für Architektur, Kunst und Design.

Die Meister und Studierenden setzten sich zum Ziel, die Trennung von Kunst und industrieller Produktion aufzuheben. Die Ausrichtung auf die kostensparende Fertigung von – gestalterisch hochwertigen – Produkten für breite Bevölkerungsschichten wurde forciert – von der Teekanne bis zum Eigenheim.

So regte bereits Gropius die Industrialisierung des Wohnungsbaus durch Typisierung an. Mit dem „Haus am Horn“ in Weimar, das als Musterhaus gebaut und von den Werkstätten des Bauhauses ausgestattet wurde, konnte man eine Vorstellung von einem erschwinglichen Wohnhaus für jedermann bekommen.

Das erste Musterhaus in Deutschland

Das „Haus am Horn“ in Weimar wurde als Muster- und Experimentalbau für die Bauhausausstellung 1923 von Georg Muche entworfen. Wegweisend war es vor allem wegen der Verwendung modernster Materialien und Baukonstruktionen, die eine hohe Wirtschaftlichkeit versprachen. Es kann deshalb als Vorläufer heutiger Fertighäuser betrachtet werden. Die Bauzeit betrug vier Monate.

Für Wände und Decken kamen vorgefertigte Leichtbausteine aus Schlackebeton zum Einsatz. Die zweischalige Bauweise mit dazwischen liegender „Torfoleum“-Isolierung brachte im Vergleich mit einer Ziegelmauer wesentliche Ersparnisse betreffend Material- und Transportkosten.

Die Wandverkleidungen in Küche und Bad bestanden aus Opakspiegelglas, einem Abfallprodukt der nahen Jenaer Glasindustrie. Als Fußbodenbelag wurde anstelle von Linoleum, das mit einer Luxussteuer belegt war, ein Kunststoff aus der Rüstungsindustrie verwendet.

Im Haus wurde eine Zentralheizungsanlage mit Kohlekessel im Keller eingebaut, Küche und Bad waren mit Gas-Warmwasserbereitern ausgestattet.

Besichtigung

Vorübergehend wird das Haus am Horn renoviert und zum Bauhausjubiläum 2019 neu aufgefrischt. Ab Mai 2019 kann das erste Musterhaus in Deutschland voraussichtlich wieder besichtigt werden.

Fortsetzung im modernen Fertigbau

Erfolgreiche Firmen der Fertighausbranche agieren auch heute nicht anders als die Architekten der Moderne: Sie nehmen neue technologische Erkenntnisse und konstruktive Innovationen auf und setzen sie in ihrem Fertigbau um.

Dank weitgehender Vorfertigung im Werk und eingespielter Bauabläufe bleiben dabei die Kosten im Rahmen. Zudem achten viele Hersteller auf gesundheitlich unbedenkliche Baustoffe.

Auch das ist eine Parallele zur Moderne – gesundes Wohnen war schon in den Zwanzigerjahren ein Thema, wenn es auch damals mehr um Licht und Luft ging, weniger um die Baustoffe an sich.

Den gestiegenen Anforderungen an eine energiesparende Bauweise kommen die einfachen geometrischen Baukörper sehr entgegen. Der Bauhausstil an sich erweist sich als kostenneutral, der Preis eines Hauses hängt vielmehr von Größe, Ausführung und Ausstattung ab.

Moderner Bauhausstil

Hier präsentieren wir Ihnen Häuser im Bauhausstil von verschiedenen Herstellern. Die Vielfalt ist groß.

  • Foto: Bau-Fritz GmbH & Co. KG
  • Foto: FingerHaus
  • Foto: Max-Haus GmbH
  • Foto: WeberHaus GmbH & Co. KG

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