Energieberatung für bessere Wärmedämmung

Beim Thema Wärmedämmung bei der energetischen Sanierung sollte man auf Energieberater hören, nicht auf „Dämmkritiker“. Energieberatung zeigt dem Hausbesitzer, wie er mit der richtigen Dämmung ein Maximum an Energie einspart.

Das Öl war billig, der Kessel durfte rund um die Uhr bullern – Häuser der Fünfziger, Sechziger und frühen Siebziger, nur schlecht oder gar nicht wärmegedämmt, gelten bei Energieberatern seit jeher als Problemfälle. Leider sind viele von ihnen noch heute Energieschleudern. Der Wärmeschutz von Neubauten sei mehr als sechsmal so gut, so Dipl.-Ing. Werner Eicke-Hennig vom Energieinstitut Hessen. Die Außenflächen der Altbauten sind also im Grunde Kühlflächen. Es muss dringend etwas geschehen.

Wärmedämmung - vier große Irrtümer

Weil Wärmedämmung nach Aufwand und hohen Kosten klingt, finden die „Dämmkritiker“ leicht Gehör: Dämmung sei ein Brandbeschleuniger, führe zu Schimmelbefall im Haus, verhindere Speicherung der Sonnenwärme in der Außenwand und brächte keine nennenswerte Energieeinsparung.

Bei näherer Betrachtung der Brandfälle stellte sich allerdings bisher immer heraus, dass die Dämmung, wenn überhaupt, oft genug nur eine untergeordnete Rolle spielte – und schon gar keine als Beschleuniger (auch nicht am 14. Juni 2017 in London, als der Grenfell-Tower brannte).

  • Von 1954 stammt dieses Gebäude, die Außenwände, 24 Zentimeter stark, bestanden aus Ziegeln. Dämmung? Fehlanzeige. Foto: Deutsche Rockwool
  • Dann kamen 20 Zentimeter Steinwolle auf die Fassade, und der Wärmeschutz verbesserte sich fast bis auf Passivhausniveau. Foto: Deutsche Rockwool

Wer vor Schimmelbefall durch Dämmung der Haushülle warnt, glaubt noch an die „atmende Wand“. Doch den Luftaustausch durch geschlossene Wände gibt es nicht, und die Diffusion, die Wanderung von Wassermolekülen durch die Bausubstanz, funktioniert auch mit Wärmedämmung. Die schützt sogar vor Schimmel: die Innenseiten der Außenwände bleiben warm, die Feuchte der Raumluft schlägt sich dort kaum noch nieder.

Speicherung der Sonnenwärme in einer ungedämmten Wand findet zwar in gewissem Maße statt (im Sommer, wenn man sie nicht braucht – weswegen Wärmeschutz zugleich Hitzeschutz wäre), die Wärmeverluste in der Nacht und im Winter sind aber um vieles größer.

Und dass Wärmedämmen sich generell nicht lohnt, kann nur behaupten, wer die bei einer Fassadensanierung ohnehin anfallenden Gerüst-Kosten mit berechnet und außerdem bei der Erfolgskontrolle noch den Warmwasserverbrauch. Der mit der Raumheizung nichts zu tun hat.

Gesetzliche Bestimmungen - EnEV - Förderung

EnEV-Vorgaben: Wird die Fassade des Hauses saniert, z. B. der Putz erneuert, muss gedämmt werden. Dabei dürfen bestimmte U-Werte (W7m2K) nicht überschritten werden (wird die Maßnahme gefördert, sind evtl. höhere Anforderungen zu erfüllen):

Außenwände0,24
Dachflächen, Dachgauben, Wände gegen unbeh. Dachraum, oberste Geschossdecken0,24
Dachflächen mit Abdichtung (Flachdächer)0,20
Bodenplatte gegen Erdreich, Wände gegen Erdreich od. unbeh. Räume, Decken gegen Erdreich od. unbeh. Räume0,30

Förderung: Zinsgünstige Kredite und Zuschüsse gibt es von der KfW, die auch die Baubegleitung unterstützt. Das BAFA, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, bezuschusst die „Vor-Ort-Beratung“ durch einen unabhängigen Energieberater (Infos unter: www.energie-effizienz-experten.de).

Wärmedämmschutz von außen

Erster Ansprechpartner ist der Energieberater, der das Gebäude begutachtet und am besten mit der Wärmebild- oder Thermografie-Kamera aufnimmt, um die Haupt-Wärmelecks aufzuspüren. Die Wahl des Materials hängt davon ab, wo gedämmt wird – Dach, Keller, Fassade – und mit welchem Verfahren. 

Außenwände kann man mit einem Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) aufrüsten, bestehend aus starren Platten aus beispielsweise EPS-Hartschaum (Expandiertes Polystyrol – „Styropor“), Mineralwolle, Holzweichfaser oder Hanffaser, gefolgt von Unterputz mit Armierungsvlies und Oberputz. Ist bereits eine Dämmschicht vorhanden, die noch einigermaßen intakt ist, kann aufgedoppelt werden.

Eine etwas kostspieliger Art des Wärmeschutzs, dafür noch robuster, ist die vorgehängte, hinterlüftete Fassade (VHF). Hier dient die Dämmlage nicht als Putzträger, sondern wird von einer harten Verschalung geschützt, darf also etwas weicher, elastischer sein. Eine Luftschicht zwischen Wärmeschutz und Verschalung dient der Austrocknung. Wichtig: Dämmungen aus Naturfasern müssen aufgrund ihrer etwas schlechteren Isoliereigenschaften dicker ausfallen als Mineralwolle-Dämmungen, die ihrerseits dicker sein müssen als EPS-Aufbauten.

Dämmschutz von Innen

Zeigt das Haus eine erhaltenswerte Sichtfachwerk- oder Stuckfassade, wird statt von außen, an der Fassade von innen isoliert. Auch die Innendämmung muss individuell ans Gebäude angepasst werden: Ist sie zu stark, kühlt die Wand dahinter zu sehr aus, Feuchte, durch zum Beispiel Schlagregen eingedrungen, entweicht nicht oder zu langsam. Je nach individueller Bausituation werden mineralische Materialien wie Kalziumsilikatplatten oder Lehm-Schilf-Matten eingesetzt oder auch XPS-Hartschaum-Matten zur Wärmedämmung verwendet.

Die wichtigsten Dämmstoffe im Überblick

Auf Verpackung oder Lieferschein wird die "Wärmeleitgruppe" oder WLG angegeben, in die der betreffende Dämmstoff gehört. Die Einteilung erfolgt in 5er-Schritten, 035, 040, 045 usw., meist finden sich Zahlen zwischen 020 und 070. Diese Einordnung beruht auf dem λ-Wert (Lambda-Wert) des Materials, der Wärmeleitzahl.

Über das Brandverhalten gibt die "Baustoffklasse" Auskunft: A1 = nicht brennbar; A2 = wie A1, mit geringem Anteil brennbarer Bestandteile; B1 = schwer entflammbar (Mindestanforderung für Häuser mit mehr als zwei Vollgeschossen); B2 = normal entflammbar (Mindestanforderung für Häuser mit bis zu zwei Vollgeschossen).

Energetische Dämmung - viel hilft viel

Beim Dämmen, so Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher jüngst im Deutschlandfunk (28.09.2017), ist mehr wirklich mehr. Neben der so erzielten Energieeinsparung, mit der man die Öl- und Gas-Multis ärgern kann, ergibt sich ein weiterer schöner Effekt: Im Winter ist es in Nähe der Wände plötzlich viel besser auszuhalten als vorher, da die „Kältestrahlung“ entfällt, der Entzug von Wärme durch die kalten Mauern, typisch für unsanierte Gebäude der Wirtschaftswunderzeit. Fazit: Zeit für ein Wärmewunder. 

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