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Wohngesundheit für ein besseres Zuhause

Wohngesundheit sollte zu Hause selbstverständlich sein. Wohngifte und Schadstoffe haben hier nichts zu suchen. Es gibt viele wohngesunde Alternativen.

Wohngesundheit oder Interior Detox

Wohngesundheit heißt heute Interior Detox, was wie eine Entgiftungskur für Haus und Wohnung sein soll. Es geht recht allgemein um die Wohnung als Wohlfühloase, als Ort der Erholung, der Regeneration.

Viele Ratschläge bleiben im Ungefähren, berühren eher Geschmacksfragen, angesprochen werden aber auch konkrete, messbare Gefahren für die Gesundheit, durch Schadstoffe und Wohngifte. Die stecken in allen möglichen Bau- und Ausbaustoffen. Klar, dass sie in ein neues Haus gar nicht erst mit einziehen sollten.

Gesund wohnen ohne Lösemittel und Formaldehyd

Das Gros der Schadstoffe in Innenräumen machen die flüchtigen organischen Verbindungen oder VOC aus (Volatile Organic Compounds). Kategorisiert werden sie nach der Geschwindigkeit, mit der sie von ihren Trägermaterialien an die Raumluft abgegeben werden.

Bei den leichtflüchtigen organischen Verbindungen oder VVOC („Very Volatile Organic Compounds“) sowie den normalflüchtigen handelt es sich in erster Linie um Lösemittel und um Formaldehyd. Lösemittel wie Ester, Ketone oder Alkane (zum Beispiel Toluol), freigesetzt von Farben und Lacken, verursachen Benommenheit, Kopfschmerzen, können Allergien auslösen, darüber hinaus das Nervensystem sowie Niere und Leber schädigen.

Formaldehyd stammt gleichfalls aus Farben und Lacken. Dazu aus Kunststoffen (zum Beispiel Vinyltapeten) und aus Klebern, häufig also aus Spanplatten, MDF- oder OSB-Platten. Es reizt Augen und Schleimhäute, kann ebenfalls zu Allergien führen, schwächt das Immunsystem und ist in höherer Konzentration erwiesenermaßen krebserregend.

Wohngifte wie Weichmacher und Flammschutzmittel

In die Gruppe der schwerflüchtigen organischen Verbindungen oder SVOC (Semi Volatile Organic Compounds) gehören Weichmacher und Flammschutzmittel. Sie lauern in Kunststoffen, Dichtstoffen oder Bodenbelägen. Beläge aus PVC enthalten Phthalate als Weichmacher, die unter anderem aufgrund ihrer hormonähnlichen Wirkung die Fortpflanzungsfähigkeit von Männern beeinträchtigen können.

Flammschutzmittel wie etwa Isocyanate, die man in Montageschäumen, Dichtstoffen und Bodenbelägen (zum Beispiel Teppichrücken) verwendet, greifen das Nervensystem an. Im Brandfall können aus ihnen sogar hochgiftige Gase entstehen.

Wie sehen wohngesunde Alternativen aus?

Lehm, Kalk und Silikat sind – gerade in Form von Kalkputz und Lehmputz – die Alternativen. Zu fast allen problematischen Bau- und Ausbaumaterialien finden sich jedoch gesunde oder wenigstens gesündere Alternativen.

Da wären die rein mineralischen, allen voran Lehm, den man in Form von Lehmsteinen, Lehmbauplatten, Putz und auch in Form von Farben erhält. Lehm trocknet anstatt abzubinden, ist daher selbstbaufreundlich. Ein weiterer Vorteil ist seine Fähigkeit zum Feuchteausgleich: Er nimmt ein Zuviel an Raumluftfeuchte auf, gibt es bei einsetzender Lufttrockenheit aber schnell wieder ab und hilft auf diese Weise, die relative Luftfeuchtigkeit bei gesunden 40 bis 60 Prozent zu halten.

Auch reine Kalkputze und Kalkfarben bieten, in geringerem Maße, diese Klimafunktion. Weil sie allerdings chemisch abbinden, sind sie schwieriger zu verarbeiten. Die Deckkraft ist nicht sehr stark, oft ist mehrmaliges Auftragen erforderlich. Nicht zuletzt sind Kalkbeschichtungen alkalisch, beim Auftragen müssen Schutzkleidung und Schutzbrille getragen werden. Dafür sind sie schimmelresistent – eine Zeit lang. Um Kalkfarben abriebfest zu machen, mischt man sie mit dem Milchprotein Kasein zu Kalkkaseinfarben.

Nicht ganz einfach ist ebenso der Umgang mit reinen Silikatfarben, nur für mineralische Untergründe geeignet, Mineralputze etwa oder Beton. Ihr Pluspunkt: Alkalität und damit Schimmelresistenz bleiben lange erhalten.

Holzoberflächen nicht versiegeln

Holzböden, ob massive Dielen, Parkettböden oder Fertigparkett mit Deckschicht, werden durch Wachse, Öle oder Wachs-Öl-Mischungen hinreichend geschützt. Achtung: Behandelt man Holzoberflächen stattdessen mit Lacken, versiegelt man ihre Poren, durch die sie ähnlich wie Lehm zum Feuchteausgleich und zur Verbesserung des Innenraumklimas beitragen.

Radon - die unterschätzte Gefahr

Eine Schadstoff-Klasse für sich bildet Radon, ein in manchen Regionen in höherer Konzentration im Erdboden vorkommendes, radioaktives Gas, das Lungenkrebs auslöst. Es dringt durch undichte Stellen ins Gebäude ein und kann sich dort anreichern. Werden aber Keller bzw. Bodenplatte entsprechend den Vorschriften wasserdicht errichtet, hat Radon keine Chance. Radonschutz ist sowohl im Neubau als auch in der Renovierung machbar.

Wohngesundheit lässt sich planen

Laut Brancheninsidern sind die bauordnungsrechtlichen Regelungen hinsichtlich der Schadstoffbelastung derzeit ungenügend bis chaotisch. Häuslebauer sollten sich entsprechend qualifizierte Baupartner aussuchen, ob Haushersteller, Bauunternehmer, Planer oder Handwerker, und mit ihnen die Einhaltung der gewünschten wohngesunden Grenzwerte vertraglich vereinbaren. Bei der Suche nach Fachkräften kann ein unabhängiger Sachverständiger helfen, wie bei der Auswahl der Materialien.

Labels und Gütezeichen schaffen zusätzlich Orientierung. Der Sachverständige kann als Baubegleiter die ordnungsgemäße Verarbeitung der Baustoffe überwachen und das Ergebnis bei Abnahme durch Messungen kontrollieren. "Schadstofffrei", das werden die ehrlichen unter den Fachleuten gleich zu Anfang sagen, wird das Haus nicht werden, doch ein schadstoffarmes ist machbar.

Elektrosmog als Gesundheitsproblem

Viele Baubiologen sehen im Elektrosmog ein großes Problem, in den magnetischen und elektrischen Feldern von Kabeln, Elektrogeräten, Netzgeräten, sowie den elektromagnetischen Feldern, allgegenwärtig aufgrund der Nutzung von WLAN, Tablet und Smartphone im Wohnbereich. Von Seiten der Wissenschaft gibt es dazu bisher lediglich Aussagen zu einem vermuteten Krebsrisiko sowie die klare Empfehlung, Säuglinge und Kleinkinder diesen Belastungen möglichst wenig auszusetzten. Hierzu gibt es Produkte zur Abschirmung und andere Maßnahmen gegen Elektrosmog.

Sicher jedoch ist, dass das ständige In-Beschlag-genommen-werden durch die digitale Welt die Entschleunigung, die Regeneration in den vier Wänden zuverlässig verhindert. Die Vertreter des Interior Detox liegen wohl richtig, wenn sie immer auch zum Digitalfasten raten – offline gehen, zumindest das Smartphone in den Flugmodus schalten. Eine Art des Entgiftens, die viel bringt und nichts kostet, keinen großen Aufwand erfordert. Nur ein bisschen Disziplin.

Tipps und Ideen zu den einzelnen Produkten für Wohngesundheit finden Sie hier:

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