Energieausweis: Gesetzliche Verpflichtungen für Hausbesitzer und Vermieter

Alle Wohngebäude, die neu vermietet oder verkauft werden, benötigen einen Energieausweis – früher galt das nur für Häuser, erbaut vor 1965. Der Energieausweis zeigt bereits auf einer symbolischen Farbskala, wie viel Energie zum Heizen benötigt wird und wie hoch die Heizkosten sind. Grün steht für Energieeffizienz, minimale Heizkosten, hohen Wohnkomfort und somit einem hohen Wert auf dem Immobilienmarkt. Bei Rot ist dem Hausbesitzer dringend eine Energieberatung und anschließende Sanierung zu empfehlen. Mieter und Kauf­interessenten schenken diesen Daten immer mehr Beachtung, nicht nur seitdem die Nebenkosten rasant gestiegen sind.

Bedarfsorientierter Energieausweis

Wer neu baut, muss für sein Gebäude einen bedarfs­orientierten Energieausweis ausstellen lassen. Im Gegensatz zum verbrauchsorientierten Energieausweis, der im Altbau als Alternative zugelassen ist, geht es nicht nur um die konkret verbrauchte Energie für Heizung und Warmwasser, die man aus den Abrechnungen des Energieversorgers ablesen kann. Denn diese Zahlen sagen wenig aus, da sie stark vom Nutzerverhalten abhängig sind. Beim bedarfsorientierten Energieausweis wird dagegen der Energiebedarf berechnet, der sich aufgrund der Bauweise eines Hauses ergibt.

Jahresprimärenergiebedarf

Wichtig ist, dass die energetischen Anforderungen, die die jeweils gültige EnEV, derzeit die EnEV 2009, an die Standard-Ausführung eines Neubaus stellt, eingehalten oder unterschritten werden. Dazu gehört der zulässige Höchstwert für den Jahresprimärenergiebedarf. Dieser berechnet sich aus dem Gesamtbedarf an Energie für Heizung, Warmwasser und Lüftung. Dabei wird das Gebäude als Ganzes berücksichtigt. Der Jahresprimärenergiebedarf ist die entscheidende Kennzahl zur Beurteilung der Gesamtenergieeffizienz, da in ihm alle Energie-Einflussfaktoren enthalten sind. Hier schlagen einerseits Energieverluste, die zum Beispiel insbesondere bei Strom auf dem Weg vom Erzeugungsort bis zur Verbrauchsstelle anfallen, negativ zu Buche.

Andererseits bessert der Wärmeeintrag der Sonne, der sich aus einer großzügigen Südverglasung ergibt, die Bilanz auf. Minuspunkte wie Nordfenster, eine Gebäudeausrichtung nach Nord-Ost statt nach Süd-West, Gauben und Erker statt eines kompakten Baukörpers oder eine weniger dicke Dämmung werden gegebenenfalls durch eine besonders effiziente Anlagentechnik oder die Nutzung erneuerbarer Energien für Warmwasser und Heizung kompensiert. Auch Baumaterial, Wandaufbau, Verglasung oder die Luftdichtigkeit des Gebäudes sowie die Körperwärme oder Wärmeabstrahlung durch Geräte sind Komponenten, die ins Ergebnis einfließen.

Als Bezugsgröße für die maximal zulässigen Werte dient ein sogenanntes (fiktives) Referenzgebäude, das mit gleicher Geometrie, Grund­fläche, Ausrichtung und Nutzung durchgerechnet wird.

Was steht wo im Energiepass

Die Zahlen sind auf Seite zwei des Energieausweises vereint. Dort springt sofort ein Bandtacho ins Auge, der von Grün nach Rot verläuft und zeigt, wie viel Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter und Jahr verbraucht werden. Ein dicker Pfeil kennzeichnet, wo sich das Gebäude mit seinem berechneten Jahresprimärenergiebedarf befindet. Je grüner die Lage, desto besser ist die Energieeffizienz. Um wie viel besser als der geforderte Standard wird in der Unterzeile aufgeschlüsselt: Dort taucht die Bezugsgröße Referenzgebäude als Anforderungswert entsprechend EnEV auf, der tatsächlich berechnete Jahresprimärenergiebedarf steht als Ist-Wert zum Vergleich direkt daneben. Anforderungs- und Ist-Wert werden auch für die energetische Qualität der Gebäude­hülle ausgewiesen. Darunter fallen alle das Gebäude abschließenden Bauteile wie Wände, Decken, Fenster und Türen. Je stärker die Differenz, desto besser ist gedämmt und desto weniger Wärmeverluste sind zu verzeichnen.

Auch der Wert des Endenergiebedarfs, der erahnen lässt, wie hoch oder niedrig die Nebenkostenrechnung voraussichtlich ausfallen wird, ist in den Farbverlauf des Bandtachos eingeordnet. Hier gilt: je grüner, desto günstiger. Wie stark die Umwelt davon profitiert, offenbart die Angabe zur CO2-Emission. Auf welchem Level sich das Haus unterm Strich befindet, ob es nah an den Passiv­hausbereich kommt oder sich eher im Bereich eines Standard-Neubaus bewegt, erschließt sich über einen weiteren, klein abgedruckten Bandtacho, auf dem die verschiedenen Häuser-Typen bezüglich ihrer Endenergiebedarfe eingeordnet sind.

Wegweiser Gebäudeenergieausweis

Noch mehr Informationen, Checklisten und viele weitere Begriffserklärungen
bietet der Ratgeber „Wegweiser Gebäudeenergieausweis“ von Angelika Wertenson, Katrin Mezger und Annette Goller. 144 S., 2009, Beuth Verlag, 14,80 Euro, ISBN 978-3-410-17471-4

Wer stellt den Energieausweis aus?

Die komplizierten Berechnungsgrundlagen erfordern spezielles Fachwissen. Das Dokument darf unter anderem von Energieberatern mit Bauvorlagenberechtigung ausgestellt werden. Mancher Architekt hat sich bereits entsprechend weitergebildet oder beschäftigt Mitarbeiter, die über die notwendige Zusatzqualifikation verfügen. Auch viele Fertighausanbieter haben reagiert und übergeben ihren Bauherren automatisch nach Abschluss der Arbeiten nicht nur den Schlüssel, sondern zugleich den Energieausweis. Bei Bau­trägerfirmen funktioniert das oftmals weniger gut.

Energiepass unbedingt einfordern

Bauherren sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie auf Anfrage den Energieausweis vorlegen müssen und diesen unbedingt einfordern, falls sie ihn nicht zusammen mit den anderen Bauunterlagen ausgehändigt bekommen. Er ist ab Ausstellung zehn Jahre gültig, es sei denn, Umbauten, Sanierungen oder Erweiterungen machen die Ausstellung eines neuen Ausweises früher nötig.


Leider sind Mängel bei der Qualität der Energieausweise wie auch der Bauausführung gang und gäbe. Das zeigt eine Untersuchung, die der Verband Privater Bauherren (VPB) 2010 durchführen ließ. Der private Bauherr bekommt häufig nicht das, wofür er bezahlt, denn rund 30 Prozent aller Neubauten entsprechen nicht den Anforderungen der Energieeinsparverordnung und fast die Hälfte aller EnEV-Nachweise sind falsch berechnet. Laut VPB werden unter anderem schlechtere Dämmstoffe verwendet, als den Berechnungen zugrunde liegen, oder es werden Maßnahmen zur Aufbesserung der energetischen Werte hineingerechnet, die gar nicht ausgeführt werden.

Begriffe rund um den Energiebedarf

Energiebedarf: Bezeichnet diejenige Energiemenge, welche zum Betreiben oder zur Aufrechterhaltung eines Prozesses zugeführt werden muss. Im Bedarfsausweis wird er durch zwei Größen ausgewiesen, die beide zur Darstellung der Energieeffizienz des Gebäudes wichtig sind. Zum einen durch den Jahresprimärenergiebedarf und zum anderen durch den Endenergiebedarf.

Endenergiebedarf: Ist die auf Basis der individuellen Daten eines Gebäudes berechnete Energiemenge, die dessen Anlagentechnik braucht, um die Innentemperatur, den Wasserbedarf und die notwendige Lüftung des Gebäudes sicherzustellen. Er zeigt sozusagen den theoretischen Netto-Energiebedarf eines Gebäudes an, ohne den Primärenergieaufwand zu berücksichtigen.

Primärenergiebedarf: Ist eine im Bedarfsausweis eingetragene Größe, die sich aus dem Wärmeenergiebedarf eines Gebäudes plus dem Energiebedarf, der zur Bereitstellung dieser Wärme – also für Transport, Umwandlung, Antrieb der Anlagentechnik und so weiter –, benötigt wird, zusammensetzt.

Heizwärmebedarf: Spiegelt die Wärmeverluste durch die Gebäudehülle wider. Durch diese Zahl kann man unter anderem erkennen, wie gut die Dämmqualität oder Dichtheit ist.

Energieausweis mit dena-Gütesiegel

Auf Nummer sicher gehen Bauherren, wenn sie Planung und Ausführung ihres Bauvorhabens durch einen Sachverständigen überprüfen lassen. Den findet man unter anderem bei Verbraucherschutzverbänden wie dem VPB, dem Bauherren-Schutzbund oder den Verbraucherzentralen. Ebenso dienen Zertifizierungen, wie sie die Deutsche Energieagentur (dena) anbietet, der Sicherheit des Bauherren.

Die Vergabe des dena-Gütesiegels ist an die Einhaltung strenger Qualitätskriterien bei Ausstellung und Überprüfung geknüpft. Allerdings werden im Neubau nur Gebäude damit ausgezeichnet, die den gesetzlich vorgeschriebenen Energiestandard unterschreiten. Häuser mit 30 Prozent weniger Verbrauch können das dena-Gütesiegel Effizienzhaus 70 erhalten, weitere Stufen sind Effizienzhaus 55 oder 40.

Das Gütesiegel muss beantragt werden. Die Kosten für ein Ein- bis Zweifamilienhaus liegen derzeit bei 130 Euro und sind gut angelegtes Geld. Denn klar ist: Wo Effizienzhaus draufsteht, ist Effizienzhaus drin. Das verrät nicht nur die Plakette, die am Haus angebracht werden kann, sondern darüber hinaus ein Stempel samt einer speziellen dena-Identifikationsnummer im Energieausweis. Ein Energieausweis mit dena-Gütesiegel ist ein zuverlässiger Qualitätsausweis, der sicherstellt, dass die geplanten Energiewerte auch tatsächlich erreicht wurden. Die ersten Unternehmen der Fertighausbranche bieten ihre Effizienzhäuser bereits inklusive diesem Effizienz-Label an.

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Inhalt:
Energieausweis für Vermieter- leicht gemacht Die Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Energieausweis


Mehr Informationen über:

Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena):
Tel.: 0 30/72 61 65-0,
www.dena-energieausweis.de
Hier werden Hausbesitzer
umfassend informiert.

Zukunft Altbau-Beratungstelefon: 0 80 00/12 33 33
Hier werden Experten aus der Region vermittelt.

BAFA Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle:
fördert Energiesparberatung vor Ort, dabei kann auch
Energieausweis erstellt werden.
www.bafa.de


Einzelne Umweltministerien der Länder:

gewähren Zuschüsse zur Beratung.

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