Planen mit Virtual Reality

Viele kennen Virtual Reality aus Science-Fiction-Filmen. Doch die moderne Technik ist längst Realität und lässt sich auch im Hausbau nutzen.

Was bedeutet Virtual Reality überhaupt?

Die jungen Bauherren sitzen in ihrer Wohnung auf dem Sofa und wandern durch ihr zukünftiges Einfamilienhaus. Neugierig sehen sie sich in ihrem virtuellen Traumhaus um. Sie wollen wissen, wie ihr Wohnzimmer aussehen wird und ob die alten Möbel in die neue Umgebung passen. Klingt nach Science Fiction, ist aber Realität. Dank 3D-Visualisierungen und spezieller 3D-Brillen können „Häuslebauer“ ihre künftigen Häuser virtuell erleben und sich einen sehr realen Eindruck davon machen. In Computersimulationen wandern sie durch die virtuellen Räume und können dadurch zum Beispiel die künftigen Lichtverhältnisse prüfen. 

Aber was bedeutet Virtual Reality (VR) überhaupt? VR versucht mithilfe von computererzeugten 3D-Bildern, ein reales Umfeld zu schaffen, ermöglicht also zum Beispiel ein realistisches räumliches Erleben eines digitalen Gebäudes. Der Nutzer kann sich in dieser virtuellen Umgebung bewegen und virtuelle Objekte wahrnehmen, als wären sie in der realen Welt. VR bezieht sich ausschließlich auf eine künstliche, von Computern geschaffene virtuelle Welt, die isoliert von der realen Welt wahrgenommen wird.

Augmented Reality (AR) hingegen ergänzt einen realen Raum mit virtuellen Erweiterungen. „Von AR spricht man, wenn virtuelle Objekte in der realen Welt abgebildet werden“, erklärt Daniela Triebl, die sich im Rahmen ihrer Masterarbeit am Management Center Innsbruck mit diesem Thema beschäftigte.

Virtual Reality ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Aber was ist Virtual Reality überhaupt?

Virtuelle Planung

Bei der virtuellen Hausplanung spielt nicht nur die Visualisierung, sondern auch Haptik und Akustik eine Rolle. Denn durch die Simulation einer realistischen Raumakustik in Echtzeit können etwa die Auswirkungen von Möblierungsvarianten hörbar gemacht werden. „Davon ist man derzeit jedoch noch weit entfernt“, weiß Günter Wenzel, Leiter Team Virtual Environments beim Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). 

Virtual Reality ist zwar längst keine Zukunftsmusik mehr, stößt aber im Hausbau oft noch an ihre Grenzen. Vor allem was die Umsetzung rechtlicher Vorgaben betrifft. Eine Grundvoraussetzung bei der Hausplanung ist die Einhaltung der Landes- bzw. Gemeindebauordnung. Diese ist aktuell noch nicht automatisiert überprüfbar, da die Bauordnungen oft Interpretationsspielraum bieten. So müssen zum Beispiel zwischen der Grundgrenze und dem Haus ein Mindestabstand sowie Raumhöhen und andere Abmessungen eingehalten werden. Das lässt sich in VR aufgrund der fehlenden Maßstabstreue nicht umsetzen. Deshalb geht der VR-Darstellung stets eine zweidimensionale Planung mit einem klassischen Grundriss voraus. 

Viele Architekten arbeiten dafür mit der Gebäude-Planungsmethode Building Information Modeling (BIM). Das Tool integriert die Daten aller beteiligten Gewerke in einem digitalen Modell. Geometrische Objekte werden mit Informationen und Regelbezügen versehen, sodass eine Wand nicht nur ein Strich im Grundrissplan, sondern in ihrem Aufbau klar definiert ist. „Der Vorteil davon ist, dass man die Mengen, Maße sowie die Kosten direkt aus der Planung ableiten kann“, erklärt Günter Wenzel. VR-Anwendungen sind also eher eine Ergänzung zur konventionellen Planung und unterstützen Haushersteller und Hausbauer in der Planungsphase.

Doch die Technik entwickelt sich rasant weiter. Jeder mit einem Smartphone kann VR erleben und ausprobieren: Dafür wird das Handy in ein Cardboard, also ein Pappgestell, gesteckt – und fertig ist die DIY-3D- Datenbrille. Auf dem Markt sind verschiedene, teilweise kostenlose Apps wie „Roomle“ erhältlich. Der Nachteil: „Zurzeit ist die grafische Auflösung der VR-Apps noch verbesserungsfähig und viele Nutzer klagen über Schwindelgefühl beim Tragen von VR-Brillen“, weiß Daniela Triebl im Interview zu berichten. Wer die Technik nicht gewöhnt ist und sich zu schnell durch einen virtuellen Raum bewegt, wird reisekrank, vergleichbar etwa mit Seekrankheit. „Idealerweise positioniert man den Nutzer deshalb virtuell an relevante Standpunkte. Dort kann er sich dann umschauen und langsam bewegen“, erläutert Günter Wenzel vom Fraunhofer IAO.

Im Sitzen erleben

Viele Kunden haben noch Berührungsängste mit der modernen Technik. Wer gerne Videogames spielt oder sich für moderne Technik interessiert, kann mit VR-Brillen und einer interaktiven virtuellen Welt meist mehr anfangen. Andere wiederum erleben VR bevorzugt im Sitzen am heimischen Computer-Monitor. So oder so bietet das VR-Erlebnis den Bauherren einen Mehrwert. Sie können sich einen ersten Eindruck ihres zukünftigen Eigenheims machen, ohne dabei die eigenen vier Wände zu verlassen. „Das ist insbesondere dann praktisch, wenn man ein Musterhaus besichtigen möchte, das eine lange Autofahrt entfernt liegt“, betont Daniela Triebl.

Ein weiterer Vorteil von 3D-Visualisierungen gegenüber klassischen Bauzeichnungen: Sie sind auch für Laien verständlich. Bei Besprechungen kommt es zu weniger Missverständnissen, da alle Beteiligten das Resultat virtuell vor Augen haben. Architekten und Fachplaner können den Bauherren mithilfe von VR also einen besseren Eindruck ihrer jeweiligen Entwürfe verschaffen. Wichtig ist dabei, dass der Maßstab möglichst 1:1 ist, sodass ein realistisches Abbild entsteht. Gleichzeitig ist auf die Rechenleistung zu achten, damit ein „ruckelfreies“ Erleben gewährleistet wird. 

Erfahrungen mit Virtual Reality

Das haben Bauherren mit VR erlebt

Michael Bartmann: 
Aufgrund unseres „schwierigeren“ Bauplatzes haben wir das Haus vollkommen individuell geplant. Dementsprechend konnten wir uns zuvor auch nicht in einem der Musterhäuser von einer stimmigen Raumaufteilung überzeugen. Durch die Nutzung von VR konnten wir uns versichern, dass unsere geplanten Ideen zur Raumaufteilung auch funktionieren. Man braucht ein paar Sekunden, bis man sich an die virtuelle Umgebung gewöhnt, aber danach war es toll, unser zukünftiges Haus schon vorab sehen zu können. 
Die Handhabung war sehr einfach. In unserem Fall wurde von unserem Hausanbieter eine Führung vorbereitet. Wir bekamen die VR-Brille gereicht und konnten mit unserer 3D-Besichtigung starten. 

 

 

 

 

 

 

 

Roman Sattler: Da wir kein „Haus von der Stange“, sondern ein eigens entworfenes Haus wollten, war es toll, das Haus virtuell gesehen zu haben. Dadurch konnten wir die Räume, Dimensionen und Verkehrsflächen, aber auch die Lichtverhältnisse viel besser einschätzen. Wir konnten z. B. erst mit der VR-Brille Statiksäulen erkennen, die uns laut Plan als Laien nicht aufgefallen wären. Die Technik war leicht verständlich und wurde zuvor von Experten des Hausherstellers gut erklärt. Ich habe mir auch gleich ein Google Cardboard besorgt, um das Haus mit den zur Verfügung gestellten Bilder zu Hause nochmals in Ruhe virtuell besichtigen zu können.

 

 

 

 

 

 

 

Mehr über die Virtual-Reality-Erfahrungen der beiden Bauherren lesen Sie hier. Foto: Getty/DamirKhabirov

Am Puls der Zeit

Der österreichische Fertighaushersteller Vario-Haus ist im VR- Bereich sehr fortschrittlich. Auf der Website können Kunden online planen. Viele experimentieren stundenlang, bis am Ende ein Grundriss entsprechend ihren individuellen Vorstellungen feststeht. Der Clou: Nach der zweidimensionalen Planung kann der Bauherr in einem nächsten Schritt sein Haus in einer Virtual-Reality-Umgebung erleben und sich die Räumlichkeiten dadurch besser vorstellen.

Damit nicht genug: „Zukünftig werden wir VR wohl nicht nur in der Planungsphase einsetzen, sondern denken auch die Nutzung von VR im Rahmen der Bemusterung an“, verrät Daniel Gruber im Interview, der IT-Leiter und Prokurist bei Vario-Haus. So kann sich der Bauherr bei der Bemusterung, wenn er sich für einen Anbieter entschieden hat, die Detailausstattung wie Fliesenböden, Wandfarben oder die Gestaltung von Fenstern und Türen aussuchen und das Wohnzimmer mit den ausgewählten Elementen vorab erleben. Durch die Visualisierung des Eigenheims erhält der Bauherr nicht nur eine konkretere Vorstellung, sondern auch mehr Sicherheit. Denn dadurch sind böse Überraschungen auf der Baustelle passé.

Doch längst nicht alle Fertighaushersteller bieten die Möglichkeit an, künftige Häuser vorab via virtueller Realität zu besichtigen. Einige Anbieter planen Fertighäuser zwar virtuell, geben den Kunden selbst ein solches Tool aber nicht an die Hand. Die benötigte VR-Technik ist derzeit zu teuer. Schließlich hat jeder Kunde individuelle Anforderungen hinsichtlich des Grundrisses und der Ausstattung, das würde die Budgets sprengen. Außerdem ist der Prozess sehr betreuungsintensiv, denn die Kunden müssen angeleitet werden. 

Virtual Reality im Fertighausbau

Um neue Baureihen sowie individuelle Häuser, die noch nicht gebaut werden, auf der Website vorzustellen, nutzt zum Beispiel WeberHaus Virtual Reality. Außerdem können Kunden ihre geplanten Küchen vor der Montage im hauseigenen 3D-Kino im Küchenatelier in der World of Living erleben. 

Viebrockhaus bietet seinen Kunden in den Musterhausparks Bad Fallingbostel und Kaarst dauerhaft die Möglichkeit an, sich das Designhaus Edition 480 mit VR-Brille virtuell anzusehen. „Die Bauherren erhalten dadurch in der ersten Beratungsphase einen Eindruck davon, wie ein Viebrockhaus von innen aussehen könnte“, erklärt Daniela Heubach, Online Marketing Managerin bei Viebrockhaus. 

Individuell geplante Kundenhäuser sind zwar nicht als 3D-Visualisierungen realisierbar, doch Viebrockhaus bietet die Option von „360-Grad-Panoramen“ an. „Dadurch machen wir unseren Katalog, ein klassisches Printprodukt, erlebbar“, so die Expertin weiter. Und so funtkioniert‘s: Der Kunde lädt die kostenlose Viebrockhaus-Scan-App auf sein Smartphone oder Tablet, über die er den Katalog-Grundriss einscannen kann. Auf seinem Mobilgerät wird dann ein 360-Grad-Panorama angezeigt. Das Gerät greift dabei die Bewegungen des Betrachters auf, der sich somit durch das Haus bewegen kann. Hält man das Tablet beispielsweise nach oben, sieht man die Decke, hält man es nach unten, ist der Fußboden zu sehen. „Das ist zwar keine klassische VR-Darstellung, aber dennoch eine Form des erlebbaren Grundrisses“, betont Daniela Heubach. „Der Bauherr bekommt ein Gespür für Räumlichkeiten und kann sich beispielsweise den Grundriss besser vorstellen.“

Andere Hersteller bieten keine VR-Präsentationen, da es in der Vergangenheit eher zu Problemen führte. Andere wiederum befinden sich aktuell in der Entwicklung neuer Technologien.

Fazit: Virtual Reality

Virtual Reality eignet sich hervorragend für die architektonische Präsentation und Visualisierung. Eine „echte“ Besichtigung von Musterhäusern und ein Gespräch mit einem fachkundigen Berater können sie jedoch nicht ersetzen. 

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