Wohngesunde Baustoffe

Es gibt wohl kaum Bauherren, die beim Bau ihres Hauses freiwillig Kompromisse machen. Insbesondere, wenn es um die Wohngesundheit der Familie im neuen Eigenheim geht. Diese hängt in erster Linie von den verwendeten Baustoffen ab.

Im Fokus der Wohngesundheit stehen Behaglichkeitsfaktoren wie Hitzeschutz, Oberflächentemperatur, Raumklima, sowie Schall­schutz und Feuchteregulierung, beeinflusst von den verwendeten Baustoffen. Kein Wunder also, dass natürliche Baustoffe, bei denen weder belastende noch schädliche Auswirkungen zu erwarten sind und deren bauphysikalischen Eigenschaften zur Wohngesundheit beitragen, voll im Trend liegen und einen regelrechten Boom erleben.

in zweiter Schritt zum „wohngesunden” Haus ist ein angenehmes Raumklima in dem Haus, das sich positiv auf den Organismus und die Gesundheit der Bewohner auswirkt. Die Luftfeuchtigkeit spielt hier eine wesentliche Rolle. Denn Feuchtigkeit kann überall auftreten und das Raumklima negativ beeinflussen. Und Quellen im Haus, die Feuchtigkeit liefern, gibt es en masse. Zum Beispiel erzeugt eine Familie im Durchschnitt täglich 12 Liter Wasser in Form von Luftfeuchtigkeit durch ganz normale alltägliche Aktivitäten wie z. B. Kochen und Duschen.

Kalksandstein als natürliche Basis

Ein objektiver Beleg für unbedenkliche und nachhaltige Verwendung von Baumaterialien sind Ökobilanzen. Für den Wandbaustoff Kalksandsteine haben bereits 1994 unabhängige Institute die ökologische Qualität des Wandbaustoffs wissenschaftlich anerkannt, geprüft und dokumentiert. Fazit: Kalksandsteine (KS) zeichnen sich durch Umweltverträglichkeit und -freundlichkeit aus. Sie bestehen aus den reinen Naturprodukten Kalk, Sand und Wasser – ohne chemische Zusatz­stoffe und frei von Allergie auslösenden Substanzen. Seit über einhundert Jahren gilt diese alte und einfache Rezeptur und so wird es auch bleiben.

Kalksandstein wirkt aufgrund seiner natürlichen Kapillarität und Wärmespeicherfähigkeit stark feuchteregulierend. Das bedeutet, die Steine nehmen die Luftfeuchtigkeit zu­nächst auf und erst wenn die Luft dann wieder „trockener”ge­worden ist, wird die Feuchtigkeit erneut dem Raum zugeführt. Das verhindert zum einen Schimmelbefall und zum anderen zu trockene Luft, die durch erhöhte Staubbildung Allergien oder Atembeschwerden auslösen kann.

Nachhaltigkeit beim Ausbau mit Lehm

Weil er in hohem Maße Vorfertigung erlaubt, hat der Holzbau im 20. Jahrhundert wieder mehr und mehr Boden gutgemacht. Die Häuser sind schneller errichtet als Massivhäuser und müssen nicht trocken gewohnt werden. Wobei man hier neuerdings einschränken muss: In einige Neubauten zieht wieder das Massive ein, in Form von Lehm. Er hat es nicht weit bis zur Baustelle und wird ohne großen Energieeinsatz aufbereitet. Schalldämmende Lehmziegel für Wand und Boden, Dämmplatten in Verbindung mit Schilfrohrmatten, Mörtelmischungen für
jeden Zweck bieten sich an. Auch Lehmfarben, Putze, Bauplatten sind erhältlich. Der Baustoff aus der Grube leistet in Sachen Feuchteausgleich noch einmal deutlich mehr als Holz. Schon Lehmputzschichten von nur wenigen Millimetern Stärke bringen einen merkbaren, wohltuenden Effekt. Im Zuge der Aufnahme und Wiederabgabe filtert das Material außerdem Schadstoffe aus der Luft. Dank der hohen Rohdichte speichert Lehm Wärme, was sich gerade im Hochsommer angenehm bemerkbar macht. Einfache Verarbeitung und vielseitige Verwendbarkeit sprechen ebenso für ihn.
Direkt aus der Natur könnte man auch Gips beziehen, doch ist unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit der aus Rauchgasentschwefelungs-Anlagen gewonnene (REA-) Gips vorzuziehen. Reine Natur muss nicht immer die Nummer Sicher sein, siehe auch das Beispiel des in Faserform anstehenden Asbests. Feuerfest, säureresistent, gerne und vielseitig verwendet, dann Ende der Siebziger als krebserregend entlarvt.

Der Naturstoff Holz ist ideal für den Hausbau

Sehr viel unkomplizierter läuft es mit den meisten so genannten Naturbaustoffen, von der Wiege bis zu Bahre. Angefangen beim wieder stark gefragten Holz, bekannt für seinen positiven Einfluss auf das Wohnklima. Es kann Feuchte aus der Umgebung aufnehmen, zwischenspeichern und bei zunehmender Lufttrockenheit wieder abgeben, es sei denn, es wird mit Folien oder Lacken versiegelt. Die ökologischen Eigenschaften von Holzwerkstoffen aus Spänen oder Fasern hängen jeweils von den verwendeten Klebern ab, meist Harnstoff- oder Phenol-Formaldehydharze. Gasen sie zuviel Formaldehyd aus, sind sie eher eine Gefahr. Mithilfe von Zement und Magnesit gebundene Holzwolleleichtbauplatten für den Innenausbau sind hingegen unbedenklich.
Stammt das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft – auf das FSC-Label achten – ist die Ökobilanz ausgeglichen. Fensterrahmen und Türen aus Holz lassen gestalterische Freiheit und eignen sich hervorragend für Passivhäuser. Noch recht teuer ist Thermo-Holz, bei Temperaturen von um die 200 „gebacken“. Heimische Gewächse wie die Buche werden durch dieses Verfahren in eine höhere Widerstandsklasse befördert, vergleichbar mit einigen tropischen Sorten – wichtig im Außenbereich –, sind jedoch danach statisch weniger belastbar.

Dämmstoffe im nachhaltigen Hausbau

Für beinahe alle Ecken und Enden des Hauses gibt es eine ökologische Alternative zu den konventionellen Dämmstoffen. Zur Isolierung der Kelleraußenwand kann Schaumglas eingesetzt werden, auch gegen drückendes Wasser gefeit, und größtenteils aus Altglas hergestellt. Neben weiteren Recycling-Produkten – etwa Zelluloseflocken und -matten aus Altpapier – sind Dämmungen aus Schilf, Holzwolle, Kokosfaser, Kork, Sisal sowie Jute und seit einiger Zeit solche aus Schafwolle, aus Flachs- und Hanffasern und sogar Dämmstoffe auf Getreidebasis zu bekommen. Man muss im Einzelfall beachten, über welche Zusätze die Dämmstoffe verfügen. So werden einige, wie zum Beispiel Zellulose, aus Brandschutzgründen mit Borsalzen behandelt, Matten aus Flachsfasern werden zum Teil mit Polyesterfasern verstärkt.

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