Seniorengerechter (Um)Bau. Darauf ist zu achten.

Wer beim Hausbau besonders vorausschauend agieren möchte, der initiiert bereits in der Bauphase Vorkehrungen, die die Weichen für einen seniorengerechten Umbau stellen. So ist beispielsweise die Größe und Beschaffenheit des Treppenhauses ein wichtiges Detail, um später gegebenenfalls einen Treppenlift einbauen zu können. Ebene Übergänge von einem Raum zum anderen ermöglichen den Einsatz einer Gehhilfe oder eines Rollstuhls und ein groß dimensioniertes Badezimmer kann vergleichsweise schnell mit einer Dusch- oder Badehilfe ausgestattet werden. Wer bereits in ein fertiges Haus oder eine Wohnung eingezogen ist, der wird sich spätestens dann überlegen, welche Umbaumaßnahmen sinnvoll sind, wenn man auf eine Pflegekraft angewiesen ist. Einen Überblick über mögliche Maßnahmen gibt dieser Ratgeber.

Die gute Nachricht vorweg: Es gibt Fördermittel!

Wer sich aus Angst vor den Kosten gar nicht mit dem Thema „seniorengerechter Umbau“ befasst, der vergibt sich vermutlich die Chance, lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu können. Zunächst einmal können Betroffene und Interessierte vor Ort nachfragen. Bauämter und Landkreisbehörden sind vor allem mit Blick auf regionale Fördermittel ein guter Ansprechpartner. Auch die Pflegeversicherung kann einen Beitrag leisten, wenn kurzfristig und aufgrund einer akuten Pflegebedürftigkeit Umbauten initiiert werden müssen. Tipp: Finanzamt und Steuerberater sind die richtigen Ansprechpartner, wenn es darum geht, die Kosten für den Umbau steuerlich geltend zu machen. Die KfW offeriert einen Investitionszuschuss in Höhe von 6250 Euro für Maßnahmen, die Barrieren reduzieren.

Altersgerechter Umbau zum Mehrfamilienhaus

Wer über eine große Immobilie verfügt, könnte die Idee verfolgen, das große Haus für mehrere Generationen nutzbar zu machen. Wer sich gut mit den eigenen Kindern versteht, zieht vielleicht die Überlegung in Betracht, das Erdgeschoss seniorengerecht umzubauen und gleichzeitig das Dachgeschoss entsprechend aufzustocken. Wichtig ist dabei ein separater Eingang für Jung und Alt. Das offeriert nämlich die Möglichkeit, die eigene Familie im ersten Stock einziehen zu lassen – oder auch Fremde. Tipp: Der eigene Eingang muss nicht immer eine Außentreppe sein. Möglich ist auch, den Eingangsbereich baulich abzutrennen, so dass in beide Wohnungen separat abgebogen werden kann.

Einzelmaßnahmen mit großer Wirkung

Wie groß die einzelne (Um)Baumaßnahme sein wird, ist individuell ganz verschieden. Die folgende Liste soll Inspiration sein:

  • Ausmisten hilft. Achtung: Mit Ausmisten ist hier nicht das Räumen von Schränken gemeint, sondern der kritische Blick auf das Interieur. Die Kommode, die regelmäßig touchiert wird, wenn der Senior mit dem Rollator vorbeischrammt, sollte besser weichen. Das erhöht den Wohnkomfort, auch wenn man sich dadurch von einem geliebten Möbelstück verabschieden muss. Beim Neubau können die Maße von Grund auf angepasst werden, damit Gehhilfe und Rollstuhl hindurch passen. Wichtige Werte sind hier in einer Tabelle gelistet.

  • Küche umstrukturieren. Wer ohnehin über eine Küche mit Sitzplatz oder Sitzgruppe verfügt, sollte diese auch nutzen, um das Essen zuzubereiten, denn: Zu sitzen ist weit weniger anstrengend als alle Arbeiten stehend zu verrichten. Wer keine Sitzgelegenheit hat, könnte sich einen höheren Hocker in die Küche stellen. Dieser ermöglicht zumindest eine partielle Entlastung der alten Knochen. Wichtig ist im Küchenbereich auch, dass die Küchenschränke so montiert sind, dass der Senior sie erreichen kann – ohne dafür auf eine Leiter klettern zu müssen.

  • Keine Rutschgefahr im Bad. Man muss kein stattliches Alter haben, um schon einmal auf nassen Fliesen ins Rutschen geraten zu sein. Deswegen ist es grundsätzlich sinnvoll, bei der Wahl der Badausstattung auf trittsichere Fliesen zu achten. Hinzu sollten Antirutsch-Matten sicherstellen, dass der Senior auch in Dusche und Badewanne einen sicheren Stand hat. Die ebenerdige Dusche, die mittlerweile auch regelmäßig in den Neubau einziehen darf, ein Duschhocker oder eine spezielle Rückenstütze erleichtern den „Kraftakt Duschen“.
  • Stolperfallen vermeiden. Wer heute baut, wird akribisch genau darauf achten, dass es ohne Schwellenübergang von einem Raum in den nächsten geht. Das ist bereits eine gute Vorbereitung – auch auf die Zeit des Alters und der eingeschränkten Mobilität. Wichtig ist es, den Blick der „Stolperfallen-Freiheit“ auch beim Gang auf den Balkon oder die Terrasse zu ermöglichen. Im Innenbereich dürfen Teppichböden gut und gerne verbannt werden. Sie sorgen nicht nur für Stolperfallen an allen Ecken und Enden, sondern sind auch noch wahre Staubfänger. Glatte Böden sind hingegen viel pflegeleichter.

  • Auf Sicherheit achten. Im Alter ist einem manchmal schummerig zumute und man ist wackliger auf den Beinen als noch in jungen Jahren. Wer um diese Veränderung weiß, weiß auch, was bei (Um)Baumaßnahmen bedacht werden muss: Handläufe am Treppengeländer (im Innen- und Außenbereich) sind Pflicht. Da das Schwindelgefühl allerdings nicht nur auf der Treppe den Senior ereilt, ist es grundsätzlich wichtig, alle Möbelstücke, die als Stütze dienen könnten, stabil zu halten. Wackelige Regale und schwankende Schränke sind in einer seniorengerechten Wohnung tabu.

Weiteres Sicherheitsequipment installieren

Gerade ältere Menschen werden zunehmend häufiger Opfer von Gaunereien und Überfällen. Deswegen ist es wichtig, auf entsprechendes Sicherheitsequipment zu setzen, das nicht nur sicher ist, sondern auch leicht bedienbar. Statt der komplizierten Einbruchsschutzanlage sind verschließbare Fenster und Balkontüren eine gute Alternative. Sie lassen sich leicht nachrüsten und mit einem schlichten Schlüssel bedienen. An der Tür sind ein Spion sowie eine Kette empfehlenswert. Für den Notfall ist es immer sinnvoll, eine entsprechende Notrufeinrichtung zu installieren, die meist portabel direkt an der Person getragen werden kann.

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