Licht sorgt für gute Stimmung, und ohne künstliches Licht kommt keine Wohnung aus. Soenergiesparend LEDs auch sind, immer wieder wird vor den blauen Anteilen in ihrem Licht gewarnt. Manche Bedenken sind begründet, andere wohl eher vernachlässigbar.

Besonders alarmierend stimmen die Ergebnisse einer Studie, die das französische Institut für Gesundheit und Medizinforschung (INSERM) im Jahr 2016 veröffentlichte: Danach kann der blaue Lichtanteil in LED-Lampen im Extremfall zur sogenannten Makuladegeneration führen. Bei dieser Erkrankung verliert der Bereich des schärfsten Sehens auf der Netzhaut des Auges allmählich seine Funktion, Sehbehinderungen bis hin zur Blindheit sind die Folge.

Die französischen Forscher hatten Ratten sowohl besonders hellem Licht ausgesetzt als auch Lichtstärken, wie sie im Haushalt üblich sind. Aus den Versuchen schlossen sie, dass auch in haushaltsüblichen Lichtstärken eine Gefährdung der Netzhaut durch LEDs mit kaltweißem, blauem und grünem Licht möglich sei. Eine Veröffentlichung des wissenschaftlichen Ausschusses der Europäischen Kommission von 2012 kommt dagegen zu der Erkenntnis, dass es keine Beweise für Netzhautschäden gäbe. Hier wird wohl noch einiges an Forschungsarbeit zu leisten sein, bis gesicherte Erkenntnisse vorliegen. In Panik sollte man also nicht verfallen.

Lichtfarben beachten

Trotzdem schadet es grundsätzlich nicht, bei der Verwendung künstlicher Beleuchtung auf die Lichtfarben und auf die Intensität der Beleuchtung zu achten. Dafür gibt es einen weiteren Grund, der mittlerweile allgemein anerkannt ist: Blaues Licht beeinflusst den Schlaf-Wach-Rhythmus bei Menschen, indem es die Produktion des Melatonins hemmt. Dieses Hormon sorgt – grob umschrieben – dafür, dass wir abends schläfrig werden. Setzen wir uns in den Abendstunden vermehrt einer Beleuchtung mit hohen blauen Lichtanteilen aus, wird dieser Prozess gestört. Das wiederum kann Probleme beim Einschlafen verursachen.

Daraus lassen sich einige praktische Empfehlungen ableiten: Zum einen sollten Wohn- und Schlafzimmer mit möglichst warmweißen Lampen beleuchtet werden. Wenn es gefällt und man es als angenehm empfindet, darf das Farbspektrum des verwendeten Lichts bis in den orange-rötlichen Bereich gehen. Die gelben Lichtanteile sind entscheidend für das Helligkeitsempfinden, die roten Anteile wirken dem Einfluss der blauen entgegen. Zum anderen sollte das Licht hell genug sein, um ohne Probleme lesen oder andere Tätigkeiten ausführen zu können. Man sollte allerdings auch keine „Festbeleuchtung“ inszenieren, denn je heller das Licht, desto stärker kommen auch eventuelle negative Einflüsse zur Wirkung.

Elektronik im Nachtmodus

Was vielen nicht bewusst ist: Im Zeitalter von Smartphones, Laptops & Co. leuchten dem Anwender einen großen Teil des Tags über LED-Lichtquellen in die Augen. Auch das Farbspektrum dieser Lichtquellen hat eine biologische Wirkung. Wer also abends noch vor dem Computer sitzt oder vor dem Einschlafen noch einmal die aktuellen Nachrichten auf dem Smartphone abruft, kann ebenso von einer Störung der Melatoninproduktion betroffen sein, als säße er in ei-nem Raum mit tageslichtheller Beleuchtung.

Glücklicherweise haben die Hersteller solcher Geräte ebenso wie die Programmierer von Betriebssystemen das Problem schon seit einiger Zeit erkannt und steuern dagegen. Bei den meisten aktuelleren Geräten lässt sich ein sogenannter Nachtmodus einschalten, der das Spektrum der Display-Hintergrundbeleuchtung in den warmweißen Bereich verschiebt. Auf Wunsch geschieht das sogar automatisch – dann orientiert sich das Gerät an der Position und Uhrzeit und ermittelt selbstständig, wann vor Ort die Sonne untergeht. Auf einen derartigen Nachtmodus sollten auch Literaturfreunde achten, die vor dem Einschlafen noch mit einem eBook-Reader lesen. Sonst verkehrt sich die gewünschte entspannende Wirkung der Bettlektüre leicht ins Gegenteil.

Blaues Licht nutzen

Die Wirkung des blauen Lichtanteils lässt sich natürlich auch für positive Effekte einsetzen. Licht, das dem Tageslichtspektrum entspricht oder sogar noch ein wenig stärker ins Bläuliche reicht, wirkt belebend und fördert die Aufmerksamkeit. Das ist ein Grund dafür, warum in Büros, Schulen, Werkstätten und Labors regelmäßig neutrales bis kaltes Licht eingesetzt wird. Auch zur Behandlung eines Jetlags oder zur Belebung während der Winterzeit kommen gelegentlich Lampen mit entsprechender Lichttemperatur zum Einsatz. Allerdings sollte man hier nicht zu viel des Guten tun. Eine zu grelle Allgemeinbeleuchtung strengt die Augen mit der Zeit an.

Bedenklicher noch ist, dass eine zu kurze Entfernung zu einer Lichtquelle tatsächlich zu Schäden am Auge führen kann. Die Intensität, mit der Licht auf die Netzhaut einwirkt, nimmt mit der Entfernung von der Lampe rasch ab. Umgekehrt kann sie mit einer Lichtquelle direkt vor den Augen drastisch zunehmen. Das gilt vor allem dann, wenn man direkt hineinschaut, aber auch von der Seite ins Auge fallendes sehr helles Licht kann Irritationen und im Extremfall Schäden verursachen. Grundsätzlich sollte deshalb beispielsweise Arbeitslicht etwa in einer Werkstatt, aber auch in der Küche absolut blendfrei installiert werden."

Die Farben des Lichts

Für die Lichtfarbe, die ein Leuchtmittel ausstrahlt, verwendet man auch den Begriff Farbtemperatur. Gemessen wird diese Temperatur in Kelvin, abgekürzt K. Die Faustregel dazu lautet: Je niedriger die Farbtemperatur in K, desto stärker ist seine Rotfärbung, je höher, desto blauer ist das Licht. Licht unter 2700 K ist rot bis orange, von 2700 bis 3300 K gilt es als warmweiß, zwischen 3300 und 5300 K ist es neutralweiß und darüber tageslichtweiß.

Auf den Verpackungen von LED-Lampen findet man die Angabe der Farbtemperatur in K, man kann sich also gezielt genau die Lichtfarbe heraussuchen, die man am jeweiligen Einsatzort braucht.

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