Radonschutz von Neubauten

Radon ist ein geruchsloses, radioaktives Gas, das Krebs auslösen kann. In mehr oder weniger starker Konzentration ist es fast überall im Boden vorhanden und findet von dort seinen Weg in Keller und Haus.

Raucher sind gerade auf dem besten Weg, eine kleine, radikale Minderheit zu werden, belächelt, bedauert oder auch angefeindet. Da werden sie gerne hören, dass Lungenkrebs ebenso von dem ganz und gar geruchslosen Radon ausgelöst werden kann. Zweithäufigste Ursache für diese Krebsart soll das Gas aus der Erde laut Umweltmedizinern sein.

Radon - Gefahr aus der Tiefe

Radon 222, so der volle Name, kommt überall im Erdboden vor, je nach geologischen Gegebenheiten mal schwach, mal hoch konzentriert. Zuerst darunter gelitten haben Bergleute, lange ohne es zu wissen.

Gefährlich ist es aufgrund seiner Radioaktivität, deswegen misst man die jeweilige Belastung in Becquerel pro Kubikmeter oder Bq/m3. Gemäß dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sind wir in Gebäuden ständig einer geringen Konzentration von um die 50 Bq/m3 ausgesetzt.

Mancherorts können es allerdings auch 1000 Bq/m3 sein. Die EU hält Werte für unter 200 für unbedenklich, das BfS empfiehlt 100, manche Baubiologen würden den Grenzwert gerne auf 30 Bq/m3 oder tiefer herabsetzen, angesichts der Tatsache, dass wir den größeren Teil unseres Lebens in geschlossenen Räumen verbringen.

Radonvorkommen in Deutschland

Folgende Gebiete in Deutschland sind von einer erhöhten Radonbelastung betroffen:

  • Erzgebirge
  • Eifel / Hunsrück
  • Fichtelgebirge
  • Allgäu
  • Bayerischer Wald
  • Südlicher Schwarzwald
  • Siegerland
  • Raum Eisleben / Sachsen-Anhalt
  • Raum Mannheim
  • Raum Dresden

 

Generell tritt Radon dort auf, wo auch Uran und Thoriumvorkommen bekannt sind, wie beispielsweise im Erzgebirge. In Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie den Hansestädten ist die Radonkonzentration im Erdboden sehr niedrig – in der norddeutschen Tiefebene lagern fast keine radioaktiven Elemente im Boden.

Risiken im Neubau

Prinzipiell sind Altbauten stärker belastet, wegen der zahlreichen undichten Stellen, durch die das Gas erst ins Untergeschoss und von dort über Treppenhaus, Schächte und Rohrleitungen ins gesamte Gebäude gelangen kann. Risse im Beton der Fundamentplatte, Fugen zwischen ihr und den Kellerwänden, Rohrdurchführungen, Mauerfugen sind die Einfallstore.

Historische Häuser, die über nicht mehr als einen gestampften Lehmboden im Keller verfügen oder nur einen mit Ziegeln oder Steinen ausgelegten, weisen erwartungsgemäß hohe Konzentrationen auf, jedenfalls im Vergleich zu den jüngeren Nachbarn.

Jedoch gibt es eine Art aus­­gleichenden Faktor: Weil Neubauten nach der EnEV, der Energie-Einspar-Verordnung, aufwendig gegen Lüftungswärmeverluste abgedichtet wer­den, lässt der Luftaustausch zu wünschen übrig. Kohlendioxid, Formaldehyd und alle anderen Schadstoffe, inklusive Radon, reichern sich an.

In der Planungsphase des Hauses hat man noch die Chance, die Weichen richtig zu stellen. Zu den Maßnahmen, die Weitblick verraten, gehört unter anderem, ein Bodengutachten einzuholen, etwa um späteren Setzungsschäden vorzubeugen. Untersucht werden sollte in diesem Zusammenhang genauso die natürliche Radonbelastung am Ort.

Nicht-bindiger, das heißt gas- und wasserdurchlässiger Baugrund (mit höherem Sand- beziehungsweise Kiesanteil) erlaubt es, ähnlich wie im „Lastfall Wasser“ Drainagerohre zu verlegen, jedoch unter der Boden­platte. In den Rohren wird Unterdruck erzeugt, sodass sich das Gas dort sammelt.

Eine andere Variante der Drainage ist der „Radonbrunnen“: Ein Schacht neben dem Gebäude, wird zur Radon­falle. Ist die Belastung hoch, müssen einer oder mehrere solcher „Brunnen“ unterhalb der Bodenplatte angelegt werden, von denen aus abgeleitet werden kann.

Zusätzlich wird der Keller als solcher mit radondichten Folien oder Beschichtungen versehen, was von innen oder außen geschehen kann. Unternehmen, die Fertigkeller anbieten, haben oft auch hierzu eine Lösung im Angebot, etwa eine Rundumdichtung, die die Fundamentplatte mit einbezieht.

Über der Erde

Hat man bei Planung und Bau alles beachtet, sollte man dennoch regelmäßig die Werte im Keller mittels Messgerät überprüfen oder überprüfen lassen. Dabei ist erst eine Messung über mindestens ein Jahr aussage­kräftig.

Selbstverständlich gilt es ebenfalls, die Belastung in den Aufenthaltsräumen durch regelmäßiges Stoßlüften so gering wie möglich zu halten, wie ohnehin empfohlen. Nicht nur in den ersten Monaten nach Einzug, wenn Baufeuchte und aus den Materialien ausgasende Wohngifte entsorgt werden müssen. Oder man überlässt es der Haustechnik.

Viele Haushersteller, Generalunternehmer oder Architekten lassen es sich mittlerweile vom Auftraggeber schriftlich bestätigen, dass sie ihm die kontrollierte Be- und Entlüftung ans Herz gelegt haben – falls er sie nicht wollte. Immer mehr wollen.

Nur auf eines sollten sie achten, so die Geologen von Kemski & Partner (www.radon-info.de): Wird die frische Außenluft unterirdisch herangeführt, um im Winter angewärmt und im Sommer gekühlt zu werden, so muss der Erdwärmetauscher absolut dicht sein. Sonst baut man dem radioaktiven Gas einen Königsweg in seine vier Wände.

Strahleninfo

Radioaktive Strahlung ist so gefährlich, weil sie direkt in den Prozess des Zellwachstums eingreift, und da wir ein ganzes Leben lang wachsen, sind wir alle betroffen, nicht nur Kinder. Es geben neben dem Erdboden aber auch einige Baumaterialien Radon ab.

Unter anderem kommen hier manche Fliesen mit bestimmten Glasuren oder Natursteine wie etwa Granit in Frage. Wie man die Belastung so klein wie möglich hält, auch wenn das Haus schon steht, erfährt man zum Beispiel im Internet unter folgenden Adressen:

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