Wer Haustiere hat, muss kein besonderes Haus bauen. Aber auf einige Kleinigkeiten, wie beispielsweise eine Katzenklappe, kommt es an.

Wohnen mit Tieren – Niedliche Koexistenz

Mit Tieren zu leben ist ein Traum. Es muss ja nicht gleich der kleine Allwetterzoo sein. Auch Hund, Katze oder Kaninchen sind eine Bereicherung für den Wohnalltag. 


Ungefähr 22 Millionen Haustiere gibt es hierzulande. Ungefähr, denn das Zählen ist keine leichte Angelegenheit. Das können die Berliner Tierschützer bestätigen, die im Dezember 2008 eine Armee von Wellensittichen aus der Wohnung eines Rentners befreien mussten. Zuerst war von 1.500 Tieren die Rede, am Ende des kleinen Zensus stand fest: 1.700 Exemplare hatten in der Spandauer Zwei-Zimmer-Wohnung ihr Dasein gefristet. Nicht zur Nachahmung empfohlen – in Etagenwohnungen sind die Möglichkeiten zur Tierhaltung nun einmal eingeschränkt. Anders sieht das im eigenen Haus aus. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Ansprüche der einzelnen Arten zu beachten.

Familienhund – Hund im Haus

Hunde brauchen viel Bewegung, müssen raus zum Toben, ein großer Garten ist da ein schönes Extra. Wird draußen alles geboten, genügt drinnen ein ruhiges, nicht zugiges Eckchen für die Nachtruhe. Ob nun Decke, Kissen, Luxuskörbchen oder orthopädisches Hundebett muss im Einzelfall (auch vom Hund) entschieden werden. Wasch mir den Pelz, aber mach dich nicht nass: Eine Hundedusche erlaubt es, Bello nach dem Spaziergang durch Schlamm und Matsch wieder gesellschaftsfähig zu brausen und selber dabei einigermaßen trocken zu bleiben. Im hundefreundlichen Haus ist die Treppe eine geschlossene Konstruktion, freie Trittstufen ohne Setzstufen und ohne Geländer sind den Vierbeinern unheimlich. Und mindestens die Diele sollte über einen robusten Bodenbelag verfügen, beispielsweise Fliesen ab Abriebgruppe III.

Hauskatze – Wohnungskatze

Es gibt zwei Sorten Katzen: „Ein Freigänger kann einen Teil seiner Bedürfnisse – Jagen, Kratzen, Klettern, Sozialkontakte zu anderen Tieren und Menschen – draußen ausleben. Einer reinen Wohnungskatze muss ich als Halter all dies in den eigenen vier Wänden bieten.“ Weiß Annett Behrend, die als Innenarchitektin in Ham­burg einige Wohnungen katzenkompatibel gemacht hat.

Allen Samtpfoten gemeinsam ist die Vorliebe für Plätze, von denen aus sie ihre Umgebung überblicken können. Fensterbänke sollten nicht zu schmal sein und nicht mit Pflanzen zugestellt werden. Oberstes Regalbrett und Schrankdecke sollten den Stuben­­tigern vorbehalten sein. Sehr gut angenommen werden krumm gewachsene Baumstämme von Boden bis Zimmerdecke (von mehr als Arm­dicke, der Stabilität wegen). Umwickelt mit Seil, ist der Stamm zugleich der obligatorische Kratzbaum. Für ältere Semester darf es die eine oder andere Kletterhilfe sein, die den Weg nach oben erleichtert. Zum Schlummern und Relaxen werden im Fachhandel kleine Wohn- und Schlafhöhlen angeboten, auf Ständern oder zur Wandmontage. Und natürlich sind Katzenklappen eine sinnreiche Einrichtung.

Kleintierhaltung – Hase, Hamster, Meerschweinchen

So reinlich wie Katzen sind Kaninchen, Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Hamster leider nicht. Im Sommer, wenn man ihnen ihr Freigehege in den Garten stellen kann, ist das kein Problem. Drinnen sollte ihr Freilauf-Areal mit einem alten Teppich oder Teppichboden ausgelegt werden. Da von den Kleinsäugern immer eine gewisse Geruchsbelästigung ausgeht, sollte man sie nicht im Kinderzimmer oder im Schlafzimmer unterbringen, optimal wäre ein eigener Raum. Ein genügend großes Gehege muss es sein, mit Rückzugsmöglichkeiten. Meerschweinchen mögen es übrigens nicht, wenn man auf sie herab sieht (wie es damals in den Anden ihre natürlichen Feinde, Falken und andere Räuber, immer getan haben), weswegen Stall oder Gehege etwas erhöht stehen sollten.

Vögel – Gesellschaftstiere

Die meisten zur Haltung geeigneten Vögel sind Gesellschaftstiere, brauchen ihre Artgenossen. Vor allem aber müssen sie fliegen können. Eine große Voliere, je nach Widerstandskraft der Spezies eventuell im Garten oder auf der Terrasse, ist die beste und sicherste Art, ihnen die Gelegenheit dazu zu verschaffen. Freiflugzonen drinnen sind die Alternative. Achtung: Weibliche Wellensittiche sind mit einem starken Schnabel ausgerüstet, knabbern Möbel und andere hölzerne Gegenstände an, denn in der freien Natur sind sie für die „Wohnungsanpassung“ zuständig.

Fischaquarium & Reptilien Terrarium

Für alle, die es ruhig, überschaubar und dennoch spannend lieben, bieten sich Aquarien und Terrarien an. Wasserbewohner und Amphibien, von unauffällig bis farbig-bizarr, sind nicht unbedingt Streicheltiere, dafür aber hochinteressante Geschöpfe, deren Beobachtung für Stunden fesseln kann. Fische, Echsen und andere müssen nicht Gassi gehen, brauchen keinen Freiflug, dafür muss in ihrer kleinen oder nicht so kleinen Welt alles stimmen, sei es Wasserqualität, Temperatur oder Bepflanzung. Zu beachten ist, dass Großaquarien Rechenarbeit für den Statiker beziehungsweise Aquarienbauer sind – Wasser wiegt!

Wohnen mit Tieren – Sicherheit geht vor

Tieren, die ihren Auslauf genießen oder ihren Freiflug, drohen Gefahren aller Art. Engstellen hinter Schränken oder Blumenvasen können zur Falle werden. Kleine Nager knabbern gern an frei liegenden Stromkabeln, Vögel erkennen Glasscheiben nicht als Hindernisse, brauchen einen Warnhinweis, zum Beispiel Gardinen. Katzen können Kippfenster zum Verhängnis werden, entsprechende Sicherungen helfen. Netze verhindern, dass übermütige Stubentiger vom Balkon fallen. Gefahr droht darüber hinaus durch giftige Zimmer- und Gartenpflanzen, in den einschlägigen Fachbüchern (siehe auch die Buchvorstellungen) sind daher die jeweils bedenklichen Sorten aufgeführt. Eine gar nicht so seltene unterschätzte Todesursache ist Überhitzung, Terrarien, Gehege oder Käfige dürfen also nie in der Sonne stehen.

Klingt bisher nur nach Arbeit, Aufwand und Mühe. Wir vergaßen zu erwähnen, was jeder Halter bereits weiß – Tiere machen Freude, der Umgang mit ihnen fördert Kinder in ihrer Entwicklung, er vitalisiert, er hält uns geistig und körperlich fit. Der eingangs erwähnte Rentner, dem sein Schwarm über den Kopf gewachsen war, wusste gleichwohl: „Ich bin ohne die Vögel kaum noch zu gebrauchen.“ Aber soviel ist klar, um besagte positive Effekte zu erreichen, müssen es nicht unbedingt 1.700 Sittiche sein.

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