Modernisieren mit dem Energieberater

Ein Energieberater ist der professionelle Partner des Hauseigentümers bei einem Umbau und bei allen Fragen rund um die Energie. Um ein Haus komfortabler und energieeffizienter zu machen, ist fachliche Planung erforderlich, durch den Energieberater, Architekten oder Bauingenieur. Und die Umsetzung der Planung durch professionelle Handwerker.

Energieberater unbedingt rechtzeitig hinzuziehen

„Ich werde in der Regel gerufen, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.“ Sagt Paul von Haxthausen, Energieberater mit Büro in Grasbrunn bei München. Wie ihm geht es Baufachleuten und insbesondere Energieberatern oft, sie werden hinzugezogen, wenn der Auftraggeber bereits viel Geld vernichtet hat, weil er nicht rechtzeitig Beratung gesucht hat. Nur manchmal hat einer Glück und ein Profi stoppt ihn vorher. Einer seiner Kunden, so von Haxthausen, wollte sich eine Solaranlage aufs Dach setzen, der Installateur aber stellte kurz vor Beginn der Maßnahme fest, dass das Dach marode war. Die Montage hätte ohne die Beratung unweigerlich zu noch schlimmeren Schäden geführt.

Experten der Verbraucherzentrale warnen vor Eigenleistungen

Immerhin war hier ein Handwerker beteiligt. Häufig genug jedoch legen Hausbesitzer ohne jede fachliche Informationen und Unterstützung los und gefährden sich und andere, reißen zum Beispiel eifrig alte, asbesthaltige Cushion-Vinyl-Beläge (auch: Floor-Flex-Platten) heraus und setzen dabei die krebserregenden, feinen Asbestfasern frei. Oder sie entfernen statisch wichtige Teile in ihren Gebäuden, führen unsachgemäße Arbeiten an Elektro- und Sanitärinstallationen durch, die Personenschäden, Wohnungsbrände, Wasserschäden zur Folge haben können. Eigenleister neigten überdies allgemein dazu, sich selber zu über- und den Zeit- und Materialbedarf zu unterschätzen, warnen die Experten der Verbraucherzentrale. Auch die Kosten – denn anders als Profis bekommen sie im Fachhandel selten Rabatte. Und während Kunden von Handwerkern Gewährleistungsansprüche haben, haben sie das Nachsehen. Auch im Bereich Energie, sei es Dämmung oder Anlagentechnik, sind Eigenleistungen mit Vorsicht zu genießen.

Energetisch sanieren ist eine anspruchsvolle Aufgabe

Dazu werden die Aufgaben innerhalb der vielen verschiedenen Gewerke tendenziell anspruchsvoller. Fensterbauer und Zimmerer etwa müssen heute auch etwas von luftdichter Abdichtung verstehen. Strömt durch undichte Stellen rund um die Fenster warme Innenraumluft nach außen, entstehen erstens Energieverluste, zweitens kondensiert die enthaltene Luftfeuchte im Wandaufbau, was zu Schimmel führen kann. Wer sich so eine Aufgabe als handwerklicher Laie ohne Beratung vornimmt, darf sich über Mängel nicht wundern.

Unabhängige Energieberatung hilft, Fehlsanierungen zu vermeiden

Handwerker im Haus garantieren dabei alleine noch keinen Modernisierungserfolg. Ihre Arbeiten müssen organisiert, überwacht, müssen zeitlich aufeinander abgestimmt werden. Von Haxthausen erzählt von einem Heizungsinstallateur, der sich mit der Kettensäge in einer Trockenbauwand den Platz für seine Rohre schaffte. Leider kein Einzelfall – luftdicht ist so eine Wand anschließend nicht mehr. Und noch immer werden Außendämmungen ohne vorherige Planung angebracht und dabei der Sockel oder auskragende Balkone vergessen. Dann ist der Wärmeschutz unvollständig, an den kalten Stellen schlägt sich innen die Luftfeuchte nieder. Unabhängige Energieberater sind dazu da, solche Fehlsanierungen zu verhindern. Sie sehen sich das Gebäude genau an, vom Keller bis zum Dach, und empfehlen im Rahmen ihrer Energieberatung die entsprechenden Maßnahmen sowie die Reihenfolge, erstellen einen Sanierungsfahrplan. Sie können die notwendigen Aktionen gleich auch im Detail planen, bei der Handwerkersuche helfen und die Bauüberwachung übernehmen. Von ihrer ursprünglichen Ausbildung her etwa Handwerksmeister, Bauingenieure oder Architekten, sind sie verpflichtet, sich regelmäßig fortzubilden, um mit der technischen Entwicklung im Bauwesen Schritt zu halten. 

Fachkräfte rund um die Renovierung

Im wirklichen Leben allerdings geht es neben der Energieeinsparung um Wohnraumerweiterung, Umnutzung, Barrierefreiheit. Hier braucht es jemanden, der dem Auftraggeber zuhört, der weiter fragt, danach, wie wohl die Bedürfnisse in zehn Jahren, in 30 Jahren sein werden, der die konkreten Wünsche ermittelt, und die Informationen schließlich in umsetzbare Pläne „übersetzt“. Das kann sowohl ein Architekt oder auch ein Bauingenieur sein. Er ist wie der Energieberater nur dem Hausbesitzer verpflichtet. Andererseits: Fähige Architekten und Ingenieure kennen ihrerseits fähige, verlässliche Handwerker, werden es gerade deswegen nicht zulassen, dass die zu Dumpingpreisen arbeiten müssen. Einmal ganz davon abgesehen, dass die Fachkräfte in bestimmten Regionen volle Auftragsbücher haben und sich auf nichts einlassen müssen. 

Die Kosten eines Experten rechnen sich

Bauen wird immer komplexer, so Paul von Haxthausen, es müsse daher von Anfang an jemanden geben, der den Überblick behalte, der verhindere, dass der dritte Schritt vor dem ersten erfolgt. Kommt es dennoch zu Problemen, hat der Auftraggeber nur eine Adresse, an die er sich wenden muss. Die Architektenkammer Hessen glaubt, den geldwerten Vorteil der Expertenleistung für Hausbesitzer beziffern zu können: „Jeder Euro, der in eine qualifizierte Planung investiert wird, spart zwei Euro an unerwünschten Folgekosten.“ Sprich: an Lehrgeld. Das gilt auch und insbesondere für die Energieberatung.

Fachleute für die Renovierung finden

Bauherrenseminare: Um nicht ganz unbeschlagen und ohne Beratung an das eigene Modernisierungsprojekt heranzugehen, kann man herstellerunabhängige Bauherrenseminare besuchen, organisiert zum Beispiel von Architektenkammern, Volkshochschulen, Verbraucherzentralen.

Energieberatung: Energieberater erstellen auf Wunsch einen iSFP, einen „individuellen Sanierungsfahrplan für Wohngebäude“, der nicht nur die sinnvollsten Maßnahmen nennt, sondern auch die sinnvolle Reihenfolge. Sie informieren ebenso über die jeweils möglichen Förderungen durch KfW, BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) sowie weitere Institutionen, etwa des Landes oder der Kommune. Ihre Leistung wird ebenfalls gefördert, sie müssen allerdings auf der von der dena, der Deutschen Energie-Agentur GmbH, betreuten Experten-Liste vertreten sein: www.energie-effizienz-experten.de

Handwerker, Bauingenieure, Architekten finden: Handwerker findet man z. B. über die sozialen Medien und Kleinanzeigen-Portale. Einige werben dort gezielt, werden bewertet (ob objektiv, ist manchmal fraglich). Dann gibt es die Listen der Handwerkskammern, die einzelnen Berufsgruppen organisieren sich in den Innungen. Darüber hinaus helfen vor allem Empfehlungen von Bekannten, Verwandten und Freunden. Sofern möglich, sollte man sich Referenzobjekte ansehen. Ebenso bei der Suche nach dem richtigen Architekten oder Bauingenieur für das eigene Umbauprojekt. Die Architekten- und Ingenieurkammern führen überdies Fachlisten, über die man Personen mit besonderen Qualifikationen findet, zum Beispiel in den Bereichen Denkmalpflege, Planung von Wärmepumpen, Solaranlagen usw.

Rechtliches: Den Vertrag sollte man gemäß Verbraucherzentrale auf jeden Fall schriftlich fixieren, den Fertigstellungstermin festlegen und ggf. Vertragsstrafen vereinbaren. Wird der Kostenvoranschlag um 15 bis 20 % überschritten, muss der Auftragnehmer den Kunden darauf hinweisen, der dann kündigen kann.

Info-Adressen:
VPB, Verband Privater Bauherren e.V.
www.vpb.de

BSB, Bauherren-Schutzbund e.V.
www.bsb-ev.de

Energieberater und Energieausweis

Der Energieausweis oder Energiepass soll den Vergleich zwischen den verschiedensten Gebäuden in puncto Effizienz ermöglichen. Altbaubesitzer müssen ihn im Falle der Vermietung oder des Verkaufs vorweisen können. Hat man vor zu modernisieren, ist der Energiepass der krönende Abschluss der Maßnahme.

Ausgestellt wird er vom Energieberater. Man kann inzwischen von einer 'Berater-Schwemme' sprechen, derart viele Bauingenieure, Architekten, aber auch Handwerksmeister und selbst Baustoff-Fachhändler dürfen diese Bezeichnung tragen. Über die Qualität ihrer Beratung sagt das noch nichts aus. Wichtig für den Auftraggeber ist, dass sie von den Förderinstitutionen anerkannt werden, unabhängig sind von ausführenden Handwerkern, Baustoff- oder Haustechnik-Herstellern und über gute Referenzen verfügen. Auch sollten sie in der Nähe wohnen. Man findet Experten der Energieberatung zum Beispiel in den Listen der jeweiligen Landes-Architektenkammern, der Branchenorganisationen, außerdem in denen von BAFA und dena.

Das BAFA, das 'Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle', fördert die so genannte Vor-Ort-Beratung. Es führt auf seiner Website lediglich die Adressen der von ihm anerkannten Energieberater auf, macht keine Aussagen über deren Qualifizierung: www.bafa.de – weiter über die Menüpunkte Energie und 'Energiesparberatung' zu 'Beratersuche'.

Die dena, die Deutsche Energie-Agentur GmbH, hat im Internet eine eigene Datenbank eingerichtet, in der die Berater ihre Schwerpunkte und Referenzen nennen können: www.zukunft-haus.info/experten.

Das DEN oder Deutsche Energieberater Netzwerk ist demgegenüber ein eingetragener Verein. Seine Mitglieder verpflichten sich gemäß ihrer Satzung zur Unabhängigkeit. Auf der Website www.den-ev.de findet sich eine recht detaillierte Suchmaske für Informationen.

Energieberater als Begleiter

In der Tat hat es eine energetische Rundum-Modernisierung in sich – eine neue Heizung, Austausch der Fenster, ein besonders dicker Mantel aus Dämmstoff gehören dazu. Allerdings ist dieses Komplettpaket nicht überall notwendig.

Vor überzogenen Erwartungen und vorm Geldverbrennen bewahrt den Eigentümer ein fähiger Energieberater, der sich im Gestrüpp der Paragraphen auskennt, die Maßnahme plant und dafür sorgt, dass die Geschichte fehlerfrei über die Bühne geht.

Erfahrene Kräfte haben eine regelrechte Haus-Typologie im Kopf, können schon nach einem kurzen Blick einiges zu Baujahr, Bauweise und Schwachstellen sagen und entsprechend ihre Beratung gestalten. Anschließend sehen sie sich eventuell vorhandene Pläne und Unterlagen an, untersuchen das Objekt bezüglich seiner Energie-Bilanz vom Keller bis zum Dach, fertigen notfalls mit der Wärmekamera eine Thermografie an, die verrät, wo überall die Energie verloren geht.

Forderungen der EnEV, der Energie-Einspar-Verordnung

Die häufigsten Schwachstellen sind Dach und Keller. Nicht von ungefähr fordert die EnEV im Falle des Eigentümerwechsels zuerst die Dämmung der 'obersten Geschossdecke', also der Böden von nicht ausbaufähigen Dachräumen, ferner die Dämmung aller durch unbeheizte Räume verlaufenden Heizungs- und Warmwasserleitungen. Das ist natürlich nur ein Bruchteil des Machbaren – zu klären im Rahmen einer Energieberatung.

Wo der Dachraum begehbar und ausbaufähig ist, steht Dämmung der Schrägen an. Dämmung der Kellerdecke von unten wäre der nächste Punkt, gegebenfalls die der Kellerwände von außen (Perimeterdämmung).

Ein Energieberater wird auf Basis aller Informationen mehrere Vorschläge zum Vorgehen machen sowie je einen Förderplan aufstellen, kennt er doch die möglichen Finanzhilfen. Last, but not least kümmert er sich um den Antrag auf Förderung seiner eigenen Dienstleistung.

Finanzielle Förderung durch die KfW

Die KfW fördert die Begleitung der Modernisierungsmaßnahmen durch einen Sachverständigen mit einem eigenen Programm. Es gilt nun, einen gprüften Energieberater zu finden, der ersten von den Herren über die Fördertöpfe anerkannt wird und der zweitens sein Können nachweisen kann. Der sich nicht im Wochenendseminar qualifiziert, sondern eine intensive, in die Tiefe gehende Weiterbildung abgeschlossen hat, wie sie zum Beispiel die Bayerische Architektenkammer anbietet. Schließlich muss er in der Lage sein, das Haus als Ganzes zu betrachten.

Förderung

Finanzielle Förderung, auch für Energieberatung, erfolgt sowohl durch den Bund als auch durch manche Länder und Kommunen. Kennt der Energieberater ebenso die lokalen Geldquellen, kann er den optimalen Fördercocktail zusammenstellen.
Zur eigenen Orientierung dienen dem Hausbesitzer vorab diese Seiten im Internet: www.foerderbank.de des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, www.thema-energie.de der dena, der Deutschen Energie-Agentur, daneben www.energiefoerderung.info des BINE Informationsdienstes, www.bauförderer.de der Verbraucherzentralen sowie die von Unternehmen der gesamten Baubranche unterhaltene Website www.foerderdata.de.
Allerdings ersetzen die Seiten keine individuelle Beratung!

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