Wohngesunde und ökologische Bodenbeläge: Natur pur

Ein wohngesunder Fußboden, von dem man essen kann: Früher der Ausdruck für absolute Reinlichkeit. Heute mit ganz anderer Bedeutung: Gesundheit spielt nicht mehr nur bei der Auswahl der Lebensmittel eine Rolle, sondern auch bei den Materialien in unserem Wohnumfeld.

Gut verträglicher Bodenbelag

Als ökologischer Bodenbelag kommt eigentlich nur Holz infrage. Denn mit Holz kann man nicht viel falsch machen. So die landläufige Meinung. Beides stimmt nicht. Denn neben Holz gibt es eine Vielzahl attraktiver Bodenbeläge, die wohngesund, ökologisch und natürlich sind.

  • Neben Holz gibt es noch weitere wohngesunde Bodenbeläge, wie... Foto: Thinkstock/Lzdebska
  • ...verschiedene Textilien oder... Foto: Thinkstock/Ingram Publishing
  • ...natürlicher Marmor. Foto: Thinkstock/Monkey Business

Holz als ökologischer Garant?

Nicht alles, was gut aussieht, ist auch in ökologischer Hinsicht einwandfrei. Holzdielen und Parkett sind meist unbehandelt und werden im Allgemeinen nach mehrmaligem Abschleifen „versiegelt“. Auch die Versiegelung kann ein gesundheitliches Risiko darstellen: Sogenannte „Säurehärtende Lacke“ (SH-Lacke) können Formaldehyd freisetzen, das die Schleimhäute reizen, Allergien und sogar Krebs auslösen kann.

Polyurethanlacke (DD-Lacke) können zu einer erhöhten Belastung des Innenraums mit geruchsintensiven Phenolen und auch zur Freisetzung von Isocyanaten führen, die zum Beispiel Kopfschmerzen hervorrufen können. Sogar mit Wasserlacken mit dem blauen Umweltzeichen kann man sich Schadstoffe ins Haus holen: Sie enthalten noch bis zu 10 % Lösemittel beziehungsweise Weichmacher. Auch sogenannte „natürliche“ Wachse und Öle enthalten zum Beispiel Terpene, die bei erhöhter Konzentration in der Raumluft reizend wirken können.

Bei Holzfußböden, die leicht zu verlegen sind (zum Beispiel Fertigparkett), lohnt sich ein Blick auf die Unterseite des Materials: Hier verbirgt sich oft eine Schicht Pressspan oder Leimholz, das formaldehydhaltiges Bindemittel enthalten kann. Der Gesetzgeber schreibt zwar eine maximal duldbare Freisetzung von Formaldehyd aus einem solchen Holzwerkstoff vor, die tatsächliche Formaldehydbelastung, die bei Verwendung eines solchen Materials in einem Innenraum entstehen kann, kann davon aber deutlich abweichen. Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, Produkte mit den Siegeln „Blauer Engel“, „Nature Plus“ und das Siegel des Kölner Eco-Instituts vorzuziehen. Wer direkt beim Hersteller kauft, sollte sich Informationen zu den verwendeten Materialien zeigen lassen und einen Einblick in die Produktion erhalten dürfen.

Laminat als Alternative

Sieht aus wie Holz, ist aber keines: Laminat ist der unechte Bruder des Parketts, mit ähnlichen Eigenschaften (natürliche Haptik, warme Oberfläche, tolle Optik). Melaminharze gelten als gesundheitlich unbedenklich und damit als wohngesund. Für Kunststofffurnier (grundsätzlich auch bei Möbeln etc.) besteht die Gefahr der Ausdünstung von Phthalsäureanhydrid, einem Ausgangsprodukt bei der Kunststoffherstellung. Wer das Risiko minimieren will, wählt Produkte mit dem Prüfzeichen der EU und dem „Blauen Engel“.

Linoleum aus der Natur

Linoleum ist ein unkomplizierter Klassiker unter den Bodenbelägen und besteht aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen wie Leinöl, Baumharzen, Holzmehl, Kalkstein, Farbstoffen und Jutegewebe. Je nach verwendetem Wachs können dabei erhöhte Raumluftbelastungen mit Terpenen auftreten. Linoleum sollte außerdem voll ächig verklebt werden, was wegen möglicher im Kleber enthaltener Schadstoffe in ökologischer Hinsicht nicht ganz einwandfrei ist.

Kork

Kork ist ein Naturstoff. Einziger Kritikpunkt bei Korkböden ist die Oberflächenbehandlung. Wer möglichst auf Schadstoffe verzichten möchte, zieht eine Behandlung mit Ölen oder Wachsen vor – die muss dann allerdings mehrmals im Jahr durchgeführt werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland rät, auf das „Kork-Logo“ – ein Gütesiegel des Deutschen Kork-Verbandes – zu achten.

Teppich, Kokos, Sisal, Jute

In ökologischer Hinsicht sind Wollteppiche den Kunstfaserteppichen natürlich vorzuziehen. Allerdings bedeutet „Wolle“ nicht automatisch „gesund“: So kann beispielsweise die Rückseite des Teppichs aus Kunststoffschaum bestehen, der mit Weichmachern und giftigen Flammschutzmitteln belastet sein kann. Kritisch zu betrachten ist auch die Ausrüstung gegen Mottenfraß. Das dafür eingesetzte nervengiftige Permethrin kann bei erhöhter Staubbelastung zu Symptomen wie Schleimhautreizungen und Kopfschmerzen, aber auch zu Nervenschädigungen führen. Teppiche, die mit dem GUT-Siegel ausgezeichnet werden, müssen schadstofffrei und geruchsneutral sein. Das Thema „Mottenschutz“ trifft auch auf Naturmaterialien wie Kokos, Sisal und Jute zu.

Bambus und Kautschuk

Bambus ist als Bodenbelag weit weniger bekannt, aber in ökologischer Hinsicht unbedingt erwähnenswert. Bambus ist hart, sogar härter als Eiche, und kommt ganz ohne Oberflächenbehandlung aus. Kautschuk ist auch als „Gummi- oder Elastomerbodenbelag“ bekannt und frei von PVC, Formaldehyd, Asbest, Cadmium und FCKW.

Vinyl- und neue Designböden

Vinyl ist auch als PVC bekannt – klingt wenig ökologisch, ist aber viel besser als sein Ruf. Denn ein PVC-Boden darf heute nur dann in den Handel kommen, wenn er hinsichtlich seiner Schadstoffbelastung geprüft worden ist. Wer auf Nummer Sicher gehen will, vertraut deshalb in die bekannten Umwelt- und Qualitätssiegel. Es gibt inzwischen eine Vielzahl innovativer Entwicklungen. So zum Beispiel einen ökologischen Bodenbelag aus Polyurethan, auf Basis von Pflanzenölen wie Raps- oder Rizinusöl und natürlichen Komponenten wie Kreide. Dieser Verbundwerkstoff verzichtet auf Weichmacher, Lösungsmittel oder Chlor und gilt als gesundheitlich unbedenklich.

Tipp

Kontrolle ist besser

Lassen Sie sich nicht von Werbeaussagen wie „Unsere Produkte sind schadstoffgeprüft und erfüllen die gesetzlichen Anforderungen“ blenden. „Schadstoffgeprüft“ heißt nicht „schadstofffrei“. Fordern Sie Untersuchungsberichte und Prüfzeugnisse vom Hersteller an. Viele Firmen bieten auch eine Volldeklaration der Ware an.

Besonders sensible Personen können eine Probe des ausgewählten Bodenbelags vor dem Verlegen auch selbst prüfen, indem sie ein Stück (mind. 10 x 10 cm) während des Schlafes über Nacht neben ihr Kopfkissen legen. Stellen sich hier bereits körperliche Symptome oder Abwehrreaktionen ein, sollte vom Kauf abgesehen werden.

Auch die Art der Verlegung ist von Bedeutung, besonders, wenn der Bodenbelag verklebt werden muss. Achten Sie unbedingt auf lösemittelfreien Kleber und verwenden diesen sparsam. Anschließend gut lüften!

Weitere Informationen

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