Es braucht schon etwas Kreativleistung, kompakte Häuser mit viel Wohnkomfort zu schaffen. Doch unmöglich ist es nicht.

Kleine Häuser – Mut zur Bau-Lücke

Mit bescheidenen Maßen und intelligenten Grundrisslösungen beweisen kleine Häuser, dass auch mit weniger Wohnfläche eine attraktive Architektur und hoher Wohnkomfort möglich sind.

Gerne werden großzügige Traumhäuser mit flächenintensiven Grundrissen und weiten Raumgefügen präsentiert. Doch die Realität zeigt: Baugrund ist knapp und teuer. Ein Eigenheim bleibt aber trotz oder vielleicht gerade wegen der zunehmenden Verdichtung der Lebensräume ein zentrales Ziel für viele. Wenn die Planung stimmt, kommt man auch in kleinen Häusern zum großen Wohnerlebnis. Voraussetzung ist, dass die begrenzte Wohnfläche optimal genutzt und gleichzeitig ein Gefühl von Enge vermieden wird. Das subjektive Raumempfinden hängt dabei eher von Licht, Luft und Sonne ab als von der Anzahl der Quadratmeter.

Kleine oder schmale Grundstücke

Begnügt man sich mit weniger Grundfläche, muss sich das Haus anpassen. Bebauung bis hart an die Grenze wird nur in Sonderfällen gestattet, schon aus Brandschutzgründen. Meist ist die "Geschossflächenzahl" (GFZ) vorgegeben, die bestimmt, wie viel Geschossfläche insgesamt auf dem Grundstück errichtet werden darf.

Es kann aber auch sein, dass das Grundstück einfach ungünstig geschnitten ist, lang und schmal oder verwinkelt, sodass die Architekten eine harte Nuss zu knacken hatten. Und schließlich gibt es da noch die Leute, die kleine Häuser bevorzugen, weil sie besser zu ihrem Lebensstil passen.

Doch auch Familien mit Kindern erfüllen sich so preiswert ihren Haustraum. Planer, Hersteller und Architekten haben in den letzten Jahren das kleine, kompakte Haus wieder entdeckt.

Kosten sparen mit einem kleinen Haus

Kleine Häuser mit kleiner Grundfläche passen auf kleine Grundstücke. In dieser einfachen Logik liegt ein bedeutendes Sparpotenzial, denn der Anteil der Baulandkosten kann – je nach Lage – bis zu 50 Prozent der gesamten Bausumme betragen. Und: Nicht nur die Grundstückskosten verringern sich, man muss auch weniger Steuern und Gebühren zahlen, denn der Eintrag ins Grundbuch und die Gebühren für den Notar sind vom Kaufpreis abhängig. Die Entscheidung für ein kleines Haus erleichtert – als positiver Nebeneffekt – außerdem die Grundstückssuche, da auch schmalere Baulücken genutzt werden können. Dazu kommen bei Bauplatzsparern geringere Kosten für den Aushub und Keller.

Knappe Wohnfläche

Der Wohnflächenermittlung sollte eine kritische Bedarfsplanung vorausgehen. Bei kleinen Häusern bleibt wenig Spielraum für die Größe und Anordnung der Zimmer. Der Grundriss wird zwangsläufig pragmatisch. Handelt es sich nicht gerade um ein Hanghaus, kommt dabei meistens „wohnen im Erdgeschoss – schlafen im Obergeschoss“ mit drei Zimmern und einem kleinen Familienbad heraus. Für ein
Gästezimmer oder Büro fehlt oft der Platz – und erst recht für einen Hauswirtschaftsraum. Man wird also kaum darum herumkommen, Flächen mehrfach zu nutzen. Hier hängt es von den individuellen Lebensgewohnheiten ab, wie dies geschieht.

Viele Bauherren finden zum Beispiel eine große Wohnküche attraktiver als den Esstisch im Wohnzimmer. Ein Arbeitsplatz ist im Wohnbereich oder im Schlafzimmer denkbar. Auch konventionelle Raumnutzungen können hinterfragt werden. Anstelle zweier winziger Kinderzimmer wäre vielleicht ein großes Spielzimmer interessant, das abends mit einem Schiebe-Element in zwei kleinere Schlafzonen unterteilt wird.

Planungstipp

Mit einem Kniestock und/oder steiler Dachneigung gewinnt das Haus wesentlich an Wohnfläche. Dachfenster und bodentiefe Verglasungen sorgen für Helligkeit und ein Gefühl der Weite. Das Dachgeschoss wirkt zudem großzügiger, wenn man den Raum bis unter den First offen lässt. Allerdings muss man dann auf den Spitzboden als Abstellraum verzichten.


Mit ein paar Tricks und Kniffen machen Architekten mehr aus dem vorhandenen Platz: moderne Heizanlagen brauchen kaum noch Platz im Keller, verglichen mit ihren Vorgängern. Dachgeschosse mit höherem Kniestock bringen mehr Wohnwert. Verkehrsflächen – Flur, Diele, Eingangsbereich – werden auf das Notwendigste reduziert. Auf dem Bild links wird eine kleine Ecke auf der Galerie durch eine geschickte Nutzung zum Computerarbeitsplatz gestaltet.

Beengte Platzverhältnisse wirken großzügiger, je weniger Trennwände die Sicht versperren. Der sogenannte „offene Grundriss“ eignet sich vor allem für das Erdgeschoss. Küche, Ess- und Wohnbereich gehen dabei fließend ineinander über. Bei diesem kommunikativen Konzept wird die Küche häufig zum Treffpunkt von Familie und Gästen.

Mit einem gut geplanten Grundriss kann man einiges an Wohnfläche gewinnen. In diesem Zusammenhang könnte auch die Treppe als gestalterisches Element in den Wohnbereich mit einbezogen werden. Sie fungiert dann als Raumteiler zwischen Essplatz und Sitzgruppe oder zwischen Wohnen und Arbeiten. Transparente Konstruktionen ordnen den Raum zwar, schließen ihn aber optisch nicht ab. Soll die Verbindung der Stockwerke aus Gründen des Schallschutzes doch lieber separat bleiben, kann man den Platz unter der Treppe sinnvoll als Garderobe oder Schuhschrank nutzen.

Das richtige Maß

Wenn schon ein kleineres Haus, dann muss die Flächenberechnung aber auch korrekt sein. Der Verband der Privaten Bauherren weist darauf hin, dass immer noch Balkone, Treppen, Loggien, unbeheizte Wintergärten, sogar Garagen und Abstellräume komplett zur Wohnfläche hinzuaddiert werden.

Auch beim Dachgeschoss wird gerne die gesamte Grundfläche als Wohnfläche angegeben, dabei dürfen nur Flächen mit einer lichten Höhe von über zwei Metern komplett als Wohnfläche deklariert werden. Zwischen ein und zwei Metern Höhe zählt die Fläche zur Hälfte, unter einem Meter gar nicht. Balkone, Loggien, Dach- und andere Terrassen werden in der Regel zu einem Viertel, maximal zur Hälfte ihrer Grundfläche zur Wohnfläche gezählt.

Tipps vom Profi

Fachleute raten Bauherren auf einer Berechnung gemäß Wohnflächenverordnung (WoFlV) zu bestehen. Sie regelt, was zur Wohnfläche zählt und wie gemessen werden muss. Erfolgte eine Wohnflächenberechnung anhand der Baupläne, muss unbedingt nach Fertigstellung nachgemessen werden.

Kleine Häuser mit Vollausstattung

Kleine Häuser mögen im Flächenverbrauch reduziert sein, bei der Konstruktion machen seriöse Hersteller keine Abstriche – egal wie klein die Häuser sind. Hier gelten für Wände, Fenster und Dach bezüglich Wärmeschutz, Schallschutz und Dichtheit dieselben Standards wie für die „Großen“. Auch technische Extras wie beispielsweise eine Solaranlage oder die kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung oder „Accessoires“ wie Gauben, Erker und Balkone sind für die kleinen Modelle erhältlich.

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