Wohngesundheit - auch bei Türen

Zimmertüren bekommen nur selten die Beachtung, die ihnen gebührt: Immerhin sind sie wichtige Funktionselemente und optisch nicht weniger wichtig als Wände und Böden. Aus vielen Gründen lohnt es sich, genauer hinzusehen und auch bei Türen auf die Wohngesundheit zu achten.

Der Grundaufbau einer Tür

Grundsätzlich besteht eine Zimmertür aus dem beweglichen Türblatt, auch Türflügel genannt, der mit der Wand fest verbundenen Türzarge (umgangssprachlich „Türrahmen“) und den Beschlägen zur Verbindung.

Innenleben

Es gibt Massivholz- oder Rahmentüren. Letztere bestehen aus einem (nicht sichtbaren) umlaufenden Rahmen aus Massivholz, einer Füllung und Span- oder Hartfaserplatten, die die Fülling beidseitig beplanken.

Eine Wabenkerneinlage ist letztlich nichts anderes als eine wabenförmig aufgebaute Pappe.

Eine Füllung mit Röhrenspansteg (RSS) besteht aus Pressspan-Streifen mit ausgestanzten Löchern (Röhren). Solche Türen sind etwas teurer als Türen mit Wabenkerneinlage, dafür aber auch belastbarer. Bei einer Röhrenspanplatte (RSP) oder einem Röhrenspankern (RSPK) besteht die Füllung aus einer vollflächigen Spanplatte, die mit horizontal gebohrten Löchern durchzogen ist.

  • Das Innenleben einer Wohnraumtür: Links Röhrenspankern, Rechts Röhrenspanstreifen Foto: JELD-WEN
  • Links Verbundeinlage, Rechts Vollspaneinlage Foto: JELD-WEN

Oberfläche

Die Tür-Oberflächen unterscheiden sich nicht nur in ihrer Optik, sondern beeinflussen auch die Qualität. Dekorfolie ist eine preiswerte Möglichkeit. Eine CLP-Oberfläche (Laminatbeschichtung) besteht aus Melaminharzen, die in einem Druckverfahren mit Dekorpapieren verpresst und gehärtet werden. Als noch strapazierfähiger, stoßfester und unempfindlicher gelten HPL-Türen. HPL steht für High Pressure Laminate. Lacktüren sind Innentüren, die mit einer glatten, schlichten Optik daherkommen. Kunststofftüren können Zusatzstoffe enthalten, die lange die Raumluft belasten (Weichmacher, Flammschutzmittel u.a.).

  • Langeweile war gestern: Lacktüren mit und ohne Durchblick sind echte Hingucker. Foto: www.tuerenwechsel.de
  • Grau ist in: Eine Oberfläche der Türenlinie „ConceptLine“ erinnert in Optik und Haptik an Schiefer und zeichnet sich durch eine Licht- und Schattenwirkung aus. Foto: Hörmann

Gesundheitsschädliche Stoffe – auch bei Türen

Im Fokus stehen flüchtige organische Verbindungen, sogenannte VOCs (Volatile Organic Compounds), die aus Bau- und Wohnmaterialien ausdünsten und unsere Gesundheit beeinträchtigen können, angefangen von Reizungen der Augen und Schleimhäute über Kopfschmerzen bis hin zu schweren Allergien. VOCs sind zum Beispiel in zahlreichen Lösemitteln als Bestandteile von Farben, Lacken und Klebstoffen enthalten. Aber auch in sogenannten Öko-Bauprodukten können z.B. Terpene enthalten sein, die zwar natürlichen Ursprungs, aber deshalb noch lange nicht unschädlich sind.

Garantierte Wohngesundheit

Wer Schadstoffe so gut wie möglich vermeiden und auf seine Gesundheit achten möchte, kann und sollte sich beim Kauf von Innentüren an Siegeln und Zertifizierungen orientieren, z.B. am Sentinel-Haus® Institut-Zertifikat. Das Sentinel-Haus® Institut forscht im Schadstoffbereich, berät Hersteller, Handwerk, Handel sowie Bauherren und zertifiziert die relevanten Komponenten.

In Zusammenarbeit mit der deutschen Bundesstiftung Umwelt, Bauunternehmen, Universitäten, Juristen und Umweltmedizinern wurde erstmals ein Verfahren entwickelt, mit dem ein Bauunternehmen mit dem Endkunden eine festgelegte Qualität der Innenraumluft vertraglich vereinbaren kann – unabhängig von Bauweise und Typ des Gebäudes unter Verwendung handelsüblicher Baustoffe. Die Endkunden haben damit auch erstmals eine rechtliche Handhabe auf „Einforderung der Wohngesundheit“.
Als einziges Türenunternehmen bietet Jeld-Wen vom Sentinel-Haus® Institut zertifizierte Produkte, die alle Kriterien erfüllen. Sämtliche Empfehlungswerte des SHI und Richtwerte der RAL UZ38 bezüglich Formaldehyd- als auch TVOC-Emissionen wurden unterschritten.

Die letzte Untersuchung zur Wohngesundheit von Zimmertüren stammt aus den Jahren 2011/2012. Die Türenhersteller der Initiative „Türen wechseln jetzt!“ führten am Fraunhofer-WKI in Zusammenarbeit mit dem ift Rosenheim das Forschungsprojekt „VOC-Emissionen von Innentüren“ durch. Erstmals wurden Türblätter und Zargen umfassend auf Emissionen untersucht. Dazu wurden ausgewählte Prüfstücke nach einer 7-tägigen Reifelagerung im Untersuchungslabor in einer Prüfkammer gemessen. Die Bewertung der Ergebnisse basiert auf dem deutschen AgBB-Schema (Gesundheitliche Bewertung der Emissionen von VOC und SVOC aus Bauprodukten).

Die Ergebnisse der Untersuchung waren erfreulich: Alle untersuchten Innentüren unterschreiten die entsprechenden Grenzwerte sehr deutlich. Da das Interesse an Wohngesundheit beim Verbraucher aber weiter gestiegen ist, setzen einige Türen-Hersteller auf Siegel: Der „Blaue Engel“, das Label „Eco tested product“, das Zeichen „EMICODE®“, das Zertifikat „LGA-schadstoffgeprüft“ oder das Baustofflabel „natureplus“ bieten eine sehr gute Orientierung, um emissionsarme Produkte erkennen zu können.

Tipp

Klein & Wichtig: Beschläge

In ökologischer Hinsicht sind Beschläge aus Metall empfehlenswert, weil von den Metallen keine Schadstoffbelastung ausgeht. Bei Kunststoff-Ausführungen gilt es zu bedenken, dass Weichmacher und andere Schadstoffe enthalten sein können, die unmittelbaren Hautkontakt haben.

Konkret bedeutet das: Wer zu Allergien neigt oder mit Hauterkrankungen zu tun hat, kann durch häufigen Kontakt mit einem Türgriff aus Kunststoff gesundheitliche Probleme bekommen – weil ein kleiner Teil der enthaltenen Schadstoffe an den Händen haften bleiben kann, der durch weiteren Kontakt dann ins Gesicht oder an die Schleimhäute gelangt.

Weitere Informationen

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