Coronavirus: Was Bauherren wissen müssen

Die Coronakrise hat Deutschland derzeit fest im Griff. Was Bauherren jetzt wissen müssen.

Das Coronavirus hat die Welt fest im Griff. Viele Branchen leiden unter den wirtschaftlichen Folgen. Auch der Hausbau ist davon betroffen. Viele Bauherren, die mitten im Bauprojekt stecken, stehen vor unzähligen Fragen.

Die Coronakrise macht auch vor der Bauwirtschaft nicht Halt und beeinträchtigt das Baugeschehen bundesweit. Auf den Baustellen kommt es im Zuge der Coronakrise vor allem zu materiellen und personellen Engpässen.

  • Sind Bauarbeiter mit dem Coronavirus infiziert, müssen ganze Kolonnen unter Quarantäne gestellt werden. Die Folge: Bauunternehmen können nicht mehr arbeiten und Aufträge nicht fristgerecht ausführen. Erschwerend hinzu kommt, dass Montagearbeiter aus dem europäischen Ausland aufgrund der aktuellen Einreisebestimmungen zunehmend wegfallen.
  • Aufgrund unterbrochener Lieferketten kommt es teilweise zu Liquiditätsengpässen. Dadurch verzögern sich Materiallieferungen, was wiederum zu Terminverzögerungen auf der Baustelle führen kann.

Flexibel sein

Die Situation ändert sich täglich. Bauherren müssen sich bei ihrem Hausbau deshalb auf Bauzeitverzögerungen einstellen. "Beim typischen Einfamilienhaus bauen viele Gewerke aufeinander auf. Kommt es beispielsweise zu Terminverzögerungen bei Rohbauarbeiten, kann der Elektriker nicht beginnen", erläutert Florian Becker, Geschäftsführer vom Bauherren-Schutzbund.

Tipp: Bauherren sollten die Begründung für Verzögerungen prüfen. Es muss zum Beispiel geklärt werden, ob das Fehlen von bestimmten Teilen wie Elektroinstallationen tatsächlich auf die Coronakrise zurückzuführen sind. Gleichzeitig kann versucht werden, die fehlenden Teile durch andere, lieferbare zu ersetzen.

Verträge prüfen

Verträge regeln beim Hausbau denkbare oder zu erwartende Umstände. Die Materialbeschaffung zum Beispiel fällt generell in den Verantwortungsbereich des Auftragnehmers, also des beauftragten Bauunternehmens.

Aufgrund der Coronakrise kann eine Firma jedoch nicht wegen fehlender Ausstattung der Pflichtverletzung beschuldigt werden – vorausgesetzt, dass es tatsächlich nicht ihr Verschulden ist, etwa aufgrund falscher Planung. Im Fall der Corona Pandemie ist höhere Gewalt im Spiel.  

Wie wird "Höhere Gewalt" rechtlich definiert?

Die Rechtsprechung versteht unter höherer Gewalt allgemein "ein betriebsfremdes, von außen durch elementare Naturkräfte oder durch Handlungen dritter Personen herbeigeführtes Ereignis, das nach menschlicher Einsicht und Erfahrung unvorhersehbar ist, mit wirtschaftlich erträglichen Mitteln auch durch die äußerste nach der Sachlage vernünftigerweise zu erwartende Sorgfalt nicht verhütet oder unschädlich gemacht werden kann und auch nicht wegen seiner Häufigkeit vom Betriebsunternehmer in Kauf zu nehmen ist" (BGH, Urteil vom 23.10.1952, III ZR 364/51).

Der Begriff der höheren Gewalt wird im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) nicht definiert und auch in den dortigen Vorschriften zum Bauvertragsrecht nicht verwendet. In der VOB/B ist insoweit geregelt, dass sich im Fall einer Behinderung durch höhere Gewalt die Ausführungsfristen verlängern. Auch hier findet sich jedoch keine Definition des Begriffs.

Kurzum: Höhere Gewalt wird als ein unvorhersehbares, von außen einwirkendes Ereignis definiert, das nicht abwendbar ist. Es ist also auch beim Hausbau von keiner Vertragspartei verschuldet.

Ein gemeinsames Krisenmanagement der Bauherren und den beteilgten Firmen ist wichtig. "Bauherren sollten mit ihren Firmen reden", empfiehlt Holger Freitag, Vertrauensanwalt beim Verband Privater Bauherren (VPB). Ein frühzeitiger Informationsaustausch sei wichtig.

Das heißt, es sollten Lagerbestände bei den Lieferanten abgefragt werden. Auch die Verfügbarkeit von Arbeitskräften – notfalls über Drittunternehmen – sollte jetzt geklärt werden.

Bauverträge können aufgrund der Coronakrise gekündigt werden, denn beide Parteien – also der Bauherr und die beteiligten Baufirmen – haben grundsätzlich ein außerordentliches Kündigungsrecht.

Die wichtigsten Fragen rund um die Coronakrise und die Auswirkungen auf den Hausbau finden Sie auf der nächsten Seite.

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